Autor Thema: Tarifrunde 2019 - Diskussion (#2)  (Read 71875 times)

Kaiser80

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Antw:Tarifrunde 2019 - Diskussion (#2)
« Antwort #30 am: 22.01.2019 08:13 »

So machen es ja die Franzosen, habe ich gehört... die befristeten bzw. die Leiharbeiter werden dort besser bezahlt...

Na, wenn's die Franzosen so machen... dann ist das wohl die Ultima ratio.
Wenigstens können sie ordentlich streiken und protestieren, dass muss man ihnen lassen 

Kaiser80

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Antw:Tarifrunde 2019 - Diskussion (#2)
« Antwort #31 am: 22.01.2019 08:16 »

Nein, können wir nicht und es wäre auch keineswegs erstrebenswert.

Warum wäre es deiner Meinung nach nicht erstrebenswert? Das Thema flammt ja immer wieder auf, die pros und contras würden mich mal interessieren

TonyBox

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Antw:Tarifrunde 2019 - Diskussion (#2)
« Antwort #32 am: 22.01.2019 08:29 »
Hallo Zusammen,

ich finde die Tarifverhandlungen wieder mal so wie Kaugummi und schon wieder das alte Argument "Schuldenbremse". Auch als die Steuereinnahmen angeblich gut waren kamen keine guten Ergebnisse immer nur 2% mehr nicht.

Der Bund hat den TV-L ja schon lange abgehangen. Bestes Beispiel in E10 TVÖD verdient man in der Stufe 1 genau so viel wie beim TV-L in der E11 Stufe eins. Das ändert sich nur in den letzten Erfahrungsstufen, wo man dann im TV-L 11 um sage und schreibe 100 EURO mehr verdient (netto) | Steuerklasse 1, keine Kinder |

Und wenn ich schon wieder höre dass:
"Der Verhandlungsführer der Länder, Matthias Kollatz, verweist dahingegen auf die Notwendigkeit der Bundesländer zur Sparsamkeit. Ab 2020 gelte die Schuldenbremse in den Ländern."


Das könnte doch schon an Fahrlässigkeit grenzen, als ob weiche Faktoren einen solchen Einfluss hätten.
Wenn keine monetären Faktoren kommen bringt es doch auch nichts. Er soll doch auch mal sagen was sich die Länder leisten können. Einfach nur sagen das "geht nicht" kann jeder.

Wenn 6% zu viel sind sollen es eben 3% sein und eine entsprechende Reduzierung der Wochenarbeitszeit.
Es ist ja nicht so, als wären die Stellen im TV-L besonders gut Bewertet...
« Last Edit: 22.01.2019 08:39 von TonyBox »

was_guckst_du

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Antw:Tarifrunde 2019 - Diskussion (#2)
« Antwort #33 am: 22.01.2019 08:36 »
Wieso - die öffentlichen Arbeitgeber können doch in aller Ruhe abwarten. Erst mal schau´n , wieviele TBs sich tatsächlich bei evt.Warnstreiks mobilisieren lassen. Und wenn sich diese Zahl wie immer im bescheidenen Rahmen bewegt, haben sie doch schon die 1. Runde gewonnen.

...genau so läuft das.

Es hat auch schon Arbeitgebervertreter gegeben, die zum 2. Termin einen Fernseher aufgestellt haben, den TV-Bericht zur Warnstreikaktion haben einspielen lassen und dann süffisant bemerkten "na ja, so viele haben sie ja nicht für Ihre Forderungen auf die Beine gekriegt...das zeigt doch, dass die Beschäftigten im öD offensichtlich zufrieden sind"...

...da kommt die Gegenargumentation schnell mal an ihre Grenzen!

...aber liebe Kolleginnen und Kollegen, ihr habt es ja selbst in der Hand (bzw. in den Beinen)...ich befürchte allerdings, dass die "Hintermofenhocker" nachher wieder am lautesten meckern ::) ::) ::)
Gruß aus "Tief im Westen"

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was_guckst_du

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Antw:Tarifrunde 2019 - Diskussion (#2)
« Antwort #34 am: 22.01.2019 08:40 »
Mal was anderes. Wenn der neue Tarifvertrag jetzt für zwei Jahre gilt, können wir dann in der nächsten Runde mit dem TVÖD verhandeln?
Das wäre ja durchaus erstrebenswert .....

...mit dem TVöD verhandeln - Nein. ...das wäre lediglich ein paralleles Verhandeln...ein Umstand, der den "mündigen Bürger" vollends verwirren würde (so manche Beschäftigte im öD übrigens auch)...
Gruß aus "Tief im Westen"

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TV-Ler

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Antw:Tarifrunde 2019 - Diskussion (#2)
« Antwort #35 am: 22.01.2019 09:04 »

Nein, können wir nicht und es wäre auch keineswegs erstrebenswert.

Warum wäre es deiner Meinung nach nicht erstrebenswert? Das Thema flammt ja immer wieder auf, die pros und contras würden mich mal interessieren
Wir haben seit 2003 im öD getrennte Tarifverhandlungen zwischen
- VKA/Bund und Gewerkschaften einerseits und
- TdL und Gewerkschaften andererseits.

Seit 2005/2006 haben wir mit TVöD und TV-L auch zwei inhaltlich ähnliche (mit fortschreitender Entwicklung sich immer unähnlicher werdende) Tarifverträge.

Aus dem folgt, das wir allenfalls parallel laufende aber keine gemeinsamen Tarifverhandlungen haben können.
Die Gewerkschaften könnten dann Streiks synchronisieren. Das mag Vorteile in der öffentlichen Wahrnehmung bringen. Einerseits durch die dann größere "Masse" an Streikenden. Andererseits dadurch, das bei schlecht informierten Beobachtern nicht mehr der Eindruck entsteht, "der öffentliche Dienst" streikt unverschämter Weise Jahr für Jahr erneut weil er den Hals nicht voll genug kriegen kann.

Angesichts der hier schon angesprochenen geringen Einflussmöglichkeiten der Gewerkschaften auf das Gesamtvolumen der Abschlüsse ist aber fraglich ob aus gemeinsamen Streiks von TVöD/TV-L Beschäftigten irgendwelcher Nutzen tatsächlicher Art gezogen werden kann.

Jedenfalls ist dann für eine größere Zahl an Streikenden gleichzeitig Streikgeld fällig, es gibt keinen zeitlichen Puffer mehr um die Kasse bis zu den jeweils nächsten Verhandlungen wieder zu füllen.

Ein weiterer Nachteil aus parallel laufenden Tarifverhandlungen ergibt sich aus dem Umstand, das die Verhandler und die Tarifkommissionen der Gewerkschaften gleichzeitig auf zwei Hochzeiten tanzen müssen. Aus Sicht der Arbeitgeber ergeben sich dadurch phantastische Möglichkeiten mit den angebotenen Verhandlungsterminen "zu spielen" und so die gewerkschaftlichen Akteure schon im Vorfeld unter Druck zu setzen.

Mir scheint der Gedanke von "gemeinsamen" Tarifverhandlungen jedenfalls der fixen Idee geschuldet "gemeinsam sind wir stark". Bei Lichte betrachtet steckt da aber nichts hinter und genau genommen würde sich hier nur ein Siecher mit einem noch Siecheren zusammentun ...





JC83

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Antw:Tarifrunde 2019 - Diskussion (#2)
« Antwort #36 am: 22.01.2019 09:57 »

Nein, können wir nicht und es wäre auch keineswegs erstrebenswert.

Warum wäre es deiner Meinung nach nicht erstrebenswert? Das Thema flammt ja immer wieder auf, die pros und contras würden mich mal interessieren

Der fehlende Streikwille ist historisch bedingt, sprich die Deutschen mussten nie wirklich für gute Arbeitsbedingungen kämpfen und/oder streiken. Es ging ja nach dem 2.WK stets steil bergauf mit Germany.

Garfield

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Antw:Tarifrunde 2019 - Diskussion (#2)
« Antwort #37 am: 22.01.2019 10:18 »
Hallo Zusammen,

ich finde die Tarifverhandlungen wieder mal so wie Kaugummi ....


Die Tarifverhandlungen laufen ganz genau so wie erwartet und von beiden Seiten geplant.

Zum zweiten Termin am 07.02 wird AG Seite völlig schockierenderweise für Verdi auch kein Angebot vorlegen und Verdi wird entrüstet zu Warnstreiks aufrufen und nochmal auf jedem Flugblatt betonen, dass man Mitglieder werden soll um was zu verändern.

Dann wird ein bisschen geträllert und geworben und 01.03 wird nach einem nächtlichen Verhandlungsmarathon bei dem Verdi aus dem AG alles rausgequetscht hat was zu holen war bekannt gegeben, dass man sich auf 2,x %Erhöhung 2019 und 2,x % Erhöhung 2020, also auf 24 Monate geeinigt hat und somit nach Verdi Rechnung ja ziemlich nahe an den 6% sei.

kanute1

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Antw:Tarifrunde 2019 - Diskussion (#2)
« Antwort #38 am: 22.01.2019 10:34 »
Klar bekommt man mit solchen Forderungen niemanden auf die Straße. Ich bin einer der wenigen ITler im öffentlichen Dienst. Wir verdienen mal eben die hälfte von Kollegen aus der freien Wirtschaft. Offene Stellen werden auch nicht mehr besetzt, weil sich eben niemand findet. Projekte werden teuer an externe vergeben.
Wieso soll ich für diesen Laden streiken wenn ich auch einfach meine Sachen packen kann und auf einmal das doppelte habe? Inklusive Homeoffice, Firmenwagen etc. pp. Da müsste viel mehr passieren als lausige 6% mehr Gehalt. Aber juckt ja keinen...

MoinMoin

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Antw:Tarifrunde 2019 - Diskussion (#2)
« Antwort #39 am: 22.01.2019 10:38 »
. Aber juckt ja keinen...
Dich ja auch nicht und damit geht die dumme Rechnung für den AG ja auf.
Hoffentlich machste mit deinem Spezialwissen bald eine Beraterfirma auf und zockst die Deppen als Externer ab.
Währst nicht der erste, dauert ne Weile bis erkannt wird, dass da eine Scheinselbstständikeit vorliegt.

kanute1

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Antw:Tarifrunde 2019 - Diskussion (#2)
« Antwort #40 am: 22.01.2019 10:43 »
. Aber juckt ja keinen...
Dich ja auch nicht und damit geht die dumme Rechnung für den AG ja auf.
Hoffentlich machste mit deinem Spezialwissen bald eine Beraterfirma auf und zockst die Deppen als Externer ab.
Währst nicht der erste, dauert ne Weile bis erkannt wird, dass da eine Scheinselbstständikeit vorliegt.

Nach 5 Jahren im ÖD stumpft man halt ab. Und die Toleranz zur Scheinselbstständikeit ist sehr hoch. Unser aktueller Spitzenreiter ist bei 20 Jahren. 10 noch bis zur Rente. Er ist optimistisch :D
Aber ne, hab ich tatsächlich wenig Laune drauf. Wird im Sommer wohl ein kompletter Branchen wechseln.

Wastelandwarrior

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Antw:Tarifrunde 2019 - Diskussion (#2)
« Antwort #41 am: 22.01.2019 11:14 »
Und wir sehen uns dann in 10 Jahren hier wieder, wenn in der Rezession die ITler als erste abgebaut werden in der "Wirtschaft". Die Idee, dass es lohnmäßig in der IT unaufhörlich nach oben geht und auch FIs bald 6-stellig verdienen, ist einfach naiv. E11 aufwärts sind solide Gehälter. E11/5 sind 60k brutto p.a. Wer gern 120k hätte (realistisch eher 80k) ist im ÖD falsch. Zudem ist 10 x 60k besser als 2 x 80, 2 x 90, 1 x 100, 2 x 2/3 von 95  und 3 x HartzIV.  :-)

MoinMoin

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Antw:Tarifrunde 2019 - Diskussion (#2)
« Antwort #42 am: 22.01.2019 11:55 »
Und wir sehen uns dann in 10 Jahren hier wieder, wenn in der Rezession die ITler als erste abgebaut werden in der "Wirtschaft". Die Idee, dass es lohnmäßig in der IT unaufhörlich nach oben geht und auch FIs bald 6-stellig verdienen, ist einfach naiv. E11 aufwärts sind solide Gehälter. E11/5 sind 60k brutto p.a. Wer gern 120k hätte (realistisch eher 80k) ist im ÖD falsch. Zudem ist 10 x 60k besser als 2 x 80, 2 x 90, 1 x 100, 2 x 2/3 von 95  und 3 x HartzIV.  :-)
Also ich habe die letzten 20 Jahre trotz Rezessionen als ITler nie H4 bezogen und werde es auch die restlichen 20 Jahre nicht.
Allerdings wird auch in den nächsten 20 Jahren die Verwaltung von moderner IT ferngehalten bleiben. Einzig die COBOL Programmierer sind dann nicht mehr von Nöten  :o (bin Idealist).

Und ja: Wer noch im öD ist und jammert das er woanders (zu den gleichen Konditionen) das doppelte verdient, der ist unglaubwürdig.
Und ja: Wenn du dir die Gehaltskurve von "Webdesigner" ansiehst, dann sieht man wie Steil nach oben und dann wieder runter diese Tätigkeit in der letzten Dekade(n) ging. Heutzutage, kann das jeder Depp, vor 15 Jahren war das noch Nischenwissen.

daseinsvorsorge

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Antw:Tarifrunde 2019 - Diskussion (#2)
« Antwort #43 am: 22.01.2019 13:35 »
Die Tarifverhandlungen laufen ganz genau so wie erwartet und von beiden Seiten geplant...

es geht auch anders:

Geld- und Wertdienste: Knappe Mehrheit für Tarifabschluss mit Tarifsteigerungen bis zu 17,5 %

https://www.bdgw.de/presse/bdgw-pressemitteilungen/geld-und-wertdienste-knappe-mehrheit-fuer-tarifabschluss

Ok- natürlich haben die Arbeitgeber das "freiwillig" gemacht

 
« Last Edit: 22.01.2019 13:50 von daseinsvorsorge »

Faunus

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Antw:Tarifrunde 2019 - Diskussion (#2)
« Antwort #44 am: 22.01.2019 13:45 »
Also ich habe die letzten 20 Jahre trotz Rezessionen als ITler nie H4 bezogen und werde es auch die restlichen 20 Jahre nicht.

Klingt aber nach ca. 60/67% des letzten Nettogehaltes, was bei 20 Jahren Beschäftigung über befristete Zeitverträge o. weiteres möglich wäre und es wäre eigentlich nur fair, wenn sowas über z.B. höhere Entgeltgruppe, als eigentlich vorgesehen, kompensiert werden würde.