Gerechtigkeitsproblem im dualen Krankenkassensystem

Begonnen von sigmazero, 21.09.2026 17:37

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Hortensie

Zitat von: Organisator in Gestern um 07:57Wenn es wie im Sachverhalt beschrieben der Umgang mit KV/ Beihilfe für Verzweiflung sorgt und es so zu hohen fünfstelligen Schadensbeträgen kommt sind 150 im Monat gut angelegtes Geld.

Es ging um einen hohen 4-stelligen Betrag, den ich "PI mal Daumen" geschätzt hatte (siehe #12) und der die Kürzung von 30 % aus fast 6000€ vor Jahren auch beinhaltet. Solche Kürzungen werde ich künftig aber immer vor Gericht bringen.
Und vielleicht versuche ich in den kommenden Wochen die PKV wegen dieses Betrages nochmals zu kontaktieren. Ich hoffe, meine gesundheitliche Verfassung lässt das zu...

MoinMoin

Zitat von: Hortensie in Gestern um 12:18Wenn Du auf das "frei" gestaltbarem PKV System" hinweist, hast Du vergessen, dass es nichts nutzt, wenn die PKV, die 30 % bei mir abdeckt, evtl. in einigen Positionen mehr bezahlt als die Beihilfe. Wenn ich also von 1.000,-€ von der PKV 300,-€ bekomme, bleibe ich auf 700,-€ dennoch sitzen, weil die Beihilfe nicht mehr als die GKV bezahlt.
Aber auch ein GKV-Versicherter kann sich einen höheren Versicherungssschutz "zukaufen", wenn das wirklich nötig ist. Denn die GKV zahlt mE immerhin meist so viel wie die Beihilfe in Ba-Wü.
Richtig, genauso wie du deine Leistungenkataloge durch zukaufen ebenfalls anpassen kannst (müsstest).
Und der GKVler würde auf die Gesamten 1000€ sitzen bleiben oder müsste diese durch eine gesonderte PKV absichern, so wie du es auch müsstest (aber nur noch für die 700€)
Also wo ist da die Logik:
Du bekommst mehr Leistungen als PKVler als der GKVler
Musst dafür in Vorleistungen gehen, sowohl monetär, als auch bei der Klärung ob es von deinem Vertrag gedeckt ist.
Wenn du Leistungen in Anspruch nimmst, die nicht mit deinem Vertrag gedeckt sind, dann bleibst du darauf sitzen.
Wenn du Leistungen in Anspruch nimmst, die von der Beihilfe nicht gedeckt sind, dann bleibst du darauf sitzen.

Der gigantische Vorteil beim GKV System ist: Du erkennst sofort, dass die Leistung nicht von der GKV gedeckt ist, weil du direkt vorab unterschreiben musst, dass du es selbst zahlst.
Oder aber weil du keinerlei Kenntnis von dieser Leistung erhältst, weil sie dir nicht angeboten wird.
Würdest du also diese ungedeckte 1000€ Position nicht in Anspruch nehmen, dann würdest du auch nicht drauf sitzen bleiben, so wie der GKVler, der diese Leistung nicht in Anspruch nehmen kann.


MoinMoin

Zitat von: Hortensie in 23.09.2026 12:24Wenn der Dienstherr für die Beamten die Arbeitgeber-Anteile in die GKV-Versicherung Monat für Monat einzahlen müsste, hätte er ein ganz enormes Finanzierungsproblem. Er müsste weitere Schulden dafür machen u. immer höher werdende Zinsen bezahlen.
Wenn er nur im Krankheitsfall Beihilfezahlungen leisten muss, soll das viel günstiger sein, weil die Beihilfen deutlich geringer sein sollen als die fiktiven Arbeitgeber-Anteile.
Ich habe dazu nicht mehr die Fundstelle. Aber ich weiß, dass ein schlauer Mensch das mal durchgerechnet hat.
Wenn der Dienstherr darüberhinaus noch die reduzierten Beamtengehälter wieder um die Arbeitnehmer-Anteile aufstocken muss, damit der Beamte seinen Arbeitnehmeranteil auch bezahlen kann, wird es nochmals teurer für den Dienstherrn.

Alle diejenigen, die fordern, dass auch Beamte in die GKV einzahlen sollen, haben noch nicht nachgerechnet, wie teuer das für die Steuerzahler werden würde.
Auch scheint oft vergessen zu werden, dass jeder, der einzahlt, auch Leistungen zu beanspruchen hat.
Also ich habe nur was gefunden, was eher für eine Entlastung des Staates spricht, wenn er zum reinem GKV System wechselt.
https://www.iges.com/ergebnisse/projekte/2017/beamte-und-krankenversicherung/index_ger.html

Hortensie

Zitat von: MoinMoin in Gestern um 20:18Also ich habe nur was gefunden, was eher für eine Entlastung des Staates spricht, wenn er zum reinem GKV System wechselt.
https://www.iges.com/ergebnisse/projekte/2017/beamte-und-krankenversicherung/index_ger.html
Das ist diese ominöse Bertelsmann-Studie aus 2017.
Die berücksichtigt aber nicht, dass für die Zahlung der Arbeitnehmer-Anteile die Gehälter der "Beamten" angehoben werden müssen. Die Gehälter waren um diese Arbeitnehmer-Anteile gekürzt worden, weil Beamte keine Einzahlungen in die Sozialversicherung zahlen. Wenn sie aber zu Angestellten würden, muss man die Gehälter erhöhen.
2017 gab es noch eine andere Studie, die eben besagte, dass die Beihilfezahlungen geringer seien als die fiktiven Arbeitgeber-Beiträge. Ich meine, man hatte die Daten der Beamten in Sachsen zugrunde gelegt.

Hortensie

Zitat von: MoinMoin in Gestern um 20:00Richtig, genauso wie du deine Leistungenkataloge durch zukaufen ebenfalls anpassen kannst (müsstest).
Und der GKVler würde auf die Gesamten 1000€ sitzen bleiben oder müsste diese durch eine gesonderte PKV absichern, so wie du es auch müsstest (aber nur noch für die 700€)
Also wo ist da die Logik:
Du bekommst mehr Leistungen als PKVler als der GKVler

Mit dem Beispiel mit den 1000 € hatte ich aufzeigen wollen, dass ein "frei gestaltbares PKV-System" keinen Sinn ergibt, solange die Beihilfe auf dem Niveau der GKV zahlt, weil man dann noch 70% (!) selbst zahlen müsste.
Das würde mich davon abhalten, meine PKV-Beiträge zu erhöhen, zumal die nötige Gesundheitsprüfung bei mir noch zu Zuschlägen führen würde.



sigmazero

Zitat von: MoinMoin in Gestern um 20:00Richtig, genauso wie du deine Leistungenkataloge durch zukaufen ebenfalls anpassen kannst (müsstest).

nicht jeder in einer PKV kann einen "Traumtarif" bekommen - auch nicht jeder in der GKV klar - aber es gibt eben einen gesetzlichen Standard, den es eben nicht in der PKV gibt. Ich behaupte sogar, dass die PKV genau wissen, dass viele Dingen in jungen Jahren unwichtig erscheinen und sie daher auch gar nicht so beworben werden - es ist ja immerhin eine Versicherung, die gewinnorientiert arbeitet.

Zitat von: MoinMoin in Gestern um 20:00Du bekommst mehr Leistungen als PKVler als der GKVler

ich bleibe dabei: nenne mir da konkrete Beispiele, die du meinst!

sigmazero

Zitat von: Hortensie in Gestern um 20:45Das ist diese ominöse Bertelsmann-Studie aus 2017.
Die berücksichtigt aber nicht, dass für die Zahlung der Arbeitnehmer-Anteile die Gehälter der "Beamten" angehoben werden müssen. Die Gehälter waren um diese Arbeitnehmer-Anteile gekürzt worden, weil Beamte keine Einzahlungen in die Sozialversicherung zahlen. Wenn sie aber zu Angestellten würden, muss man die Gehälter erhöhen.
2017 gab es noch eine andere Studie, die eben besagte, dass die Beihilfezahlungen geringer seien als die fiktiven Arbeitgeber-Beiträge. Ich meine, man hatte die Daten der Beamten in Sachsen zugrunde gelegt.



die Studie mit Daten aus 2014 ist btw auch schon über 12 (!) Jahre alt - rein wirtschaftlich wird sich das sicherlich für den Staat und die Länder lohnen - wohl eher perspektiv in den nächsten 50 Jahren, kurzfristig würde sich dort eine deutliche Mehrbelastung ergeben müssen, WENN man eben die aktuellen und zukünftigen Beamte etc. nicht mit radikalen Besoldungskürzungen belasten möchte.


MoinMoin

Zitat von: Hortensie in Gestern um 20:45Das ist diese ominöse Bertelsmann-Studie aus 2017.
Die berücksichtigt aber nicht, dass für die Zahlung der Arbeitnehmer-Anteile die Gehälter der "Beamten" angehoben werden müssen. Die Gehälter waren um diese Arbeitnehmer-Anteile gekürzt worden, weil Beamte keine Einzahlungen in die Sozialversicherung zahlen. Wenn sie aber zu Angestellten würden, muss man die Gehälter erhöhen.
2017 gab es noch eine andere Studie, die eben besagte, dass die Beihilfezahlungen geringer seien als die fiktiven Arbeitgeber-Beiträge. Ich meine, man hatte die Daten der Beamten in Sachsen zugrunde gelegt.

Warum sollte man den die Alimentation erhöhen müssen? Es wird doch jetzt auch schon vom Netto KV Beiträge gezahlt.
Nach deiner Logik, müsste mann also erstmal die Alimentation um diesen rechnerischen Betrag absenken, da ja nicht mehr benötigt wird, um ihn dann um den GKV Anteil wieder anzuheben

sigmazero

#38
Zitat von: MoinMoin in Gestern um 21:21Warum sollte man den die Alimentation erhöhen müssen? Es wird doch jetzt auch schon vom Netto KV Beiträge gezahlt.
Nach deiner Logik, müsste mann also erstmal die Alimentation um diesen rechnerischen Betrag absenken, da ja nicht mehr benötigt wird, um ihn dann um den GKV Anteil wieder anzuheben

du bist kein Beamter, oder? - sonst verstehe ich diese Antwort nicht. Die Krankenversicherungsbeträge in der GKV werden ja vom Brutto gezahlt - Beamte zahlen die PKV vom netto korrekt, das ist dann doch sogar so schon "teurer"?

wir können es auch abkürzen: jeder Beamte müsste nach einer Umstellung das gleiche Netto wie vorher haben und das wird sicherlich in keiner Studio so berücksichtigt.

und: wir können natürlich über die "relativ" stabilen Beiträge in der PKV diskutieren, die zu mindestens unabhängig von der Besoldungserhöhung ist (im Vgl. zu Angestellten) - aber zum status quo müsste bei einer Umstellung auf eine Bürgerversicherung aus meiner Sicht das gleiche Netto verbleiben, was dazu führen würde, dass die Besoldung angehoben werden muss, da die Beträge zur PKV geringer als für die GKV sind (bei Familien wäre es vielleicht sogar anders).