Bundesalimentationsgesetz

Begonnen von Admin, 15.04.2026 14:03

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SwenTanortsch

Zitat von: Malkav in Heute um 15:21Indem der VerfGH das tut für was ein Verfassungsgericht da ist. Die Landesverfassung (hier also Art. 4 LVerf i.V.m. Art. 33 GG) auf einen konkreten Fall (Vorlagebeschluss des VG Düsseldorf) anwenden und im Rahmen der Senatsberatung zu einem Ergebnis kommen.

Ich schaue mir mal an wer da am VerfGH sitzt und stelle fest, dass neben Professoren der Präsident des VG Düsseldorfs Mitglied des VerfGH ist. Da haben die Kollegen (tatsächlich nur Männer) aus der 26. Kammer garantiert nicht vorher mal beim Kaffee vorgefühlt  ;D. Daneben noch ein BGH-Richter, ein BSG-Richter, ein Direktor eines Arbeitsgerichts und der ehemalige Rektor der Universität Speyer (viele Grüße an Prof'in Färber ;-) )

Ich glaube da sind genug Leute, die sich selber (wohl zurecht) zutrauen in dieser Funktion die o.g. "gewissen Grenzen" selbst zu bestimmen.

Karlsruhe hat bindend vorgegeben, dass es Grenzen gibt. Solange der VerfGH also irgendwo eine Grenze setzt, ist dies kein Fall von Art. 100 Abs. 3 GG. Im allerschlimmsten Fall sagt der VerfGH NRW im Dezember 2026: "Maximal 30% des Grundgehaltes" und Karlsruhe sagt im September 2027: "Ne ne 32,2 % sind auch noch in Ordnung".

Dann gilt der alte Satz "Ober sticht Unter" und der VerfGH würde sich wohl fügen (wenn nicht würde es tatsächlich spannend werden, da dann Art. 33 GG als Landesrecht NRW ein echtes Eigenleben bekäme  ;) )

Der VerfGH entscheidet ja am Ende über die Besoldungsjahre 2013 und 2014. Denn für diese Jahre allein hat ihm das VG Düsseldorf Vorlagen die Besoldungsgruppen R 1, R 2 und B 3 betreffend vorgelegt. 2013 und 2014 waren die familienbezogenen Besoldungskomponenten offensichtlich nicht zu beanstanden. Betrachten wir das Jahr 2015, dann waren zum Juni folgende Grundgehaltssätze in der Eingangs- und Endstufe der Besoldungsgruppe R 1: 3.865,56 € und 5.962,08 € und in der Besoldungsgruppe R 2: 4.486,72 € und 6.496,61 € sowie das Festgehalt von 7.138,04 € in der Besoldungsgruppe B 3 geregelt. Die  Familienzuschläge für eine vierköpfige Familie betrugen für die drei Besoldungsgruppen einheitlich 340,96 €.

Das VG Düsseldorf wird wie gesagt das "Pflichtenheft" des BVerfG zur Anwendung gebracht, auf dieser Basis die Grundgehaltssätze in den drei Besoldungsgruppen als zu niedrig bewertet haben, um nun entsprechende Vorlagebeschlüsse gefasst zu haben.

Dabei liegt nach der PM des VG der Gang des Verfahrens auf der Hand:

Es hat offensichtlich für beide Jahre den dritten und vierten Parameter als erfüllt betrachtet, sodass auf der ersten Stufe der Fortschreibungsprüfung die Vermutung einer verfassungswidrigen Unteralimentation gegeben ist, die der Dienstherr nicht hat ausräumen können, sodass die Vermutung zur Gewissheit erstarkt werden wird. Nichts anderes ist der PM zu entnehmen.

Und um nichts anderes als darum, ob die Vorlagen sachgerecht sind und ob es auch weiterhin, nun vor dem VerfGH, dem Dienstherrn im Prozess des "Nachschiebens" gelingen oder nicht gelingen wird, die Vermutung einer verfassungswidrigen Unteralimentation hinreichend zu entkräften, wird es vor dem VerfGH gehen. Dem Dienstherrn wird dort hinreichend Gelegenheit gegeben werden, darzulegen, wieso seines Erachten die Vermutung nicht erneut zur Gewissheit erstarken müsste. Das dürfte der mit Abstand am meisten zeitraubende Faktor im gesamten Verfahren sein (so ist jedenfalls aus Erfahrung zu vermuten; soll heißen, auch hier ist mit einer signifikanten Langmut des Dienstherrn zu rechnen, bis er zu einer für ihn hinreichenden Prozessstrategie wird finden können).

Am Ende aber dürften sich dem VerfGH keine unendlich großen sachlichen Probleme auftun, die dazu führen könnten, das Verfahren, das auf einen recht engen Gegenstand und Zeitraum beschränkt ist, nicht verhältnismäßig zeitnah - also im Verlauf des nächsten Kalenderjahr - abzuschließen.

Sofern das Land Nordrhein-Westfalen den hinreichenden Respekt vor dem VerfGH aufbringen und also nach jeweils erwartbaren Verlängerungsanträgen seine Sicht auf die Dinge darlegen wird, ohne also irgendwelche Verfahrensverzögerungen betreiben zu wollen, dürfte kein sachlicher Grund für ein unendlich langes Verfahren ersichtlich sein, da die Sachlage offensichtlich eindeutig ist. Auch das dürfte die Kammer bewogen haben, die Vorlage dem VerfGH vorzulegen, eben im Rahmen des effektiven Rechtsschutzes das Verfahren zu beschleunigen. Wie vorhin gezeigt, hat der VerfGH 2014 kein Jahr für seine Entscheidung gebraucht. Rational wird sich das heute nicht anders darstellen.

Libor

Zitat von: SwenTanortsch in Heute um 17:45Der VerfGH entscheidet ja am Ende über die Besoldungsjahre 2013 und 2014. Denn für diese Jahre allein hat ihm das VG Düsseldorf Vorlagen die Besoldungsgruppen R 1, R 2 und B 3 betreffend vorgelegt. 2013 und 2014 waren die familienbezogenen Besoldungskomponenten offensichtlich nicht zu beanstanden (...)

Der zitierte Beitrag von Malkav bezog sich nicht auf die aktuellen Vorlagen des VG Düsseldorf, sondern auf den hypothetischen Fall, dass sich das VG Düsseldorf auch hinsichtlich der das Jahr 2022 betreffenen Verfahren zu einer Vorlage an den VerfGH NRW entscheiden sollte und sich dort die Frage der Grenzen Familienzuschläge stellt.

SwenTanortsch

Zitat von: Libor in Heute um 17:52Der zitierte Beitrag von Malkav bezog sich nicht auf die aktuellen Vorlagen des VG Düsseldorf, sondern auf den hypothetischen Fall, dass sich das VG Düsseldorf auch hinsichtlich der das Jahr 2022 betreffenen Verfahren zu einer Vorlage an den VerfGH NRW entscheiden sollte und sich dort die Frage der Grenzen Familienzuschläge stellt.

Das wird nicht passieren, da es im Rahmen des Verfassungsprozessrecht mit Hürden belegt wäre, die der VerfGH nicht in Angriff nehmen wird. Der VerfGH bleibt der VerfGH und ist nicht das BVerfG.

MaxBy

Zitat von: PolareuD in Heute um 15:50Wie gesagt: Beschlüsse des BVerfG binden alle Verfassungsorgane (Legislative, Judikative und Exekutive). Damit kann es auch Übergangsregelungen erlassen oder auch Nachzahlungen durch die Verwaltungsgerichtsbarkeit anweisen. Ich wage mal zu bezweifeln, dass Judikative und Exekutive vollständig auf stur schalten, da sie dem Gesetz verpflichtet sind und nicht dem legislativen Unwillen.
Naja, die Bundes und Landesregierungen sind die Exekutive und die schalten doch aktuell vollständig auf stur, oder nicht?

Woher soll das Geld kommen, wenn ein Verwaltungsgericht die Zahlung anweist?
Wenn die Regierung/Parlament das nicht will, müsste ja dann die Judikative das Gesetz missachten.

Ich bleib dabei, wenn die Legislative und die Exeutive sich einig sind, ist die Judikative ein zahnloser Tiger.
Genau das Problem haben wir doch seit zig Jahren und daran ändert auch deine Vollstreckungsordnung nichts.
Denn diese Vollstreckungsanordnung müsste tatsächlich jemand vollstrecken, daher auch der Name.
Vom alleinigen anordnen, ändert sich an deinem Kontostand gar nichts.

TORR

Zitat von: Daninjo in Heute um 13:47Das wäre tatsächlich ungünstig.

"Ich schwöre, der Bundesrepublik Deutschland treu zu dienen, und das Recht und die Freiheit des deutschen Volkes tapfer zu verteidigen!"

Von Ruhestand keine Rede: Hätte ich mir vorher überlegen sollen  ;D Wobei ein olivgrüner Rollator sicher auch seinen Reiz hat.

Aber nur mit Gewehr!  ;D
https://www.burbach-goetz.de/mobilitaet-und-agilitaet/rollator-shop/rollator/veloped-jakt-14er-l-walker-trionic-gehwagen-rollator-der-jagdwagen-mit-gewehrtasche-gruen-schwarz-orange-gehhilfe/a-14112
Sapere aude! Habe Mut, dich deines eigenen Verstandes zu bedienen!
I. Kant


PolareuD

@ MaxBy

Je nachdem viel detailliert die Vollstreckungsanordnung des BVerfG ggü. der Verwaltungsgerichtsbarkeit ist, wäre bei Ignorierung durch den Dienstherr, eine Vollstreckung gemäß § 170 VwGO ggf. denkbar.  ;)
Marcus Tullius Cicero (106-43 v. Chr.), röm. Redner u. Schriftsteller:
,,Jeder Mensch kann irren, aber Dummköpfe verharren im Irrtum!"

Sunflare

Zitat von: PolareuD in Heute um 11:11Ein Zug durch alle Instanzen kann schon mal ca. 10 Jahre in Anspruch nehmen. Die zweite Entscheidung erfolgte nach 13 Jahren, die Dritte nach weiteren 8 Jahren. Insofern liegt man derzeit mit 5 Jahren zwischen erstem und zweitem Beschluss gar nicht mal so schlecht im Rennen.  ;)

https://www.bmjv.de/DE/rechtsstaat_kompakt/rechtsstaat_grundlagen/rechtsschutz/rechtsschutz_artikel.html


Was das dann noch mit effektiven Rechtschutz zu tun hat, kann mir keiner erklären! Daher wäre der Streik für alle Beamten auch legitim!

Viggen

" Freiheit ist immer die Freiheit der Andersdenkenden. "  Zitat: Rosa Luxemburg

PolareuD

@ Sunflare

Leider heißt effektiver Rechtsschutz nicht zwangsläufig, dass ein Rechtsstreit innerhalb eines bestimmten Zeitraums rechtskräftig entschieden sein muss.


P.S: Noch etwas Off-Topic
https://www.n-tv.de/wirtschaft/Wie-viel-Altenpfleger-verdienen-id31500219.html
Marcus Tullius Cicero (106-43 v. Chr.), röm. Redner u. Schriftsteller:
,,Jeder Mensch kann irren, aber Dummköpfe verharren im Irrtum!"

Skywalker2000

Zitat von: Viggen in Heute um 20:10... Update vom DBwV ...

https://www.dbwv.de/aktuelle-themen/blickpunkt/beitrag/alimentation-der-minister-hat-das-vertrauen-verspielt

kein Update, da es keine Neuigkeiten sind. Ist alles schon bekannt.

Der politische Wille ist einfach nicht da. Seit über 5 Jahren wurde ein Urteil nicht umgesetzt. Lächerlich und beschämend. Aber man möchte zeitgleich mit papierstrohalme die Welt retten.

Viggen


Das dies kein wirkliches Update ist, wahr mir bewusst. Vielmehr zeigt es die Hilflosigkeit und Analogien durch alle Bänke und Gewerkschaften hinweg!
" Freiheit ist immer die Freiheit der Andersdenkenden. "  Zitat: Rosa Luxemburg

Verwalter

Zitat von: Zolinus in Heute um 16:30Hallo zusammen,


ich lese hier schon seit längerer Zeit in regelmäßigen Abständen mit und habe mir so meinen Teil gedacht.
Nun muss ich doch mal meinen Senf dazugeben.

Ich verstehe schon grundsätzlich den Unmut aller Kollegen hier über das Ausbleiben der amtsangemessenen Alimentation. Rechtlich steht uns mehr Geld zu, und natürlich würde auch ich mich sehr freuen, wenn ein entsprechendes Gesetz endlich beschlossen wird (fiktives Partnereinkommen hin oder her).

Aber.

Man muss wirklich auch mal zwischendrin innehalten und sich klarmachen, dass wir hier auf hohem Niveau jammern. Und damit meine ich nicht nur Leute wie mich im hD, sondern auch gD und mD. Als Beamter ist man im Zweifelsfall immer besser gestellt als die Tarifbeschäftigten auf derselben Position, die genau dieselbe Arbeit machen.Ich bekomme mit meiner A14 aufs Jahr gesehen tausende Euro mehr als eine vergleichbare Person mit E14 (und das wäre schon hochgegriffen als Vergleichsgruppe im Tarifbereich). Und da habe ich die PKV bereits abgezogen, außerdem bekomme ich nicht einmal Familienzuschläge. Im gD und mD ist es zwar dann in Relation zu den entsprechenden Tb deutlich weniger, aber man steht in den allermeisten Konstellationen günstiger da.

Und die Tarifbeschäftigten müssen ja auch ihren Lebensstil finanzieren, ohne dass irgendwie absehbar wäre, dass da demnächst ein gewaltiger Geldsegen niedergeht. Fiktives Partnereinkommen? Es ist jedem durchschnittlich verdienenden Arbeitnehmer völlig klar, dass er alleine kaum eine vierköpfige Familie ernähren kann. Willkommen in der Realität - und da gibt es keine Familienzuschläge. Man sollte als Beamter dankbar dafür sein, dass es hier noch diese Möglichkeit gibt.

Nochmal, ich verstehe, dass es ärgerlich ist, eine Leistung nicht zu bekommen, die einem juristisch zusteht. Und dass sich die Politik seit Jahren um das Thema drückt und damit ein Gerichtsurteil missachtet, ist noch einmal auf einer ganz anderen Ebene ein Problem.

Aber wenn ich dann solche Wutbürgerkommentare lese nach dem Motto "Die geben unser Geld lieber für Entwicklungshilfe aus als den armen vom Hungertod bedrohten deutschen Beamten zu retten" weiß ich wirklich nicht mehr weiter. Einfach mal die ganze Sache ein BISSCHEN tiefer aufhängen, sprachlich und emotional.

Nur mal so: Ich vertrete die Auffassung, dass diejenigen, die mit ihrem Sold zufrieden sind, diesem Forum auch fernbleiben können. Oder wird im Auftrag des Herrn kommentiert?
Vom Widerspruch bis zur Auszahlung der mir verfassungswidrig vorenthaltenen Alimentation vergehen vermutlich zwei Jahrzehnte ... mit effektivem Rechtsschutz im Sinne des Art. 19 (4) GG ist sicherlich etwas anderes gemeint.

Zolinus

Zitat von: Batto in Heute um 17:26@zollinus

Ich bin Beamter im gDienst seid 2,5 Jahren. Ich bin von einer E12 auf eine A10 gegangen. Das konnte ich mir nur leisten weil ich 4 Kinder habe und die Familienzuschläge die Differenz aufgefangen haben. Mit 2 Kindern wären es ca. 1000€ weniger gewesen.
Ich habe das als längerfristige Investion gesehen da meine Stelle bis A12 geführt ist und mir die A11 nach einem Jahr zugesagt wurde.

Ich bin jetzt seid ca. einem Jahr in der A11 und bekomme monatlich Kinderzuschlag von 212€ + Bildung und Teilhabe in Höhe von 70,50 € monatlich. Dazu werden die Klassenfahrten bezahlt und es gibt für jedes Schulkind 210€ im Jahr für Schulbedarf.
Der Anspruch hätte sogar höher sein können wenn ich gewusst hätte, dass man Handwerkerkosten für Indstandsetzung mit absetzten kann.

Worauf will ich hinaus? Mit E12/A10 und A11 habe ich Anspruch auf staatliche Unterstützung weil mein Gehalt nicht ausreicht um die Armut (Nagen am Hungertuch) abzuwenden. Daher finde ich es nicht verwerflich hier auf die Missstände hinzuweisen. Denn schließlich würde man mit Grundsicherung und einem Minijob wahrscheinlich genauso gut dastehen wie aktuell.

Auf der anderen Seite bin ich verantwortlich für Ausgaben in Höhe von jährlich 17-20 Mio. Euro Steuergelder die ich sachlich richtig zeichne. Wahrscheinlich soll ich demnächst weitere Projekte übernehmen die nochmal 5-10 Mio Euro zusätzlich veranschlagen.
Ich war bei der Vergabekammer und dem OLG und musste meine Vergabeentscheidungen verteidigen (mit Erfolg!).

Daher finde ich schon das man behaupten kann, dass wir unterbezahlt sind.


Naja, natürlich ist das keine schöne Situation, wenn man von staatlicher Unterstützung abhängig ist.

Aber man kann einfach auch nicht erwarten, als Alleinverdiener (das hast du zwar nicht explizit geschrieben, aber klingt für mich so) eine sechsköpfige Familie bequem unterhalten zu können. Das könnte ein Nichtbeamter in vergleichbarer oder gar niedrigerer Position erst recht nicht. Dazu müsste man dann schon ein echter Spitzenverdiener sein (obere 5%) sein.

Wenn ich hier lese, dass manche Mitforisten der Ansicht sind, dass so etwas bis hinunter in den einfachen Dienst möglich sein müsste (bzw. vom Staat ermöglicht werden müsste), ist das einfach sehr, sehr weit weg von der Lebensrealität der Durchschnittsarbeitnehmer in diesem Land. Das ist schlicht kaum vermittelbar.

Wie geschrieben würde ich mir auch wünschen, dass das Gesetz so bald wie möglich kommt. Aber  ich verstehe auch, warum sich die Politik damit in der aktuellen Lage sehr schwer tut.

Finanzer

Sind wir jetzt bei -2?

@Zolinus: Jetzt mal ehrlich, wieviele Uhrteile des BVerfG zu dem Thema haben Sie gelesen?