Amtsangemessene Alimentation - und die Angestellten?

Begonnen von ahbeha, 15.05.2026 09:40

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MeTe

ZitatWenn du im Beamtenforum liest, fühlt sich diese Gruppe merkwürdigerweise aber nicht elitär behandelt....

Ja das fällt mir zwar durchaus auch auf, aber um mal hier ne Lanze für meine verbeamteten Kollegen aus der echten Welt zu brechen: Die Wissen durchaus um ihre Vorteile und betonen durchaus dass (für sie) der Beamten-Status in der Realität tatsächlich nur Vorteile aber keine Nachteile gebracht hat. Selbe Arbeit, selbe Verantwortung, sie machen exakt das gleiche wie vorher auch, aber für mehr Geld und mit besseren Aufstiegsmöglichkeiten.

Das ist denen durchaus sehr bewusst und raten den AN (mir) auch "sieh zu dass du Beamter wirst" bzw. was man öfter mal hört "wenn man dir kein Angebot für ne Beamtung macht, würde ich mich an deiner Stelle anderswo umsehen". Nur der Dienstherr muss halt mitspielen. Da hilft der Zuspruch meiner verbeamteten Kollegen wenig.

Mag aber auch daran liegen dass es sich dabei um praktisch ausschließlich Quereinsteiger handelt die erst AN und dann Beamte waren und daher den direkten konkreten Vergleich Vorher-Nachher haben. Von denen streitet keiner ab dass sie gegenüber den AN im öD besser gestellt sind, das ist denen durchaus sehr bewusst. Und sie finden das Verhalten des Dienstherrn bzw. AG genauso willkürlich bzw. unfair wie die AN auch.

Bei uns teilen Beamte und AN eigentlich  ihre sehr kritische Sicht auf das Vorgehen des Dienstherrn bzw. AG. Tendenziell würde ich sogar sagen, die Beamten sind fast noch genervter davon weil sie es ausbaden müssen wenn die AN ständig weglaufen und die Stellen dann wieder jahrelang unbesetzt bleiben. Wieso die Stimmung in diesem Forum so erheblich von der Stimmung in meiner Behörde abweicht - weiß ich nicht.

Rheini

@MeTe Stimme Dir in fast allem zu. Ergänze aber noch, dass zu meiner Anfangszeit und während des Wirtschaftsbooms, die Beamten sicher nicht die Gewinner waren. Wie Du schon richtig schreibst, durften die Beamten oft für nicht vorhandene Kollegen oder weil man Angestellte durch die Karotte "Beurteilung" und irgendwann mal eine Beförderung (Ich habe mit A5 auf einer A9 Stelle - ja das gab es zu meiner Zeit) gesessen.

Und jetzt nach 40 Jahren Dienstzeit wird den Beamten überall, auch von den angestellten Kollegen, ein schlechtes Gewissen eingeredet. Sowas führt nicht zu einem "Wir" Gefühl in den Behörden. Dabei wird es dabei nur einen Gewinner geben, nämlich derjenige, der das zu verantworten hat. Euer AG, unser DH. Der lacht sich ins Fäustchen und schaut zu, wie jeder von uns dem anderen was neidet und wegnehmen will, anstatt zusammen zu agieren.

Z. B. sprechen einige Politiker, wenn Sie auf die Umsetzung der Verfassung (Besoldung) angesprochen werden offen davon, dass dann das Geld für wichtige Investitionen in die Zukunft des Landes, wegfallen. Das ist Bashing pur .....

MeTe

#17
ZitatErgänze aber noch, dass zu meiner Anfangszeit und während des Wirtschaftsbooms, die Beamten sicher nicht die Gewinner waren.

Das haben die deutlich älteren verbeamteten Kollegen übrigens auch gemeint. Das in ihren frühen Zeiten "Beamter sein" gar nicht mal so attraktiv war und sie sich einigermaßen abgehängt bzw. "außen vor" fühlten. Aber eben gerade deswegen verstehen sie ja jeden AN der sich anderweitig umsieht bzw. unzufrieden ist. Sie wissen ja aus erster Hand wie es ist wenn man das Gefühl hat dass vom DH/AG einfach nichts zurück kommt. Als würde man es von staatlicher Seite einfach nicht schaffen mit Augenmaß vorzugehen und immer von einem Extrem ins andere fallen.

Ich finde eine "Ungerechtigkeit" gleicht halt die andere "Ungerechtigkeit" nicht aus. Beides bleibt ungerecht. Oder zumindest unbefriedigend wenn man das große Wort nicht bemühen möchte.

Es würde wohl der ganzen Diskussion mal gut tun wenn man sich vergegenwärtigt dass Kritik an der Besoldung von Beamten oder der Bezahlung von Angestellten nicht Kritik an Beamten oder Angestellten ist. Leider empfinden das viele anders. Ich wurde auch schon angefeindet bzw. mit Unterstellungen überzogen nur weil ich mal vorrechnete was ein Beamter aktuell mehr verdient als ein Angestellter bei gleicher Arbeitszeit und Qualifikation.

Wäre ich Beamter (was ich mittlerweile als einzige realistische Option für mich sehe, wenn mein AG/DH mich langfristig halten möchte) würd ich das Geld natürlich auch nehmen (wer denn nicht?), aber daran dass ich die Behandlung der AN als zunehmend ungerecht empfinde, würde das halt auch nichts ändern.

Übrigens weils zum Thema gerade passt: Aktuelle Auschreibung eines AN-Postens bei uns in der Gruppe. Bewerbungen: 0. Trotz Wirtschaftskrise. Konsequenz des AG/DH: Dann streichen wir den Dienstposten eben wenn man ihn eh nicht besetzen kann. Grenzt alles schon ein bisschen an Realsatire mittlerweile...

Rheini

Ich finde das der Ton die Musik macht und es eben manchmal nicht neutral vorgetragen wird. Bei den AN ist es jetzt halt so, dass die Gewerkschaften dies aufnehmen müssten und es in den Tarifverhandlungen umsetzen. Machen die es nicht oder unzureichend, sind nicht die Beamten Schuld obwohl ich mir vorstellen könnte, dass der DH/AG es mit der Aussage "Wir würden den AN gerne mehr bezahlen, aber den Beamten mussten wir mehr geben, deshalb ist das Säckel leer ...." anstacheln könnten.

KlammeKassen

Zitat von: Rheini in 17.05.2026 14:06@KlammeKassen

Wenn Du Beamter seit Jahrzehnten wärst, an der Besoldung immer mehr und mehr gespart wurde, bei brummender Wirtschaft dich alle für blöd gehalten haben nicht auch bei einem großem Chemie Konzern oder Automobil Hersteller zu arbeiten, Angestelle die doch in den öffentl. Dienst gehen direkt in höheren Entgeltgruppen eingestiegen sind während Du alle drei Jahre auf eine Beurteilung gewartet hast um mal ne Beförderung zu bekommen und jetzt wo die Wirtschaft lahmt und es so aussieht als wenn Karlsruhe den DH einen Rüffel nach zwei Jahrzehnten erteilt!!!!!! und nun bei lahmender Wirtschaft und vielleicht neu angestellen Kollegen immer während zu hören "Es ist nicht gerecht das ich als Angestellter weniger bekomme als der Beamte", dann verstehe ich das meine verbeamteten Kollegen (und ich) sauer sind.

Dabei vergessen nämlich viele Leute, das selten eine Gruppe immer die Gewinner sind. Ich habe in den vier Jahrzehnten nämlich erlebt, dass jede Gruppe mal mehr oder weniger Gewinner oder Verlierer sind. Ift vergessen die Leute nur due Sonnenseite und heulen rum, wenn mal die Wolken kommen.

Ich hoffe, dass ihr euch aber auch immer schön das Netto anseht. Da die Sozialversicherungsbeiträge in den letzten Jahren immer weiter nach oben geschossen sind, ist netto nämlich für die Angestellten das große Problem. Eine 1:1 Übertragung bringt der einen Gruppe netto immer mehr logischerweise.

Gehaltsabrechnung für Mai 2026 erhalten (+ 2,8 % jetzt TVöD).
Prozentual bleiben von der Erhöhung 47,16 % übrig (ohne Kirche, St.kl. I)! D.h. von der Erhöhung gehen 52,84 % direkt in Form von Steuern und Sozialabgaben und VBL weg.
Selbst wenn ich die VBL rausnehmen sind es keine 50 %.

Das ist halt das Problem, warum Leistung sich nicht mehr lohnt (wie inzwischen ja einige Politiker zumindest auch bemerken). Hier ist es eine "einfach mitzunehmende Tariferhöhung", aber bei selbst ausgehandelten Löhnen wäre es ja nicht anders.

Vielleicht kannst du dann auch nachvollziehen, warum wir eher aufs Netto achten und da gibt es selbst in St.kl. I inzwischen enorme Unterschiede.
Und da die Sozialbeiträge eher steigen als sinken werden, werden die Unterschiede immer größer.

Und dass die PKV ein Goldelement ist, stellt sich ja nun wirklich immer mehr raus (und ihr könnt sehr jung da rein; als Angestellter geht es - wenn dann - überhaupt erst spät im Leben = teurer).
Diesen Luxus der PKV gilt es auch immer mit in die Wagschale zu werfen.

Man bekommt jetzt als GKV Patient schon kaum Termine und die Ärzte drohen ja nun sehr offen damit, noch weniger GKV Patienten zu behandeln, dabei gehen inzwischen 900 Euro an die KK jeden Monat....

Urologie-Termin: Anruf im März --> Vorsorgetermin Dezember, GKV
                 Anruf im März --> Vorsorgetermin in 2 Wochen, PKV

selbe Praxis, selber Tag, beide bereits Patienten, haben ein Bekannter (Beamter) und ich mal getestet. Er meint auch, dass das ziemlich unfair wäre, da ich sogar mehr bezahle als er.

Dieses System ist einfach nur noch krank.... aber ja ist halt Wirtschaft. Wo ich mehr verdiene, "gehe ich hin" (heißt hier: den behandel ich zuerst)

GKV und PKV gehören abgeschafft und eine Gleichbehandlung muss dringend stattfinden.

Rheini

Wenn Du meinen Beitrag liest wirst Du hoffentlich feststellen das ich an keiner Stelle erwähnt habe, dass es den AN gut geht.


Mein Punkt ust, dass die Beamten daran nicht Schuld sind und der DH/AG es gerne sieht, wenn beide Gruppen sich gegenseitig anfeinden und keiner auf ihn zeigt.

Ich habe früher den AN in der Privatwirtschaft nichts verleidet. Wenn es mir nicht gepasst hätte, hätte ich mich verändern müssen. Daher sollte heute es auch die AN nicht den Beamten verleiden, sondern bei den Tarifverhandlungen für Ihre Forderungen einstehen ider sich verändern.

KlammeKassen

Zitat von: MeTe in 17.05.2026 17:19Ja das fällt mir zwar durchaus auch auf, aber um mal hier ne Lanze für meine verbeamteten Kollegen aus der echten Welt zu brechen: Die Wissen durchaus um ihre Vorteile und betonen durchaus dass (für sie) der Beamten-Status in der Realität tatsächlich nur Vorteile aber keine Nachteile gebracht hat. Selbe Arbeit, selbe Verantwortung, sie machen exakt das gleiche wie vorher auch, aber für mehr Geld und mit besseren Aufstiegsmöglichkeiten.

Das ist denen durchaus sehr bewusst und raten den AN (mir) auch "sieh zu dass du Beamter wirst" bzw. was man öfter mal hört "wenn man dir kein Angebot für ne Beamtung macht, würde ich mich an deiner Stelle anderswo umsehen". Nur der Dienstherr muss halt mitspielen. Da hilft der Zuspruch meiner verbeamteten Kollegen wenig.

Mag aber auch daran liegen dass es sich dabei um praktisch ausschließlich Quereinsteiger handelt die erst AN und dann Beamte waren und daher den direkten konkreten Vergleich Vorher-Nachher haben. Von denen streitet keiner ab dass sie gegenüber den AN im öD besser gestellt sind, das ist denen durchaus sehr bewusst. Und sie finden das Verhalten des Dienstherrn bzw. AG genauso willkürlich bzw. unfair wie die AN auch.

Bei uns teilen Beamte und AN eigentlich  ihre sehr kritische Sicht auf das Vorgehen des Dienstherrn bzw. AG. Tendenziell würde ich sogar sagen, die Beamten sind fast noch genervter davon weil sie es ausbaden müssen wenn die AN ständig weglaufen und die Stellen dann wieder jahrelang unbesetzt bleiben. Wieso die Stimmung in diesem Forum so erheblich von der Stimmung in meiner Behörde abweicht - weiß ich nicht.

Ja eben, das ist das Problem.
Bei Polizisten, Richtern, Staatsanwälten, Zoll kann ich das auch nachvollziehen, dass die eine besodnere Stellung haben (wichtige Positionen, risikobehaftet, sorgen für unsere Sicherheit).
Dass aber in Behörden dieselben Aufgaben erledigt werden und es zu solchen Differenzen kommt, ist einfach nicht nachvollziehbar.

Und prinzipiell müsste man ja eigentlich den Angestellten mehr bieten, weil die auch woanders hingehen können... aber irgendwie sieht man das im öffentlichen Dienst ja nicht so... dann müssen die Kollegen halt die Aufgaben mit auffangen.

Dass Stellen nicht nachbesetzt werden können, kenne ich auch sehr gut... wie soll das erst aussehen, wenn die Wirtschaft wieder läuft und es durch Babyboomerwegfall (erste sind ja schon in Rente davon) weniger Arbeitskräfteangebot auf dem Markt gibt??

KlammeKassen

Zitat von: Rheini in Gestern um 07:14Wenn Du meinen Beitrag liest wirst Du hoffentlich feststellen das ich an keiner Stelle erwähnt habe, dass es den AN gut geht.


Mein Punkt ust, dass die Beamten daran nicht Schuld sind und der DH/AG es gerne sieht, wenn beide Gruppen sich gegenseitig anfeinden und keiner auf ihn zeigt.


Da hast du definitiv Recht. Aber wie löst man das Problem?
Da müssten sich die Gewerkschaften mal für eine Gleichbehandlung einsetzen...

Aber ich glaube nicht, dass das bei den Tarifverhandlungen eine Rolle spielen wird...
Verdi und DBB sind happy, wenn EG1-EG6 eine "Mindestens XYZ Euro" Erhöhung bekommen, dann sind sie zufrieden

Rheini

Zitat von: KlammeKassen in Gestern um 07:19Da hast du definitiv Recht. Aber wie löst man das Problem?
Da müssten sich die Gewerkschaften mal für eine Gleichbehandlung einsetzen...

Aber ich glaube nicht, dass das bei den Tarifverhandlungen eine Rolle spielen wird...
Verdi und DBB sind happy, wenn EG1-EG6 eine "Mindestens XYZ Euro" Erhöhung bekommen, dann sind sie zufrieden

Na wenn es nicht die Gewerkschaften lösen, evtl. nach dem die Mitglieder Druck gemacht haben, wer sonst kann es ändern? Bashimng den Beamten gegenüber, wird es zu 100% nicht lösen.

D-x

Zitat von: ahbeha in 15.05.2026 09:40Zwei Systeme, ja ich weiß. Ich stelle mir nur die Frage, wie das ganze in Zukunft noch zusammengehen kann.
Genau diese zentrale Aussage des Ausgangspostings wird doch schon dort und auch im Folgenden quasi gar nicht mehr beachtet. Es sind eben zwei verschiedene Systeme, zwar mit einem gewissen Zusammenhang aber eben auch entscheidenden Unterschieden, die sich ebenso vergleichen lassen wie Äpfel mit Birnen. Vergleiche mit der freien Wirtschaft (und womöglich dann noch den IG-Metall-Bereich) werden dann noch ungeeigneter.

Die Unterschiede sind eindeutig vorhanden, besonders gut sichtbar bei Personen mit gleicher Tätigkeit, etwa Lehrern. Das ist gewissermaßen bekannt und begründet. Und ganz prinzipiell steht es jedem im Rahmen seiner Möglichkeiten frei, den Weg seiner Wahl einzuschlagen.

Und zur Frage, wie das zusammengehen kann: Das muss es doch eben nicht. Arbeitgeber/Dienstherren müssen für sich klären, welche Stelle mit welcher Rolle zu besetzen ist. Es gab mal den nicht abwegigen Vorschlag von Fachleuten, nur noch bei Polizei, Justiz und Finanzamt zu verbeamten, wo entsprechende "Treue" wirklich relevant sei, während es in Verwaltung, Schulen u.Ä. überwiegend keine derartige Notwendigkeit gebe.

Umlauf

Zitat von: KlammeKassen in Gestern um 07:19Da hast du definitiv Recht. Aber wie löst man das Problem?
Da müssten sich die Gewerkschaften mal für eine Gleichbehandlung einsetzen...

Aber ich glaube nicht, dass das bei den Tarifverhandlungen eine Rolle spielen wird...
Verdi und DBB sind happy, wenn EG1-EG6 eine "Mindestens XYZ Euro" Erhöhung bekommen, dann sind sie zufrieden

Und selbst im unteren Bereich ist die Beteiligung beim Streik recht überschaubar. Um es mal höflich auszudrücken.