Gibt es eigentlich im öD sowas wie Überqualifikation

Begonnen von kittyka, Gestern um 19:02

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kittyka

Hi,
in meinem Umfeld gibt es jemanden, der vor so 5 Jahren mal ein geisteswissenschaftliches Studium abgeschlossen. Jedoch seitdem länger arbeitslos war und aufgrund einer Erkrankung nicht mehr so leistungsfähig.

Er hat sich auf eine recht entspannte E5 Stelle beworben, für die es keine speziellen Voraussetzungen gab.
Die von der Personalabteilung meinten, er kann sich bewerben. Er wurde jetzt auch eingeladen.

Jedoch ist er so gesehen formal eben überqualifiziert.
Kann man deswegen abgelehnt werden?

Lg

Buggula

Hallo.

Ich hab schon Leute mit Doktor im gD gesehen. Wenn der Mensch dort glücklich ist, why not?


MoinMoin

Zitat von: kittyka in Gestern um 19:02Hi,
in meinem Umfeld gibt es jemanden, der vor so 5 Jahren mal ein geisteswissenschaftliches Studium abgeschlossen. Jedoch seitdem länger arbeitslos war und aufgrund einer Erkrankung nicht mehr so leistungsfähig.

Er hat sich auf eine recht entspannte E5 Stelle beworben, für die es keine speziellen Voraussetzungen gab.
Die von der Personalabteilung meinten, er kann sich bewerben. Er wurde jetzt auch eingeladen.

Jedoch ist er so gesehen formal eben überqualifiziert.
Kann man deswegen abgelehnt werden?

Lg

Klar kann man deswegen abgelehnt werden, wenn man sachlich Gründe dafür hat.
Aber es ist immer eine Einzelfallentscheidung im Kontext der Bewerbung und der Bewerberlage.

Rowhin

Ich habe in dem Zusammenhang ab und zu das Argument gehört "die Person ist so überqualifiziert, die will nur bei uns parken während sie was besseres sucht". Kein formaler Grund, aber für manche ausschlaggebend genug.

Autodoc

Das hab ich schon selbst erlebt.
Die Person hatte sich auf eine E7 als Jurist beworben , und hat es im Endeeffekt dann benutzt, um Zugriff auf die internen Stellenausschreibungen zu bekommen.
Der war da nicht ganz so lange auf der Stelle.

Ab und an hatten wir das auch bei den quereinsteiger in der Ausländerbehörde. Die sind nach ein paar Jahren da auch wieder weg.

Zum Anfang meiner Ausbildung hatte ich jemanden kennen gelernt, der war studierter im Bereich der Geschichte. Und er hat dann noch mal ne Ausbildung zur Fachkraft für (ich weiß nicht genau, wie das richtig heißt) gemacht und wurde dann später im Stadt beziehungsweise Kreisarchiv eingesetzt. Da könnte man ja auch von über Qualifikation sprechen.

kittyka

Zitat von: Autodoc in Heute um 00:58Das hab ich schon selbst erlebt.
Die Person hatte sich auf eine E7 als Jurist beworben , und hat es im Endeeffekt dann benutzt, um Zugriff auf die internen Stellenausschreibungen zu bekommen.
Der war da nicht ganz so lange auf der Stelle.

Ab und an hatten wir das auch bei den quereinsteiger in der Ausländerbehörde. Die sind nach ein paar Jahren da auch wieder weg.

Zum Anfang meiner Ausbildung hatte ich jemanden kennen gelernt, der war studierter im Bereich der Geschichte. Und er hat dann noch mal ne Ausbildung zur Fachkraft für (ich weiß nicht genau, wie das richtig heißt) gemacht und wurde dann später im Stadt beziehungsweise Kreisarchiv eingesetzt. Da könnte man ja auch von über Qualifikation sprechen.


Ich glaube die Fluktuation in Behörden wie dem Ausländeramt ist allgemein eher hoch und hängt nicht unbedingt mit einem Abschluss zusammen?


Petar T.

In dem Fall, Beispiel Ausländerbehörde, sind es aufgabenbezogene Ursachen, die zu einer hohen Fluktuation führen.
Überqualifizierte Mitarbeiter, die über eine nützliche Qualifikation verfügen, sind dann noch ein zusätzlicher Unsicherheitsfaktor.

Das dürfte für das geisteswissenschaftliche Studium aus dem Beispiel allerdings nicht gelten, da die Einsatzmöglichkeiten in einer Verwaltung sehr begrenzt sind.

Es gibt Fälle, in denen das auch längerfristig funktionieren kann. Die Erfahrung zeigt allerdings, dass überqualifizierte Mitarbeiter häufig zu Problemen führen.

kittyka

Zitat von: Petar T. in Heute um 07:04In dem Fall, Beispiel Ausländerbehörde, sind es aufgabenbezogene Ursachen, die zu einer hohen Fluktuation führen.
Überqualifizierte Mitarbeiter, die über eine nützliche Qualifikation verfügen, sind dann noch ein zusätzlicher Unsicherheitsfaktor.

Das dürfte für das geisteswissenschaftliche Studium aus dem Beispiel allerdings nicht gelten, da die Einsatzmöglichkeiten in einer Verwaltung sehr begrenzt sind.

Es gibt Fälle, in denen das auch längerfristig funktionieren kann. Die Erfahrung zeigt allerdings, dass überqualifizierte Mitarbeiter häufig zu Problemen führen.

Also im Sinne, dass sie meistens eh bald weg sind, unmotiviert, oft krank usw?

Bei meinem Kumpel muss man allerdings sagen, ein geisteswissenschaftliches nicht Verwertbares Fach (Bachelor) + Lebenslauflücke und verminderte Leistungsfähigkeit, sind jetzt nicht unbedingt die besten Voraussetzungen für eine akademische Laufbahn. . Vielleicht wird das berücksichtigt.

Petar T.

Ein Grund wurde schon genannt: es wird irgendeine Stelle angenommen, um sich dann früher oder später intern auf höher bezahlte Stellen zu bewerben. Die Erfolgsaussichten hängen natürlich davon ab, ob die Qualifikation nachgefragt ist. Das dürfte in den Bereichen Recht, Verwaltung und Betriebswirtschaft eher der Fall sein als bei Geisteswissenschaften. Wenn Arbeitgeber bereits entsprechende Erfahrungen gemacht haben, könnten sie geneigt sein, solche Bewerber nur nachrangig zu berücksichtigten, sollte sich das irgendwie mit den Kriterien Eignung, Befähigung und fachliche Leistung in Einklang bringen lassen  8) .

Hinzu kommt, dass diese Mitarbeiter mitunter ihre höhere Qualifikation heraushängen lassen, was zu Problemen mit Kollegen und Vorgesetzten führen kann.

Dein Kumpel muss sich einerseits bewusst sein, dass die Aufstiegs- und Veränderungsmöglichkeiten mit seinem Abschluss sehr begrenzt sind, soweit er später nicht noch einen der Verwaltungslehrgänge absolviert oder berufsbegleitend studiert. Zudem sollte er glaubhaft vermitteln, dass er sich tatsächlich für diese Stelle interessiert und diese nicht nur als kurzfristiges Sprungbrett sieht. Mit dem Thematisieren der verminderten Leistungsfähigkeit wäre ich vorsichtig.

Faunus

Sind die Tätigkeiten dem Bewerber mit mehr oder weniger Einarbeitung möglich? Wenn ja => Legt man Wert darauf, dass der/die Neue ins Team passt bzw. lässt sich der MA relativ einfach führen? Und wie da Dein Bekannter sich macht, ist für mich eher Glaskugelgucken, da die Beurteilung im Gespräch schon fast unmöglich ist ;-)


Und ja, es ist legitim und eigentlich auch normal, dass MA immer auf "besser" bezahlte Jobs gucken. Ich habe z.B. aus dem Grund mehrfach den Arbeitsplatz (nicht den AG) gewechselt ;)

kittyka

Zitat von: Faunus in Heute um 07:36Und ja, es ist legitim und eigentlich auch normal, dass MA immer auf "besser" bezahlte Jobs gucken. Ich habe z.B. aus dem Grund mehrfach den Arbeitsplatz (nicht den AG) gewechselt ;)


Ja, aber bei Akademikern fragt man sich vermutlich schon, warum diese sich "downgraden" Selbst wenn man nur auf dem Papier hochqualifiziert ist.

Faunus

Zitat von: kittyka in Heute um 08:01Ja, aber bei Akademikern fragt man sich vermutlich schon, warum diese sich "downgraden" Selbst wenn man nur auf dem Papier hochqualifiziert ist.

Korrekt! Auf den Papier ist das so.
Im realen Arbeitsleben hofft man immer, dass eine Einstellung gut geht. Aber es gibt keine Garantie. Morgen kann der neue MA einen Unfall haben, schwanger werden, ein besseres Angebot bekommen, wegziehen, im Lotto gewinnen... wer vermag das im Vorfeld zu beurteilen? Jeder MA/Bewerber bringt Vor- und Nachteile mit. Ein Vorgesetzter musst abwägen und wenn der MA da ist, seine Vorteile fördern und die Nachteile möglichst runterfahren. Alles andere wird sich zeigen.

Tiffy

Wir haben einen Meister auf einer "Gesellenstelle" in E 6. Niemand hat ihn gezwungen, sich zu bewerben und den AV zu unterschreiben. Gemacht hat er es trotzdem. Immerhin muss man bedenken, dass er zuvor in einer kleinen Firma war, die pleite gegangen ist.