Autor Thema: Schwerbehinderte tatsächlich nur Ausschuss? Wie Chancen erhöhen?  (Read 541 times)

Mariechen

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Hallo,

bei der Internetrecherche bin ich hier gelandet.

Ich bin selbst schwerbehindert und möchte ganz gerne wissen, wie man es jetzt richtig macht. Wie kann man seine Chancen erhöhen, um mind. zu einem Vorstellungsgespräch eingeladen werden zu müsse?!

Um seine Rechte als Schwerbehinderter nicht offensichtlich ungeeigneter Bewerber in Anspruch nehmen zu können, bzw. die Arbeitgeber im Öffentlichen Dienst in deren Pflicht zu nehmen, zu einem Vorstellungsgespräch eingeladen werden zu müssen, muss man seine Schwerbehinderung ja in der Bewerbung angeben.

Das habe ich bisher auch immer "brav" getan, ich wurde auch immer "brav" eingeladen. Und max. 2 Tage später bekam ich "brav" eine Absage.

Natürlich schreibe ich nicht nur, dass ich schwerbehindert bin. Ich setze mich natürlich hin und schreibe eine auf die Stelle und die Behörde zugeschnittene individuelle Bewerbung. Ich bereite mich mMn sehr gut auf die Gespräche vor, wobei man sich wohl nie perfekt/zu 100 % vorbereiten kann, wenn man aufgabenfremd ins Gespräch geht.

Ich habe nach dem Beantworten der meisten Fragen bereits im Gespräch ein super Gefühl, weil ich weiß, dass das jetzt richtig war. Egal, ob nur Schlagwörter abgefragt werden oder tatsächlich ein bisschen mehr gehört werden möchte. Auch bei Psychofragen, bei denen ich der Meinung bin, dass man sich darauf fast gar nicht vorbereiten kann, und da eine gewisse Schlagfertigkeit, Rhetorik, nicht auf den Mund gefallen ... sehr hilfreich ist, kommen meine Fragen zügig und der Frage entsprechend logisch hergeleitet rüber.

Ich habe aber leider auch sehr oft das Gefühl, dass ich eben nur eingeladen wurde, weil man es musste. Täuscht mich da mein Gefühl? Bin ich wirklich nur aufgezwungen und Ausschuss? Komme ich unsympathisch rüber? Gefalle ich denen vom Aussehen nicht?

Oft sitzen mir nur 2 gegenüber, bei denen ich das Gefühl hatte, dass grad die 2 mal Zeit für ein Gespräch hatten. In größerer Runde, bei so 7 - 9 Leuten, find ichs komisch, wenn keiner ne Nachfrage hat und nur quasi einer von denen als was sagt und fragt. Wie wichtig ist es überhaupt zu wissen, wie eine Behörde aufgebaut ist? Wie wichtig ist die geschichtliche Historie eines Gesetzes? Ist es komisch, wenn man kein Wörtchen zu sich selbst sagen soll, zu seinem Lebenslauf? Warum gerade ich? Ifh weiß es auch nicht grad! Ich fühl mich grad hier im Gespräch als nicht gewollt, also lassen wir das! Warum haben Sie mich eingeladen? Was hat Sie von meiner Bewerbung so überzeugt, dass Sie mich unbedingt kennen lernen wollten? Stelle ich zum Abschluss Fragen, hab ich oft das Gefühl, dass selbst eine Frage zu viel war und nervt. Und dann trau ich mich noch, eine zweite oder gar dritte Frage zu stellen, die für mich wichtig sind und weder in der Anzeige noch in dem Gespräch beantwortet wurden. Ob ich dann aber nicht wissen will, wie lang die Probezeit ist und wie hoch die EG ist, ist es auch nicht richtig, wenn ich sage, dass das ja aus dem TV und der Anzeige hervorgeht. Wenn ich noch keine Berufserfahrung im zu besetzenden Bereich habe, wird auf entsprechende Frage und Antwort schon fast abfällig geschaut, unabhängig davon, dass ich mich gut vorbereitet habe und die fachlichen Fragen alle korrekt beantwortet habe. Muss ich mir Gedanken machen, wenn ein Gespräch für 30 Min veranschlagt ist, ich aber nach 20 Min schon den Raum verlasse, ein Nachfolger aber 45 Min drin ist?

Auch mir wurde schon von entsprechenden Stellen gesagt und empfohlen, dass ich spätestens im Gespräch mögliche Zuschüsse erwähnen soll, die die Behörde für mich von der Bundesagentur oder den Landeswohlfartsverband bekommen kann. Bin ich spätestens dann aufgezwungen, Ausschuss?

Biedere ich mich fast schon an, wenn ich sowas gleich im Anschreiben erwähne?

Immer mehr Behörden haben eine Online-Bewerbungsseite, wo man auswählen kann, ob man schwerbehindert ist oder nicht.

Wählt man da nein an oder erwähnt die Schwerbehinderung nicht in der Bewerbung, muss man nicht eingeladen werden.

Was aber tun, um dennoch eingeladen werden zu müssen?

Meine Unterlagen sind echt top. Hab ich mir von verschiedenen Fachpersonalern, Arbeitsvermittlern ...bestätigen lassen.

Was kann ich also bitte tun, um als Schwerbehinderte eingeladen zu werden, ohne die Schwerbehinderung erwähnt zu haben?

Danke.

GLG

Spid

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Was versprichst Du Dir von der Angabe Deiner Schwerbehinderung? Wenn Du für die Tätigkeit ernsthaft in Betracht gezogen wirst, wirst Du auch so eingeladen, wenn Du nicht ernsthaft in Betracht gezogen wirst, wirst Du jetzt nicht dadurch passender, qualifizierter, befähigter oder geeigneter, weil man Dich wegen Deiner Schwerbehinderung einladen muß. Auch die Möglichkeit, im Vorstellungsgespräch zu „punkten“ sehe ich nicht. Ich setze mich mit aufgezwungenen Bewerbern nicht auseinander, die sind halt da und verschwenden meine Zeit.

Pseudonym

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Ich würde gerne Behinderte einstellen, wenn sie den Anforderungen grundsätzlich gewachsen sind. Allerdings aufgrund ihres Könnens und nicht aufgrund ihrer Behinderung. Behinderung ist keine Anforderung an die Person, die ich in meine Stellenausschreibungen formuliere.

Auch der ganze Mist mit Frauen-/Schwerbehindertenvertretung, die einem Termine für Vorstellungsgespräche nach ihrem Teilzeitkalender diktiert, erhöhen die Chancen für einen Behinderten nicht gerade. Im Gegenteil - man ist vorher angepisst. Wenn Du top Unterlagen hast, stelle ich Dich deshalb ein. Erzählst Du im Gespräch von Deiner Behinderung und überzeugst mich fachlich und menschlich, bin ich sogar gewillt an der Stelle zu drehen und Dir entgegen zu kommen. Bist Du Gehbehindert, muss der andere Kollege halt mehr laufen und von seinem Schreibtischjob etwas abgeben.


Im Übrigen, bei allem Verständnis und meinem großen Wohlwollen ggü. Behinderten: Befriedigt Dich eine Einladung Aufgrund Deines Könnens nicht viel mehr als die, die Du Aufgrund eines Zwanges erreicht hast?

« Last Edit: 19.09.2020 09:33 von Pseudonym »

reisensburg

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Wenn ich ehrlich sein soll, dann hört sich das für mich danach an, als ob Du Dich vielleicht auch auf die falschen Stellen bewirbst.
Wenn Du wirklich tolle Unterlagen mit sehr guten Zeugnissen etc. hast, dann wirst Du für die Ausschreibung passender Jobs sicher eingeladen, und das auch mit Angabe Deiner Schwerbehinderung. Du kannst es aber natürlich auch ohne diese Angabe versuchen.
Wenn Du Dich aber auf alles mögliche bewirbst, und das kommt aus Deinem Text irgendwie herüber, dann ist bei solchen Bewerbungen natürlich auch Desinteresse des potentiellen AG zu erwarten, egal ob Du Dich auf ein solches Gespräch vorbereitet hast oder nicht.
Ich selbst bin ebenfalls schwerbehindert und habe keinerlei Negativerfahrungen damit bei Bewerbungen gemacht. Im Gegenteil, hat mir das meiner Einschätzung nach geholfen. Ich habe nun trotz einer 6 vorn beim Alter noch eine neue Arbeitsstelle gefunden.

Mariechen

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Ich bewerbe mich nicht auf alles, was mir vor die Linse kommt, aber auf viele Stellen, auf die ich Lust habe und, oder auch schonmal gearbeitet habe. Manchmal möchte man sich ja beruflich verändern und neue Herausforderungen suchen ... Manchmal bleibt einem aber fast nichts anderes übrig, wenn man sich bewerben will und, oder muss und es eben nur Stellen gibt, wo man (noch) keine Ahnunf hat oder die Ahnung sehr lange zurückliegt.

Max

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Bei uns ist man schwerbehinderten Bewerbern gegenüber aufgeschlossen,  was sich auch in deren Anzahl und Unterstützung im Arbeitsalltag niederschlägt. Ein Mallus wäre das nicht und ich würde nach Eignung einladen,  egal ob SB oder nicht. Das heißt aber auch,  dass mir zusätzlich fremdbestimmt alle anderen SB in den Terminkalender gesetzt werden,  die ich nicht für geeignet halte. Die haben natürlich ein schweres Los im Vorstellungsgespräch.

Zitat
Was kann ich also bitte tun, um als Schwerbehinderte eingeladen zu werden, ohne die Schwerbehinderung erwähnt zu haben?
Beides geht nicht.
Wenn du sicher sein willst,  dass du alleine wegen deinem Profil und deiner Qualifikation eingeladen wirst,  solltest du die SB nicht angeben.

In manche Situationen liest du meiner Ansicht nach zu viel hinein. Ich bin froh wenn wir nur 2 Personen in der Auswahlrunde sind. Wenn es mehr werden erwarte ich auch, dass sich der Rest zurückhält. Denn wenn sich jeder dazu berufen fühlt Fragen zu stellen,  verlängert dass das Gespräch bestenfalls unnötig,  aber meist fehlt dann mir die Zeit den Bewerber ordentlich abzuklopfen auf Qualifikation und wie er in das Team passt. Die Bewerber werden auch alle ungefähr das gleiche gefragt. Manche Antworten aber so ausschweifend oder knapp,  dass die Zeit der Gespräche variieren kann.

Zitat
Auch mir wurde schon von entsprechenden Stellen gesagt und empfohlen, dass ich spätestens im Gespräch mögliche Zuschüsse erwähnen soll, die die Behörde für mich von der Bundesagentur oder den Landeswohlfartsverband bekommen kann. Bin ich spätestens dann aufgezwungen, Ausschuss?
Biedere ich mich fast schon an, wenn ich sowas gleich im Anschreiben erwähne?
Interessante Frage. Wenn ich eine Stelle ausschreibe, dann ja nur weil eine entsprechende Stelle zur Verfügung steht. Wie viel der Bewerber dann letztendlich kostet (Erfahrungsstufe) oder ob er selbst noch Geld mitbringt ist mir egal und der Haushälter den Geld vielleicht interessiert,
bekommt die Bewerbung nicht zu Gesicht.
Es käme mir jedoch nie in den Sinn jemanden anhand des Preisschilds auszuwählen. Qualifikation und Person zählen und ich würde mich dann auch dafür einsetzen,  dass die Person möglichst gut bezahlt würde (förderliche Zeiten etc.).
« Last Edit: 19.09.2020 13:01 von Max »

Pseudonym

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Auch mir wurde schon von entsprechenden Stellen gesagt und empfohlen, dass ich spätestens im Gespräch mögliche Zuschüsse erwähnen soll, die die Behörde für mich von der Bundesagentur oder den Landeswohlfartsverband bekommen kann. Bin ich spätestens dann aufgezwungen, Ausschuss?

Biedere ich mich fast schon an, wenn ich sowas gleich im Anschreiben erwähne?

Darauf würde ich gerne noch antworten: Glaubst Du, Du müsstest Dich als Wunschkandidat für eine Stelle damit noch interessanter machen?

Ich fasse mal - wertfrei - zusammen:

1. SB bewirbt sich. Wegen seiner SB kommt es zu einem erzwungenen Vorstellungsgespräch
2. SB unterliegt fachlich einem anderen Bewerber
3. SB weist auf monetäre Anreize hin, um ihn deswegen einzustellen

Wie klingt das unterm Strich für Dich?


Kleine Anekdote zu SB-Bewerbern:

Wir konnten eine Stelle mal nicht besetzen. Das Besetzungsverfahren dauerte wegen einer sich im Auslandsurlaub (!) befindlichen SB ganze vier Wochen länger als es ohnehin schon dauerte. Die SB, übrigens völlig ungeeignet, musste aber eingeladen werden. Sie hatte sich auf eine Telefonistenstelle beworben. Sie war weitgehend taub.

Der Bewerber, dem wir zusagten, war über die späte Antwort verwundert und meinte: ich habe einen anderen Job angenommen. Dachte, das hätte sich bei Ihnen erledigt. Also das ganze Verfahren von vorne.


Abschließend sei gesagt: konzentriere Dich darauf TROTZ und nicht WEGEN Deiner SB eine Zusage zu erhalten.
« Last Edit: 19.09.2020 13:18 von Pseudonym »

Spid

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Das ist doch das beste, was bei aufgezwungenen Bewerbern passieren kann: sie können den Termin nicht wahrnehmen. Ein Anspruch auf Verschiebung besteht nicht.

Pseudonym

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Das ist doch das beste, was bei aufgezwungenen Bewerbern passieren kann: sie können den Termin nicht wahrnehmen. Ein Anspruch auf Verschiebung besteht nicht.

Das Haus hat darauf bestanden. Ein Politikum.