Öffentliche Ungerechtigkeit im Öffentlichen Dienst

Begonnen von hausuadaiviet, 05.03.2026 21:04

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clarion

50% Stelle machen auch nur 50% Arbeitsleistung. Ich glaube nicht, dass jemand, der 20 Stunden/Woche arbeitet, im wissenschaftlichen Betrieb ernst genommen wird.


vanquy.cong

Dieses Thema habe ich mit meinem Kumpel ausdiskutiert :) .

Man kann sich ja vorstellen, dass jede Doktorarbeit anspruchvoll ist und tatsächlich eine Vollzeitsinvestition herausfordert. Daher ist es der Grund, warum ein Promotionsstudium anders ist als ein konventionelles Masterstudium und finanziell gefördert wird. Tatsächlich unterscheidet sich ein akademisches Umfeld nicht viel von einer Arbeitsumgebung, wobei man den Prof. als den Chef hat. Manchmal ist es noch viel stressiger, wenn man diesen Chef immer glücklich machen muss. Sonst kann es sein, dass man mit dem Abschluss spielt und die Zeitsinvestition umsonst ist. Das ist nicht wie normales Geldverdienst in der Industrie, wobei man den Arbeitsplatz ohne irgendwelches Ziel jedezeit verlassen kann.

Für die Ansicht des Autors habe ich zwei Lösungsansätze:
1) Man fördert gar keine Doktorarbeit mehr. Dann denke ich halt, dass man sich gründlich dafür entscheiden muss, ob ein Masterabschluss schon genug für einen Berufseinstieg ist oder ob man noch weitere Jahre als arbeitsloser freier Student unterwegs sein mag. Und vorraussichtlich wird die Anzahl der Promovierenden stark sinken.
2) Man fördert jede Doktorarbeit gleichermaßen, und zwar unabhängig von der Studienrichtung, weil niemand vorhersagen kann, ob die Ergebnisse von einer Doktorarbeit wirtschaftlich sind, auch wenn das von einem industriellen Partner gefördert wird. Schließlich dient eine Promotion an der Universität in erster Linie der Grundlagenforschung. So enttäuscht man die nächsten Generationen nicht, die native mit einem Lieblingsfach wie Musik oder Philosophie zur Uni gehen und dann mit einem vergebenen Masterabschluss am Jobmarkt verzweifeln. Außerdem wird ein traumatisches Drama wie das von Einstein nicht wiederholt, dessen wissenschaftliches Potenzial anfangs ebenfalls nicht ausreichend anerkannt wurde.

Nur warten oder hoffen kann man auf eine strukturelle Änderung oder auf einen herzensvoll für die Gesellschaft engagierten Menschen.



cyrix42

Moin,

du vermischst hier in deiner Überlegung die wissenschaftliche Qualifikation der Promotion mit der Tätigkeit als Wissenschaftliche_r Mitarbeiter_in; letztere enthält je nach Stellenprofil auch wissenschaftliche Tätigkeiten, die zur eigenen Qualifikation genutzt werden können und sollen, aber das sind durchaus nicht alle auf der Stelle übertragenen Aufgaben. Da gehört z.B. sehr häufig auch Lehre, administrative Tätigkeiten, Transfer und/ oder Mitarbeit in der akademischen Selbstverwaltung dazu. Insbesondere ist eine WiMi-Stelle (auch eine Quali-Stelle) keine "Promotions-Förderung"; oder zumindest nicht in erster Linie.

Es haben sich schon verschiedene Stellen Gedanken über die Beschäftigungssituation im akademischen Mittelbau gemacht, zuletzt etwa der Wissenschaftsrat. Da wird z.B. angeregt, vom Lehrstuhl-Prinzip (ein Prof, der alles unter sich hat und von dem alle anderen abhängig sind) zu einer Departement-Struktur zu wechseln, wo auf verschiedenen Ebenen viel mehr Personen zusammenarbeiten. Insbesondere wäre dann die fachliche Betreuung nicht unbedingt (und besser eher nie, solang es sich vermeiden lässt) der/ die disziplinarisch Vorgesetzte; dadurch umgeht man dann nämlich diese Abhängigkeitsverhältnisse...

Scull

Zitat von: MeTe in 14.03.2026 13:25An den Fragesteller: Ist alles nichts neues. 100h-Wochen, davon 20h bezahlt, die restlichne 80h unbezahlt (ohne Freizeitausgleich). Monate durcharbeiten ohne einen freien Tag (inkl. Feiertage und Wochenenden), während des Urlaubs sowieso. Wer nicht mitmacht bei der kranken Menschenschinderei, es wagt aufzubegehren, oder eben nur das arbeitet das bezahlt wird oder es wagt im Urlaub nicht zu arbeten, dessen 6 Monatsvertrag wird eben nicht um weitere 6 Monate verlängert und ist raus...

Problem ist, Verdi interessiert das nen scheiss ("Die verdienen später noch mehr als genug", ist halt über E9...), die Länder interessiert es nen scheiss (müsste ja sonst mehr bezahlen), die Unis interessiert es nen scheiss (denen kommt es sehr recht hochqualifizierte Fachkräfte mit Master-Abschluss zu nem Bruchteil des Mindestlohns zu beschäftigen) - also wer oder was soll daran etwas ändern?

Solange es noch genug motivierte und leistungsbereite junge Leute gibt die sich diesen Dreck freiwillig antun wird es auch so bleiben.

Ist absurd, ist unverschämt, aber so ist es eben. Für Doktoranden interessiert sich niemand...

Kann man zustimmen, aus eigener Erfahrung ^^ zwar keine 80h Woche, aber knapp 60h dürften es gewesen sein, gerade zu Experimentbetrieb im Schichtsystem. Sicherlich, die Arbeit selber hat Spaß gemacht (Mint-Forschung) und man bekommt ja seinen Dr., allerdings bringt er dann einem im öD leider nichts, im Gegensatz zu den Ärzten oder TA.


MoinMoin

Zitat von: Scull in Gestern um 09:19im Gegensatz zu den Ärzten
Wie? Ärzte bekommen mehr Geld, wenn sie promoviert sind?
Man lernt nie aus....

Faunus

Zitat von: MoinMoin in Gestern um 11:07Wie? Ärzte bekommen mehr Geld, wenn sie promoviert sind?
Man lernt nie aus....


1. Promotion von Ärzten = zeitl. & inhaltlich eine bessere Diplomarbeit
2. Nein, werden nicht besser bezahlt
3. Niemand wird gezwungen zu promovieren - das ist eine absolut freiwillige Entscheidung!

Und wer nicht lernt, sich gegen die Begehrlichkeiten seines Doktorvaters mit seine neigenen Interessen durchzusetzten, wird später ein noch schlimmerer Schinder für den Nachwuchs und ziemlcih sicher sich in das Heer der unfähigen Führungskräfte einordnen.

MoinMoin

Zitat von: Faunus in Gestern um 11:131. Promotion von Ärzten = zeitl. & inhaltlich eine bessere Diplomarbeit
2. Nein, werden nicht besser bezahlt
3. Niemand wird gezwungen zu promovieren - das ist eine absolut freiwillige Entscheidung!

Und wer nicht lernt, sich gegen die Begehrlichkeiten seines Doktorvaters mit seine neigenen Interessen durchzusetzten, wird später ein noch schlimmerer Schinder für den Nachwuchs und ziemlcih sicher sich in das Heer der unfähigen Führungskräfte einordnen.
zu 1.) oja, habe genügend begleitet, die habennoch nicht mal verstanden was die Biometriker da für sie ausgerechnet haben.
Aber zum Trost: Es gibt auch echte Promotionen bei Medizinier.
zu 2.) Dann irrt Scull also
zu 3.) Genau, ich habs mitgenommen, auch als klar war, dass ich nicht die wiss. Laufbahn gehen werde und hab natürlich Zeit da rein investiert, die ich nicht bezahlt bekommen habe.

Ob ich in der pW weniger Geld bekommen hätte ohne Titel? (kA)
Ob die Jobs nicht bekommen hätte ? Nö, die wollten mich und mein Spezialwissen und nicht den Titel.
Ob ich aktuell dadurch Vorteile habe? Ja! Die Juristen hören einem eher zu und glauben einem.

Scull

Zitat von: MoinMoin in Gestern um 11:07Wie? Ärzte bekommen mehr Geld, wenn sie promoviert sind?
Man lernt nie aus....


Naja der Titel nicht, darum ging es mir auch nicht, unvollständig ausgedrückt.
Der Aufwand ist vergleichbar, auch die Tiefe (also Studium + Prom. zu Studium + Facharzt)

TA oder Ärzte bekommen hier Minimum ab E14