Autor Thema: Unglücklich im öffentlichen Dienst  (Read 6879 times)

ka93

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Unglücklich im öffentlichen Dienst
« am: 23.03.2019 12:43 »
Hallo liebe Leser,

seit einigen Monaten bin ich nun in einem Jobcenter der Bundesagentur als Leistungssachbearbeiter angestellt. Bis jetzt habe ich die Arbeit gerne gemacht. So langsam beginne ich aber zu zweifeln. Schon jetzt können wir unsere Arbeit nur gerade so schaffen. Ich hatte nun meinen ersten Urlaub und war erschrocken, wie viel doch liegen bleibt, obwohl die Kollegen mitarbeiten. Allerdings wird es jetzt wohl noch schlimmer. Nun wurde bekannt, dass wir in unserer Abteilung wohl zu viele Sachbearbeiter sind. Dafür hat ein anderer Bereich wohl zu wenige. Bald entscheidet sich, was passiert. Ich weiß ehrlich gesagt nicht, wie man die Arbeit mit noch weniger Personal vernünftig! schaffen soll. Vor der Entscheidung habe ich auch große Angst... mein Eindruck hat sich in den letzten Wochen komplett gewandelt. An sich macht mir die Arbeit großen Spaß. Allerdings macht mich der ständige Druck jetzt schon verrückt. Gerne würde ich mir für jede Sache die Zeit nehmen können, die sie benötigt. Auch das Arbeiten im öffentlichen Dienst finde ich eigentlich toll. Nur ehrlich gesagt bin ich nicht bereit, immer zwangsweise Überstunden zu machen. Ich überlege inzwischen, mich nach etwas anderem umzuschauen.

Wie könnte man mit solch einer Situation umgehen? Ich würde wirklich gerne im öffentlichen Dienst bleiben. Ist die Situation in anderen Behörden ähnlich? Für Antworten bin ich sehr dankbar.

Spid

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Antw:Unglücklich im öffentlichen Dienst
« Antwort #1 am: 23.03.2019 12:55 »
Man leistet die geschuldete Arbeitsleistung mittlerer Art und Güte im vereinbarten Umfang, wenn dadurch Arbeit liegenbleibt, meldet man dies und macht das so zum Problem des AG. Dem ist entweder egal, ob die Arbeit liegenbleibt - dann kann es Dir auch egal sein - oder er trifft Maßnahmen. Sofern die Maßnahme in der Anordnung von Überstunden liegen, so sind diese mit den entsprechenden Zuschlägen zu vergüten und der PR ist in der Mitbestimmung. Ich sehe nicht, wo da ein Problem liegen soll.

Tagelöhner

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Antw:Unglücklich im öffentlichen Dienst
« Antwort #2 am: 23.03.2019 12:56 »
Wenn es auf der Sachbearbeiterebene genug Mitstreiter gibt, die die Situation genauso einschätzen, ist doch möglicherweise etwas zu bewegen?

Tretet an eure Vorgesetzten heran, schildert die Situation und schaut ob sich so etwas zum Positiven wenden lässt? Falls nicht, besteht ja noch die Möglichkeit, bei einer höheren Instanz anzuklopfen.

Eine andere in Behörden nicht unübliche Möglichkeit ist das Anziehen der Handbremse. Wenn jeder Kollege plötzlich 10-20% weniger Vorgänge bearbeitet, wird der Druck irgendwann so groß, dass neues Personal eingestellt werden muss.

Viel Erfolg.

Spid's Darstellung trifft den Nagel auf den Kopf. Lasst euch nicht übervorteilen...sondern macht eure Probleme zu den Problemen der besserverdienenden Verantwortungsträger.

MoinMoin

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Antw:Unglücklich im öffentlichen Dienst
« Antwort #3 am: 23.03.2019 14:03 »
Ich sehe nicht, wo da ein Problem liegen soll.
Ich sehe durchaus wo das Problem liegt.
Spid's Darstellung trifft den Nagel auf den Kopf. Lasst euch nicht übervorteilen...sondern macht eure Probleme zu den Problemen der besserverdienenden Verantwortungsträger.
Hier liegt euer Problem.
Ihr müsst (gemeinsam) die Vorgesetzen dazu zwingen, dass sie begreifen was
die geschuldete Arbeitsleistung mittlerer Art und Güte im vereinbarten Umfang
tatsächlich ist.
Wenn ihr 10 Anträge schafft und damit ein gutes Gefühl habt, was die Qualität und den Inhalt der Arbeit angeht und selbstkritisch auch mit eurem Zeitmanagment umgeht (sprich tatsächlich durchgängig gerackert hat und nicht 1h Kaffeepausen...), dann macht diese 10 und nicht 20, auch wenn der Chef es verlangt.
Wenn Ihr ein emotionales Problem damit habt, dass da Menschen auf eure Arbeit warten, dann solidarisiert euch mit diesen und bittet diese, die sollen an den Behördenleiter schreiben.

was_guckst_du

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Antw:Unglücklich im öffentlichen Dienst
« Antwort #4 am: 23.03.2019 15:14 »
...das ganze nennt man dann offiziell "Überlastungsanzeige"...sobald diese dem AG vorliegt, seid ihr raus aus der Verantwortung und auch auch der möglichen Haftung und der Arbeitgeber muss erforderliche Maßnahmen treffen, um die Arbeissituation zu verbessern...
Gruß aus "Tief im Westen"

Meine Beiträge geben grundsätzlich meine persönliche Meinung zum Thema wieder und beinhalten keine Rechtsberatung. Meistens sind sie ernster Natur, manchmal aber auch nicht. Bei einer obskuren Einzelfallpersönlichkeit antworte ich auch aus therapeutischen Gründen

Mayday

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Antw:Unglücklich im öffentlichen Dienst
« Antwort #5 am: 23.03.2019 16:27 »
Nur ehrlich gesagt bin ich nicht bereit, immer zwangsweise Überstunden zu machen.

Wenn die Überstunden nicht nur aufgrund kurzfristiger, unvorhersehbarer Ereignisse ausnahmsweise angeordnet werden, ist das auch ein Fall für den Personalrat. Ich zitiere mal § 75 Abs. 3 Nr.1 BPersVG, vergleichbare Regelungen gibt es aber auch in den Landespersonalvertretungsgesetzen. "Der Personalrat hat, soweit eine gesetzliche oder tarifliche Regelung nicht besteht, gegebenenfalls durch Abschluß von Dienstvereinbarungen mitzubestimmen über 1. Beginn und Ende der täglichen Arbeitszeit und der Pausen sowie die Verteilung der Arbeitszeit auf die einzelnen Wochentage..." Siehe auch hier: https://www.bverwg.de/300605B6P9.04.0

Schokobon

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Antw:Unglücklich im öffentlichen Dienst
« Antwort #6 am: 23.03.2019 20:29 »
Wie ist denn euer Betreuungsschlüssel in der SB?
Vielleicht seid ihr tatsächlich sehr langsam (nicht böse gemeint).

MoinMoin

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Antw:Unglücklich im öffentlichen Dienst
« Antwort #7 am: 24.03.2019 08:47 »
Wie ist denn euer Betreuungsschlüssel in der SB?
Vielleicht seid ihr tatsächlich sehr langsam (nicht böse gemeint).
Oder der Schlüssel passt nicht und richtig sich nach  High-Performer oder skruppelose SB

Unknown

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Antw:Unglücklich im öffentlichen Dienst
« Antwort #8 am: 24.03.2019 09:47 »
Oder der Schlüssel passt nicht und richtig sich nach  High-Performer oder skruppelose SB
Wenn ich mir in anderen Foren angucke, wie die LE behandelt werden. Nur wenige EGV VA sind auf den LE zugeschnitten. Da sieht man echt, dass das Personal entweder keine Ahnung von Verwaltungs/Sozialrecht hat oder einfach nur zuviel arbeitet anfällt oder was ich denke beides zutrifft. Diese Missstände werden dann gnandenlos auf den Rücken der LE ausgetragen. Kein Wunder das mindestens 40 Prozent der Klagen erfolgreich sind. Da kann aus meiner Sicht die Qualität in einem JC nicht sehr hoch sein.
Deshalb mein Tipp, lasse dich nicht verheizen und sehe zu das du woanders unterkommst. Das was in den JC abgeht hat mittlerweile mit Menschlichkeit absolut nichts mehr zu tun. Das hat man ja auch schon in der ein oder anderen Reportage gesehen oder von der Dame aus Hamburg, die menschlich arbeiten wollte, aber danach versetzt wurde.

MoinMoin

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Antw:Unglücklich im öffentlichen Dienst
« Antwort #9 am: 24.03.2019 10:20 »
Da sieht man echt, dass das Personal entweder keine Ahnung von Verwaltungs/Sozialrecht hat oder einfach nur zuviel arbeitet anfällt oder was ich denke beides zutrifft.
Jipp. Wenn die Leute gut asugebildet und sattel fest in dem sich ständig ändernden Rechtsumfeld wären, könnten sie sicher auch mehr und bessere Qualität abliefern.
Aber zu Recht rennen die Leute oftmals weg (zu Recht), bevor sie dieses Niveau erreichen können.

BAT

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Antw:Unglücklich im öffentlichen Dienst
« Antwort #10 am: 24.03.2019 12:26 »
Ich glaube das Wichtigste wurde schon gesagt.

Nur zur Ergänzung: wir kommen auch mit der Arbeit nicht hinterher, aber nach 30 Jahren im öD stumpft man schon ab und macht Dienst nach Vorschrift. Und es liegen noch Anträge von Berechtigten von Mai und Juni 2017 rum. Na ja...

MoinMoin

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Antw:Unglücklich im öffentlichen Dienst
« Antwort #11 am: 24.03.2019 12:30 »
Und es liegen noch Anträge von Berechtigten von Mai und Juni 2017 rum. Na ja...
Solange der Chef entschieden hat, dass diese noch liegen bleiben sollen.
Meine Erfahrung zeigt, dass wenn man eben die Entscheidung ab a) b) oder c) liegen bleibt dem verantwortlichen Vorgesetzten überträgt, der sich oftmals dann doch bewegt indem er
a) mitarbeitet
oder b) für Verstärkerposten
oder c) für "durchwink" Positionen sorgt.

Spid

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Antw:Unglücklich im öffentlichen Dienst
« Antwort #12 am: 24.03.2019 13:12 »
Ich glaube das Wichtigste wurde schon gesagt.

Nur zur Ergänzung: wir kommen auch mit der Arbeit nicht hinterher, aber nach 30 Jahren im öD stumpft man schon ab und macht Dienst nach Vorschrift. Und es liegen noch Anträge von Berechtigten von Mai und Juni 2017 rum. Na ja...

Angesichts der Bindung der Verwaltung an Recht und Gesetz erwarte ich von allen Verwaltungsangehörigen, daß sie Dienst nach Vorschrift machen.

BAT

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Antw:Unglücklich im öffentlichen Dienst
« Antwort #13 am: 24.03.2019 13:27 »
Ich glaube das Wichtigste wurde schon gesagt.

Nur zur Ergänzung: wir kommen auch mit der Arbeit nicht hinterher, aber nach 30 Jahren im öD stumpft man schon ab und macht Dienst nach Vorschrift. Und es liegen noch Anträge von Berechtigten von Mai und Juni 2017 rum. Na ja...

Angesichts der Bindung der Verwaltung an Recht und Gesetz erwarte ich von allen Verwaltungsangehörigen, daß sie Dienst nach Vorschrift machen.

Grundsätzlich kein Problem. Tariflich ist es inzwischen grenzwertig, da einige Beschäftigte Aufgaben übertragen bekommen, die niedrigere Eingruppierungen rechtfertigen würden. Ich denke, aber das der Vorgesetzte, der das veranlasst noch zu subaltern ist.

Oder wo wäre die Grenze in einer Verwaltung? Landrat, Dezernent, Fachbereichleiter, Abteilungsleiter, etc. - wo fängt subaltern an?

Spid

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Antw:Unglücklich im öffentlichen Dienst
« Antwort #14 am: 24.03.2019 13:46 »
Im Hinblick auf die Eingruppierung ist jeder unbedeutend, der nicht namens des AG Arbeitsverträge schließen darf - mir erschließt sich aber nicht, wo der Bezug zu meinem Beitrag liegen soll.