Rentenreform 2026/ 2027

Begonnen von BAT, 23.06.2026 13:27

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Faunus

Kommt drauf an, zu welchem Jahrgang man gehört.
So für die Geburtsjahre ab 2005 dürfte um einiges mehr rum kommen.
Aber wer weiß schon, was in ca. 50 Jahren dann wieder los ist.
Ein Haufen Aliens dazugekommen...
Ahh, doch - gibt wahrscheinlich kein förderbares Erdöl mehr.

Faunus

Mir spukt bei der Rentenreform etwas ganz anderes im Kopf rum.
Die gesetzliche Rente soll um einen kapitalgedeckten Teil ergänzt werden. Über einen Staatsfonds oder die Bundesbank sollen Beitragsgelder am Kapitalmarkt angelegt werden, um langfristig das Rentenniveau zu stabilisieren.

Was ist, wenn die Bundes-/Landes-Regierung(en) sich da ein Hintertürchen offen lassen und u.U. Zuwachs abschöpfen um die Löcher zu stopfen, die bei den Pensionen ja nun zwangsläufig auch entstehen?
Wurde die Bundeswehr nicht aus den Renteneinzahlungen in den 50er Jahren aufgebaut? Wie konnten die Beitragsgelder zur Rente eigentlich so zweckentfremdet werden?

Rheini

Das befürchte ich auch. Wird der Kaptalgedeckte Teil ein Erfolg, wird man dies nutzen, um den Bereich der gesetzlichen Rente abzuschmelzen. Fraglich ist dann wenn Jahre kommen, wo der Kapitalgedeckte Teil mal nicht so positiv ausfällt. Ich befürchte das dann die gesetzliche Rente nicht in gleichen Maße wieder ansteigt.

Insoweit wird es zum großen Teil dem Staat als Zuschußgeber nutzen, wobei wir ja alle "der Staat" sind und das freigewordene Geld zu unserem Wohle eingesetzt wird.

Rowhin

Zitat von: Faunus in Heute um 09:12Wurde die Bundeswehr nicht aus den Renteneinzahlungen in den 50er Jahren aufgebaut? Wie konnten die Beitragsgelder zur Rente eigentlich so zweckentfremdet werden?

Indem die Rentenreform 1957 und die Wiederbewaffnung/Gründung der Bundeswehr 1955 zwei separate Vorgänge waren. Man kann natürlich linkes Säckel, rechtes Säckel rufen, aber die Umstellung auf das Umlageverfahren wurde vor allem damit begründet, dass der ursprünglich für die kapitalbasierte Rente vorgesehene Kapitalstock durch Krieg, Inflation und Währungsreformen so weit zerstört worden war, dass er quasi nicht mehr vorhanden war. Aber direkt aus den Rentenzahlungen wurde da nichts finanziert.

Man kann natürlich diskutieren, und das wird ja auch fleißig unter Ökonomen, ob man trotzdem bei der kapitalbasierten Rente hätte bleiben sollen.

...aber nur, weil es damals nicht ganz so war, heißt das natürlich nicht, dass es nächstes Mal nicht so kommen kann.

BAT

Unterliegen die Kapitalanlagen des Rentenfonds eigentlich der Kapitalertragssteuer?

In Bezug auf eine Entnahme habe ich keine großen Bedenken, aber Einnahmen/ Ausgaben werden in Deutschland ja besteuert, dass es nur so knallt. Bei der Rente ja bei Ein- und Auszahlungen.

Majon

Zitat von: BAT in Heute um 09:36Unterliegen die Kapitalanlagen des Rentenfonds eigentlich der Kapitalertragssteuer?

Davon sollte man wohl ausgehen!

MoinMoin

Zitat von: Rowhin in Heute um 09:31Indem die Rentenreform 1957 und die Wiederbewaffnung/Gründung der Bundeswehr 1955 zwei separate Vorgänge waren. Man kann natürlich linkes Säckel, rechtes Säckel rufen, aber die Umstellung auf das Umlageverfahren wurde vor allem damit begründet, dass der ursprünglich für die kapitalbasierte Rente vorgesehene Kapitalstock durch Krieg, Inflation und Währungsreformen so weit zerstört worden war, dass er quasi nicht mehr vorhanden war. Aber direkt aus den Rentenzahlungen wurde da nichts finanziert.

Man kann natürlich diskutieren, und das wird ja auch fleißig unter Ökonomen, ob man trotzdem bei der kapitalbasierten Rente hätte bleiben sollen.

...aber nur, weil es damals nicht ganz so war, heißt das natürlich nicht, dass es nächstes Mal nicht so kommen kann.
Und wäre spannend welche antworten diese Ökonomen haben, auf die Frage wie man dann die 16 Mio DDR Bürger hätte integrieren können.

Warnstreik

Zitat von: Majon in Heute um 14:28Davon sollte man wohl ausgehen!

Wieso sollte man das? Die Auszahlungen werden erst bei Rentenerhalt versteuert - und dann natürlich auch komplett.

Da jeder Bürger sein eigenes, individuelles Rentenkonto erhält und hier die Entwicklung verfolgen kann, gehe ich nicht davon aus, dass der Gesetzgeber hier irgendwelche Zugriffe hat. Natürlich kann er - wenn das alles gut angelaufen ist, den Umlageteil etwas runterfahren, aber kurzfristig geht auch das sicher nicht.

BAT

Mir ging es um den Zugriff des Staates auf die Renten.

Womöglich führt der Fonds zukünftig selbst als Institution die Kapitalertragssteuer ab (nicht der Rentner individuell) und damit werden für alle die derzeitigen Steuern von 25 % fällig (bzw. etwas mehr wegen dem Soli).

Rowhin

Zitat von: MoinMoin in Heute um 16:18Und wäre spannend welche antworten diese Ökonomen haben, auf die Frage wie man dann die 16 Mio DDR Bürger hätte integrieren können.

Puh. Mal schauen, ob ich das aus dem Stegreif und der Erinnerung noch hinbekomme (Erinnerung an die Diskussion später, als '89er Jahrgang kann ich nur auf Sekundärquellen zurückgreifen 😉).

Die Pro-Kapitalrente-Seite hat soweit ich mich entsinne primär argumentiert, dass die Wiedervereinigung mit einem großen angesparten Rentenfonds leichter zu finanzieren gewesen wäre und dass die Kosten der DDR-Integration stärker aus Staatshaushalt und Kapitalerträgen hätten getragen werden können. Somit wäre es auch als Staatskraftakt sichtbar geworden.
Das Geld hätte dann primär aus Bundeshaushalt, Sonderausgaben, Kreditaufnahme, Privatisierungserlösen (Treuhand) und Solidaritätszuschlag kommen sollen.

Die Contra Seite hielt und hält natürlich dagegen, dass auch ein Kapitalstock die realwirtschaftlichen Kosten der Wiedervereinigung nicht beseitigt hätte und dass nach Krieg und Währungsreform in den 1950er Jahren eben ohnehin kein nennenswertes Rentenvermögen mehr vorhanden war, auf dem man hätte aufbauen können.

Die Diskussion hat sich (meines Laienswissens nach, bin selbst kein Ökonom) seitdem auch etwas verschoben von ,,Hätte die Wiedervereinigung mit Kapitaldeckung funktioniert?" zu eher: ,,Wie groß wäre ein deutscher Rentenfonds 1990 tatsächlich gewesen, wenn man 1957 nicht auf das Umlageverfahren umgestellt hätte?" Wenig überraschend ist man sich auch da uneins 😉

...unter anderem, weil einige argumentieren, die Politik hätte da einige Male gern zugegriffen, um rentenfremde Dinge gegenzufinanzieren.