Was kann man gewöhnlich im Bewerbungsverfahren realistisch verhandeln?

Begonnen von Modrian, 21.01.2026 18:38

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Modrian

Mahlzeit Kollegen,

ich plane mich nach 3 Jahren Abwesenheit bei meinem ehemaligen AG auf meine alte Stelle zu bewerben, da das Betriebsklima mir besser gefallen hat und das Aufgabengebiet mir ein wenig mehr liegt. Nur das ehemalige Personalamt ist schwierig und hat mich rückblickend betrachtet, damals als unerfahrenen jungen Mann eigentlich nach Strich und Pfaden veräppelt. Dem soll nun nicht mehr so sein und ich kann aus sicherer Position verhandeln. Das Mindset stimmt, das Hintergrundwissen allerdings nicht, da ich kein Personaler bin.

Ich denke ich habe einige Pluspunkte, die andere Bewerber nicht haben können. Ich weiß wie der Laden läuft, kenne Kollegen bis Bürger und das Stadtgebiet wie meine Westentasche, meine Einarbeitung wäre mehr nur ein auf den aktuellen Stand setzen. Zudem bin ich im Guten aus persönlichen Gründen gewechselt, meine Arbeitsmoral und Arbeitsergebnisse waren immer tadellos. Unzweifelhaft dürfte ich damit auch ein gewisses Maß an "Vitamin B" haben. Abhängig davon wer sich noch bewirbt, könnte ich Haushoch überlegen sein.

Ich habe 9a Stufe 4, würde nächstes Jahr in Stufe 5 kommen. Die neue Stelle ist auch 9a ausgeschrieben. Aktuell wohne ich praktisch neben meinem AG, zum evt. Neuen fahre ich 30 min.

Ein informelles Gespräch hatte ich bereits, indem ich angesprochen habe, dass ich mich wirtschaftlich und privat schlechter Stellen würde, wenn ich ohne jede Anpassung wechseln würde. Die Dezernentin hat direkt abgeblockt, wäre ja nicht ihr Problem. Evt. könne man mir die Stufe 5 anbieten, die mir netto 60 Euro bringt und nächstes Jahr sowieso bekommen würde. Der Deal wäre ... langweilig.

Ein Punkt der mich schon immer geärgert hat. Den "kleinen" macht man das Leben schwer, in höheren Gehaltsstufen scheint vieles möglich, da ich im Personalrat als Ersatzmitglied schonmal reinschnuppern durfte. Nur ich weiß nicht, was realistisch möglich und auch halbwegs fair/rechtmäßig ist ^^.

Was könnte man so in den Raum werfen um einem Personaler auf die Sprünge zu helfen?
Kann man mit der Vorgeschichte Stufen überspringen, dass ich von der 4 auf 6 springe?
Was hat es mit dieser Arbeitsmarktzulage auf sich? Ist die für Einzelpersonen überhaupt relevant oder müsste die für alle Neueinstellungen gelten?
Kann man "Goddies" verhandeln, die (glaub ich) nicht auf der Gehaltsabrechnung draufstehen? Sowas wie Jobticket oder ähnliches?
Sollte man sich in so einer Situation schlicht zurücklehnen und so lange "nein" sagen, bis die selbst auf etwas kommen oder die Verhandlungen gescheitert sind?
Habt ihr noch andere Ideen oder Anmerkungen? Vielleicht sind meine Vorstellungen auch einfach überzogen?

Beste Grüße

MoinMoin

Die Kernfrage ist, ist es wirklich ein neuer AG oder nur eine andere Dienststelle des selben AGs?
Falls es ein neuer AG ist, dann kann man förderliche Zeiten verhandeln, d.h. Stufe 6 wenn du entsprechende Zeiten hast.

und das war es dann auch nach meine TVöD Kenntnisstand.

Modrian


Mario Nette

Ich habe in 3 Wochen ein Gespräch bei einem anderen Arbeitgeber. Ich bin derzeit ebenfalls in EG 09a, Stufe 4; jedoch TV-L. Das Aufgabengebiet ist identisch und ich mach inkl. freier Wirtschaft den Kram schon gute 18 Jahre.

Da ich grundsätzlich zufrieden mit meinem jetzigen Job und Arbeitgeber bin, gibt es für mich nur monetäre Gründe. Ich werde denen dann schon verklickern, dass ich nur wechsel, wenn es nen Stufenaufstieg dabei gibt und warum es denen es wert sein sollte.

Wobei die EG 09a, Stufe 4 der VKA im Vergleich zum TVL ja schon alleine monetäre Gründe genug wären. Wie ich dieses Ass entschärfe weiß ich aber auch noch nicht :D

Rheini

Ich würde an deiner Stelle noch was an meinem Selbstbewusstsein arbeiten. deine Post lesen sich für mich arg "devot".

itseme

Es kommt auch auf deine Risikobereitschaft an.
Sagst du klar, dass du eine "berufliche Veränderung" haben möchtest, die Berufserfahrung für die Stufe 6 bereits erfüllst und dem netten Hinweis, dass dich der Stellenwechsel (den du selst herbeibeschwörst) mehr Nebenkosten durch Fahrtweg belastet.
Kannst du darauf hoffen, dass du "the Man" bist und sie das Zuckerle schlucken.

Arbeitsmarktzulage ist oftmals eine zögerliche Variante, auch weil man damit durch den Gemeinderat muss und eher bei Stellen genutzt werden, die von hoher Relevanz,  langer Vakanz oder Dringlichkeit geprägt sind.

Hoffe auf einen prall gefüllten Obstkorb, all zu flexibel ist der TVöD zumeist nicht.

Bubi11

Ich hatte schon einige Einstellungen und auch Gespräche. Ganz ehrlich und nicht abwertend gemeint wenn jemand im Gespräch Forderungen stellt war derjenige schon raus egal wie gut er ist. Selbstbewusstsein ist ok aber wenn die Forderungen im Vordergrund stehen dann passt dieser nicht ins Team. Zumal es bei uns auch keinerlei Verhandlungsspielraum gibt. Die EG steht fest und sonst gibt es bei uns nichts zusätzlich. Stufe kann übernommen werden 1:1. Bei Bewerber die nicht aus dem öffentl. Dienst kommen ist Stufe 3 das maximum.

Ich komme aus der Finanzabteilung und wir stellen eher Leute ein die zum Team passen als die, die eine Top Qualifikation haben. Wenn beides passt dann ist es ideal. Aber Vergütung wird bei uns nicht verhandelt. Das ist aber auch der Personalpolitik geschuldet. Leider sagen natürlich auch viele dadurch ab.

MoinMoin

Zitat von: Bubi11 in 22.01.2026 07:14Ich hatte schon einige Einstellungen und auch Gespräche. Ganz ehrlich und nicht abwertend gemeint wenn jemand im Gespräch Forderungen stellt war derjenige schon raus egal wie gut er ist. Selbstbewusstsein ist ok aber wenn die Forderungen im Vordergrund stehen dann passt dieser nicht ins Team. Zumal es bei uns auch keinerlei Verhandlungsspielraum gibt. Die EG steht fest und sonst gibt es bei uns nichts zusätzlich. Stufe kann übernommen werden 1:1. Bei Bewerber die nicht aus dem öffentl. Dienst kommen ist Stufe 3 das maximum.

Ich komme aus der Finanzabteilung und wir stellen eher Leute ein die zum Team passen als die, die eine Top Qualifikation haben. Wenn beides passt dann ist es ideal. Aber Vergütung wird bei uns nicht verhandelt. Das ist aber auch der Personalpolitik geschuldet. Leider sagen natürlich auch viele dadurch ab.
Aber dann ist es doch gut, dass er sagt, was er erwartet und nicht das ihr ihn als Kandidaten 1 haben wollt und er dann absagen muss 5min vor Arbeitsantritt, weil man sich nicht unterhalten hat.

Wenn ihr prinzipiell die tarifliche Möglichkeiten zur Personalgewinnung nicht nutzt, dann kann es dafür zwei Gründe geben.
Ihr benötigt sie nicht, weil ihr genügend gutes Personal zum MUSS Preis bekommt.

Oder, was wahrscheinlicher ist, ihr nehmt auch die 3. Wahl bzw. lasst die Stelle unbesetzt. Nur aus Prinzip oder Unfähigkeit die tariflichen Spielräume zu nutzen.
Denn ihr lasst es zu, dass der Personaler für den Schaden keine Verantwortung trägt.

Und natürlich muss der Platz eins Kandidat auch eben Platz eins sein, fachlich, menschlich und fürs Team.
Daher reden wir offen im VG über die Spannweite die wir anbieten können, welche Randbedingung es gibt und erfragen die Schmerzgrenze bei den Kandidaten.

Aber wenn ihr Menschen mit 20 Jahre Berufserfahrung, die wie Deckel auf Pott nicht wollt, weil ihr ihn wie einen Rookie behandelt, dann ist das eine Entscheidung.
Bei unseren Hausmeister, ...Stellen geht es nicht anders wg. Bewerberlage.
Bei den höheren Tätigkeiten haben wir in den letzten Jahr kaum jemanden mit der Stufe 3 eingestellt, alle drüber und fast alle noch da.

Petar Tudzharov

Zitat von: Modrian in 21.01.2026 18:38(...)
Ein Punkt der mich schon immer geärgert hat. Den "kleinen" macht man das Leben schwer, in höheren Gehaltsstufen scheint vieles möglich, da ich im Personalrat als Ersatzmitglied schonmal reinschnuppern durfte. Nur ich weiß nicht, was realistisch möglich und auch halbwegs fair/rechtmäßig ist ^^.

Was könnte man so in den Raum werfen um einem Personaler auf die Sprünge zu helfen?
(...) Vielleicht sind meine Vorstellungen auch einfach überzogen?

Beste Grüße

Für mich läuft es immer auf das Verhältnis von Angebot und Nachfrage hinaus. Die Bereitschaft zu Zugeständnissen seitens der Arbeitgeber ist meist dann stärker ausgeprägt, wenn das Bewerberfeld dünn ist oder Schlüsselstellen besetzt werden sollen, bei denen es im besonderen Maße darauf ankommt, einen passenden Bewerber zu finden. Treffen beide Faktoren zusammen, ist die Ausgangslage des bevorzugten Kandidaten für Verhandlungen besonders gut.

Du beschreibst, was dich von anderen Bewerbern abheben könnte.

ZitatIch denke ich habe einige Pluspunkte, die andere Bewerber nicht haben können. Ich weiß wie der Laden läuft, kenne Kollegen bis Bürger und das Stadtgebiet wie meine Westentasche, meine Einarbeitung wäre mehr nur ein auf den aktuellen Stand setzen. Zudem bin ich im Guten aus persönlichen Gründen gewechselt, meine Arbeitsmoral und Arbeitsergebnisse waren immer tadellos. Unzweifelhaft dürfte ich damit auch ein gewisses Maß an "Vitamin B" haben. Abhängig davon wer sich noch bewirbt, könnte ich Haushoch überlegen sein.

Aus meiner Sicht sind das allenfalls kurzfristig wirkende Vorteile, die spätestens nach einem halben Jahr aufgebraucht wären.

Nach eigener Schilderung bist seinerzeit du als junger und unerfahrener Kollege auf deine Stelle bei diesem Arbeitgeber gekommen, was rückblickend wohl gut funktioniert hat. Was sollte den Arbeitgeber davon abhalten, wieder einen jungen Bewerber einzustellen, den er für eine EG 9a Stufe 1 oder 2 bekommen kann? Weshalb sollte er sich für dich entscheiden, der eine EG 9a Stufe 6 fordert?

Die höheren Fahrtkosten sind dein ganz persönliches Problem und ein schwaches Argument, das höchstens dann ausgespielt werden kann, wenn dich ein Arbeitgeber förmlich anbettelt, bei ihm anzufangen.

Wir kennen die Bewerberlage natürlich nicht, insofern sind Prognosen schwierig. Auf Grundlage der bisherigen Schilderung sehe ich jedoch keine guten Gründe, aus denen dich der Arbeitgeber zum Höchstpreis bzw. unter Gewährung von "Goddies" oder Zulagen anderen Bewerbern gegenüber bevorzugen sollte.



BAT

Zitat von: Petar Tudzharov in 22.01.2026 08:40Die höheren Fahrtkosten sind dein ganz persönliches Problem und ein schwaches Argument, das höchstens dann ausgespielt werden kann, wenn dich ein Arbeitgeber förmlich anbettelt, bei ihm anzufangen.


Nicht ganz. Wenn ich einen AN habe, der täglich ein oder zwei Stunden weniger für Arbeit und Erholung zur Vefügung hat, ist es zumindest auch ein Kriterium für den AG.

Vollstrecker

Zitat von: BAT in 22.01.2026 08:59Nicht ganz. Wenn ich einen AN habe, der täglich ein oder zwei Stunden weniger für Arbeit und Erholung zur Vefügung hat, ist es zumindest auch ein Kriterium für den AG.

Darf es aber nicht sein.  ;) Ist ein unzulässiges Bewertungskriterium.

JahrhundertwerkTVÖD

Manchmal ist es ein schmaler Grad zwischen Selbstbewusstsein und Selbstüberschätzung.
Sich selbst einschätzende haushoch überlegene Kandidaten würde ich nicht einstellen.
Sehr oft entsprach die eigene Einschätzung nicht der Realität.
Ach ja und die anderen sind immer Schuld bzw. die anderen bekommen immer mehr :-)

Egal.
Es ist vieles möglich und letztendlich eine Entscheidung des Arbeitsgebers wie weit er zur Personalgewinnung sich noch strecken muss und kann.

BAT

Also unser Hausmeister musste immer recht hausnah wohnen ;)

Ansonsten läuft ja viel unter der Hand, ohne Festhaltung in Akten. Sicher auch im Personalrecht.

MeTe

Naja, das dürfte wohl ganz vom Arbeitgeber abhängen. Generell ist der öD meiner Erfahrung nach maximal unflexibel und unkooperativ bei jeder Art der freien Verhandlung und die meisten Personalabteilugnen scheuen sich davor (um nicht zu sagen für die meisten ist undenkbar) einfach irgendwelche "Goodies" in freier Verhandlung rauszugeben. Man könnte sich ja juristisch angreifbar machen dadurch, Bevorteilung eines Bewerbers, Benachteiligugn/Diskriminierung andere, was weiß ich.

Ich kenne als einzige Verhandlungsspielraum eigentlich nur: Anerkennung einschlägiger Berufserfahrung über Stufe 3 hinaus. Denn das lässt sich juristisch recht problemlos rechtfertigen (eben über tatsächlich existente Vorerfahrung die einer hat, der andere ggf. eben nicht).

Selbst bei absoluten Experten-Stellen die seit Jahren unbesetzt sind stellt man sich da quer - lieber stellt man einfach gar keinen ein und lässt die Stelle weitere Jahre unbesetzt als irgendjemanden auch nur 5€ zu "schenken" weil - das müsste man ja irgendwie rechtfertigen und dann könnte jemand klagen und oh gott oh gott, ne dann lieber gar keinen einstellen... (soviel zu "den kleinen macht man es schwer" - nene du, das ist die alte absurde Verdi-Propaganda auf die du da reinfällst, "wir hier unten gegen die da oben"... bei den höheren EG-Gruppen stellt man sich genauso an wie bei allen anderen auch)

Insofern kannst es probieren, zumindest bei meinen Arbeitgebern im öD war da aber absolut nichts zu holen. Weder bei den "kleinen" noch bei den "großen".

Feivel

Zitat von: MeTe in 22.01.2026 11:42Ich kenne als einzige Verhandlungsspielraum eigentlich nur: Anerkennung einschlägiger Berufserfahrung über Stufe 3 hinaus. Denn das lässt sich juristisch recht problemlos rechtfertigen (eben über tatsächlich existente Vorerfahrung die einer hat, der andere ggf. eben nicht)

Aber nur bis zu dem Zeitpunkt, an dem eine DV eine andere Möglichkeit aufweist, Nachteil zur Regelung im TVöD hin oder her. Zu diesem Zeitpunkt hört die Flexibilität komplett auf.