Arbeitsklima in Behörden

Begonnen von Riya, Gestern um 22:39

Vorheriges Thema - Nächstes Thema

Riya

Hallo,

ich habe in meinem Umfeld gerade den Fall, dass eine unbedarfte Äußerung dafür gesorgt hat, dass jemand nach Übernahme ins Beamtenverhältnis auf Probe Landesjustizverwaltung quasi auf der Abschussliste steht und aktuell krank geschrieben ist.
Grund dafür, dass diese Person einem Kollegen im Vertrauen erzählt hat, eventuell nächstes Jahr ein Studium aufnehmen möchte.
Das machte die Runde und seitdem wird mein Bekannter schlecht behandelt.

Gab wohl schon mehrere Termine bei der Amtsleitung, wo ihm vorgeworfen wurde, seine Arbeit nicht zu verstehen und das er wohl vorher alle verarscht hat und was er überhaupt hier will. Für alles wird ihm die Schuld gegeben.

Er ist jetzt krankgeschrieben.
Kennt ihr sowas.






Schneewitchen

Zitat von: Riya in Gestern um 22:39Hallo,

ich habe in meinem Umfeld gerade den Fall, dass eine unbedarfte Äußerung dafür gesorgt hat, dass jemand nach Übernahme ins Beamtenverhältnis auf Probe Landesjustizverwaltung quasi auf der Abschussliste steht und aktuell krank geschrieben ist.
Grund dafür, dass diese Person einem Kollegen im Vertrauen erzählt hat, eventuell nächstes Jahr ein Studium aufnehmen möchte.
Das machte die Runde und seitdem wird mein Bekannter schlecht behandelt.

Gab wohl schon mehrere Termine bei der Amtsleitung, wo ihm vorgeworfen wurde, seine Arbeit nicht zu verstehen und das er wohl vorher alle verarscht hat und was er überhaupt hier will. Für alles wird ihm die Schuld gegeben.

Er ist jetzt krankgeschrieben.
Kennt ihr sowas.







Ich hatte schon merkwürdige Kollegen ( die das umgekehrt vermutlich auch von mir behaupten🤔😂). Ich hatte auch als Vorgesetzter einige komplex aufgestellte Mitarbeiter. Und umgekehrt waren auch  einige meiner Vorgesetzten  hochinteressante Persönlichkeiten, auf deren Gesellschaft ich gerne verzichtet hätte.

So etwas, wie der von Dir beschriebene Fall, ist mir aber in 36 Dienstjahren noch nicht unter gekommen.

Es ist vielleicht für Kollegen und Vorgesetzten nicht so toll, wenn jemand zu erkennen gibt, dass er den Job nur temporär machen will. Zumindest der Amtsleiter sollte damit schon professioneller umgehen können.

Die Reaktion der Kollegen ist auch ziemlich übertrieben. Niemand ist mit seinem Job verheiratet, auch nicht mit den Kollegen.

Ich habe vor einiger Zeit auch eine neue Kollegin über Wochen eingearbeitet, so wie andere Kollegen auch. Die Kollegin war Recht gut und hätte bei uns Zukunft gehabt. Nach dem Ende ihrer Probezeit hat sie aber gekündigt, weil sie lieber auf einer spanischen Insel leben und die Sprache lernen wollte.

Die ganze Einarbeitung war also für die Katz. Habe ich mich aufgeregt. Nö, war ja ruhegehaltsfähige Dienstzeit. Es ist halt manchmal so!

Die von Dir beschriebenen Dienstkräfte sollten derartige Dinge vielleicht nicht so persönlich nehmen.

Wenn mein Verhalten andere Menschen zum Arzt treibt, dann muss ich mir mal Gedanken über meine Verhaltensmuster machen....
Deus hic finitur

NelsonMuntz

Zitat von: Schneewitchen in Gestern um 23:20... Niemand ist mit seinem Job verheiratet...


Naja, es war schon von Verbeamtung die Rede. Das ist kein "Job", das ist wie eine Ehe ;)

MoinMoin

Also wenn man die Urkunde annimmt und schon weiß, dass man den Schwur ,,brechen" wird, dann ist es in der Tat eine Verarsche.
Aber das höchst unpressionelle Verhalten der Verarschten ist damit nicht entschuldbar.

clarion

Tja und schon wieder ein junger motivierter Mensch verbrannt. Dem Kollegen kann man eigentlich nur zur Kündigung und Studienaufnahme raten.

Ich hatte auch schon solche Fälle, sogar noch krasser, denn das Bachelor Studium wurden der betreffenden Person durch das Amt finanziert. Die Person macht aktuell den  Master, obwohl wir keinen Bedarf nach dem Master haben. Es war eine Enttäuschung,  aber will man einem jungen  Menschen Steine in den Weg legen? Man sieht sich auch immer zwei Mal im Leben, vielleicht brauchen wir irgendwann doch einen Master.

Schneewitchen

Zitat von: NelsonMuntz in Heute um 00:02Naja, es war schon von Verbeamtung die Rede. Das ist kein "Job", das ist wie eine Ehe ;)

O.k., stimmt schon! Der Beamtenstatus geht über ein rein arbeitsrechtliches Anstellungsverhältnis hinaus. Im Kontext war aber gemeint, dass man ja nicht an einen Dienstposten bei einer Behörde gekettet ist oder das es keinerlei Ausstiegsoptionen gibt.

Bei uns gibt es jedenfalls viel Fluktuation. Ich habe das aber auch schon anders erlebt. Jedenfalls sollte man weder überrascht sein, noch sich persönlich angegriffen fühlen, wenn sich Personal nach kurzer Zeit in der Dienststelle anders orientiert.
Deus hic finitur

Schneewitchen

Zitat von: MoinMoin in Heute um 06:17Also wenn man die Urkunde annimmt und schon weiß, dass man den Schwur ,,brechen" wird, dann ist es in der Tat eine Verarsche.
Aber das höchst unpressionelle Verhalten der Verarschten ist damit nicht entschuldbar.

Naja, es gibt Menschen, die ihre Karriere ab Ende der Schullaufbahn planen und den Weg stringent durchziehen.

Es gibt aber auch Menschen, die ihren finalen Weg erst im Laufe der Zeit finden müssen. Das macht dann mitunter eine Umorientierung notwendig.

Wir kennen die hier im Fokus stehende Person nicht. Daher würde ich nicht zu streng über selbige urteilen.

Wir kennen die genaueren Beweggründe und die Entscheidungsprozesse nicht. Wenn die Verbeamtung von Anfang an nur als zeitliche Überbrückung bis zum Studienbeginn gedacht gewesen sein sollte, dann wäre das in der Tat so etwas wie "Verarschung".

Das rechtfertigt aber nicht derartige Verhaltensmuster des Amtsleiters und der Kollegen, da sind wir uns ja einig.
Deus hic finitur

Schneewitchen

Zitat von: clarion in Heute um 06:37Tja und schon wieder ein junger motivierter Mensch verbrannt. Dem Kollegen kann man eigentlich nur zur Kündigung und Studienaufnahme raten.

Ich hatte auch schon solche Fälle, sogar noch krasser, denn das Bachelor Studium wurden der betreffenden Person durch das Amt finanziert. Die Person macht aktuell den  Master, obwohl wir keinen Bedarf nach dem Master haben. Es war eine Enttäuschung,  aber will man einem jungen  Menschen Steine in den Weg legen? Man sieht sich auch immer zwei Mal im Leben, vielleicht brauchen wir irgendwann doch einen Master.

Richtig! Vor allem darf man solche Dinge nicht persönlich nehmen...
Deus hic finitur

MoinMoin

Zitat von: Schneewitchen in Heute um 07:07Naja, es gibt Menschen, die ihre Karriere ab Ende der Schullaufbahn planen und den Weg stringent durchziehen.

Es gibt aber auch Menschen, die ihren finalen Weg erst im Laufe der Zeit finden müssen. Das macht dann mitunter eine Umorientierung notwendig.

Wir kennen die hier im Fokus stehende Person nicht. Daher würde ich nicht zu streng über selbige urteilen.

Wir kennen die genaueren Beweggründe und die Entscheidungsprozesse nicht. Wenn die Verbeamtung von Anfang an nur als zeitliche Überbrückung bis zum Studienbeginn gedacht gewesen sein sollte, dann wäre das in der Tat so etwas wie "Verarschung".

Das rechtfertigt aber nicht derartige Verhaltensmuster des Amtsleiters und der Kollegen, da sind wir uns ja einig.
Leider wird das besondere dienst und Treueverhältnis zunehmend als besondere Form des Arbeitsvertrages gelebt und angesehen.
Beiderseitig wohlgemerkt.
Und wenn er die Urkunde annimmt und sich schon vorher für einen anderen Weg entschieden hat, dann hatte er mE eben nicht die notwendige charakterliche Eignung.
Und wenn er erst danach gemerkt hat, dass das der Karriere Weg im Beamtenwesen ihm nicht zusagt, dann hatte er eben noch nicht die notwendige Reife.

Beides Dinge, die ich dem "Abspringer" nicht vorwerfen, nur um das klar zustellen, dass ist bei einigermaßen jungen Menschen durchaus normal.
Das aber die Amtsleitung das eigenen Versagen bei der "besten" Auslese mit harschen Tönen begleitet, anstelle hier das Beste aus der Situation zu machen, zeigt auch nicht von einer besten Auslese für diese Posten.




Schneewitchen

Zitat von: MoinMoin in Heute um 08:02Leider wird das besondere dienst und Treueverhältnis zunehmend als besondere Form des Arbeitsvertrages gelebt und angesehen.
Beiderseitig wohlgemerkt.
Und wenn er die Urkunde annimmt und sich schon vorher für einen anderen Weg entschieden hat, dann hatte er mE eben nicht die notwendige charakterliche Eignung.
Und wenn er erst danach gemerkt hat, dass das der Karriere Weg im Beamtenwesen ihm nicht zusagt, dann hatte er eben noch nicht die notwendige Reife.

Beides Dinge, die ich dem "Abspringer" nicht vorwerfen, nur um das klar zustellen, dass ist bei einigermaßen jungen Menschen durchaus normal.
Das aber die Amtsleitung das eigenen Versagen bei der "besten" Auslese mit harschen Tönen begleitet, anstelle hier das Beste aus der Situation zu machen, zeigt auch nicht von einer besten Auslese für diese Posten.





Hmmm, da muss ich Dir aus dieser übergeordneten Sicht auf das besondere Dienst- und Treueverhältnis wohl recht geben. Ich wäre seinerzeit auch nicht unbedingt auf die Idee gekommen, mich übergangsweise für ein Jahr als Beamter vereidigen zu lassen, um dann mein Studium aufzunehmen. Mir wäre auch das ganze Bewerbungsverfahren incl. amtsärztlicher Untersuchung in einem solchen Falle viel zu aufwendig, wenn ich doch weiß, dass ich das nur  für ein paar Monate machen will !? Zumindest in meiner Zeit damals, hätte ich in deutlich kürzerer Zeit irgendwo einen Studentenjob gefunden gehabt (vermutlich sogar besser bezahlt!).

Über seine Beweggründe und wie da die persönliche Entwicklung bis hin zu der Entscheidung, den Dienst wieder zu verlassen, gewesen sind, wissen wir nichts. Daher finde ich es schwierig über seine charakterliche Eignung oder seine Reife zu urteilen.

Auf einer grundsätzlichen Ebene mag ich Dir aber zustimmen. Die Beamtenlaufbahn ist eben kein Job, sie ist eine Berufung. Ich würde grundsätzlich auch unterstellen wollen, dass ein Mensch, der sich für diesen Weg entscheidet, sich vorher dazu auch entsprechende Gedanken gemacht hat.

Heutzutage sind aber viele Dinge irgendwie beliebiger geworden. Diese besondere Bedeutung der Berufung in ein Beamtenverhältnis wird von heutigen Generationen vielleicht nicht mehr so gesehen, wie ich das z.B. vor 36 Jahren gesehen habe. Das macht dann auch etwas mit der Bindung an ein solches Beamtenverhältnis. Schön finde ich eine solche Entwicklung definitiv nicht. 
Deus hic finitur

ElBarto

Noch nicht erlebt.

Trotz gegenteiliger Behauptungen aus ihren Reihen sind Beamte aber auch nur Menschen und von daher kommen durchaus mal unschöne Dinge vor.

Wir haben hier auch einige Beamte die dann noch studiert haben um höher einzusteigen. Keinem hat man einen Strick daraus gedreht und alle sind nun wieder da.

MoinMoin

Zitat von: Schneewitchen in Heute um 08:41Über seine Beweggründe und wie da die persönliche Entwicklung bis hin zu der Entscheidung, den Dienst wieder zu verlassen, gewesen sind, wissen wir nichts. Daher finde ich es schwierig über seine charakterliche Eignung oder seine Reife zu urteilen.
Wie ich schrieb, es ist menschlich verständlich, aber wer das Beamtenverhältnis eingeht, der muss eine innere Haltung dazu haben und die hat er offensichtlich nicht.

Und das ist einer der Gründe weswegen es in gefühlten 80% der aktuellen Verbeamtungen falsch ist die Urkunde zu übergeben, die innere Haltung stimmt nicht. Wie du schon schreibst, es ist beliebiger worden.

Und von daher sollte man dann auch darauf verzichten - beide Seiten wohl gemerkt -  und einen anderen gemeinsamen Weg gehen.

Schneewitchen

Zitat von: ElBarto in Heute um 08:42Noch nicht erlebt.

Trotz gegenteiliger Behauptungen aus ihren Reihen sind Beamte aber auch nur Menschen und von daher kommen durchaus mal unschöne Dinge vor.

Wir haben hier auch einige Beamte die dann noch studiert haben um höher einzusteigen. Keinem hat man einen Strick daraus gedreht und alle sind nun wieder da.

Das Kernproblem ist hier wohl nicht das Begehren zur Aufnahme eines Studiums. Das Problem ist eher die Zeitschiene. Kaum im Dienst, schon erfolgt die Äußerung, dass man in einem Jahr aber ein Studium aufnehmen will. Das ist für die betreffende Dienststelle nicht schön. Das motiviert die Kollegen z.B. sicher nicht wirklich im Hinblick auf eine Einarbeitung des Kollegen (wofür?) und zeigt auch sicherlich, da gebe ich MoinMoin sicherlich auch recht, eine sehr oberflächliche Haltung zum eigenen Status. So etwas kommt nicht gut an. Das ist nachvollziehbar.

Nur die Art und Weise, wie dort mit der Sachlage umgegangen wird, die ist nicht in Ordnung. Wenn Kollegen und Vorgesetzte ein Verhalten an den Tag legen, was den betreffenden Beamten zum Arzt treibt, dann ist das auch nicht in Ordnung.
Deus hic finitur

Petar T.

Der Sachverhalt spielt sich ab nach der Übernahme in das Beamtenverhältnis auf Probe. Die Person hat demnach gerade den Vorbereitungsdienst beendet, der zwei oder drei Jahre gedauert hat.

Auf der einen Seite kann man Verständnis für den (vermutlich - so genau wissen wir es nicht) jungen Menschen aufbringen, der, aus welchen Gründen auch immer, zu den Entschluss kam, doch einen anderen Weg einschlagen zu wollen.

Aus Sicht der Dienststelle und der Kollegen ist die Situation höchst unbefriedigend. Der Unmut richtet sich im Kern wahrscheinlich gar nicht gegen die Person an sich, sondern vielmehr die Tatsache, dass alle Mühen vergeblich sein werden. Möglicherweise - hier kann man nur spekulieren - hat man lange auf die Nachbesetzung der Stelle gewartet und ist daher besonders enttäuscht. Aber auch so ist es sehr unbefriedigend, jemanden einzuarbeiten, wenn man weiß, dass er oder sie bald wieder weg sein wird.

Ob das Verhalten der Kollegen und Vorgesetzten unangemessen ist, muss jeder für sich selbst entscheiden. Wir kennen nur die Schilderung durch einen Dritten. Ob er tatsächlich in die Krankheit getrieben wurde, können wir nicht beurteilen. Wir wissen auch nicht, zu welchem Zeitpunkt der Entschluss gefallen ist, die Laufbahn nicht weiter absolvieren zu wollen. Offensichtlich nimmt er die bezahlte Zeit bis zum Beginn des Studiums gerne mit. Weshalb hat er nicht den Vorbereitungsdienst abgebrochen oder ist vor der Ernennung in das Beamtenverhältnis auf Probe ausgeschieden? Das Verbleiben bis zum Beginn des Studiums ist berechnend und egoistisch.