E11 bzw. perspektivisch A10 in München – realistisch finanzierbar?

Begonnen von Ticx, 07.03.2026 17:25

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Johann

Zitat von: BAT in Heute um 18:15Gerade für Behörden, soweit diese keinen Ortsbezug haben, wäre es mal ganz gut, diese eher im ländlichen Raum anzusiedeln.
Hat man in Bayern tatsächlich vor 10 Jahren mal angefangen und jetzt Bilanz gezogen:
https://www.youtube.com/watch?v=woLr7AhWHgc (Kanal: BR24. Titel: Behördenverlagerung in ländliche Regionen: Bilanz nach zehn Jahren | BR24. Veröffentlicht: 24.03.2026)

WimmelbuchLeser

Zitat von: Ticx in 07.03.2026 17:25Hi zusammen

Ich habe vor kurzem eine Zusage (unter Vorbehalt einer positiven SÜ2) für eine Stelle bei einer Behörde im Raum München bekommen. Eingruppierung wäre zunächst E11 TVöD-L und ggf. Zulagen (welche wurden mir nicht gesagt, ich denke aber die typische München und/oder IT-Zulage?), perspektivisch nach etwa einem Jahr eine Verbeamtung auf Probe mit A10. München wäre eher der Wunsch meiner Frau, da Sie aus Hof kommt und es schon immer ihr Traum war, in (bzw. im Speckgürtel) München(s) zu leben.

In meinem Umfeld höre ich ständig Geschichten darüber, wie extrem teuer München geworden ist und dass selbst mit soliden Einkommen Wohnen schwierig sein soll - geschweige dann mit Behördengehalt. Mir ist klar, dass das stark von Lebensstil, Wohnsituation und Pendelbereitschaft abhängt. Da ich nicht aus München komme überlege ich gerade, ob das finanziell überhaupt realistisch ist ohne jetzt täglich mehrere Stunden zu pendeln. Trotzdem interessiert mich, wie Leute im öffentlichen Dienst vor Ort das einschätzen.

Kann man mit E11 bzw. später A10 im Raum München (+- 30min zum HBF entfernung) vernünftig leben, oder wird das durch Mieten und Lebenshaltungskosten schnell sehr eng? In welchen Dimensionen würden wir uns bei einer 2,5 - 3,5z 70-100qm Wohnung bewegen?

Das Leben in München unterliegt in der Tat gewissen Herausforderungen. Die Preise sind sehr hoch. Die Lebenshaltungskosten ebenfalls. Allein schon Deine Kfz-Versicherung könnte sich aufgrund Wohnort München/Umgebung um 120 Euro verteuern, sofern Du wohnhaft wirst. Die Frage, ob man hier mit E11 existieren kann, hängt sehr davon ab, wie weit Du/Ihr wirklich bereit seid, Euch - mit oder ohne Kinder? - zurückzunehmen. Bitte nicht falsch verstehen, München/Oberbayern ist schon schön. Es gibt auch genügend Fläche, doch bezahlbare, freie Wohnungen sind schon rar. Politisch vielleicht ja so gewollt.  Mietpreise sind extrem hoch - der Stil teils Badezimmer Style 70er Jahre etc. Ach, und die Vorredner haben was Mietteuerungen usw. angehen, oder was Erben/schlimmer Erbengemeinschaften angehen, recht. Oder Thema ist ja auch  Mietkündigungen aufgrund Eigenbedarf... Das hat dann schon so manche Familie wieder den Weg zurück beschert.

Eine (alte) Immobilie im Süden/Westen/Osten zum Kauf nahe München fängt realistisch gesehen bei 750.000 Euro samt Nebenkosten im Süden/Westen/Osten an. Und das ist dann keine Schmuckdose - eher eine oft noch zu flickende (Rumpel)Holzkiste. Teils sanierungsbedürftig ohne zeitgemäße Heizanlage. Aber bitte schau selbst auf den Immobilienseiten.

Wer sich dann abends bspw. zur Feierabendzeit bei Dunkelheit an die Autobahnen um München herum beobachtend postiert, stell eine Blechlawine an Autos Richtung Norden rollend fest. Je weiter man Richtung Nürnberg von München aus gesehen entfernt wohnt, desto mehr Glück kann man auf bezahlbaren Wohnraum haben.(Morgens geht der rollende Verkehr natürlich umgekehrt.)  Die Frage müsste dann lauten, was ist Dir später Deine Lebenszeit wert, wenn Du permanent pendeln musst!? 1,5 Stunden ist somit keine Seltenheit. Im Zentrum dann zu parken? Stress pur!  Und bei den aktuellen Benzinpreisen eine sehr belastende Situation obendrein. Vielleicht wäre aber eine Option mit der Bahn Richtung Augsburg eine bezahlbare Möglichkeit. 

Aber es gibt eben auch in München-Umland mitunter kommunale Behörden, die Stellenausschreibungen E5/E6/E7 tätigen. Solange Arbeitende eben für eine romantische Idee und viel Freizeitwert bereit sind, sich dafür einfangen zu, bitte... Das mag ja funktionieren, wenn der Ehepartner/in bei BMW arbeitet oder Schwiegerpapa ein Autohaus in der Umgebung führt. (Wie sieht es beruflich gesehen mit Deiner Frau aus?)  Doch auf Dauer "anständig" damit zu existieren, wird dann äußerst schwierig. Aber München und die Schickeria locken halt ungemein. Wer selbst sich finanziell zurücknimmt, kann gern dann die Umgebung beobachten, wie gut situierte Personen ihr Vermögen stolz präsentieren.  Teure Klassenfahrten für Kinder keine Seltenheit darstellen. Mitunter im Winter ins Kinder-Skigebiet  8) Im Fünfseenland kann man dann ein Porsche nach dem nächsten betrachten, während die normal arbeitende Bevölkerung mit unteren bis mittleren Einkommen sukzessiv rausgedrängt wird. Da arbeitet man doch dann gern für E5, um Parksünder aufzuschreiben  ;D Doch nach wenigen Jahren Romantik stellt man unweigerlich fest, dass man hier nicht "anständig" Mithalten kann bzw. eine Familie mit zwei bis drei Kinder kaum noch existieren kann.  Darum ist auch die Rate an Personen die Bayern wieder verlassen hoch. Samt dort geborenen Kinder von mitunter ehemaligen Behördenangehörigen. Das scheint der Heimatpolitik wohl nicht nah genug zu sein. Bedienstetenwohnung - wo noch? Familienbauprojekte verlaufen oft nach Auswahlverfahren und sind finanziell zu hoch angesetzt. Oberbayern schafft somit nach und nach ihre gängige personelle Infrastruktur ab. Gewisse Orte im Fünfseenland haben personelle Engpässe. Der Einzelhandel stirbt weg usw. Obwohl ich die Familienpolitik sehr gut finde - doch was nutzt das eben, wenn man als Behördenmitarbeiter sich ein Leben in dem "großflächigen" Bundesland mit kaum bezahlbaren Immobilien kaum noch leisten kann. Ein Eigenheim oft nur ein unerfüllbarer Lebenstraum bleibt. Handwerker sich für bezahlbare Renovierungsarbeiten kaum noch finden lassen. Ein Kreislauf halt. Man muss finanziell schon sehr geordnet sein, oder man hat Glück und Nerven bei der langen Suche.

Um auf noch wesentliche Punkte zurückzukommen, was bietet der Arbeitgeber (die besagte Behörde) Dir überhaupt gleich zu Anfang an Unterbringungsoptionen an? Aus guten Gründen muss man als Tarifangestellter erst die 6 Monate Probezeit absolvieren. Und diese würde ich immer nutzen, um die Arbeit/Umfeld/Umgebung kennenzulernen sowie sich überhaupt erst zu bewähren. Dann kommt es eben darauf an, ob es sich hierbei um eine Landesbehörde o. Ä. handelt. Ob sozusagen ein Anspruch auf vorübergehende Kostenübernahme einer Unterbringung samt Trennungsgeld, später nach erfolgreicher Zusage dann die Zusage für Umzugskostenvergütung usw. besteht. Sofern man sich umzugswillig erklärt und sich zugleich fortwährend auf Suche einer Wohnung begibt. Wichtig hierbei ist es dann, die alte Wohnung in der Heimat nicht vorher/zu früh zu kündigen. Sonst verliert man wesentliche Ansprüche sofern man berechtigt wäre. Nun gut, die Entscheidung liegt bei Dir. München/Oberbayern ist schon sehr schön und sicher. Doch die Frage bleibt, ob man die Zeit nicht woanders auch gut nutzen kann, um sein Ziel (Familie und Eigenheim) "anständig" vielleicht ja auch schneller näher zu kommen. Und wer im Bereich IT tätig ist, der ist ja auch in der Wirtschaft bei zur Zeit suchenden Unternehmen (auch in Bayern) gut gefragt. Ich kann verstehen, wenn eine Verbeamtung lockt - wohl weniger die IT-Zulage  ::)  doch überprüfe auch deinen gesundheitlichen Werdegang. Ein Amtsarzt wird sich später dann den gesundheitlichen Verlauf gut angucken entsprechend beurteilen. Und dennoch kann alles gut gehen. Abwägen müsst Ihr selbst.  ;D