Öffentliche Ungerechtigkeit im Öffentlichen Dienst

Begonnen von hausuadaiviet, 05.03.2026 21:04

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hausuadaiviet

Hallo zusammen,
Ich bin ein Doktorand im RTG 2416, das durch die DFG finanziert ist.

Mit diesem Schreiben mache ich mir die Hoffnung, dass jemand da oben mein Wort vernünftig findet und dann eine Systemänderung in Betracht zieht.

Ich habe mich seit einem Jahr mit meiner 65%-Stelle beschäftigt, wobei ich in der Tat in Vollzeit oder sogar mehr als Vollzeit an meinem Promotionsthema arbeite. Ich habe noch nie ernsthaft an diesen finanziellen Prozentsatz gedacht, weil er eigentlich meinen grundlegenden Lebensunterhalt abdecken kann. Außerdem halte ich diese Überstunden für meine wissenschaftliche Leidenschaft bzw. sinnhaftigen Beitrag zur Gesellschaft und mir kommt deshalb noch nie ein finanzieller Gedanke wegen des Prozentsatzes durchgekommen.

Aber heute kommt mir dieser Gedanke schon durch, weil ein Freund mir erzählt hat, dass er häufig nichts so viel während der Arbeitszeit zu tun hat. Der Punkt ist, dass er eine 100%-Stelle bekommt, wobei die Promotionsmöglichkeit auch am Kontinuumsmechaniklehrstuhl der RWTH gegeben ist. Ist es der Grund, dass eine Promotionsaussicht durch ein RTG sicherer ist und man somit weniger verdient.

Ich weiß nicht, woher diese Finanzierung kommt. Wenn die Universität eine öffentliche Einrichtung ist, haben sich Vorgesetzte schon mal darüber reflektiert, ob ein solches Darlegen fair ist? Meines Erachtens ist es von Bedeutung, dass eine Promotion viel Denkkraft herausfordert, wobei man sogar mehrere Phasen von Tiefe, Höhe und Charme erleben muss.

Ich bin mir ganz sicher, dass nicht nur ich, sondern auch viele andere Doktoranden unter dieser öffentlichen Ungerechtigkeit leiden, die aber hart arbeiten und mit der Hoffnung, später einen Job in der Forschung zu bekommen. Durch viele Promotionsjahre wird diese Ungerechtigkeit aufgestapelt und alle wissen ja schon, dass eine akademische Laufbahn nicht immer reibungslos ist, wie man sich darum bemühen kann. Deshalb halte ich es für wichtig, dass alle die gleichen Chancen haben, während man sich in der gleichen Phase befindet, damit man immer das Gefühl hat, dass die investierte Zeit sich lohnt, egal, was am Ende rauskommt.

Ich hoffe, Sie finden etwas Rechtfertigendes bei meinem Schreiben.

Mit freundlichen Grüßen
Anonym

Eukalyptus

Ungelenke Wortwahl, seltsames Anliegen, merkwürdiger Nicknamen.

KI-Beitrag, sollte gelöscht werden.

highperformer

Zitat von: Eukalyptus in 06.03.2026 00:35Ungelenke Wortwahl,

Eher ein Nicht-Muttersprachler mit KI-Übersetzung. Das Anliegen selbst klingt ja durchaus plausibel, aber so ist das halt, dass verschiedene Arbeitgeber/Chefs ihre Leute verschieden auslasten.

clarion

Es könnte aber auch ein mit Hilfe von KI generierter Beitrag eines Ausländers mit einem realen Anliegen sein. An wissenschaftlichen Instituten kommt man auch ganz gut ohne vertiefte Deutschkenntnisse durch das Leben.

Wenn es so sein sollte, Willkommen in Deutschland. Es war schon immer so, wissenschaftlicher Nachwuchs ist prekär beschäftigt und ob jemand eine halbe oder ganze Stelle bekommt ist Zufall.

Rowhin

Reales Anliegen oder nicht, das deutsche Wissenschaftssystem weist an sehr, sehr vielen Stellen Ungerechtigkeiten auf. Viele davon betreffen Doktoranden als besonders prekäre Gruppe. Man hat diverse Besserungsversuche, z.B. durch das WissZeitVG gestartet, die aber meist nach hinten losgegangen sind, weil sie nicht die Grundprobleme angegangen sind, sondern nur Symptome. Eine strukturelle Verbesserung ist nicht in Sicht.

Albeles

Mit diesem Schreiben.......

Völlige Totgeburt, egal ob KI oder reales Ansinnen. Da hätte man auch an den Osterhasen schreiben können  ;D

Petar Tudzharov

Ich möchte das Anliegen richtig verstehen. Das Problem liegt darin, dass Promotionsstellen keine Vollzeitstellen sind?


MoinMoin

Zitat von: Petar Tudzharov in 09.03.2026 06:15Ich möchte das Anliegen richtig verstehen. Das Problem liegt darin, dass Promotionsstellen keine Vollzeitstellen sind?


Das Problem scheint in diesem Fall zu sein, dass die Promotionsstelle keine VZ ist, jemand anderes als VZ aber zeitlich nicht ausgelastet ist.

E15TVL

Zitat von: Eukalyptus in 06.03.2026 00:35[...]
KI-Beitrag, sollte gelöscht werden.
Der Beitrag ist authentisch, jedenfalls ist der Threadersteller kein Bot. Das Thema hat aber trotzdem nichts mit dem TV-L zu tun und findet sich daher nun hier in der Laberecke wieder...

ExponentialFud

RTG2416 ist Neurobiologie. Da gibt die DFG keine 100%-Stellen. Im Maschinenbau schon. Das entscheiden die DFG-Fachausschüsse selbst.
Wenn ein Doktorand meint, nicht ausgelastet zu sein, dann ist er dabei, etwas zu verschlafen und wird bald unangenehm aufwachen.

Faunus

Eine Promotion ist erst Mal Privatvergnügen & es werden die Einrichtungen (Technik/Labore/Personal) des Lehrstuhls mitgenutzt. Deshalb ist es eher ungewöhnlich, dass ein Doktorand eine Vollzeitstelle erhält.

Damit er nicht auch noch für die Nutzung der Einrichtung zahlen muss, wird das z.B. durch Mitarbeit am Inst. durch den Doktoranden "abgegolten" z.B. Systemadmin., der die Drucker alle installiert, Bachelorarbeiten mitbetreut (hat er dann auch was von) oder in Vertreteung vom Institutsleiter an Meetings teilnimmt/einzelne VO für diesen abhält....

Da ist erst mal nichts falsches drin zu sehen. Vollzeitstelle = 1/2 für das Promotionsthema mit 1/2 Bezahlung und Abgeltung der genutzten Infrastruktur, die die andere 1/2 ausmacht.
Wobei ich das von den Ordinarien eher die AZ-Verteilung mit 20-50% für das Institut und 50-80% für die Promotion kenne.

Das Problem fängt an, wenn erwartet wird, dass Vollzeit mind. 60-70 h/Wo. Arbeitszeit bedeutet. Und da hat sich leider seit 40 Jahren nicht wirklich etwas geändert! Aber das nur am Rande.

Das Problem, dass der TE hat, ist m.M. nach der Vergleich zw. eines Doktoranden zu einem vollzeitarbeitenden Wissenschaftler/Ingenieur, der nicht promoviert. Zumindest scheint auch der Bekannte von dem TE nicht als Doktorand sondern als Wissenschaftler mit einer Vollzeitstelle eingestellt zu sein.


ImöDBeschäftigt

Gibt auch Wissenschaftsbereiche in denen man garkeine Anstellung bekommt während der Promotion oder höchstens auf Minijob Basis bei einzelnen Übungen für Erstsemester als Leitung o.ä.
Da muss man dann schauen, dass man genügend bezahlte Nebenjobs nebenbei schafft oder ein Stipendium bekommt oder sonst irgendwie an Geld kommt, um wenigstens Essen und Wohnen zu können.

cyrix42

Zitat von: Faunus in 09.03.2026 13:15Eine Promotion ist erst Mal Privatvergnügen & es werden die Einrichtungen (Technik/Labore/Personal) des Lehrstuhls mitgenutzt. Deshalb ist es eher ungewöhnlich, dass ein Doktorand eine Vollzeitstelle erhält.

Nein, eine Promotion ist auf einer Qualifikationsstelle Dienstaufgabe. Natürlich muss der Arbeitgeber die dafür notwendige Infrastruktur (etwa Büro, Arbeitsplatz usw.) bereitstellen.

Weshalb sich daraus eine Pflicht-Teilzeit ableiten sollte, ist nicht nachvollziehbar. Aber klar: Wenn nur 50% der Arbeitszeit zur Verfügung gestellt werden, dauert die Aufgabe eben doppelt so lang...

MoinMoin

Zitat von: cyrix42 in 10.03.2026 08:53Nein, eine Promotion ist auf einer Qualifikationsstelle Dienstaufgabe.
Also ich kenne es so, dass bei einer 100% Stelle 30% für die Promotion /Qualifikation eingepreist ist. Und nicht 100%

Verhohnepiepelt

Zitat von: hausuadaiviet in 05.03.2026 21:04Ich weiß nicht, woher diese Finanzierung kommt.

Im Zweifel aus den Richtlinien des Mittelgebers.
Bei uns wird ein Großteil der Doktoranden aus DFG Sachbeihilfen finanziert. Die DFG sieht hier für die Personalstelle folgendes im Rahmen des Basis-Moduls vor:

"Für nicht promovierte wissenschaftliche Mitarbeiter*innen sollen in der Regel Mittel in der Kategorie ,,Doktorand*in und Vergleichbare" mit mindestens 50 % der regelmäßigen Arbeitszeit beantragt werden. Möglich ist auch die Beantragung von Mitteln für eine Arbeitszeit von mehr als 50 %, soweit es die nationale und internationale Wettbewerbssituation innerhalb und außerhalb des Wissenschaftssystems erfordert [...] In vielen von der DFG geförderten Projekten besteht die Möglichkeit der wissenschaftlichen Qualifikation (Vorbereitung auf die Promotion). Werden noch nicht promovierte wissenschaftliche Mitarbeiter*innen in Vollzeit eingesetzt, sollte ihnen innerhalb der Arbeitszeit nach Maßgabe des jeweiligen Landeshochschulrechts Gelegenheit zur Vorbereitung auf die Promotion gegeben werden. Der weit überwiegende Teil der Arbeitszeit muss jedoch für die Mitarbeit im Projekt aufgewendet werden." (DFG-Vordruck 52.01 – 09/24)

Auch bezüglich der "Beantragung von Mitteln für eine Arbeitszeit von mehr als 50 %, soweit es die nationale und internationale Wettbewerbssituation innerhalb und außerhalb des Wissenschaftssystems erfordert" bietet die DFG entsprechende Leitlinien an. Für "Mechanik und Konstruktiver Maschinenbau" schlägt die Leitlinie eben "bis zu 100 Prozent" vor (cf. "Kontinuumsmechaniklehrstuhl der RWTH"), für "Neurowissenschaften idR 65 Prozent" (cf.RTG 2416), für Biologie gilt der Umfang entsprechend. (DFG-Vordruck 55.02 –10/24)

Und wie die DFG so schön in ihrer Leitlinie vorgibt: "Der weit überwiegende Teil der Arbeitszeit muss jedoch für die Mitarbeit im Projekt aufgewendet werden"; selbst wenn im Rahmen einer Projektstelle promoviert werden kann, ist eben die Arbeit am Projekt - das sich gegebenfalls aus reiniger Nettigkeit des Projektleiters inhaltlich so weit mit dem Promotionsvorhaben überschneidet, dass kumulativ promoviert werden kann - hier eben vorrangig. Und dann auch noch "weit überwiegend" - "Mit dem Kriterium der weit überwiegenden Verantwortlichkeit kann ein Rücktrittsrecht ausgeschlossen werden. Als ,,weit überwiegend" ist seine Verantwortlichkeit ab einem Grad von 80–90 % zu bezeichnen.
Quelle: LG Karlsruhe NJOZ 2023, 943 (946 Rn. 35); BeckOK-BGB/H. Schmidt, 68. Edition, Stand 01.11.2023, § 323 Rn. 42." (ggf. gibt das jeweilige Landeshochschulrecht hier andere Grenzen, ich "kenne" da aber auch eher die bereits genannten 30% auf 100% Stellen, ohne jetzt Interesse daran zu haben, mich noch durch die rechtlichen Grundlagen aller Bundesländer zu wühlen).
Und man sollte dabei nicht aus dem Auge verlieren, dass die DFG eine "Gelegenheit zur Vorbereitung auf die Promotion" während der regelmäßigen wöchentlichen Arbeitszeit nur dann vorsieht, wenn "eine noch nicht promovierte wissenschaftliche Mitarbeiter*innen in Vollzeit eingesetzt" wird. Da steht nichtmal, dass das auch für nicht promovierte wissenschaftliche Mitarbeiter*innen in Teilzeit äquivalent umgesetzt werden muss. Auf einer 65% Stelle, könnte der Arbeitgeber also laut Richtlinie entsprechend erwarten, dass die komplette Arbeitszeit zur Mitarbeit am Projekt aufgewendet wird. Die Promotion könnte dann entsprechend in den 35% Umfang einer Vollzeitstelle, in denen der Doktorand eben nicht ebschäftigut ist sowie in der eigenen Freizeit durchgeführt werden.

Was heißt das für hausuadaiviet? Nach 65% der regelmäßigen wöchentlichen Arbeitszeit (also etwa 26 Stunden), lässt er den Griffel fallen und arbeitet nicht mehr für das Projekt. Sicherlich erlaubt ihm, denn daran ist ihm ja gelegen, der Projektleiter aber in den restlichen 14 Stunden und gegebenenfalls auch noch weit darüber hinaus, an seinem universitären Arbeitsplatz an seiner Dissertation zu arbeiten. Hier kann hausuadaiviet in dieser Zeit die bereitgestellte Infrastruktur nutzen und spart an seinem heimischen Arbeitsplatz Strom, Wasser, Heizung (außerdem trifft er auf Gleichgesinnte zum wissenschaftlichen Austausch und braucht nicht im Elfenbeinturm zu promovieren).

Ist das fair? Was ist im Leben schon fair.
Ist es fair, dass Geisteswissenschaftler oft nur am Spaß aus der Freude promovieren? Ganz ohne Finanzierung. Oder auf Projektstellen, die inhaltlich so rein gar nichts mit dem Promotionsthema zu tun haben? Ist es fair, dass es auch heute noch gute Studierende gibt, die sich eine Promotion nicht leisten können oder aus gesundheitlichen oder familiären Gründen nicht promovieren können? Ist es fair, dass "die nationale und internationale Wettbewerbssituation innerhalb und außerhalb des Wissenschaftssystems [es] erfordert", dass in gewissen Bereichen Promotionsstellen mit einem Umfang von 100% vom Mittelgeber finanziert werden, weil man Stellen sonst nicht füllen kann und Projekte sonst gar nicht erst durchgeführt werden können?
Man könnte sich auch fragen, ob hausuadaiviets Freund, der "häufig nichts so viel während der Arbeitszeit zu tun hat" vielleicht genau in diesen Leerlaufzeiten an seiner Promotion arbeiten sollte. Denn ihm stehen auf der 100% Stelle dafür ja Anteile zu. Dass er es scheinbar nicht tut, ist dann natürlich am Ende sein eigenes Problem. Oder vielleicht hat er auch einfach den Inhalt seiner Stelle noch nicht durchdrungen und es bleibt Arbeit liegen, die der Freund nicht sieht oder eventuell nicht sehen will. Oder er ist ein Überflieger und schafft seine komplette Arbeit in 50% seiner Arbeitszeit, seine Promotion in weiteren 25% und kann die restlichen 25% chillen (oder sich in Onlineforen rumtreiben).

Was lernt hausuadaiviet? Hätte er Maschinenbau studiert (und nicht, vermutlich, Biologie), hätte er vielleicht auch auf einer 100% Stelle chillen können. Ich halte es für unwahrscheinlich, dass ihn jemand unter Zwang zur Unterschrift unter einem 65% Vertrag gebracht hat. Oder ihn gezwungen hat, sich auf eine entsprechende Stelle überhaupt zu bewerben. Sicherlich hätte hausuadaiviet ja auch nach einer 100% Promotionsstelle schauen können. Die hätte er dann eben vermutlich nicht in einem DFG geförderten Rahmen in Aachen gefunden. Oder nach einem "richtigen" Job.

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Bei der Finanzierung der Promotions aus Landesmitteln sieht das natürlich im Zweifel alles nochmal ganz anders aus. Da fallen dann aber zusätzlich noch so "Kleinigkeiten" an wie Lehrverpflichtung (mit entsprechender Vorbereitung), akademische Selbstverwaltung, Gremienarbeit an... das fällt in den Drittmittelstellen (zum Glück) in der Regel eben weg. Und natürlich kocht da auch jeder Drittmittelgeber im Zweifel sein eigenes Süppchen (die EU Marie-Curie Stellen sind da ja z.B. nochmal anders gestrickt).

Polemik ist gegebenenfalls nicht unerwünscht, wenn auch möglicherweise unangebracht.