Tarifrunde TV-L 2025 - Diskussion II

Begonnen von Rowhin, 16.01.2026 17:02

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cyrix42

Zitat von: Oliver1976 in 02.02.2026 16:28Wir haben intern eine extreme Konkurrenzsituation. Bei einem kombinierten Forschungsbetrieb zwischen Universität und z.B. Fraunhofer. Da kann man nicht mehr vermitteln, wieso ein MA als UNI-MA im gleichen Forschungsprojekt bei gleichem Arbeitspensum x-Tausend Euro weniger verdienen soll, als sein Kollege, der nach TVöD bezahlt wird.

So sehr ich auch selbst davon profitieren würde, wenn hier der TV-L die Lücke zum TVöD schließen würde: Du nennst doch kein Argument, außer "find' ich ungerecht". Dass verschiedene Arbeitgeber verschieden bezahlen -- auch für die gleiche Tätigkeit -- ist doch weder neu noch ungewöhnlich. Auch dürfte es gerade in dem Bereich kaum Konkurrenzdruck geben, da die außeruniversitären Forschungsinstitute viel kleiner sind, als dass sie relevant Personal von den Unis abziehen könnten. Und Wissenschaftler_innen leben ja eh in prekären Verhältnissen, bis sie mal eine Festanstellung gefunden haben (oder mit um die 40 am Ende des WissZeitVGs mit nichts in der Hand dastehen, und sich in der Wirtschaft mit deutlich Jüngeren messen müssen, da ihre Zusatzqualifikation als PostDoc hier völlig irrelevant ist...)

Will sagen: Die Abwanderung in die Wirtschaft halte ich an der Stelle für das größere Problem als den Abstand zum TVöD, nachdem sich Fraunhofer usw. richten. (Auch dürfte der Konkurrenzdruck bezüglich der in den Ländern beschäftigten Lehrer_innen in Richtung TVöD eher gering sein. Mit WiMis und Lehrkräften hat man aber schon eine ganze Menge Leute, die in den Ländern in den höheren Entgeltgruppen beschäftigt sind, die eben nicht einfach in den TVöD abwandern könnten, selbst wenn sie wollten, weil es dort ihre jeweiligen Stelen gar nicht in dem Umfang gibt.)

Rowhin

Zitat von: Warnstreik in 02.02.2026 16:03Fairerweise muss man aber sagen, dass die wirkliche Konkurrenz zwischen TV-L und TVöD oft "nur" in und um die Stadtstaaten herum existiert. Das zu ändern hätten eben diese Stadtstaaten ganz alleine in der Hand.

Längst nicht nur da, eigentlich in allen (Universitäts-)Städten ab einer bestimmten Größe. Wir verlieren hier in München oft Personal von der Uni zu den Außeruniversitären Forschungseinrichtungen und noch mehr an die Stadt München.

Und ich spreche hier eben nicht von den Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern - die halten wir tatsächlich gut - sondern vom Verwaltungspersonal.

Ingenieur007

Ist bei ländlicher gelegenen Hochschulen nicht anders. Die Fluktuation ist bei uns in den letzten vier Jahren geschätzt um rund 600 % gestiegen. Verwaltungspersonal, ITler und vor allem Laboringenieure wechseln. Besonders häufig auch im Alter von 50 aufwärts. Gerade die Ingenieure haben recht gute Karten.

Man muss aber der Realität in Auge sehen. Gute Fachkräfte werden auch künftig gebraucht. Aber wir werden eine erhebliche Transformation der Arbeitswelt sehen. Insgesamt wird das klassische Angestelltenverhältnis in den nächsten 15 Jahren drastisch an Bedeutung verlieren. Wie immer es dann künftig ausgestaltet wird. Allerdings bietet Veränderung auch grandiose Chancen für die Mutigen. Im Prinzip braucht es eine kräftige Modernisierung auch im TV-L.

Die ruhigen Jahre der alten BRD sind jedenfalls definitiv vorbei.

Rheini

Zitat von: Ingenieur007 in Gestern um 07:25Die ruhigen Jahre der alten BRD sind jedenfalls definitiv vorbei.

Für wen genau?

MoinMoin

Zitat von: Ingenieur007 in Gestern um 07:25Ist bei ländlicher gelegenen Hochschulen nicht anders. Die Fluktuation ist bei uns in den letzten vier Jahren geschätzt um rund 600 % gestiegen. Verwaltungspersonal, ITler und vor allem Laboringenieure wechseln. Besonders häufig auch im Alter von 50 aufwärts. Gerade die Ingenieure haben recht gute Karten.

Man muss aber der Realität in Auge sehen. Gute Fachkräfte werden auch künftig gebraucht. Aber wir werden eine erhebliche Transformation der Arbeitswelt sehen. Insgesamt wird das klassische Angestelltenverhältnis in den nächsten 15 Jahren drastisch an Bedeutung verlieren. Wie immer es dann künftig ausgestaltet wird. Allerdings bietet Veränderung auch grandiose Chancen für die Mutigen. Im Prinzip braucht es eine kräftige Modernisierung auch im TV-L.

Die ruhigen Jahre der alten BRD sind jedenfalls definitiv vorbei.
Als ü50 kann ich dir erzählen, dass zu meiner Zeit viele als Uni-Absolvent keine große Wahlmöglichkeiten hatten und die Arbeitslosigkeit ein größeres Thema war. Ich kann nicht behaupten, dass es damals die ruhigeren Zeiten waren und dann noch die Schwemme der DDR Ings....und dann die EU Öffnung und die Schwemme der PolenIngs...

Das wir in einer Transformation leben, höre ich gefühlt durchgängig. So wie ich in der IT den ständigen Wechsel zwischen alles auf dem Server nur noch dummer Clients und alles onDesk und der Server ist nur noch Verwalter erlebt habe.

Insofern absolut richtig, wer mutig genug ist, keine Angst vor Veränderungen hat, dem steht die Welt offen (aber das ist auch so ein uralt geleiere, was ich schon von meinen Großvater gehört habe.

Mein Fazit: Wenn die Länder sich abhängen lassen wollen, dann verlieren sie noch mehr MA an Kommune, Bund o.ä.
die die in die pW gehen wollen kann man mit keinen Abschluss der Welt aufhalten.
Interessant sind doch die, die schon genug Geld verdient haben und andere Prios haben (also so was wie meiner einer) oder die die die bessere Vereinbarkeit von Beruf und Familie im öD erkennen oder die eben nicht mutig oder belastbar genug sind in der pW zu arbeiten.



troubleshooting

Wer die Konkurrenz TVÖD und TV-L auf die Stadtstaaten reduziert, hat (einmal mehr) absolut keine Ahnung. Von den Jobs bei Kommunnen einmal abgesehen, gibt es in so ziemlich allen halbwegs größeren Städten "Behörden" bzw. Außenstellen des Bundes. Die haben schon kräftig abgezogen und sind weiter dabei. Nicht zuletzt ist es so, dass in mehreren Bereichen der Bund Aufgaben, welche er vorher per Organleihe von den Ländern hat erledigen lassen, nun wieder selbst erledigen möchte.

Ist halt so, wenn man bei massiver Abwanderung mit den Schultern zuckt, sind immer weniger Leuts da, welche die Arbeit erledigen. Da zwingt man den Bund ja quasi dazu es wieder selbst zu übernehmen, damit es überhaupt erledigt wird. Verstärkt den braindrain noch zusätzlich, aber ist grad die aktuelle Marschrichtung. Scheint den Ländern als AG aber weiterhin egal zu sein.


Rowhin

Zitat von: MoinMoin in Gestern um 08:34Mein Fazit: Wenn die Länder sich abhängen lassen wollen, dann verlieren sie noch mehr MA an Kommune, Bund o.ä.
die die in die pW gehen wollen kann man mit keinen Abschluss der Welt aufhalten.

Exakt. Konkurrenzfähig, was die zentralen Faktoren für viele angeht - also Gehalt, Benefits, Arbeitszeiten, etc. - wird man mit der Privatwirtschaft in den meisten Feldern nie sein, und das will man wahrscheinlich auch gar nicht.

Aber eben dort, wo sich Leute für den öD entscheiden - meist ja aus guten, nachvollziehbaren Gründen, und nicht aus Naivität, wie ich hoffe - müssen die Länder konkurrenzfähig bleiben - oder zumindest nicht allzuweit abgehängt.

Oliver1976

Zitat von: cyrix42 in 02.02.2026 17:39So sehr ich auch selbst davon profitieren würde, wenn hier der TV-L die Lücke zum TVöD schließen würde: Du nennst doch kein Argument, außer "find' ich ungerecht". Dass verschiedene Arbeitgeber verschieden bezahlen -- auch für die gleiche Tätigkeit -- ist doch weder neu noch ungewöhnlich. Auch dürfte es gerade in dem Bereich kaum Konkurrenzdruck geben, da die außeruniversitären Forschungsinstitute viel kleiner sind, als dass sie relevant Personal von den Unis abziehen könnten. Und Wissenschaftler_innen leben ja eh in prekären Verhältnissen, bis sie mal eine Festanstellung gefunden haben (oder mit um die 40 am Ende des WissZeitVGs mit nichts in der Hand dastehen, und sich in der Wirtschaft mit deutlich Jüngeren messen müssen, da ihre Zusatzqualifikation als PostDoc hier völlig irrelevant ist...)

Will sagen: Die Abwanderung in die Wirtschaft halte ich an der Stelle für das größere Problem als den Abstand zum TVöD, nachdem sich Fraunhofer usw. richten. (Auch dürfte der Konkurrenzdruck bezüglich der in den Ländern beschäftigten Lehrer_innen in Richtung TVöD eher gering sein. Mit WiMis und Lehrkräften hat man aber schon eine ganze Menge Leute, die in den Ländern in den höheren Entgeltgruppen beschäftigt sind, die eben nicht einfach in den TVöD abwandern könnten, selbst wenn sie wollten, weil es dort ihre jeweiligen Stelen gar nicht in dem Umfang gibt.)

Wir haben einen kombinierten Betrieb mit mehr als 500 MA (100 Uni zu 400 Fraunhofer) über beide Institute. Die interne Stimmung ist durch das derzeitige Gehaltsgefüge schon sehr angespannt und verbessert sich durch den derzeitigen Stand der Verhandlung natürlich in keinster Weise. Ausgeschriebene Uni-Stellen mangels geeigneter Bewerbendenzahl können nicht besetzt werden. Auch an Grundlagenforschung in DfG-Projekten ist derzeit nicht denkbar. In Summe nur eine Feststellung und kein "ich finde mich ungerecht behandelt".

Es ist einfach Festzustellen, dass die Grundlagenforschungslandschaft, auf dir wir als Deutsche über Jahre und Jahrzehnte stolz sein konnten und die das Rückgrat der deutschen universitären Forschungslandschaft gebildet hat, so ausbluten lassen. Es wird immer nach Innovationskraft und Zukunftsfähigkeit gefragt, wo diese bleiben würde. Dazu müssen auch Mittel zur Verfügung stehen, damit der Niedergang des Industriestandortes Deutschland durch sinnvolle und zielgerichtete Forschung und Innovation aufgehalten werden kann. Leider ist die Deckweise der Politik hier zu kurzfristig und eindimensional.

WikingerBrot

Erwarten hier eigentlich noch Menschen ein Ergebnis nächste Woche?  ::)

Rowhin

Zitat von: WikingerBrot in Gestern um 10:00Erwarten hier eigentlich noch Menschen ein Ergebnis nächste Woche?  ::)

Die Hoffnung stirbt zuletzt... ;)

Eigentlich sind es ja zwei Fragen: erwarten wir ein Ergebnis? Und für die, die mit "ja" antworten: welches Ergebnis erwartet ihr?

MoinMoin

Zitat von: WikingerBrot in Gestern um 10:00Erwarten hier eigentlich noch Menschen ein Ergebnis nächste Woche?  ::)
Ich erwarte ein Ergebnis, was von den Prozenten sehr nah am TVöD Ergebnis ist, aber 0 JSZ Anpassungen beinhaltet. Uu wird der Garantiebetrag höher ausfallen, da es dem TV-L weniger weh tut.
Mit großen taram taram wird dann auch noch die Stufengleiche HG als Erungenschaft gefeiert.

Alles natürlich am 4. Tag, da man so hart verhandeln musste.

01.10.2025: keine Erhöhung (9 Monate "Nullrunde")
01.06.2026: +3,0%, mindestens 200 €
01.05.2027: +2,8%


Rowhin

Mit der generellen Erwartung gehe ich mit, ich glaube aber noch nicht, dass die stufengleiche Höhergruppierung kommt. Wenn doch, dann gibt es natürlich Standing Ovations für alle. Ansonsten:

2025: keine Erhöhung rückwirkend (Nullrunde)
2026: +2,8%, mindestens 200 €
2027: +2,5%

Positiv überraschen lasse ich mich gerne.

Warnstreik

Mit dem Ergebnis braucht aus den Verhandlungen niemand rauskommen. Vor allem die vermeintlich lange Laufzeit und die Nullrunden sind ein No-Go. Mit den Prozenten kann ich leben:

1.11.25 2,x % rückwirkend
1.10.26 3%

Laufzeit bis 30.10.27

Somit würde man zeitlich wieder ein wenig zum TVöD aufholen. Andere Sonderlocken nimmt man nebenbei natürlich gerne mit, JSZ könnte ein Thema für die Arbeitgeber sein, die Stufengleiche Höhergruppierung ein billiges Gimmick für die Arbeitnehmer.

Ingenieur007

Zitat von: Warnstreik in Gestern um 10:42...JSZ könnte ein Thema für die Arbeitgeber sein...

Waren es nicht die AG, welche die Stufe 6 in höheren EG durchgesetzt haben? Sind Gewerkschaften wirklich so desinteressiert an höheren EG? Zumal es durchaus Mitglieder mit höherer EG gibt (GEW, GdP, DBB....). Wenn die JSZ nicht optimiert wird, werden hier so einige Kollegen höherer EG Dienst nach Vorschrift fahren. Das werden auch kleine und mittlere EG negativ zu spüren bekommen.

Warnstreik

Zitat von: Ingenieur007 in Gestern um 11:04Waren es nicht die AG, welche die Stufe 6 in höheren EG durchgesetzt haben? Sind Gewerkschaften wirklich so desinteressiert an höheren EG? Zumal es durchaus Mitglieder mit höherer EG gibt (GEW, GdP, DBB....). Wenn die JSZ nicht optimiert wird, werden hier so einige Kollegen höherer EG Dienst nach Vorschrift fahren. Das werden auch kleine und mittlere EG negativ zu spüren bekommen.

Die JSZ sind doch schon seit anno dunnemal so wie sie sind. (im Verhältnis) Natürlich kann man etwas daran ändern und die höheren Gruppen attraktiver machen - aber das ist aus meiner Sicht eher ein Thema der Wettbewerbsfähigkeit nach draußen als ein Motivationskiller intern. Und ganz ehrlich: Wer sich über die JSZ so aufregt, dass seine Arbeitleistung massiv darunter leidet, der wird auch sonst Gründe finden um "Dienst nach Vorschrift" zu schieben.