Autor Thema: [BY] Arbeiten an Ministerien - Erfahrungen  (Read 2470 times)

Hobbygärtner

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[BY] Arbeiten an Ministerien - Erfahrungen
« am: 05.12.2021 14:56 »
Guten Tag zusammen,

ich als junger Beamter auf Lebenszeit im gD, Inspektor, überlege aktuell mich ans Ministerium zu bewerben. Ich war bei der Qualifikationsprüfung im ersten Fünftel und bin, denke ich, auch fleißig und gut angesehen bei meiner jetzigen Stelle.

Meine Frage: Wie ist es am Ministerium tatsächlich? Man hört so vieles, und vermutlich auch so viel, was absolut falsch ist. Ist die Beförderungssituation wirklich besser? Gibt es Homeoffice (zumindest für 2 Tage/Woche bei mehr als 100km Anfahrt + kinderlos?), wie sieht es mit Beurteilungen und auch mit Einstellungschancen (ich will hier, ü100km von München entfernt wohnen bleiben) und irgendwann einmal Teilzeit aus? Und: Wie ist das Arbeitsaufkommen? (faktische dauerhafte Ü50-Std-Woche oder eben ganz normale Überstundenbereitschaft?)

Ich würde mich auf jeden Fall auf Antworten freuen, vielleicht hat ja jemand schon Erfahrungswerte, die er/sie bereit wäre zu teilen.
« Last Edit: 06.12.2021 01:35 von Admin2 »

Bastel

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Antw:Arbeiten an bayr. Ministerien - Erfahrungen
« Antwort #1 am: 05.12.2021 16:30 »
100km? Ernsthaft? Da sitzt man ja locker 2h am Tag im Auto. Bei Top Verkehrslage...

Hobbygärtner

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Antw:Arbeiten an bayr. Ministerien - Erfahrungen
« Antwort #2 am: 05.12.2021 17:19 »
Ja ernsthaft... Das ist auch das Große Manko für mich an dieser Sache. Ich weiß aber, dass ich mehr kann, als das was ich jetzt mache und ich weiß, dass ich wirklich gut bin. Zum Ministerium würde ich eben wechseln, weil ich mir davon erhoffe, dass ich gefördert und gefordert werde und eben auch, weil ich wirklich engagiert bin und ich gerne einen vielfältigeren Arbeitsplatz hätte. Damit ich pro und Contra abwägen kann, würde ich mich eben über Erfahrungen freuen.

EiTee

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Antw:Arbeiten an bayr. Ministerien - Erfahrungen
« Antwort #3 am: 05.12.2021 22:58 »
Ich weiß aber, dass ich mehr kann, als das was ich jetzt mache und ich weiß, dass ich wirklich gut bin.

Ich weiß, dass ich tatsächlich gut bin, wenn nicht sogar der Beste. Deshalb brauche ich auch keine Informationen über eine neue Stelle von dritten, Ministerium hin oder her. Wenn ich höre, dass jemand 100 km in Kauf nehmen will, an 3 Tagen in der Woche und ohne Absicht seinen Wohnort zu verlegen, weiß man direkt, dass das zitierte absoluter Mumpitz ist.

Christian

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Antw:Arbeiten an bayr. Ministerien - Erfahrungen
« Antwort #4 am: 06.12.2021 00:02 »
Um welches Ressort geht es denn?

Haben nicht unbedingt alle den gleichen Ruf

Hobbygärtner

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Antw:Arbeiten an bayr. Ministerien - Erfahrungen
« Antwort #5 am: 06.12.2021 19:24 »
@EiTee

Guten Abend,
ich hoffe du weißt selbst, wie sehr unpassend dein Kommentar ist. Es gibt eben soziale Gründe (z.B. Angehörige, um die Man sich kümmern muss, weil sie es selbst nicht mehr können), die die persönliche Freiheit ohnehin schon recht einschränken. Da sollte es einem jungen Menschen dennoch gestattet sein, sich beruflich ein wenig zu verwirklichen und Kollegen um Rat zu fragen.

Hobbygärtner

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Antw:Arbeiten an bayr. Ministerien - Erfahrungen
« Antwort #6 am: 06.12.2021 19:28 »
@Christian

ehrlich gesagt kommt für mich alles in Frage, was nichts mit Haushalt zu tun hat. Besonders interessieren würden mich die Ressorts

Wirtschaft
Inneres, Sport und Integration
Wissenschaft und Kunst
Gesundheit und Pflege
Unterricht und Kultus

ggf. auch Soziales

Ich danke dir bereits jetzt, dass du versuchst mir eine Antwort oder einen Rat zu geben! Dankeschön:)

Schmitti

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Antw:[BY] Arbeiten an Ministerien - Erfahrungen
« Antwort #7 am: 07.12.2021 10:30 »
Bisher gibt/gab es noch gewisse politische Rahmenbedingungen, die Flexibilität und Mobilität von Arbeitnehmern zu fördern (oder auch fordern). Das könnte sich in den nächsten Jahren noch stärker ins Gegenteil verkehren, und wer dann 100km einfache Fahrt zum Arbeitsplatz hat, wird sich, auch wenn vielleicht 1-2 Tage pro Woche HO möglich wären, vermutlich alleine deshalb schwarz (oder grün) ärgern. Auch in Bayern wäre mir das zu heikel.
Und Haushaltsrecht hast du in allen Ressorts mit dabei. Ich würde an keiner Stelle erwähnen, ausgerechnet das uninteressant zu finden, genauso wie ich als Personaler immer eine Augenbraue hochziehe, wenn jemand sagt er wäre an praktisch allen (anderen) Bereichen gleichermaßen "besonders interessiert".

Und eins noch: Bei der Schilderung deiner Rahmenbedingungen finde ich die Anmerkung von EiTee gar nicht so abwegig. Der Hinweis, man sei durch Pflege bzw. Angehörige schon recht in der Freiheit eingeschränkt, beißt sich mit der Überlegung, 200km/Tag auf der Autobahn + Vollzeitjob zu verbringen, ja auch irgendwie.
Nur so als Hinweis, wenn es mal ans Vorstellen gehen sollte. Es gibt nicht wenige Gegenübers in Vorstellungsgesprächen, wenn du denen so eine Motivation für den Jobwechsel in ihre Behörde beschreibst, nehmen die erstmal jeden Widerspruch auseinander, oder berücksichtigen ihn einfach still bei ihrer späteren Erscheinung.

Johann

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Antw:[BY] Arbeiten an Ministerien - Erfahrungen
« Antwort #8 am: 07.12.2021 11:24 »
Zumindest in Niedersachsen hat das MI eine Regelung für untergeordnete Behörden rausgegeben, dass so Dinge wie flexibles Büro für 18 Monate getestet und dann evaluiert und ggf. für die Ewigkeit eingeführt werden können.
In meiner Behörde gibt es zur Umsetzung die letzten Planungen und soll bald losgehen. Hier gibts es bei ca. 90% aller Jobs die Möglichkeit der vollständigen Tätigkeitsdurchführung im Homeoffice. Umfragen haben ergeben, dass ca. 80% der Mitarbeiter mindestens 3 Tage pro Woche im Homeoffice verbringen wollen.
Wie viel man maximal im Homeoffice verbringen darf, wurde noch nicht abschließend entschieden. Es wird aber auf 4 oder 4,5 Tage (im Schnitt von 2 Wochen) pro Woche hinauslaufen.

Interessiert mich, wie es in anderen Bundesländern so läuft. Gibt es bei euch ähnliche Pläne?

Hobbygärtner

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Antw:[BY] Arbeiten an Ministerien - Erfahrungen
« Antwort #9 am: 07.12.2021 17:55 »
Guten Abend @Schmitti,

vielen Dank für deine Antwort und deinen Einblick! Tatsächlich dachte ich, dass es etwas "einfacher" mit HO geworden sei, nachdem auf Ebene der Mittelbehörden, wie eben Johann schon anmerkt, (@Johann: übrigens auch in BY) HO (im Rahmen der Pandemie) wirklich weit ausgeweitet wurde und ja Behördenverlagerung seit Jahren ein Thema ist. zumindest hatte ich zuletzt sogar ausdrücklich "das Angebot für mobiles Arbeiten" in einer Stellenanzeige der Ministerien gesehen. Scheinbar eher weniger. Zudem dachte ich eigentlich auch, es könnte für die Ministerien von Vorteil sein, einige MA in Nordbayern zu haben (Dienstreisen, usw.)

Hinsichtlich Haushaltsrecht und den Ressorts liegt evtl. eine unglückliche Ausdrucksweise meinerseits vor. Ich will weder der Haushälter in Persona, noch ein BfH sein, der sich fast nur mit Haushaltsrecht befasst. Dass man gelegentlich tangiert ist damit, ist dem Berufsbild an sich immanent und auch ok bzw. normal.
Bei den genannten Ressorts kann ich mir eben am ehesten vorstellen, etwas Passendes zu finden. Ehrliches Interesse weckt ohnehin erst die passende Stellenanzeige, für die man dieses Interesse auch darlegen und glaubhaft vermitteln kann und Lust auf die Stelle hat.

Ja, unterstützungsbedürftige Angehörige schränken ein, das darf aber kein Grund sein, keinerlei berufl. Ambitionen mehr zu verfolgen. Für mich wäre eine Stelle, die mir wirklich Spaß macht, mich interessiert und mich herausfordert und eben auch beruflich bessere Möglichkeiten eröffnet, durchaus ein Grund, 5 Tage Pendeln in der Einarbeitungsphase und dann 3 Tage Pendeln in Kauf zu nehmen. Bei jahrelang 5 Tage Pendeln à 100 km einfach wäre ich auch raus. Pendeln ist bei uns hier scheinbar normaler... mir fallen sofort mind. 8 Leute ein, die jeden Tag Ü80-Ü100km zu unserer Dienststelle oder vergleichbaren pendeln, einfach weil ihnen ihr Job und die Kollegen passen. Dementsprechend bin ich auch so "überrascht" über die Reaktion hierzu. :)

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Antw:[BY] Arbeiten an Ministerien - Erfahrungen
« Antwort #10 am: 09.12.2021 01:42 »
Meine Frage: Wie ist es am Ministerium tatsächlich? Man hört so vieles, und vermutlich auch so viel, was absolut falsch ist. Ist die Beförderungssituation wirklich besser? Gibt es Homeoffice (zumindest für 2 Tage/Woche bei mehr als 100km Anfahrt + kinderlos?), wie sieht es mit Beurteilungen und auch mit Einstellungschancen (ich will hier, ü100km von München entfernt wohnen bleiben) und irgendwann einmal Teilzeit aus? Und: Wie ist das Arbeitsaufkommen? (faktische dauerhafte Ü50-Std-Woche oder eben ganz normale Überstundenbereitschaft?)
Wie es im Ministerium ist, kommt auf das jeweilige Haus und auch den Einsatzbereich an. Die beruflichen Rahmenbedingungen sind im öffentlichen Bereich sicherlich konkurrenzlos gut. Die Stellenkegel ermöglichen grundsätzlich vergleichsweise raschen beruflichen Aufstieg. Wie mit Homeoffice nach der Pandemie (weiter)verfahren wird, bleibt abzuwarten. Derzeit arbeiten die bayerischen Kollegen, die ich erlebe, regelmäßig im Homeoffice. Teilzeit ist grundsätzlich kein Problem. Überstunden fallen im gehobenen Dienst nicht zwingend übermäßig an. Haushaltsrecht ist für den gehobene Dienst ein typisches Arbeitsgebiet in den meisten Ressorts (Titelverwalter). 100 km mehrfach die Woche gehen auf Dauer wahrscheinlich nur gut, wenn Du weiterhin ledig bleibst.

Hobbygärtner

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Antw:[BY] Arbeiten an Ministerien - Erfahrungen
« Antwort #11 am: 17.12.2021 21:57 »
Guten Abend,

vielen lieben Dank auch dir für deine Antwort!
Ich habe mich mal bei einer in Frage kommenden Stelle erkundigt.
Die Antwort war folgendermaßen: Die Entfernung und Wohnsitz in weiter Entfernung sind kein Problem, Homeoffice gäbe es dort für etwa die hälfte meiner Arbeitszeit.

An sich klang das tatsächlich sehr sehr gut. Beiläufig erwähnte die dortige Auskunft, dass "evtl. es ein wenig schneller gehen könnte bei Beförderungen als an der Mittelbehörde". Dabei hörte sich das nicht wirklich nach einer Untertreibung an, sondern eben so, als seien die Wartezeiten dennoch sehr vergleichbar mit denen der Mittelbehörde, bzw. nur geringfügigst besser. Interessant wäre natürlich, ob es da große Unterschiede in den Ministerien an sich gibt...

Christian

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Antw:[BY] Arbeiten an Ministerien - Erfahrungen
« Antwort #12 am: 17.12.2021 22:14 »
Von einer Personalabteilung sollte man in jedem Fall keine konkreten Aussagen erwarten.

Ich habe auch schon gehört, dass die Vorteile im gD überschaubar sind. Ist aber wohl von Ressort zu Ressort auch unterschiedlich. In der StK sind die Wartezeiten deutlich kürzer als woanders.

Hobbygärtner

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Antw:[BY] Arbeiten an Ministerien - Erfahrungen
« Antwort #13 am: 17.12.2021 22:33 »
Guten Abend Christian,

vielen lieben Dank für deine Antwort und die Einschätzung!
Ich finde es wirklich interessant, dass sich da die Informationen zu decken scheinen. Nachdem an meiner früheren Lernbehörde (Mittelbehörde des Freistaates) die Beförderungszeiten am Ministerium als "Non-Plus-Ultra" in den Himmel gelobt wurden, war ich durchaus etwas verblüfft über die dortige, erdende Aussage. Dass ich dem, was die Personalstelle einem (externen) Bewerber mitteilt, nicht höchste Bedeutung beimessen sollte, dachte ich mir schon - meist ist das ja eher doch seeehr beschönigend. Gerade deshalb war ich eher verblüfft über die "doch eher realistisch bodenständige" Äußerung.

Christian

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Antw:[BY] Arbeiten an Ministerien - Erfahrungen
« Antwort #14 am: 18.12.2021 11:09 »
Man erhält vor allem keine Einschätzungen, auf die man sich berufen kann.
Die Beförderungszeiten findet man aber heraus, indem man Kollegen fragt bzw. sich anschaut, wie lange sie sich im jeweiligen Amt befinden.

Im gD dürfte das primäre Interesse im Aufstieg bestehen. Diese Chancen halte ich bei frühem Einstieg im Ministerium für deutlich größer, wenngleich es keine Garantie gibt.