Amtsangemessene Alimentation - und die Angestellten?

Begonnen von ahbeha, Heute um 09:40

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ahbeha

Hallo in die Runde,

zum Thema der amtsangemessenen Alimentation der Beamten in Hessen tut sich nun etwas. Man nimmt die Erfahrungsstufe 1 weg und man startet als Beamter direkt in der Stufe 2. Soweit so gut. Eine vorläufige Tabelle findet sich bereits online, sodass man ganz neugierig schauen kann, was dann eigentlich (vor Abzug KV) auf dem Konto der verbeamteten Kollegen landet.

Nun arbeite ich in einer Kommune, gerade in unserer Behörde sind viele "nur" angestellt, dennoch gibt es einige Beamte. Wir verrichten die gleiche Arbeit, der eine ist aber A11, der andere E10. Der eine A10, der andere E9c. Zwei Systeme, ja ich weiß. Ich stelle mir nur die Frage, wie das ganze in Zukunft noch zusammengehen kann. Wenn ein frischer Kollege auf der A11 nach Abzug KV laut Tabelle so viel übrig hat wie der Angestellte auf der E10 Stufe 4 (!) mit 8 Jahren Berufserfahrung beschleicht mich nicht nur das Gefühl von "zwei Systemen", sondern von einem Systemunterschied der irgendwann wirklich nicht mehr vernachlässigbar ist. Mal von der schwindenden Motivation der Angestellten abgesehen, wenn die Endstufe kaum "mehr" verspricht, der Beamte aber (auch wenn es länger dauert) durchaus noch einiges verdienen kann.

Long story short - ist hier jemand mit Gewerkschaftsdraht? Wie denkt man dort darüber? Als Angestellter muss ich weit mehr zurücklegen als mein verbeamteter Kollege, den eine solide Pension erwartet. Aber Geld ist eigentlich gar nicht da, um auch den Angestellten ein bisschen "gleicher" zu bezahlen... Wer möchte da noch gerne angestellt sein? Aber eine Verbeamtung steht in der Kommune auch nicht in Aussicht. Ein (zweites) Studium, um erst einmal drei Jahre als Anwärter in der Verwaltung herumzugeistern kann ja auch nicht die Lösung sein... und ändert auch nichts an den mittlerweile großen Unterschieden zwischen Beamten und Angestellten. Habt ihr Gedanken zu dem Thema?

Finanzer

Jetzt mal blöd gefragt, warum wurde dort überhaupt verbeamtet?

MeTe

#2
ZitatHabt ihr Gedanken zu dem Thema?

1.) Ja durch die aktuelle Angleichung wird der Unterschied zwischen Beamten und Angestellten gerade im höheren Dienst enorm. Jemand der als A14er neu einsteigt, bekommt nunmal in Steuerklasse I Größenordnugn 15.000€ mehr netto im Jahr als ein neuer E14er. Bei identischer Arbeitszeit. Das ist schon gewaltig. Auch wenn der Unterschied im Laufe der Zeit sinkt.

2.) Ja auch bei uns verrichten Beamte und Angestellte mit vergleichbarer bis identischer Qualifikation exakt die gleiche Arbeit mit exakt gleicher Zuständigkeit und Verantwortung, vergleichbaren Arbeitszeitregelungen etc. . Wer Beamter oder Angesteller wird ist einfach nur "Zufall", je nachdem welche Stelle gerade frei wird und hat, abgesehen vom Geld auf dem Konto, in der Praxis absolut keine Auswirkungen. Daher ist dieser Unterschied nicht durch inhaltliche Gründe gerechtfertigt.

Ob man nun das Kernproblem in Punk 1 oder in Punkt 2 sieht, ist jedem selbst überlassen. Erwarte ich irgendwelche Änderungen daran? Nein! Wieso auch. Solange der Staat noch genug Arbeitnehmer findet kann er so schlecht oder 'unfair' bezahlen wie er will. ES gibt kein Gesetz, keine Regelung die vorschreibt dass der Staat seine Arbeitnehmer gut zu bezahlen hat. Von Verdi erwarte ich schon ganz grundsätzlich nichts. Wenn überhaupt würde ich erwarten dass man beim Tarifpersonal zukünftig noch etwas mehr spart um die höheren Personalausgaen für Beamte gegenzufinanzieren. Oder dass man zukünftig einfach noch weniger verbeamtet um so etwas Geld zu sparen.

In beiden Fällen (weniger verbeamten oder zusätzlich sparen) wird sich die Situation für Arbeitnehmer meiner Meinung nach also eher verschlechtern aber sicher nicht verbessern. Frustrierend aber aus meiner Sicht die realistische Einschätzung der Situation. Daher: Fleißig Bewerbungen schreiben.

KlammeKassen

Zitat von: ahbeha in Heute um 09:40Hallo in die Runde,

zum Thema der amtsangemessenen Alimentation der Beamten in Hessen tut sich nun etwas. Man nimmt die Erfahrungsstufe 1 weg und man startet als Beamter direkt in der Stufe 2. Soweit so gut. Eine vorläufige Tabelle findet sich bereits online, sodass man ganz neugierig schauen kann, was dann eigentlich (vor Abzug KV) auf dem Konto der verbeamteten Kollegen landet.

Nun arbeite ich in einer Kommune, gerade in unserer Behörde sind viele "nur" angestellt, dennoch gibt es einige Beamte. Wir verrichten die gleiche Arbeit, der eine ist aber A11, der andere E10. Der eine A10, der andere E9c. Zwei Systeme, ja ich weiß. Ich stelle mir nur die Frage, wie das ganze in Zukunft noch zusammengehen kann. Wenn ein frischer Kollege auf der A11 nach Abzug KV laut Tabelle so viel übrig hat wie der Angestellte auf der E10 Stufe 4 (!) mit 8 Jahren Berufserfahrung beschleicht mich nicht nur das Gefühl von "zwei Systemen", sondern von einem Systemunterschied der irgendwann wirklich nicht mehr vernachlässigbar ist. Mal von der schwindenden Motivation der Angestellten abgesehen, wenn die Endstufe kaum "mehr" verspricht, der Beamte aber (auch wenn es länger dauert) durchaus noch einiges verdienen kann.

Long story short - ist hier jemand mit Gewerkschaftsdraht? Wie denkt man dort darüber? Als Angestellter muss ich weit mehr zurücklegen als mein verbeamteter Kollege, den eine solide Pension erwartet. Aber Geld ist eigentlich gar nicht da, um auch den Angestellten ein bisschen "gleicher" zu bezahlen... Wer möchte da noch gerne angestellt sein? Aber eine Verbeamtung steht in der Kommune auch nicht in Aussicht. Ein (zweites) Studium, um erst einmal drei Jahre als Anwärter in der Verwaltung herumzugeistern kann ja auch nicht die Lösung sein... und ändert auch nichts an den mittlerweile großen Unterschieden zwischen Beamten und Angestellten. Habt ihr Gedanken zu dem Thema?

Vergiss nicht den weiteren Vorzug, jung in die PKV einsteigen zu können.
Wenn die JAEG weiter so krass steigt, schafft man das in E10/E11 vielleicht noch gerade in Stufe 6... aber das wohl bald auch nicht mehr, da die JAEG zuletzt prozentual stärker gestiegen ist als unsere Lohnerhöhung. Und dann ist es meist auch teuer.

Facharzttermine in 2 Wochen statt in 8 Monaten ist ja auch noch ein Bonbon, das nicht zu vernachlässigen ist.

Zumal die tolle GKV Reform ja schon mehrere Ärzte sich dazu hat äußern lassen, dass sie ihre Sprechzeiten für GKV Patienten, die oftmals mehr bezahlen als die PKV Patienten, reduzieren wollen, da sonst zu viele Termine nicht abgerechnet werden können.

KlammeKassen

Zitat von: MeTe in Heute um 13:201.) Ja durch die aktuelle Angleichung wird der Unterschied zwischen Beamten und Angestellten gerade im höheren Dienst enorm. Jemand der als A14er neu einsteigt, bekommt nunmal in Steuerklasse I Größenordnugn 15.000€ mehr netto im Jahr als ein neuer E14er. Bei identischer Arbeitszeit. Das ist schon gewaltig. Auch wenn der Unterschied im Laufe der Zeit sinkt.

2.) Ja auch bei uns verrichten Beamte und Angestellte mit vergleichbarer bis identischer Qualifikation exakt die gleiche Arbeit mit exakt gleicher Zuständigkeit und Verantwortung, vergleichbaren Arbeitszeitregelungen etc. . Wer Beamter oder Angesteller wird ist einfach nur "Zufall", je nachdem welche Stelle gerade frei wird und hat, abgesehen vom Geld auf dem Konto, in der Praxis absolut keine Auswirkungen. Daher ist dieser Unterschied nicht durch inhaltliche Gründe gerechtfertigt.

Ob man nun das Kernproblem in Punk 1 oder in Punkt 2 sieht, ist jedem selbst überlassen. Erwarte ich irgendwelche Änderungen daran? Nein! Wieso auch. Solange der Staat noch genug Arbeitnehmer findet kann er so schlecht oder 'unfair' bezahlen wie er will. ES gibt kein Gesetz, keine Regelung die vorschreibt dass der Staat seine Arbeitnehmer gut zu bezahlen hat. Von Verdi erwarte ich schon ganz grundsätzlich nichts. Wenn überhaupt würde ich erwarten dass man beim Tarifpersonal zukünftig noch etwas mehr spart um die höheren Personalausgaen für Beamte gegenzufinanzieren. Oder dass man zukünftig einfach noch weniger verbeamtet um so etwas Geld zu sparen.

In beiden Fällen (weniger verbeamten oder zusätzlich sparen) wird sich die Situation für Arbeitnehmer meiner Meinung nach also eher verschlechtern aber sicher nicht verbessern. Frustrierend aber aus meiner Sicht die realistische Einschätzung der Situation. Daher: Fleißig Bewerbungen schreiben.

That's the point.
DBB und verdi feiern sich gerade tierisch für die amtsangemessene Alimentation.
Nichtsdestotrotz wird nächstes Mal wieder eine inhalts- und zeitgleiche Übertragung auf die Beamten und Versorgungsempfänger verlangt werden, was logischerweise natürlich zulasten der Gesamtprozente geht, da insbesondere der Bund (VKA und Bund verhandeln ja zusammen) extrem viele Beamte hat.

Dass die Gewerkschaften mal etwas exklusiv für Arbeitnehmern gefordert haben, kann ich mich zumindest nicht dran erinnern. Wenn die mal einigermaßen die Augen aufmachen würden, würde denen auch nicht entgehen, wie krass die Nettounterschiede inzwischen sind, bereits als Single! Mit Familie wird es ja noch krasser

Dominic231

Es ist alles mittlerweile der absolute Wahnsinn. Auch bei den Beamten verdient doch jeder unterschiedlich. Selbst nach der Erhöhung sind es 1100€ pro Monat bei A14 Unterschied NRW und Bund. Keiner blickt noch durch diesen Dschungel. Man müsse sich mal überlegen, dass nach der Föderalismusreform immer alle Bundesländer jeweils ein neues Besoldungsgesetz erstellen. Und jedes Land erfindet irgendwelche neunen Sparmaßnahmen.🤣
Und natürlich werden es immer mehr Angestellte, um zu sparen. Das geht doch bestimmt schon seit den 80ern so.