Frage zu Sonderregelung und Arbeitszeit

Begonnen von serverus, Gestern um 13:19

Vorheriges Thema - Nächstes Thema

serverus

Hallo!

Ich habe eine sehr spezielle Frage zu einer sehr speziellen Situation auf meinem Arbeitsplatz.

Ich arbeite in einem kommunalen Krankenhaus, TVÖD VKA, 38,5 Stunden Woche, 5 Tage Woche, im 3 Schicht Betrieb auf einer Pflegestation.

Das Krankenhaus hat insgesamt 10 Pflegestationen im 3 Schichtbetrieb, dazu noch viele weitere Abteilungen, (medizinisch, pflegerisch, sonstige), die nicht im Schichtdienst arbeiten.

In meinem Arbeitsbereich wurde vor 3 Monaten ein neues Modell eingeführt, vorgestellt von einer Kollegin, die aktuell eine Weiterbildung zur Stationsleitung macht und bereits stellvertretende Stl. in Funktion ist.

Bei dem Modell handelt es sich um ein Team Debriefing am Ende jeder Schicht, alle Mitarbeiter sollen vor dem Verlassen des Arbeitsplatzes kurz darüber sprechen, wie sie sich fühlen und wie sie die jeweilige Schicht empfunden haben.

Dabei wurde auf einer Teambesprechung, bei der selbstverständlich (wegen der Schichtarbeit!) nur wenige Kollegen anwesend waren FESTGELEGT, dass jedes Teamdebriefing stattfinden muss, auch wenn die Sollarbeitszeit überschritten wird.
Man soll sich dann entsprechend Überstunden aufschreiben.

In aller Regel klappen die Debriefings auch ohne Überstunden in der regulären Arbeitszeit.

Ab und zu kommt es aber tatsächlich vor, dass wir nur deswegen länger bleiben (müssen).

Weitere Details:
Wurde nur mündlich und im Rahmen eines abteilungsinternen Teambesprechungsprotokolls festgelegt.
Keine Dienstanweisung
Keine Absprache mit dem BR oder der Personalabteilung
Es gibt keine andere Abteilung im Betrieb, die auch Debriefen.
Es ist kein offizielles Pilotprojekt.
Es gab auch keinen Anlass aufgrund von Kommunikationsproblemen oder ähnlichem im Team.

Ist dies überhaupt zulässig?
Und muss ich immer Überstunden machen, weil wir am Ende der Schicht, nach dem Ende der Arbeit, Debriefen?


In der letzten Woche habe ich den Arbeitsplatz etwa 5 Minuten nach offiziellem Schichtende verlassen und mich verweigert noch am Debriefing teilzunehmen, ich bin auch bereits das ganze vom BR prüfen zu lassen.

Wohlgemerkt nur, wenn deshalb Überstunden entstehen.


Wie ist die Meinung der "Experten" hierzu?

Vielen Dank schonmal vorab, für mögliche Ressonanz.

Fitch

Bei allem was eine Überschreitung der Arbeitszeit mit sich bringt, ist der BR mitbestimmungspflichtig.

Ohne BR, keine Überstunden.

Der BR müsste auch glaubhaft begründen warum er zustimmt oder ablehnt.
Also einfach Ja sagen, is nich.

MoinMoin

Zunächst sind es tariflich gesprochen keine Überstunden, sondern angeordnete Mehrarbeit.
Welches Bundesland?

Gibt es ein BV bzgl. der Arbeitszeitregelungen? Dort könnten solche Dinge geregelt sein.
(z.B. Mehrarbeit von unter eine Stunde sind vom pauschal BR genehmigt o.ä.)


Zitat von: serverus in Gestern um 13:19Wurde nur mündlich und im Rahmen eines abteilungsinternen Teambesprechungsprotokolls festgelegt.
Bei uns Protokolle stets etwas schriftliches.

Um wie viel Stunden Mehrarbeit handelt es sich oder geht es hier jeweils nur um weniger als eine Stunde länger bleiben?

Werden diese Mehrarbeitsstunden in der folgende Woche im Dienstplan berücksichtigt? Oder werden sie dann zu Überstunden (und entsprechend besser vergütet?)


Zum Ablauf:
Ja, es ist zulässig solche Mehrarbeit anzuordnen,
Aber wenn es eine mitbestimmungspflichtige Mehrarbeit ist und der BR nicht eingezogen wurde, dann ist die Anordnung grundsätzlich unwirksam.

Es gilt also zu klären ob diese wirklich mitbestimmungspflichtig ist, bevor man sich dem verweigert.

Ich würde die engagierte Führungskraft darauf hinweisen, dass sie dieses im Protokoll festgelegte vorgehen schnellst möglich mit dem BR abstimmen sollte.

Vielleicht stimmt der BR eben diesem (pauschal) Vorgehen zu.
Auf alle Fälle bekommt ihr fürs dumm rumsitzen, Kaffee trinken und warten bis das debriefing vorbei ist 25% mehr Gehalt, wenn kein Ausgleich in der folge Woche erfolgt.
Vielleicht erledigt sich das dann von selber, wenn ihr diese Kohle einfordert.


Vollstrecker

Zitat von: MoinMoin in Gestern um 19:19[..]
Um wie viel Stunden Mehrarbeit handelt es sich oder geht es hier jeweils nur um weniger als eine Stunde länger bleiben?
[..]


Das Wort hätte ich jetzt in diesem Zusammenhang nicht von dir erwartet.  ;)

marvie

Zitat von: MoinMoin in Gestern um 19:19Zunächst sind es tariflich gesprochen keine Überstunden, sondern angeordnete Mehrarbeit.

Tariflich gesprochen ist unter Mehrarbeit:

Mehrarbeit sind die Arbeitsstunden, die Teilzeitbeschäftigte über die vereinbarte re-
gelmäßige Arbeitszeit hinaus bis zur regelmäßigen wöchentlichen Arbeitszeit von
Vollbeschäftigten (§ 6 Abs. 1 Satz 1) leisten.

genau das zu verstehen was im TV festgelegt wurde.
Klugscheissmodus aus ;D

Um eine Bewertung abgeben zu können benötigt man aber weit mehr Informationen z.B. Dienstvereinbarungen Dienstanweisungen etc

MoinMoin

Zitat von: marvie in Heute um 12:11genau das zu verstehen was im TV festgelegt wurde.
Klugscheissmodus aus ;D
jipp hast Recht: Überstunden sind die auf Anordnung des Arbeitgebers geleisteten Arbeitsstunden, die über die im Rahmen der regelmäßigen Arbeitszeit von Vollbeschäftigten (§ 6 Absatz 1) für die Woche dienstplanmäßig beziehungsweise betriebsüblich festgesetzten Arbeitsstunden hinausgehen und nicht bis zum Ende der folgenden Kalenderwoche ausgeglichen werden.
Die Stunden die man mehr Arbeitet sind aber eben auch keine Überstunden, wenn sie ausgeglichen werden.
Diese namenlosen Stunden werden erst zu Überstunden in der übernächsten Woche.  ::)