Gerechtigkeitsproblem im dualen Krankenkassensystem

Begonnen von sigmazero, 21.09.2026 17:37

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sigmazero

Hier mal zur Diskussion:

Gerechtigkeitsproblem im dualen Krankenkassensystem
https://www.zeit.de/politik/deutschland/2026-09/zweiklassenmedizin-krankenversicherung-friedrich-merz-cdu

Es ist schon absurd, dass die CDU a la Merz jetzt die private Krankenversicherung als erstes in Angriff nimmt, wenn im Osten die AFD so stark ist - klar, dort gibt es sicherlich weniger Privatversicherte ...

aber wenn Abschaffung, dann wohl eher richtig - denn ich denke wir kennen alle auch die Nachteile nur zu gut.

AR76

Geht das wieder los? Dann sollen die gesetzliche mal die Honorare zahlen, die die private zahlt. Unter 1,3 oder 2,3 geht da nichts.

Und ein Einheitssystem mit den Zahlungen der gesetzlichen wird zu riesigen Finanzproblemen führen. Und zu Praxen die zu machen.

Und wohin es gehtm sieht man gut in Großbritannien. Die die privat zahlen, bekommen die gute Versorgung und Termine. Einheitsversorgung jeder.

Dasselbe in Polen.

Also, nur los...Wir zahlen als Beamte weniger und investieren das dann in Zusatzversicherungen. Und damit ändert sich für die Mehrheit nichts.

Egge2206

Zitat von: sigmazero in 21.09.2026 17:37aber wenn Abschaffung, dann wohl eher richtig - denn ich denke wir kennen alle auch die Nachteile nur zu gut.

Er spricht nicht von Abschaffung, dies hat ein Regierungssprecher auch noch mal klargestellt

Organisator

Zitat von: AR76 in 21.09.2026 19:45Und wohin es gehtm sieht man gut in Großbritannien. Die die privat zahlen, bekommen die gute Versorgung und Termine. Einheitsversorgung jeder.

Das ist der Punkt in einer Marktwirtschaft - wer mehr bezahlt, bekommt mehr Leistungen. Egal bei was.

Die Diskussion könnte sein, warum man bestimmte Personengruppen aus der Solidargemeinschaft entlässt. Selbständige sind klar, die wollen und brauchen keinen solidarischen Schutz.
Aber gut verdienende abhängig Beschäftigte oder Beamte grundsätzlich aus dem System der gKV zu entlassen und von Anfang an ein eigenes, besseres Süppchen kochen zu lassen, ohne sich an einer gesamtgesellschaftlichen solidarischen Finanzierung zu beteiligen hat schon einen Beigeschmack. Durch die Fürsorgepflicht des Dienstherren vermag sich das nicht begründen lassen.


MoinMoin

#4
Zitat von: Organisator in Gestern um 07:35Das ist der Punkt in einer Marktwirtschaft - wer mehr bezahlt, bekommt mehr Leistungen. Egal bei was.

Die Diskussion könnte sein, warum man bestimmte Personengruppen aus der Solidargemeinschaft entlässt. Selbständige sind klar, die wollen und brauchen keinen solidarischen Schutz.
Aber gut verdienende abhängig Beschäftigte oder Beamte grundsätzlich aus dem System der gKV zu entlassen und von Anfang an ein eigenes, besseres Süppchen kochen zu lassen, ohne sich an einer gesamtgesellschaftlichen solidarischen Finanzierung zu beteiligen hat schon einen Beigeschmack. Durch die Fürsorgepflicht des Dienstherren vermag sich das nicht begründen lassen.
Also bei den Beamten wurden oder werden sie nicht aus dem GKV System entlassen, sondern sie waren nie drin und werden nunmehr eher reingelassen. Wenn man das ganz mal historisch betrachtet.
Und bei den Angestellten war es ja so, dass eben die Besserverdiener keine Unterstützung benötigten aber die einfachen Arbeiter schon, da wurde diese System so um 1884 eingeführt, für Arbeiter (mW aber nicht die Angestellten)! Und da waren eben Beamte nicht Teil des Systems und bedenke bis 1996 gab es keine Kassenwahl und erst seit 2009 die Pflichtversicherung für alle.

Also dass es so ist wie es ist, ist eine historische  Entwicklung. Denn die, die davon seinerzeit ausgeschlossen waren machten dann halt ihr eigenes Ding.
Den einzigen kapitalen Fehler sehe ich darin, dass die Besserverdiener die Wahlfreiheit haben.

NWB

Ich glaube, der Dienstherr fährt günstiger mit der aktuellen Lösung der Beihilfe, als für alle Beamten anteilig die gKV-Beiträge zu übernehmen.

Ozymandias

Selbständige hat man bei Gründung und Negründung nach Kriegen von allen Sozialversicherungen explizit ausgeschlossen - aus vielerlei Gründen.
Als die diversen Sozialversicherungen finanzielle Probleme bekamen, kamen und kommen nun die Zwangsversicherungen. Erst die KV und bald auch die RV.

Als Selbstzahler kann man immer bessere Leistungen bekommen.

Organisator

Zitat von: MoinMoin in Gestern um 08:56Also bei den Beamten wurden oder werden sie nicht aus dem GKV System entlassen, sondern sie waren nie drin und werden nunmehr eher reingelassen. Wenn man das ganz mal historisch betrachtet.
Und bei den Angestellten war es ja so, dass eben die Besserverdiener keine Unterstützung benötigten aber die einfachen Arbeiter schon, da wurde diese System so um 1884 eingeführt, für Arbeiter (mW aber nicht die Angestellten)! Und da waren eben Beamte nicht Teil des Systems und bedenke bis 1996 gab es keine Kassenwahl und erst seit 2009 die Pflichtversicherung für alle.

Also dass es so ist wie es ist, ist eine historische  Entwicklung. Denn die, die davon seinerzeit ausgeschlossen waren machten dann halt ihr eigenes Ding.
Den einzigen kapitalen Fehler sehe ich darin, dass die Besserverdiener die Wahlfreiheit haben.


Genau. Historisch gesehen waren es die Schutzbedarfe. Lediglich abhängig Beschäftigte mit einem nicht allzuhohen Einkommen waren schutzbedürftig und Teil des Solidarsystems. Beamte waren nicht schutzbedürftig, sie hatten ihr eigenes System. Genauso wie andere berufsständische Versorgungssysteme wie z.B. in der Altersabsicherung.

Aber:

Aktuell ist die Diskussion weniger der Schutzbedarf von einzelnen (Gruppen), sondern ob sie sich aus der solidarischen Finanzierung entziehen können/sollen/dürfen, bzw. einen Anteil an einem gesamtsolidarischen System sein sollen.

Ein Argument dagegen (eher für RV als KV/PV) wäre, dass ohnehin schon hohe Steuerzuschüsse die Allgemeinheit belasten, ohne dass jeder davon profitieren würde.

Hortensie

Als pensionierte Beamtin, die schwer chronisch krank ist, rate ich jedem davon ab, sich verbeamten zu lassen, weil 2 Kostenträger einer zu viel ist.
Die Beihilfe liegt bereits bei vielen Leistungen auf dem Niveau der GKV.
Muss man weiterhin bei der Beihilfe UND bei der PKV seine Kosten einreichen, ist das nicht nur ein doppelter Zeitaufwand, was bei vielen Rezepten und Rechnungen gewaltig ist, sondern man ärgert sich auch mit 2 Kostenträgern herum, was doppelten Ärger bedeutet.
Hätte ich vor meiner Berufswahl das alles geahnt, wäre ich NIE Beamtin geworden!

Außerdem ist es nicht korrekt, wenn behauptet wird, dass GKV-Versicherte geringere Leistungen bekommen. Ich weiß von Patienten, die Beihilfe bezogen hatten und die, als ihre Krankheit hohe Kosten verursachte, zurück in die GKV gegangen sind.

Ich bin neben der Beihilfe privat versichert. Die PKV zahlt aber bei bestimmten Leistungen Null Euro:
KEINE Physiotherapie, Logopädie, Ergotherapie, stationäre oder ambulante Reha-Aufenthalte, Kuren, um nur ein paar Beispiele zu nennen.
Die Beihilfe zahlt KEINE Fahrkosten zur Physiotherapie und anderen Therapien, was für mich als Rollstuhlfahrerin heißt, dass ich diese Therapien wie auch die Fahrten zum Arzt nur bekommen kann, wenn ich einen Dummen finde, der mich dorthin fährt! Denn mit Taxi käme ich auf rd. 1000 Euro pro Monat - also nicht bezahlbar.
Die Beihilfe zahlt noch nicht einmal Blutdruckmessgeräte.
UND: Wer als beihilfeberechtigter Privatversicherter schwer chronisch krank ist, ist ein zeitaufwendiger Patient, der kaum einen Hausarzt oder anderen Arzt findet. Denn Privatversicherte, zumindest die Kombination Beihilfe/PKV lohnen sich für die Ärzte nur, wenn sie dem Arzt wenig Zeit kosten.
Das sind ein paar Beispiele zu den Problemen, die man bekommt, wenn man schwerer krank wird.
Ich wußte das damals, als ich mich für den Beamtenberuf entschied, aber leider noch nicht.
Meine Berufswahl wäre gänzlich anders ausgefallen.

Dieses ständige "Beamtenbashing" ist mE fehl am Platze und kann nur von Menschen kommen, die nicht wissen, welche Nachteile Beamte oft (oder meist?) haben.
Als auf dem Land wohnende Privatversicherte bekomme ich selten schnellere Termine als gesetzlich Versicherte. Vielleicht ist das in der Stadt anders?

Solange es so ist, dass ein Arzt von Privatversicherten deutlich mehr Honorar bekommt, wird er auch mehr Leistungen bieten (müssen). Das ist mE auch der Sinn einer Privatversicherung, dass die Versicherten mehr Leistungen bekommen.
Wenn man das nicht will, muss man die Privatversicherungen komplett abschaffen und ein Herr Merz wird dann mit anderen Bürgern auch im selben Wartezimmer sitzen und genauso lange warten müssen.

matthew1312

Zitat von: Hortensie in Gestern um 13:25Als pensionierte Beamtin, die schwer chronisch krank ist, rate ich jedem davon ab, sich verbeamten zu lassen, weil 2 Kostenträger einer zu viel ist.
Die Beihilfe liegt bereits bei vielen Leistungen auf dem Niveau der GKV.
Muss man weiterhin bei der Beihilfe UND bei der PKV seine Kosten einreichen, ist das nicht nur ein doppelter Zeitaufwand, was bei vielen Rezepten und Rechnungen gewaltig ist, sondern man ärgert sich auch mit 2 Kostenträgern herum, was doppelten Ärger bedeutet.
Hätte ich vor meiner Berufswahl das alles geahnt, wäre ich NIE Beamtin geworden!
Tut mir leid, ich kenne das auch.

Aber: Abgesehen von der verlorenen Zeit (time is money): Führt denn diese Aufspaltung der Kostenträger zu einer Kostenlücke? Bislang ist bei mir eigentlich alles, obgleich auf Nachfrage, Widerspruch, Rechnungskorrektur etc., restlos erstattet worden.

Ohne Dir zu nahe treten zu wollen: Wenn da effektiv (bis auf die entgangenen Zinsen) keine Kostenlücke ist, ist es doch auch eine mentale Frage, wie mit diesem Kampf gegen die Kostenträger umgegangen wird. Durchbeißen gehört dazu und hält geistig fit.

Pendler1

Ach, Leute, wenn die PKV abgeschafft werden sollte, gibt es immer noch Privatpraxen/Selbstzahler.

In meiner Stadt haben mittlerweile die Top-Ärzte (Kardiologen, Urologen, Proktologen) ihre Kassenzulassung zurückgegeben, dummerweise gerade die Ärzte, bei denen ich in Behandlung bin - der Hautarzt denkt darüber nach.

Da würde man mit 100% Beihilfe nicht so gut ausschauen!

sigmazero

Zitat von: Pendler1 in Gestern um 17:55Ach, Leute, wenn die PKV abgeschafft werden sollte, gibt es immer noch Privatpraxen/Selbstzahler.

In meiner Stadt haben mittlerweile die Top-Ärzte (Kardiologen, Urologen, Proktologen) ihre Kassenzulassung zurückgegeben, dummerweise gerade die Ärzte, bei denen ich in Behandlung bin - der Hautarzt denkt darüber nach.

Da würde man mit 100% Beihilfe nicht so gut ausschauen!


und genau das ist doch die Krux beim eigentlich Thema "Gerechtigkeitsproblem im dualen Krankenkassensystem" - diese Ungerechtigkeit wird doch durch die Abschaffung (oder Eingliederung, Entwertung, ... wie auch immer) überhaupt nicht geändert. Dafür müsste grundsätzlich jede Art von privater Zusatzversicherung abgeschafft werden - das ist natürlich komplett utopisch und unreal. Es ist auch sehr interessant, dass Merz ausschließlich die PKV meint und aber vergisst/ignoriert, dass es ja noch einen großen Anteil an "Zusatzversicherten", teils über eine Art Betriebsversicherung, gibt, die gleiche Leistungen wie PKV haben. Ich habe dazu mal die KI gefragt: 8,8 Mio Privatversicherte und 32 Millionen Verträge für Zusatzversicherungen (davon 8-12 Mio vergleichbar mit PKV)...

und nein: es wird nicht alles von der Beihilfe/PKV erstattet - das merkt man erst, wenn man Leistungen benötigt, die eben nicht "Standardleistungen" sind. Wir reden hier sicherlich nicht von existenzbedrohenden Eigenanteilen, aber sie existieren für Physiotherapie Kur/Reha etc.

grundsätzlich ist eine Art der Bürgerversicherung vielleicht wirklich eine sinnvolle und faire Möglichkeit eine solide Grundversicherung (ohne jegliche Prüfungen!) zu schaffen - aber ich sehe dort viel mehr die Privatversicherten profitieren, als die gesetzlich Versicherten.

Wie NWB schrieb, ich denke nicht, dass irgendein Dienstherr mit einer pauschalen Krankenversicherung pro durchschnittlichen Beamten Geld einspart, wenn er plötzlich pro Beamten 7% des Gehaltes zahlen muss (ca. 500€ pro Monat! - 6000€ pro Jahr - das habe ich nicht mal ansatzweise bisher geschafft). Des Weiteren müssten (zu mindestens für allen aktuellen Beamten die Differenz zur Grundversicherung übernommen werden) - sonst senkt man das Gehalt - dazu kommen ja noch die Kinder der Beamten, die eingegliedert werden müssen - und quasi aus der PKV fliegen würden, weil Familienversicherung ... ob das da oben wirklich jemand gegengerechnet hat? ich bezweifle es - und das bei der ach so guten Haushaltslage im Bund/den Ländern

und dazu kommt der obere Teil: mit der Grundversicherung würden Beamte/PK-Versicherte plötzlich Leistungen erhalten müssen, wie andere Versicherte auch (Kinderkrankengeld, Reha/Kur, Leistungskatalog der GKV) - sonst würde man das System ja nur einseitig ändern, was ich wohl für rechtlich angreifbar sehen würde. Zudem würden jegliche Zuschläge und/oder Eigenanteile entfallen ...


Hortensie

Zitat von: matthew1312 in Gestern um 16:38Abgesehen von der verlorenen Zeit (time is money): Führt denn diese Aufspaltung der Kostenträger zu einer Kostenlücke? Bislang ist bei mir eigentlich alles, obgleich auf Nachfrage, Widerspruch, Rechnungskorrektur etc., restlos erstattet worden.

Ohne Dir zu nahe treten zu wollen: Wenn da effektiv (bis auf die entgangenen Zinsen) keine Kostenlücke ist, ist es doch auch eine mentale Frage, wie mit diesem Kampf gegen die Kostenträger umgegangen wird. Durchbeißen gehört dazu und hält geistig fit.


Kostenlücken habe ich fortlaufend. Ich bin schwer krank, sitze im Rollstuhl, bin pflegebedürftig (PG 2) mit stark steigender Tendenz und habe sehr hohe Krankheitskosten, dh auch viele Anträge mit zahlreichen Belegen.
Ich komme nicht hinterher alle nicht anerkannten Beträge zu monieren.
Es ist ein Gesamtbetrag im obersten 4-stelligen Bereich, den ich noch einfordern müsste. Es geht aber aus gesundheitlichen Gründen oft nicht und so sind etliche Beträge noch ausstehend.
Beihilfe und PKV reagieren oftmals nicht auf Anfragen. Man muss ständig nachhaken. Widersprüche bleiben ein oder mehr Jahre unbearbeitet liegen, dh so lange, dass man sich jedes Mal neu einarbeiten muss.
Die nutzen meine Situation aus und ich frage mich, welche Druckmittel ich habe, ohne dass ich zum Anwalt gehen muss. Aber wieviele Anwälte in BW kennen sich mit Beihilferecht aus?
Dass ich einen so hohen Teil meiner Lebenszeit wegen Beihilfe und PKV vergeudet habe, ärgert mich immens. Es sollte sich doch eine Lösung finden lassen, die es erlaubt, dass man sich Ruhe gönnen kann, Zeit für Therapien findet oder auch mal einen Urlaub machen kann.
Würde man die Betroffenen fragen, ob sie Vorschläge zur Verbesserung hätten, könnte das zu einer Verbesserung führen.