Stärkung Betriebsrentengesetz -> Einfluss auf ÖD?

Begonnen von Aleksandra, 27.02.2026 11:20

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Rentenonkel

Zitat von: Warnstreik in Heute um 13:17Genau das was du beschreibst ist doch das eigentliche Problem: Ja, es kann sich lohnen, aber nur bei quasi maximalem Förderanteil. Wo du recht hast: Es lohnt sich mehr als gar keine weitere Altersvorsorge zu betreiben. Aber warum müssen denn die Produkte so schlecht sein, dass all das was der Kapital-/ Geldmarkt hergibt quasi ausnahmslos bei den Anbietern bleibt? 

Diese Frage habe ich mir auch schon oft gestellt. Eine Reform wäre überfällig.

Zitat von: Warnstreik in Heute um 13:17Ich mag das "Privat vor Staat" nicht so gerne, da es eben ein ziemlicher Kampfspruch ist. Ich finde, dass es hier die Mischung macht: Die gesetzliche Rente wird immer ein relevanter Teil der Altersvorsorge sein und dieses sollte auch für alle so sein. Alles darüber hinaus ist in meinen Augen sehr subjektiv. Ich fände es gut, dass der Staat hier die Weichen stellt - mit dem Altersdepot z.B.. Wer dies aber nicht nutzen möchte sondern andere Wege geht, der soll das tun. Das sind alles erwachsene Menschen, die bis zur Rente 50 Jahre haben um erwachsene Entscheidungen zu treffen. Wer explizit nicht möchte, der muss dann im Alter kürzer treten.

Solange die gesetzlich geförderte Altersversorgung bei den meisten Menschen ausreicht, um sich ein Leben im Alter oder bei Erwerbsminderung auch ohne weitere Vorsorge oberhalb der Grundsicherung leisten zu können, bin ich grundsätzlich bei Dir. Ich finde es allerdings problematisch, wenn der Gesetzgeber staatliche Leistungen kürzt und private in dem Wissen fördert, dass weniger als die Hälfte der Arbeitnehmer sich am Ende für eine private Vorsorge entscheiden und dann der Steuerzahler im Alter das Ganze wieder für diejenigen auffangen muss, die nicht gespart haben.

Zitat von: Warnstreik in Heute um 13:17Ich schaue erstmal nur auf die Belastungsseite. Und da sind Kapitalerträge eben nicht gering sondern sogar recht hoch belastet, mit ca. 50%. Das schaffen (ohne Rentenbeiträge) selbst mit Arbeitgeberanteil nur sehr sehr wenige Einkommen. Würde man das signifikant steigern, hätte man die Aktien- und damit auch die aufkommende Vorsorgekultur direkt im Keim erstickt. Im Vergleich zur (nicht so weit entfernten) Vergangenheit, wird Einkommen aus Kapital schon ziemlich stark belastet, und das ist auch gut so. Aber alles Gute was man versucht kann schnell umschlagen und das Gegenteil bewirken, vor allem Bürokratie: Gibt es weiterhin eine Bemessungsgrenze? Was ist mit Menschen, die weder in der Kranken-/Pflegeversicherung noch in der Arbeitslosenversicherung pflichtig sind? Mich schreckt das alles ab - ich glaube würde man erstmal alle Menschen gleich behandeln, dann wäre schon viel geholfen.
Alles andere kann man sicher diskutieren - wäre aber ein massiver Bruch im System (Sozialbeiträge quasi als Quellensteuer?) und würde, so die Steuerbelastung nicht gesenkt wird, Kapitalerträge massiv belasten. (deutlich mehr als Arbeit)

Ich danke Dir und allen anderen für Eure Betrachtungen. Die Zahlen, die ich bisher gefunden habe, deuten aber eher darauf hin, dass das Gegenteil der Fall ist, also kleinere und mittlere Einkommen aus Arbeitseinkommen und Arbeitsentgelt im Verhältnis zu ihrem Einkommen mehr zu der Stabilisierung des Staatshaushaltes und der sozialen Sicherungssysteme beitragen als Menschen mit überwiegend passivem Einkommen.

BAT

@ Rentenonkel:

Magst Du mir dein Alter und Region/ Stadt nennen?

Zur Verunselbständigung: das hat ja nicht nur mit dem Sozialsystemen zu tun, sondern z. B. auch mit dem Arbeitsrecht, es ist eine tarifliche und keine staatliche Aufgabe, zu Arbeitszeiten oder auch Mindestlöhnen zu machen.
Oder jetzt die Touristen in Dubai, etc. - da braucht der Mensch eine konkrete Reisewarung, wo doch jeder halbwegs informierte Mensch sehen konnte, dass dort was hoch kochte.

Und auch bei der Rente das gleiche Spiel: Eingriff in Säule 2 und 3, weil Säule 1 aufgrund der staatlichen Politik zum Wohnraum nicht mehr ausreicht. Probleme, die durch Politik aufgetan werden - nehmen wir auch die Energiepreise - werden mit weiteren politischen Maßnahmen bekämpft.

BAT

Zitat von: Warnstreik in Heute um 13:23Wer bestimmt denn was "soll" und was "nicht mehr korrekt" ist? Ist nicht genau das Teil des Diskurses?

Man muss die Menschen mitnehmen.

Das passiert ja eben nicht. Bloß nicht die größte Wählergruppe an die Karre fahren. Es wird den Menschen zu wenig zugetraut. Sehr große Teile wissen und akzeptieren es auch, dass in der GRV stark umgesteuert werden muss. Nur durch diese jahrzehntelange Missachtung der Demografie und aus Angst vor dem Wähler ist es doch erst bei einigen Personen dazu gekommen, dass die erste Säule nicht ausreicht.

Und auch die andere Seite wird völlig missverstanden. Mir ist zumindest nicht bewusst, dass große Teile der betroffenen Menschen auf die Straße gegangen sind, um eine Mütterrente zu erhalten oder mit 45 Jahren in Rente zu gehen. Nein, die haben sich in meinem Umkreis an den Kopf gefasst und das Geld mitgenommen. Teils dann auch andere Parteien gewählt, die möglicherweise besser mit geld umgehen können.

Eine Stärkung von Säule 2 und 3 befeuert möglicherweise ein weiteres Rumasen bei Säule 1.

Warnstreik

Zitat von: BAT in Heute um 17:05Zur Verunselbständigung: das hat ja nicht nur mit dem Sozialsystemen zu tun, sondern z. B. auch mit dem Arbeitsrecht, es ist eine tarifliche und keine staatliche Aufgabe, zu Arbeitszeiten oder auch Mindestlöhnen zu machen.

Bei Mindestlöhnen haben wir über Jahrzehnte gesehen, wie es eben nicht funktioniert. Und das lag nicht daran, dass die Arbeit nicht mehr wert wäre sondern schlicht daran, dass die Gruppe von Menschen, die das betrifft, keine Power haben um auch nur irgendetwas umzusetzen. Im Gegenteil - Schröders Agendapolitik hat die Menschen in die Arme von Ausbeutern (jeglicher Couleur) getrieben, "friss oder stirb". Was wir jetzt sehen ist, dass als einziges Puzzleteil damals eben genau dieser Mindestlohn gefehlt hat. Von derzeitigen Mindestlöhnen wird niemand reich - man kann aber davon leben und der Abstand zum Bürgergeld ist vorhanden. Lange Rede kurzer Sinn: Politik muss genau da aktiv werden, wo Menschen sich nicht selbst helfen können. Gleiches beim Arbeitszeitgesetz. Das sind die Banden, an die man sich eben als Arbeitgeber (und AN) halten muss - Gründe, wieso das wichtig ist gibt es viele.