Rentenreform 2026/ 2027

Begonnen von BAT, Gestern um 13:27

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MoinMoin

Zitat von: BAT in Heute um 08:11Ich arbeite nicht auf ein Alter hin, sondern auf ca. 50 Rentenpunkte. Wenn ich durch die neuen Regelungen zeitlich länger arbeiten muss, werde ich meine Wochenstunden weiter nach unten anpassen und damit aufgrund des geringeren Bruttos weniger Lohnsteuern zahlen bis ich die Punkte erreicht habe.

Ob sich die gewonnene Freizeit auf meine Lebenserwartung auswirkt ist fraglich, ich denke aber einschlägig.
Trotzdem kann ich nicht erkenne wo da plötzlich der Gewinn wäre.
Du musst länger arbeiten (kein Gewinn)
Du verdienst weniger (keine Gewinn)
Du zahlst insgesamt mehr Lohnsteuer (kein Gewinn)
Du hast weniger Freizeit gewonnen, da du länger arbeiten musst. Auch kein Gewinn.

Du hast täglich geringer Stunden zu arbeiten (schön gerechneter Gewinn)
Du zahlst monatlich weniger Lohnsteuer (schön gerechneter Gewinn)

Also ab die Reduktion um 30 min pro Tag dafür 300 Tage länger arbeiten gesundheitlich ein Gewinn sein wird?

MoinMoin

Zitat von: BAT in Heute um 11:01Abgesehen davon, dass man bei der Abschlagsrente nicht spart
Doch in den nächsten 20 Jahren spart man zunächst da massiv. Weil weniger Jahre Abschlagsrente zu zahlen ist.
Dieser Kredit wird natürlich dann in 20 Jahren zurückgezahlt.

Petar T.

Die abschlagsfreie Rente wird ja auch als Anerkennung dafür verstanden, dass diese Personen dem Arbeitsmarkt außergewöhnlich lange und verlässlich zur Verfügung standen.

Früher Berufseinstieg korreliert mit körperlicher Arbeit. Personen mit 45 Beitragsjahren haben meist früh angefangen, im Handwerk, der Industrie, in der Pflege oder auf dem Bau. Akademische Karrieren lassen 45 Beitragsjahre bis zum 65. Lebensjahr rechnerisch meist nicht zu. Viele Menschen in körperlich oder psychisch extrem fordernden Berufen schaffen es auch schlicht nicht, gesund bis 67 zu arbeiten.

Es gibt zahlreiche Studien, die belegen, dass Menschen mit niedrigerem Einkommen und hoher körperlicher Belastung eine signifikant geringere Lebenserwartung haben als Akademiker und Gutverdiener.

Die biometrische Wahrscheinlichkeit, die du ins Spiel bringst, greift ohnehin. Die statistische Bezugsdauer ist einfach geringer.

Insofern darf man gerne mit 65 abschlagsfrei in Rente gehen.

MoinMoin

Zitat von: Petar T. in Heute um 11:30Früher Berufseinstieg korreliert mit körperlicher Arbeit. Personen mit 45 Beitragsjahren haben meist früh angefangen, im Handwerk, der Industrie, in der Pflege oder auf dem Bau
Nein, es korreliert mit Ausbildungsberufen.

MoinMoin

Zitat von: Petar T. in Heute um 11:30Die abschlagsfreie Rente wird ja auch als Anerkennung dafür verstanden, dass diese Personen dem Arbeitsmarkt außergewöhnlich lange und verlässlich zur Verfügung standen.
Sie gilt auch für eine Abreitkraft, die 45 Jahre nur 5 Wochenstunden gearbeitet hat.

MoinMoin

Zitat von: Petar T. in Heute um 11:30Es gibt zahlreiche Studien, die belegen, dass Menschen mit niedrigerem Einkommen und hoher körperlicher Belastung eine signifikant geringere Lebenserwartung haben als Akademiker und Gutverdiener.

Die biometrische Wahrscheinlichkeit, die du ins Spiel bringst, greift ohnehin. Die statistische Bezugsdauer ist einfach geringer.
Deswegen fände, finde ich es sachgerechter, an solchen Parameter die Abschlagsfeiheit zu binden (Die Bergmänner mit ihrer Kohlestaublunge haben oftmals nicht die 70 gesehen)

BAT

Zitat von: MoinMoin in Heute um 11:24Also ab die Reduktion um 30 min pro Tag dafür 300 Tage länger arbeiten gesundheitlich ein Gewinn sein wird?

Meine Zahlen waren, wie angegeben, ein Beispiel. Keine Ahnung, wo das hinausläuft, die Reform ist nicht beschlossen und auch die Einkommensteuer ist nicht neu geregelt.

Das können dann auch 10 Wochenstunden weniger sein, von vier auf drei Arbeitstag mit allen Konsequenzen. Ich hatte das ja noch nicht mal für den bisherigen Renteneintritt ausgerechnet, zumal ich derzeit noch die 62 mit Schwerbehinderung habe. (Hierzu hört man gar nichts) Da ich künftig ganz wesentlich aus Kapitalerträgen leben möchte, überträgt sich der geringere Lohnsteuersatz natürlich auch auf die Zinsen. Zählt insofern doppelt.



MoinMoin

Zitat von: Petar T. in Heute um 11:30Insofern darf man gerne mit 65 abschlagsfrei in Rente gehen.
Insofern sind aktuell ein Großteil derjenigen, die abschlagsfrei in Rente gehen, eben die Gutverdiener mit Bürojob (wie meine Gattin) und nicht der Gerüstbauer mit Mindestlohn (der eher Schwierigkeiten hat die 45 voll zu bekommen) und es gehört in dieser Form klar abgeschafft.

BAT

Zitat von: MoinMoin in Heute um 11:27Doch in den nächsten 20 Jahren spart man zunächst da massiv. Weil weniger Jahre Abschlagsrente zu zahlen ist.
Dieser Kredit wird natürlich dann in 20 Jahren zurückgezahlt.

Man spart nur, wenn die Prozente des Abschlages nicht genau berechnet sind. Die Abschläge sind ja systematisch zu verringern, wenn sie den künftigen, verkürzten Bezug, abbilden sollen. Alles andere wäre ein, durchaus nachvollziehbare politische Entscheidung. Wir reden aber von einem wissenschaftlichen Gremium, welches offenbar den Sinn der Abschlagsrente nicht durchdrungen hat.

MoinMoin

Zitat von: BAT in Heute um 11:36Meine Zahlen waren, wie angegeben, ein Beispiel. Keine Ahnung, wo das hinausläuft, die Reform ist nicht beschlossen und auch die Einkommensteuer ist nicht neu geregelt.

Das können dann auch 10 Wochenstunden weniger sein, von vier auf drei Arbeitstag mit allen Konsequenzen. Ich hatte das ja noch nicht mal für den bisherigen Renteneintritt ausgerechnet, zumal ich derzeit noch die 62 mit Schwerbehinderung habe. (Hierzu hört man gar nichts) Da ich künftig ganz wesentlich aus Kapitalerträgen leben möchte, überträgt sich der geringere Lohnsteuersatz natürlich auch auf die Zinsen. Zählt insofern doppelt.



Trotzdem wirst du immer Verlierer bei dieser Reform sein und kannst kein Gewinner werden, wenn du aktuell die abschlagsfreie Rente bekommen könntest.
Das war für mich halt das Rätsel, wie man sich da ein Gewinn konstruieren kann, durch die Reform.

Petar T.

Ich bin völlig bei dir, das sind nur die typischen Argumente, die man von linker Seite hört.
Du hast es zutreffend erkannt.

Aus dem DIW-Wochenbericht 48/2024 zitiert:

Zitat•  Als ,,Rente mit 63" bekannte Regelung begünstigt aber oft nicht Personen, die beruflich sehr stark
belastet sind
• Fast 70 Prozent der westdeutschen Männer des Jahrgangs 1957 mit mindestens
45 Versicherungsjahren waren insgesamt nicht sehr hoch körperlich oder psychisch belastet

Hier auch als Bericht des BR: https://www.br.de/nachrichten/wirtschaft/rente-mit-63-koennte-wegfallen-wer-nutzt-sie-ueberhaupt,VNH3JTx

MoinMoin

Zitat von: BAT in Heute um 11:39Man spart nur, wenn die Prozente des Abschlages nicht genau berechnet sind. Die Abschläge sind ja systematisch zu verringern, wenn sie den künftigen, verkürzten Bezug, abbilden sollen. Alles andere wäre ein, durchaus nachvollziehbare politische Entscheidung. Wir reden aber von einem wissenschaftlichen Gremium, welches offenbar den Sinn der Abschlagsrente nicht durchdrungen hat.
Wenn die Abschläge zu niedrig sind und statistisch über alle die Menschen mehr rausbekommen, dann ist es in der Tat kein Nullsummenspiel.

Es ist aber immer ein Gewinn für die nächsten 20 Jahre, wenn man diese Rente erst 1 Jahr später erlaubt.
Das hat das Gremium durchdrungen und du noch nicht verstanden.

BAT

Zitat von: MoinMoin in Heute um 11:42Wenn die Abschläge zu niedrig sind und statistisch über alle die Menschen mehr rausbekommen, dann ist es in der Tat kein Nullsummenspiel.


Ich denke wir sind uns einig, dass die Abschlagsrenten im Auszahlungsvolumen für den Einzelnen immer gleich bleibt. Da gibt es keine Einsparungen für das System. Ein Jahr später in den Abschlag bedeutet geringere Abschläge und das gleiche Auszahlungsvolumen im Schnitt.

MoinMoin

Zitat von: BAT in Heute um 11:48Ich denke wir sind uns einig, dass die Abschlagsrenten im Auszahlungsvolumen für den Einzelnen immer gleich bleibt. Da gibt es keine Einsparungen für das System. Ein Jahr später in den Abschlag bedeutet geringere Abschläge und das gleiche Auszahlungsvolumen im Schnitt.
Korrekt.
Aber rechne einfach mal das Auszahlungsvolumen aus, welches ausgezahlt wurde, wenn
Person A 4 Jahre vorher Rente es beziehen kann (14,4% Abschlag) gegenüber demjenigen B, der 3 Jahre (10,8%) vor der Rente es beziehen kann (ich nehme mal einfach an, dass er nix in die Rente mehr einzahlt.

wenn die dann mit 70, 75, 80, 85 sterben, bei wem wurde mehr ausgezahlt? Bei A und das ist der Gewinn!
Ab 87,5 wird B billiger für die Rentenkasse.

Also ich denke das Gremium hat das sehr wohl verstanden und gerechnet. Oder ich habe mich verrechnet.

Bürohengst

Wir Millennials sind wirklich nicht zu beneiden. Erst ein oft schwieriger Berufseinstieg ("Generation Praktikum") wegen zu vielen Besitzstands-Boomern vor der Nase und beim Berufsausstieg wiederholt sich dann das Spielchen. Ich gönne jedem aus dieser Alterskohorte mit 45+x Beitragsjahren seinen Ruhestand, aber wenn die reihenweise 90 werden, dann gute Nacht Johanna. Was für ein geschmackloses System, dass der Zeitpunkt des Rentenbeginns künftig so gut wie gar nicht mehr von der erbrachten Lebensarbeitsleistung als Zielvorgabe abhängt, sondern viel mehr davon, wie schnell die Vorgänger-Generation den Löffel abgibt und man insgeheim nochmal auf sowas wie Corona hoffen muss. Bevor ich aber mit 68 auf allen Vieren aus dem Amt rauskrieche, ziehe ich lieber den ALG1-Joker und dann freue ich mich mit 65 auf Vermittlungsvorschläge von der Bundesagentur und ansonsten ganz viel Dolce Vita im getarnten Vorruhestand.
Aber nun gut, bis dahin wird noch ein paar Mal gewählt und ob man mit den jetzt anstehenden Reformmaßnahmen und den sich daraus abzeichnenden Problemen in einer bis dahin stark KI-dominierten Arbeitswelt dann noch so glücklich ist, darf auch bezweifelt werden.