E3 auf E6 - tägliche Crunchtime und extremer Zeitdruck normal?

Begonnen von Joey2000, 29.08.2026 19:57

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Joey2000

Hallo liebe MitleserInnen,

ich habe folgendes Problem, und zwar wurde ich nun nach 6 Jahren im ÖD auf E3 nach Bewerbung auf eine E6 Stelle gesetzt. Allerdings hat die dort zu erledigende Arbeit eigentlich kaum was mit der Stellenbeschreibung zu tun und mir wurde erst NACH der Umsetzung dort eröffnet, dass es sich um eine Stelle handelt, bei der man enormem Zeitdruck und Stress gewachsen sein muss.

So eine Stelle habe ich aber ehrlich gesagt nicht wirklich gesucht. Ich habe schon einen Burnout hinter mir in meiner Zeit vor dem ÖD und wollte lediglich eine Stelle, bei der ich etwas mehr verdiene und die ich möglichst bis zur Rente (bin 50J) weitermachen kann und die im Gegensatz zu meiner bisherigen E3 Stelle auch nicht von Stellenabbau bedroht ist. So habe ich das im Bewerbungsgespräch auch kommuniziert, aus taktischen Gründen allerdings den Burnout nicht erwähnt, aber gesagt, dass ich nur 35 Std./Wo. arbeite. Das war alles angeblich kein Problem.

Nun bin ich seit letzten Dienstag auf der Stelle und arbeite dort mit einer Dame zusammen, die mir gleich gesagt hat, dass sie ca. 10 Std. täglich nahezu ohne Pause arbeitet und dies dort auch "normal" sei, Die Arbeit selbst ist jetzt auch nicht wirklich kompliziert, lediglich die Masse und der enorme Zeitdruck waren ehrlich gesagt eine ziemliche Überraschung für mich, da davon vorher keine Rede war, ansonsten hätte ich die Stelle sicher nicht angetreten.

Meine E3 Stelle war ziemlich entspannt, die Kollegen waren mit meiner Arbeit sehr zufrieden und nun habe ich nach nur vier Tagen in der neuen Stelle bereits die Pistole auf die Brust gesetzt bekommen, dass ich mir am Wochenende Gedanken machen soll, ob ich dem dort herrschenden Stress gewachsen sei. Das Problem ist jetzt nur, dass ich keine Lust habe, nach nur einer Woche wie der letzte Idiot da zu stehen und zurück zu meiner alten Stelle zu gehen, sofern sie überhaupt noch existiert, nur weil mir vorher keiner was gesagt hat, was mich dort erwartet.

Ich würde auch gerne erstmal probieren, ob ich nicht vielleicht doch damit klar komme. Als ich denen gesagt habe, dass ich das ggf. erstmal mit dem Personalrat besprechen möchte, wurde gleich ein Gesicht gezogen. Vermutlich, weil dann rauskäme, dass dort gegen so ziemlich jedes Arbeitsrecht verstoßen wird. Ich meine, man hat mir natürlich nicht offiziell verbieten können, Pause zu machen bzw. in der Kantine essen zu gehen, allerdings mit dem Zusatz, dass in der Zeit ja locker 100 neue Fälle eingehen, die ich dann bis Zeitpunkt x erledigen muss.

Laut der schriftlichen Verfügung kann man mich frühestens nach einem halben Jahr bewerten, ob ich geeignet bin. Als ich das dort angesprochen habe, wurde mir gesagt, dass ich bei Nichteignung auch sofort gehen müsste. Dann wäre das ganze Theater für ganze 0 Euro gewesen. Keine Ahnung, was da abgeht, deshalb meine Fragen:

Können die einen wirklich schon nach nicht mal einer Woche "absägen"?

Ist das rechtlich überhaupt zulässig, jeden Tag Überstunden machen zu müssen?

Macht es Sinn, mich damit an den Personalrat bzw. die Gewerkschaft zu wenden?

Was würdet ihr in diesem Fall tun?

Am ersten Tag, der einige Wochen vorher terminiert war, wurde mir auch gesagt, dass es im Moment mit dem Einarbeiten eher schlecht sei, da in ein anderes Dienstgebäude umgezogen wird. Ich habe dann von mir aus angeboten, Urlaub zu nehmen, fand das ganze Verhalten aber auch da schon etwas komisch ehrlich gesagt.

Was würdet ihr mir raten, damit ich wenigstens mit ein bisschen mehr Geld und ohne Gesichtsverlust aus der Sache rauskomme?

Ich würde es zumindest schon aus finanziellen Gründen zumindest noch ein paar Monate probieren wollen, auch wenn ich ehrlich gesagt jetzt schon total bedient bin, wie dort die Leute "verbrannt" werden.

Was meint ihr?


Buggula

Schaff dich nicht kaputt. Es dankt dir keiner. Wir sind alle nur Menschen und keine Maschinen. Personalrat ins Vertrauen nehmen, ist nie verkehrt.

Geh doch in die Diskussion mit dem/der Vorgesetzten: ,,Meine Arbeitsleistung ist hier nur so schlecht, weil ich nicht eingearbeitet wurde"

,,Wenn ich unter großem Druck arbeiten muss, mache ich nur noch mehr Fehler"

Ich würde versuchen kleine, realistische Ziele auszuhandeln (x Fälle pro Woche) und dann später steigern, wenn möglich.

Pass auf, dass so viel Stress dich nicht krank macht.

Und zur Not kannst du die Personalabteilung immer noch bitten  dich zu evakuieren. Hab schon paar mal erlebt, dass plötzliche interne Versetzungen möglich waren. Das ist keine Schande.

Lass dich nicht unterkriegen!

BalBund

Ich mache mich eventuell damit unbeliebt aber wenn wir davon ausgehen, dass Du eigentlich einen akzeptabel bezahlten Job bis zur Rente haben wolltest, dann hilft Dir vielleicht dieses hier:

ZitatDer Tarifbeschäftigte schuldet aus seinem Arbeitsvertrag eine Arbeitsleistung mittlerer Art und Güte

Wenn man sich das einmal zu Herzen nimmt und sich klar macht, dass man von 10 Fristen 4 reißen kann, ohne, dass die eigene Arbeitsleistung damit als schlecht/unzureichend (mit allen daraus möglichen Folgen) bewertet werden dürfte, so lebt es sich auf solchen Dienstposten gleich viel entspannter.

 Nur weil Eifer-Elfriede nie Pause macht und sich unersetzlich fühlt muss das nicht für einen selber gelten. Mach die Pause, geh nach der geschuldeten Arbeitszeit und Ende, niemand wird Dich dafür belangen können. Falls es doch jemand versucht, ab zum Personalrat.

Disclaimer: Solltest Du in einem Lagezentrum oder einer Leitstelle sein, wo tatsächlich zeitkritische Reaktionen erforderlich sind auf die Eingänge und nicht nur, weil der "Prozess" das so vorsieht, mag die Sachlage eine andere sein. Davon gehe ich hier aber nicht aus.

Petar T.

Du arbeitest deine 35 Stunden und damit ist die Sache erledigt.

Du machst täglich eine Pause von mindestens 30 Minuten, sofern du mehr als 6 Stunden arbeitest. Sind es mehr als 9 Stunden, machst du weitere 15 Minuten Pause.

Missachtest du diese gesetzliche Regelung, begehst du eine arbeitsvertragliche Pflichtverletzung. Weist dich ein Vorgesetzter an, die Pausenzeiten zu ignorieren, begeht auch dieser eine arbeitsvertragliche Pflichtverletzung. Darüber hinaus drohen deinem Arbeitgeber Bußgelder und dem Vorgesetzten im schlimmsten Fall eine Freiheits- oder Geldstrafe.

Der Arbeitgeber kannte deine wöchentliche Arbeitszeit. Sollte die Stelle nicht teilzeitgeeignet sein, ist das nicht dir anzulasten. Sollte die Arbeit über die gesamte Abteilung hinweg nicht in der Sollarbeitszeit erledigt werden können, muss das dem Arbeitgeber spätestens beim Blick auf die Stundenkonten auffallen. Dann seid ihr offensichtlich unterbesetzt.

MeTe

Sofern du nicht persönlich an der Stelle bzw. eher am Ergebnis der Tätigkeit hängst kann ich dem nur zustimmen -> nicht unter Druck setzten lassen bzw. Stelle wechseln wenn unzumutbar.

Ich kenne auch solche Stellen, bzw. noch extremere wage ich zu behaupten. Hatte mal im öD den Fall einer Stelle mit 100h-Wochen, wochenlangen durcharbeiten (inkl. Wochenenden und Feiertagen), arbeiten im Urlaub, usw., alles ohne Zeit- oder Geldausgleich da keine Arbeitszeiterfassung (auf dem Papier hatten wir natürlich Urlaub/Freizeit/etc.).

Gewerkschaft hat das nicht interessiert, obwohl du es mit E6 nochmal probieren könntest (mir E1X wurde damals seitens Gewerkschaft inhaltlich gesagt, 'dafür verdient ihr ja auch entsprechend'). Personalrat - keine Ahnung ob der überhaupte existiert hat, hab ich nie was von gehört. Solche "Institutionen" kannste aus meiner Erfahrung komplett vergessen.

-> Es dankt einem keiner. Vielleicht bekommste nen feuchten Händedruck wenn du nach Jahren auf ne andere Stelle wechselst und bei der Weihnachtsfeier ein Schulterklopfen... und mehr Aufgaben weil du ja so fleißig bist. Also lass es. Mach deinen Job und nicht mehr. Hat bei mir lange gedauert bis ich das kapiert habe, dass Mehrleistung nur Nachteile hat, du bist da anscheinend schon weiter - also bleib auch dabei.

Joey2000

Vielen Dank für eure Antworten und Einschätzungen.

ZitatDisclaimer: Solltest Du in einem Lagezentrum oder einer Leitstelle sein, wo tatsächlich zeitkritische Reaktionen erforderlich sind auf die Eingänge und nicht nur, weil der "Prozess" das so vorsieht, mag die Sachlage eine andere sein. Davon gehe ich hier aber nicht aus.

Naja, es geht halt um Gesundheitsmaßnahmen und da kann ich schon verstehen, dass diese möglichst zeitnah umgesetzt bzw. bearbeitet werden sollten und ansonsten die Sozialdienste drängeln. Allerdings verstehe ich nicht, warum der Staat zwar Geld für Radwege in Peru hat, sich aber weigert, dort mehr als zwei Hansels bzw. Hanselinnen hinzusetzen, bei der Masse unter permanentem Zeitdruck.

Zusätzlich ärgert mich, dass das nicht von Anfang an so kommuniziert wurde und mir erst hinterher diesbezüglich die Pistole auf die Brust gesetzt wurde, ob ich dem Druck und Stress standhalte oder falls nicht besser gleich gehen sollte. Ich meine, ich mache mich doch im ganzen Haus zum kompletten Idioten, wenn ich nach ca. 2 Wochen da wieder abgesägt werde.

Da fängt es ja schon an, ich bin davon ausgegangen, mind. ein halbes Jahr Zeit zu haben. Laut Schreiben heißt es, dass eine Beurteilung zur Eignung frühestens nach einem halben Jahr abgegeben werden kann. Dort sagte man mir dann hinterher, dass man mich auch quasi gleich absägen könnte, falls ich mir den ganzen Stress und Druck, von dem vorher keine Rede war, nicht zutraue. Sogar noch mit dem Hinweis, dass ich keine falsche Scham haben sollte und ehemalige Kollegen, die sich nicht eingestanden haben, dass das zu stressig für sie ist, hinterher einen Burnout hatten. Ja, Dankeschön.  ::)

In der Stellenbeschreibung stand nix von permanentem Zeitdruck,eher von "abwechslungsreicher Tätigkeit mit Weiterentwicklungsmöglichkeiten" (looool) und, der größte Brüller, als Vorteil "betriebliches Gesundheitsmanagement".  :o

Zwar hat mir die Kollegin beim ersten Kennenlerntreffen schon gesagt, dass sie regelmäßig 10 Std. + nahezu ohne Pause arbeitet, ich bin aber halt davon ausgegangen, dass wir das dann zu zweit ja sicher schaffen werden. Dass ich das am Ende dann allein machen soll und sie dann andere Aufgaben übernimmt, die aktuell noch an die anderen MA dort aufgeteilt werden, davon war auch erst hinterher die Rede.

Aber ja, im Zweifelsfall next Stop Personalrat.


Organisator

Zitat von: Joey2000 in Gestern um 16:57Ich meine, ich mache mich doch im ganzen Haus zum kompletten Idioten, wenn ich nach ca. 2 Wochen da wieder abgesägt werde.

Wenn dir ein Job versprochen wurde, der der Realität nicht Stand hält, würde ich ihn wieder verlassen. Damit machst du nicht dich zum Idioten sondern allenfalls deinen AG, der dich mit falschen Versprechen gelockt hat.

Verkämpfen im neuen Job hilft da keinem, erst recht nicht dir.

Unterm Strich hat Petar Recht, nur würdest du mit einem Hinweis auf die arbeitsvertraglichen Pflichten wohl auf Dauer im neuen Job nicht glücklich werden.

Und für 10% mehr Geld im Monat das von dir beschriebene Szenario zu ertragen hat wohl auch keinen Wert.

Joey2000

@Organisator: Da gebe ich dir prinzipiell völlig Recht. Die Frage ist nur, ob meine alte Stelle jetzt überhaupt noch existiert oder ob die mich dann auf eine andere E3 Stelle setzen, wo ich vllt. noch Schichtdienst habe oder morgens um 6 antanzen muss und da dann evtl. genauso Crunch schieben muss für noch weniger Geld. Gleitzeit gilt zwar in meiner Behörde, aber nicht für jede Stelle.

Deshalb muss ich zunächst mal mit dem PR abklären, wie es dann ggf. mit mir und meiner ehemaligen Stelle dort weitergehen würde.

Wäre meine ehemalige E3 Stelle nicht seit Jahren von Abbau bedroht, hatte ich mich auf dieses  Experiment auch nicht eingelassen, zumindest nicht ohne vorherige Hospitation.