Bildungs-Reparaturbetrieb Familie: Hilfslehrer Eltern zwecks Lehrplanerfüllung

Begonnen von WimmelbuchLeser, 13.10.2026 20:35

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Organisator

Zitat von: Hugo Stieglitz in Gestern um 12:42Also in den späten 50ern lag der durchschnittliche qm-Verbrauch bei 18 qm. Da gab es sicher ein paar mehr oder weniger, aber ich bin sicher, die Lifestyle-Explosion der 50er hat den zweiten Verdienst notwendig gemacht. :D

"Lifestyle-Explosion" ist auch ein schöner Begriff :)

Ansonsten war im Ostteil Deutschlands bereits ab den 50ern üblich, dass Frauen wie Männer Vollzeit arbeiten. Egal ob Eltern oder nicht.

Petar T.

Zitat von: WimmelbuchLeser in 13.10.2026 20:35(...)
Fakt ist aber: Gerade bei kaskadierenden Altersabständen – wenn die Kinder wie bei uns (drei Kinder - Grundschüler!) jeweils zwei bis drei Jahre auseinander sind – braucht eine Familie zwingend ein Elternteil, das zu Hause permanent Struktur und Organisation aufrechterhält. Da geht es um denjenigen, der logistisch die besten Voraussetzungen dafür mitbringt. Bei uns läuft das über die Teilzeitstelle meiner Frau, die zugleich im Wohnort mit kurzen Wegen zur Arbeitsstelle arbeitet. Ohne diese Präsenz würde unser Alltag schlicht kollabieren. Nahe Familienangehörige gibt es keine. Das ist der geforderten Flexibilität meines Dienstherrn (Dienstort) geschuldet.
(...)

Es gibt Millionen Familien mit zwei in Vollzeit tätigen Elternteilen, die diese Herausforderungen meistern müssen.

FGL

Zitat von: WimmelbuchLeser in 13.10.2026 20:35Ich habe das Gefühl, dass viele Lehrer ihren eigentlichen Lehrauftrag komplett nach Hause abwälzen.
Wenn viele Eltern ihren Erziehungsauftrag auf die Schule abwälzen, dann hat diese weniger Ressourcen für den Kernbereich ihres Auftrags.

Fettschwanzmaki

Zitat von: WimmelbuchLeser in 13.10.2026 20:35(...)
Doch statt uns zu entlasten, verlässt sich unser Bildungssystem genau auf diese mühsam geschaffene Struktur. Ich habe das Gefühl, dass viele Lehrer ihren eigentlichen Lehrauftrag komplett nach Hause abwälzen. Wir lernen nicht mehr nur punktuell mit den Kindern – wir müssen den Stoff zu Hause oft überhaupt erst erklären.  ::)  Durch Lehrermangel und ständigen Unterrichtsausfall bleibt in der Schule so viel auf der Strecke, dass wir Eltern als unbezahlte Nachhilfelehrer einspringen müssen. Selbst in den Ferien gibt es zeitfüllende Aufgabenpakete, sodass für die Kinder kaum noch echte Erholung drin ist. Würden wir uns nicht jeden verdammten Tag dahinterklemmen, wäre ein guter Notendurchschnitt und die Empfehlung fürs Gymnasium absolut utopisch. Die traurigen Gesichter hinsichtlich schlechten Noten, wenn Eltern anderer Kinder es weniger begleiten, vernehmen unsere Kinder. Bisher konnten wir unsere Kinder immer noch erreichen und zugleich motivieren. Doch kamen kürzlich neue Lehrer ins Spiel, die diesbezüglich weniger motivierend unterwegs sind.

1. Ihr hättet ja auch Dinks werden können, was interessieren mich Deine Blagen? Jetzt bist Du gleich dreifach belastet, nein vier- und fünffach, wenn ich den Job und die Ehefrau dazuzähle.
2. Wir brauchen auch gute Handwerker, wenn die Scheiße überläuft, muss schweres Gerät vor Ort sein. Gymnasiasten sind sich da oftmals zu fein.
3. Selbst junge Akademiker haben nicht mehr automatisch einen Arbeitsplatz sicher, die dumme KI wird die mittelgradig Schlauen über kurz oder lang ersetzen, von den ganzen Laberfächern, die ja niemand bei der Bewältigung einer Lebens-, Gesellschafts- oder Existenzkrise braucht, ganz abgesehen.
4. Nivellierung der Bildungsabschlüsse durch weichgekochte Anforderungen, lasse die ganze Hausaufgabennummer am Nachmittag durch deine trade-wife einfach nach, lohnt sich nicht. Gegen die Tigermütter aus dem asiatischen Raum stinken wir alle ab.

Das war ein wenig Polemik zum warm werden.

https://www.dw.com/de/pisa-studie-2026-deutschland-ranking-ergebnisse-test-oecd-karin-prien/a-79157256
https://www.ndr.de/nachrichten/niedersachsen/in-niedersachsen-steigt-die-zahl-der-schulabbrecher-weiter,schulabbrecher-132.html
https://www.spiegel.de/start/bildung-zahl-der-schulabbrecher-erreicht-hoechststand-seit-zehn-jahren-a-1ac62e82-07ff-4e97-91dd-d3c34c3b52ed

Ich habe mich hier verschiedentlich dazu geäußert.

Schon vor den Polykrisen (1989/90, 2008, 2015, 2020, 2022, 2026) war der Zusammenhang von Herkunft und Bildung empirisch ausreichend untersucht. Ich selbst habe während meines Studiums u. a. eine Langzeitstudie in den Fingern gehabt, die seit 1970 (Beginn der Studie) diesen Zusammenhang langfristig untersucht (stark verkürzt: aus Akademikerfamilien besuchen x % Kinder das Gym, aus Arbeiterfamilien hingegen nur x % und natürlich weitere "Erkenntnisse"). Dieses Kaugummi ist so ausgelutscht, dass das als Sondermüll entsorgt werden muss.

Der Anteil der verhaltensauffälligen SuS beträgt mittlerweile 20 - 25 % in einer Schulklasse. Einer von fünf ist "gestört" und stört den Unterricht der anderen vier mehr oder weniger massiv. Dank der heiligen Inklusion wird jetzt niemanden mehr geholfen, die Leerkörper sind ausgebrannt, dazu ein rigides Schulsystem mit einer RLSB, die noch schwerfälliger und langsamer als eine durchschnittliche kommunale Verwaltung agiert. Hierzu kann man gern die Selbsterfahrungsberichte der angehenden Lehrkräfte gegenlesen, die sich über das Referendariat schlußendlich gegen den Beruf eines Lehrers oder einer Lehrerin entschieden haben.

Das damalige System der 1-4, 5+6 OS, danach HS, RS, Gym hat sich mAn eher bewährt, als das jetzige der IGS oder OGS mitsamt allen Schattierungen und Landesmoden (föderaler Ansatz). Nein, die starken Schüler ziehen die schwächeren nicht mit und unterstützen sie altruistisch, sie werden durch die schwächeren Schüler in ihrem Bildungserwerb gehemmt.

Pisa 2026 lässt grüßen.

Daneben kommen weitere Einflußgrößen wie Medienkonsum, fehlende Medienkompetenz, eine scheiß-egal-Haltung vieler Eltern, die ohnehin schon genug mit ihrem eigenen Leben zu tun haben oder glatt überfordert sind und keine Kraft, Zeit, Ahnung oder Lust haben, sich mit den Kindern und der Schule näher zu beschäftigen.

Seltsamerweise haben dabei viele Lehrkräfte das Gefühl, dass der Erziehungsauftrag der Eltern zunehmend an die Schule abgewälzt wird. Man ist halt nicht nur erziehungsberechtigt, sondern auch erziehungsverpflichtet.

Wenn man das nicht akzeptiert, sollte man besser keine Kinder in die Welt setzen, aber schon klar, der Weg dorthin macht ja bekanntlich ein paar Sekunden Spaß und entspannt von dem harten Arbeitsalltag - obwohl, die gehen ja ohnehin nicht arbeiten oder vegetieren in prekären Arbeitsverhältnissen vor sich hin.

Tja, hätten sie in der Schule halt besser aufgepasst.

Und somit schließt sich der polemische Kreis und mutiert zu einer sarkastischen Unbekannten.

Wir alle wissen ja: f(x) und sonst nix!

Warnstreik

Zitat von: Fettschwanzmaki in Gestern um 17:20Und somit schließt sich der polemische Kreis und mutiert zu einer sarkastischen Unbekannten.

Wir alle wissen ja: f(x) und sonst nix!


Es fällt mir wirklich schwer bei deinem Beitrag die Grenze zwischen Ironie/Sarkasmus und Meinung zu ziehen. Einiges sehe ich ähnlich, andere Dinge sehe ich auf einem wirklich guten Weg. Aber auch hier: Sehr lokale Sichtweise dank Föderalismus. (wobei Bildung eines der wenigen Themen ist, wo Föderalismus helfen kann)

Fettschwanzmaki

Zitat von: Warnstreik in Heute um 11:46Es fällt mir wirklich schwer bei deinem Beitrag die Grenze zwischen Ironie/Sarkasmus und Meinung zu ziehen.

Kann ich nachvollziehen, fällt mir ja selbst manchmal schwer...  ;D

Ich denke, in diesem Fall ist es tatsächlich eine Mischung. Die anfängliche polemische Überspitzung klammere ich mal aus, aber auch da sind natürlich Aspekte aufgeführt, die  - zumindest in Anteilen - meine Meinung widerspiegeln.

Ich kann das Anliegen des TE durchaus nachvollziehen und habe da ganz eigene Praxiserfahrungen in den letzten 10 Jahren sammeln dürfen. Man könnte auch sagen, dass ich diesbezüglich tüchtig auf Krawall gebürstet bin, denn die Fehlentwicklungen, die sich jetzt u. a. in Pisa 2026 zu erkennen geben, lagen für Interessierte oder auch Betroffene offen auf dem Tisch. Was mich zusätzlich nervt und meine Echauffierung in ungeahnte Höhen treibt, ist die Tatsache, dass diese Fehlentwicklung nicht plötzlich vom Himmel fällt, sondern durch verschiedene Erhebungen oder Studien seit Jahren oder auch Jahrzehnten bekannt ist.

Im Hinblick auf die Wahl der SturmAbteilung muss ich allerdings eingestehen, dass die Gründerväter unseres GG wohl sehr gut daran getan haben, in dem Bildungssystem föderale Strukturen einzuziehen. Das war vorausschauend, ich wünschte mir nur, dass die aktuelle Bildungspolitik ähnlich weitschauend aufgestellt wäre - was zumindest nach meiner Erfahrung/Beobachtung nicht der Fall ist. Wir haben, neben ein wenig Kohle, überwiegend nur Köpfe.

Und nein, gut gedacht ist nicht immer gut gemacht, aber wem erzähle ich das?!

Ein wesentlicher Punkt ist, und das meine ich wirklich ernst, die unterschiedliche Wahrnehmung der jeweiligen "Interessengruppen". Der TE ist der Ansicht, dass die Lehrkräfte die Vermittlung von Unterrichtsinhalten den Kindern und Eltern außerhalb der Schule (und in den Ferien) aufbürden. Gleichzeitig sind viele Lehrkräfte der Ansicht, dass die Eltern eigentliche Erziehungsaufgaben an die Schule delegieren. Und beide Parteien haben subjektiv recht, sie reden nur nicht miteinander, sondern überwiegend übereinander, aber damit ist - zumindest nach meiner Beobachtung - nur selten ein Problem oder auch eine problematische Entwicklung gelöst worden.

Für sich genommen ist die Inklusion (nur ein Aspekt) vllt. anstrebenswert, aber dann muss das System im Vorfeld der Einführung auch dazu in die Lage versetzt werden, die neu entstandenen und weiterhin entstehenden Herausforderungen auch bewältigen zu können.

[Eine Auswirkung ist u. a. die Kostenexplosion (und hier trifft es den Sachverhalt recht genau) im Rahmen der Schulbegleitungen. Frage mal bei Deiner entsprechenden FG nach, Du wirst Augen machen...]

Das mag in manchen BL oder auch Schulen gut funktionieren, aber in vielen Schulen ist das eben auch nicht der Fall. Und hier muss ich die Lehrkräfte tatsächlich mal in Schutz nehmen, denn es gibt auch tolle LehrerInnen, die diesen Beruf mit Herzblut ausüben und sich an den verkrusteten Strukturen aufreiben. Natürlich gibt es auch da Blindfliegen, aber wir sind hier ja im öD, ich muss das also nicht weiter ausführen.

Fakt ist, dass die frühkindliche Förderung in den ersten ein bis drei Lebensjahren nachhaltigen Einfluss auf den gesamten Werdegang der jeweiligen Kinder ausübt. Das zieht sich, und das ist empirisch mittlerweile gut belegt, durch die gesamte Bildungs- und Erwerbsbiographie.

Vllt. hast Du in deinem Umfeld "Präventioner", die werden Dir das sicherlich gern bestätigen.

Und so ist es wie bei vielen gesellschaftlichen Fehlentwicklungen: Wir haben kein Erkenntnisproblem, sondern ein Umsetzungsproblem. In meinem Kopf kommt dann noch das Bewußtseinsproblem hinzu, aber das sprengt regelmäßig den Rahmen...  ;D

ZitatEiniges sehe ich ähnlich, andere Dinge sehe ich auf einem wirklich guten Weg. Aber auch hier: Sehr lokale Sichtweise dank Föderalismus. (wobei Bildung eines der wenigen Themen ist, wo Föderalismus helfen kann)

Falls Lust und Zeit kannst Du das gern kurz näher erläutern ("guten Weg"), vllt. betrachte ich das zu einseitig. Vllt. bist Du auch nur zu optimistisch, die Nummer zieht sich ja schon seit Jahrzehnten hin?!
Ich sehe allenfalls gutgemeinte Ansätze, die aber - mal wieder - viel zu spät kommen und nur reparieren sollen und können. Wir müssen hier gesamtgesellschaftlich viel früher ansetzen, und das ist der Punkt, der mich in schönster Regelmäßigkeit beim Kardiologen vorstellig werden lässt.

Naja, immerhin noch Puls...

WimmelbuchLeser

Hallo zusammen,

erst einmal ein herzliches Dankeschön in die Runde für die vielen Rückmeldungen, eure ehrlichen Erfahrungsberichte und die verschiedenen Perspektiven! Es tut gut zu sehen, dass dieser Spagat ein massives Thema ist.

Da hier einige spannende Punkte aufgeworfen wurden, möchte ich meine Gedanken dazu gerne vertiefen – insbesondere zum Thema Schule, Erziehung und den wirtschaftlichen Realitäten im Wandel der Zeit.

Die Lehrerbrille: Kommunikation ja, Kollektivstrafen nein
Mir ist wichtig zu betonen: Wir pflegen einen sehr engen und guten Austausch mit den Lehrkräften unserer Kinder. Uns ist völlig bewusst, dass man es bei einer Klassenstärke von 24 bis 28 Kindern nicht leicht hat. Wenn Kritik aufkommt, potenziert sich die Dynamik durch zwei Elternteile plus Kind enorm nach oben. Wir betrachten das sehr sachlich und betreiben hier kein pauschales Lehrer-Bashing.  :)

Was wir jedoch quer durch die Grundschulzeit (wir haben Kinder in den Klassen 1, 4 und 6) erleben, ist eine strukturelle Ohnmacht:

Pädagogische Kapitulation: Wenn es im Unterricht zu laut wird, erleben wir zunehmend hilflose Reaktionen – vom verfrühten Abbruch der Lehrveranstaltung bis hin zu unangekündigten Klassentests als eine Art ,,Kollektivstrafe".

Symptombekämpfung statt Ursachenlösung: Es bürgert sich allmählich ein, dass Kinder, die sich einfach nur konzentrieren wollen (darunter auch unsere), mittlerweile mit bunt kreierten, selbst gekauften Kapselgehörschützern im Unterricht sitzen, um überhaupt noch Klassenarbeiten schreiben zu können. Das untermauert für mich das pure Versäumnis. Anstatt störende Verursacher konsequent aus dem Unterricht zu nehmen oder Schulpsychologen einzubinden, wird zu lange zugeschaut.

Konkurrenzdruck der Schulen: Viele Schulen scheinen die direkte Konfrontation mit den entsprechenden Eltern zu meiden. Aus Angst, dass Ordnungsmaßnahmen das Image nach außen beschädigen und man im Wettbewerb um Schülerzahlen verliert, wird das Problem lieber ausgesessen.

Der Blick auf die Erziehung: Das Fundament der Betreuung
Unsere Kinder kamen bspw. erst mit drei Jahren in die Kita. Wir leben heute im östlichen Teil Deutschlands (kommen ursprünglich aus dem Westen) und haben hier eine ganz andere Erwartungshaltung erlebt. Uns wurde von Erziehern spiegelnd gesagt, sie hätten es lieber, wenn die Kinder noch jünger abgegeben würden, weil sie dann besser ,,auf die Erzieher eingestimmt" seien.

Natürlich muss man das differenziert betrachten: Das Alter beim Kita-Eintritt allein ist kein pauschaler Erfolgsgarant. Gerade beim Thema Integration und Spracherwerb – beispielsweise bei Kindern mit Migrationshintergrund – ist ein früherer Kita-Start oft absolut sinnvoll und notwendig.

Der eigentliche Kern des Problems liegt woanders: Die mangelnde Erziehung und Frustrationstoleranz, die Lehrer heute zu Recht beklagen, entstehen dort, wo die familiäre Prägung durch eine reine ,,Verwahrung" ersetzt wird. Wenn Kinder im Kleinstkindalter im Volllast-Modus von morgens bis 16 oder 17 Uhr abgegeben werden, bleibt am Abend kaum noch Zeit und Energie für echte elterliche Erziehungsarbeit. Wenn diese Kitas dann – wie wir es leider oft erleben – mangels Fachkräften mit ungeschultem Hilfspersonal besetzt sind und Pädagogik kaum noch stattfinden kann, erodiert das Fundament. Die Quittung bekommen die Grundschulen und letztlich wir Eltern am Küchentisch.

Wirtschaftlicher Wandel: Es ist nicht nur eine Frage des Lifestyles
Zu dem Argument, dass heute beide arbeiten müssen, weil sich schlicht die Luxus-Ansprüche erhöht hätten: Ich denke, das greift zu kurz und bildet nicht die ganze Wahrheit ab. Sicherlich haben sich Konsumgewohnheiten verändert, aber der Zwang zum Zweiverdiener-Modell hat handfeste, strukturelle Gründe:

Explodierende Wohnkosten: Die Kosten für Miete oder den Erwerb von Wohneigentum sind im Vergleich zu den Jahrzehnten davor astronomisch und völlig überproportional gestiegen.

Stagnierende Reallöhne: Die Bezüge und Gehälter sind bei weitem nicht im selben Verhältnis gewachsen wie die unumgänglichen Fixkosten für Energie, Mobilität und die alltägliche Lebenshaltung.

Früher wurde in vielen Bereichen vielleicht einfacher und bescheidener gewohnt, aber ein einziges Gehalt hatte eine ganz andere Kaufkraft. Davon konnte nicht nur eine mehrköpfige Familie ernährt werden, sondern es ließen sich auch damals die großen Errungenschaften der Zeit finanzieren – sei es das erste eigene Auto, hochwertige Kleidung, moderne Haushaltsgeräte, langlebige Möbelraritäten oder später die ersten Heimcomputer.

Dass dieses Modell funktionierte, lag auch an der geografischen Nähe. Man pendelte seltener über riesige Distanzen, und ein verlässliches Netzwerk aus Großeltern, Uromas und Verwandten im selben Ort fing die Erziehung logistisch auf. Heute, im digital isolierten Zeitalter, ziehen sich die Menschen mehr zurück, die Gesellschaft als Ganzes erodiert und der allgemeine Respekt geht zunehmend verloren.

Wir haben drei Kinder und freuen uns riesig über sie. Wir möchten allen dreien gerecht werden, und sie sollen auch einfach noch ein bisschen Kindheit haben dürfen. Die Ganztagsschule ist ein Segen für Eltern, die es nicht anders organisieren können. Wir versuchen jedoch, unserer Verantwortung als Eltern ohne Verwandte in der Nähe gerecht zu werden, um unseren Kindern so nahe wie möglich zu sein. Aber die Politik darf nicht die Augen davor verschließen, dass sie den Familien steuerlich und beruflich immer mehr abverlangt, während das marode Schulsystem stillschweigend als kostenloser Reparaturbetrieb am Küchentisch vorausgesetzt wird.

Mich würde interessieren: Gibt es an euren Schulen ähnliche Phänomene wie den ,,Hörschutz im Unterricht" oder Kollektivstrafen?  :o  Wie reagieren eure Schulleitungen darauf?