Tarifrunde TV-L 2025 - Diskussion II

Begonnen von Rowhin, 16.01.2026 17:02

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MoinMoin

Zitat von: Ingenieur007 in Heute um 11:43Er schuldet aber nicht, dass alle Aufgaben fertig werden, wenn diese objektiv nicht in der Zeit zu schaffen sind. Das ist genau der Punkt, den viele Führungskräfte nicht wahrhaben wollen.
Selnbst wenn sie objektiv in der Zeit zu schaffen wären, müssen sie von dir nicht in der Zeit geschafft werden (können). Sprich selbst dann kann der AG dir nichts. Und die Führungskräfte sowieso nicht.

ZitatWünschenswert wären mit Blick auf die TV-L Verhandlungen:

Flexible Instrumente vor Ort zur Personalmotivation (ohne nötige Einbindung höherer Ebenen).
Du überschätzt die Macht eines Tarifvertrages. Denn der Tarifvertrag erlaubt das doch jetzt schon.
Die von dem individuellen AG ausgedachte nötige Einbindung höherer Ebenen wird ein Tarifvertrag nicht verbieten "können".
Sieht man doch bei dem Gemurkse mit der 42h Woche beim TVöD, was sich da BMI und co ausdenken, damit ja kein Amtsleiter da auf eigenen Ideen kommt.

DiVO

Zitat von: NelsonMuntz in Heute um 11:16Nein ;) - Viele dieser "Spielregeln" haben ja durchaus einen Sinn - und sie unterscheiden den öD oft von der pW, was explizit auch ein Vorteil für die AN im öD sein kann ("Melden befreit und belastet" und so weiter).

Trotzdem kann ich mich in diesem System stur an Prozesse halten und meine kognitive Leistung scharf auf die mir übertragenen Aufgaben beschränken.  Wenn in meinem Umfeld (IT) niemand mehr über den Tellerrand der ihm zugewiesenen Aufgaben blicken, und Kommunikation ausschließlich über den Hierarchie-Dienstweg erfolgen würde, dann wäre das 100%-Sollprozess-konform - Die Bude käme hier aber nahezu vollständig zum Erliegen.

"Dienst nach Vorschrift" kann man eben auch in dieser Richtung lesen, daher finde ich tatsächlich, das dieser Ausdruck einen Hauch von Arbeitskampf in sich trägt. 

Wer beurteilt, dass diese Prozesse falsch oder nicht mehr zeitgemäß sind? Der Sachbearbeiter? Wow - so viel Selbstbewusstsein hätte ich auch gerne, um mich wegen meiner subjektiven Wahrnehmung über Sollprozesse hinwegzusetzen.

Das Problem ist, dass viele meinen, dass sie mit ihrem Engagement "den Laden am Laufen" halten. Dabei sind sie fester Teil des Problems, indem sie die Eskalation verzögern.

Was lernen die AG? Der Laden läuft irgendwie, also haben wir keinerlei Handlungsbedarf.

ignaz

Zitat von: Ingenieur007 in Heute um 11:43Das Kernproblem im ÖD: Überengagement wird im öD selten belohnt, aber oft ausgenutzt. Ich bin selbst so ein typischer Kandidat (Erziehung? Veranlagung?). Damit es einfach rund läuft im Laden, auch mal um die Ecke oder die Portion extra denken und leisten. Auch Gerichte wissen, dass viele Behörden nur funktionieren, weil einige Beschäftigte ,,überperformen". Das wird aber rechtlich nicht honoriert. Strukturelle Probleme bleiben Aufgabe des AG.

Wünschenswert wären mit Blick auf die TV-L Verhandlungen:

Flexible Instrumente vor Ort zur Personalmotivation (ohne nötige Einbindung höherer Ebenen). Und dem TVöD zu folgen auch in Sachen JSZ für höhere EG.  

Stimme voll und ganz zu!

teclis22

Mein Tipp auf das Ergebnis :

Punktprognose (ein Wert):
~2,30 % p.a. (entspricht grob ~5,4–5,6 % bei ~28–29 Monaten)

hatte da bissel mit ChatGPT rumgespielt.
Mal schauen wie dicht die KI Vorhersage rankommt ^^

Faunus

"28 oder 29 Monate" Laufzeit... ich habe von diesen Laufzeiten die Nase voll!

18 Monate Laufzeit wären völlig ausreichend!


Zinc

Zitat von: teclis22 in Heute um 13:04Mein Tipp auf das Ergebnis :

Punktprognose (ein Wert):
~2,30 % p.a. (entspricht grob ~5,4–5,6 % bei ~28–29 Monaten)

hatte da bissel mit ChatGPT rumgespielt.
Mal schauen wie dicht die KI Vorhersage rankommt ^^


Du meinst sicherlich 2,30 % auf 29 Monate. ;D Meine KI sagt im "Worst-Case"
3 %–4 % auf 12 Monate.

Aber träumen darf man  ;)

MoinMoin

Zitat von: DiVO in Heute um 12:19Wer beurteilt, dass diese Prozesse falsch oder nicht mehr zeitgemäß sind? Der Sachbearbeiter? Wow - so viel Selbstbewusstsein hätte ich auch gerne, um mich wegen meiner subjektiven Wahrnehmung über Sollprozesse hinwegzusetzen.
Nun, eben dieses unterschiedliche Bewusstsein sollte sich eben in der Bezahlung widerspiegeln und da gilt es im TV-L noch nach zu justieren.
Und wer redet von rein subjektiven Wahrnehmungen, dass wäre doch unwissenschaftlich.

Rowhin

Zitat von: DiVO in Heute um 12:19Wer beurteilt, dass diese Prozesse falsch oder nicht mehr zeitgemäß sind? Der Sachbearbeiter? Wow - so viel Selbstbewusstsein hätte ich auch gerne, um mich wegen meiner subjektiven Wahrnehmung über Sollprozesse hinwegzusetzen.

Ich traue im Zweifelsfall dem Sachbearbeiter, der die Prozesse täglich ausführt, tatsächlich mehr zu, deren Sinnhaftigkeit und aktuelle Relevanz zu beurteilen, als dem Juristen, der diese vor 20 Jahren mal als einen von 120 so aufgeschrieben hat. Aber da gibt es sicher solche und solche Fälle.

DiVO

Zitat von: Rowhin in Heute um 13:43Ich traue im Zweifelsfall dem Sachbearbeiter, der die Prozesse täglich ausführt, tatsächlich mehr zu, deren Sinnhaftigkeit und aktuelle Relevanz zu beurteilen, als dem Juristen, der diese vor 20 Jahren mal als einen von 120 so aufgeschrieben hat. Aber da gibt es sicher solche und solche Fälle.

Ah ja. Ich kenne unsere Sachbearbeiter und traue es Ihnen nicht zu, unter anderem dem geschuldet, dass wir unsere Prozesse regelmäßig mit Process Mining überprüfen.

NelsonMuntz

Zitat von: DiVO in Heute um 12:19Wer beurteilt, dass diese Prozesse falsch oder nicht mehr zeitgemäß sind? Der Sachbearbeiter? Wow - so viel Selbstbewusstsein hätte ich auch gerne, um mich wegen meiner subjektiven Wahrnehmung über Sollprozesse hinwegzusetzen.

Das Problem ist, dass viele meinen, dass sie mit ihrem Engagement "den Laden am Laufen" halten. Dabei sind sie fester Teil des Problems, indem sie die Eskalation verzögern.

Was lernen die AG? Der Laden läuft irgendwie, also haben wir keinerlei Handlungsbedarf.

Ich habe in meinem Beitrag die eigentlich vorgeschriebenen Prozesse ja nicht bewertet oder als "unzeitgemäß" bezeichnet, gleichzeitig lese ich bei Dir einen Ansatz, der meine Thesen zum "Dienst nach Vorschrift" ja noch unterstützt, weil Du hier Veränderung über Eskalation wünscht. Das ist dann auch ein entscheidender Unterschied zur pW, denn dort würdest Du damit -so Du nicht absolut unersetzbar bist- eine schriftliche Anregung zur beruflichen Neuorientierung aka Kündigung erhalten ;)

DiVO

Zitat von: NelsonMuntz in Heute um 14:23Ich habe in meinem Beitrag die eigentlich vorgeschriebenen Prozesse ja nicht bewertet oder als "unzeitgemäß" bezeichnet, gleichzeitig lese ich bei Dir einen Ansatz, der meine Thesen zum "Dienst nach Vorschrift" ja noch unterstützt, weil Du hier Veränderung über Eskalation wünscht. Das ist dann auch ein entscheidender Unterschied zur pW, denn dort würdest Du damit -so Du nicht absolut unersetzbar bist- eine schriftliche Anregung zur beruflichen Neuorientierung aka Kündigung erhalten ;)

Meine Erfahrung aus der pW ist Folgende: Du kannst gerne mit Engagement glänzen und Aufgaben/Tätigkeiten an dich ziehen und diese bearbeiten. Verursachst du dann aber einen größeren Schaden/Verlust für die Firma, erhältst du eine schriftliche Anregung zur beruflichen Neuorientierung aka Kündigung.

Im öD kannst du in dem Fall Böcke schießen wie du möchtest, es passiert nichts. Ganz im Gegenteil: Der Mitarbeiter beschwert sich über mangelnde Wertschätzung.

NelsonMuntz

Zitat von: DiVO in Heute um 15:08Meine Erfahrung aus der pW ist Folgende: Du kannst gerne mit Engagement glänzen und Aufgaben/Tätigkeiten an dich ziehen und diese bearbeiten. Verursachst du dann aber einen größeren Schaden/Verlust für die Firma, erhältst du eine schriftliche Anregung zur beruflichen Neuorientierung aka Kündigung.

Im öD kannst du in dem Fall Böcke schießen wie du möchtest, es passiert nichts. Ganz im Gegenteil: Der Mitarbeiter beschwert sich über mangelnde Wertschätzung.

Da hast Du natürlich auch vollkommen Recht ;) - Am Ende interpretieren wir "Dienst nach Vorschrift" einfach etwas unterschiedlich. Was ich meine, ist z.B. einen Arbeitsauftrag erst dann anzunehmen, wenn dieser sauber über die Hierarchie freigegeben wurde. Dieses "Laden am Laufen halten" bedeutet ja nicht, sich performativ nach eigenem Gusto auszutoben und sich darüber selbst einen Status der Unverzichtbarkeit zu verleihen, sondern auf Arbeitsebene mehr oder weniger selbständig und abteilungsübergreifend interne Prozesse zu etablieren, die eigentlich so gar nicht vorgesehen sind. All das geschieht dabei durchaus im Sinne und in voller Zustimmung der Führungsebenen, aber "nach Vorschrift" ist das alles nicht.

"Dienst nach Vorschrift" ist für mich ein Synonym für größtmögliche Minimalleistung. Kann und darf man selbstverständlich auch anders interpretieren ;)