Autor Thema: Beamtin als freiwillig versichertes Mitglied in der GKV: Steuerliche Behandlung  (Read 699 times)

biggy84

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Hallo liebe Forengemeinde,

ich bin beim Erstellen meiner Steuererklärung auf ein "Problem" gestoßen. Ich erwarte hier keinerlei Steuerberatung, aber vielleicht weiß trotzdem jemand, in welche Richtung es geht.

Zum Sachverhalt:

Ich bin als Beamtin in der GKV geblieben. Letztes Jahr hat mein Steuerberater meine Steuererklärung erstellt. Dabei hat er komplett die gezahlten Beiträge für Sozialversicherung und Pflegeversicherung in der Steuererklärung aufgeführt. Es waren ca. 8.000 Euro.

Jetzt, ein Jahr später, musste ich den Steuerberater wechseln, da mein alter sich zur Ruhe gesetzt hat. Dieser hat mir nun die fertige Steuererklärung vorgelegt und die Summe aus GKV und PPV nur zu 50% berücksichtigt.

Begründung: Auch wenn ich in der GKV bin und die Beihilfe somit in den seltensten Fällen in Anspruch nehmen kann, so bin ich dennoch beihilfeberechtigt und nur das würde bei der Steuer zählen. Soweit kann ich noch folgen. Das sich daraus aber nur eine hälftige Anrechnung des Gesamtbeitrags ergibt, verstehe ich nicht. Schon allein deshalb nicht, da die PPV bei beihilfeberechtigten Personen nur die Hälfte beträgt (Im Falle von 50% Beihilfeanspruch). Meiner Auffassung nach würden somit die von mir bezahlten Beiträge in der GKV nur zur Hälfte, die der PPV sogar nur zu einem Viertel berücksichtigt werden, obwohl dies keine Restkostenversicherung isr. Das ergibt für mich keinen Sinn. Auch das Schreiben der GKV weist immer den tatsächlich gezahlten Betrag aus.

Bin da nun etwas verwirrt und hoffe, dass vielleicht jemand von euch eine ähnliche Situation hatte und mir das ganze aufdröseln kann. Natürlich werde ich auch meinen Steuerberater da nochmal fragen, möchte aber verhindern, dort völlig ahnungslos aufzutauchen.

Vielen Dank im Voraus.  :)

yamato

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Weclhe Beiträge hat Ihnen denn Ihre GKV mitgeteilt, man bekommt doch da jedes so ein Schreiben wo drinsteht welche Beiträge wo in die Steuererklräung einzutragen sind.
So hat nämlich die GKV dann das auch dem Finanzamt mitgeteilt.
Sollten dort die vollen Beiträge genannt sein kann es m.E. sogar sein, dass das Finanzamt die Eintragungen des Steuerberaters automatisch korrigiert.

WasDennNun

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Kann dem Vorredner nur zustimmen.
Einfach mal bei Elster anmelden, vorausgefertigte Steuererklärung anfordern. Da stehen solche Sachen schon "korrekt" drin.
Im Zweifel den Steuerberater wechseln.

biggy84

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Erstmal danke euch beiden für die Antwort.

Ja, die Versicherung sendet mir jährlich ein Schreiben mit der gezahlten Beitragssumme. Da ich keine Wahlleistungen habe, stellt dieser Betrag die Basisversorgung dar. Und genau den hat mein vorheriger Steuerberater angegeben.

Ich werde den neuen Steuerberater damit konfrontieren und ggf. einen anderen suchen.

WasDennNun

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Erstmal danke euch beiden für die Antwort.

Ja, die Versicherung sendet mir jährlich ein Schreiben mit der gezahlten Beitragssumme. Da ich keine Wahlleistungen habe, stellt dieser Betrag die Basisversorgung dar. Und genau den hat mein vorheriger Steuerberater angegeben.

Ich werde den neuen Steuerberater damit konfrontieren und ggf. einen anderen suchen.
Hast du wirklich so eine komplizierte Steuererklärung, dass du einen teuren Steuerberater brauchst?
Ne Steuersoftware tut es da meistens auch, inkl. vorausgefüllter Erklärung.

BStromberg

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Hallo liebe Forengemeinde,

ich bin beim Erstellen meiner Steuererklärung auf ein "Problem" gestoßen. Ich erwarte hier keinerlei Steuerberatung, aber vielleicht weiß trotzdem jemand, in welche Richtung es geht.

Zum Sachverhalt:

Ich bin als Beamtin in der GKV geblieben. Letztes Jahr hat mein Steuerberater meine Steuererklärung erstellt. Dabei hat er komplett die gezahlten Beiträge für Sozialversicherung und Pflegeversicherung in der Steuererklärung aufgeführt. Es waren ca. 8.000 Euro.

Jetzt, ein Jahr später, musste ich den Steuerberater wechseln, da mein alter sich zur Ruhe gesetzt hat. Dieser hat mir nun die fertige Steuererklärung vorgelegt und die Summe aus GKV und PPV nur zu 50% berücksichtigt.

Begründung: Auch wenn ich in der GKV bin und die Beihilfe somit in den seltensten Fällen in Anspruch nehmen kann, so bin ich dennoch beihilfeberechtigt und nur das würde bei der Steuer zählen. Soweit kann ich noch folgen. Das sich daraus aber nur eine hälftige Anrechnung des Gesamtbeitrags ergibt, verstehe ich nicht. Schon allein deshalb nicht, da die PPV bei beihilfeberechtigten Personen nur die Hälfte beträgt (Im Falle von 50% Beihilfeanspruch). Meiner Auffassung nach würden somit die von mir bezahlten Beiträge in der GKV nur zur Hälfte, die der PPV sogar nur zu einem Viertel berücksichtigt werden, obwohl dies keine Restkostenversicherung isr. Das ergibt für mich keinen Sinn. Auch das Schreiben der GKV weist immer den tatsächlich gezahlten Betrag aus.

Bin da nun etwas verwirrt und hoffe, dass vielleicht jemand von euch eine ähnliche Situation hatte und mir das ganze aufdröseln kann. Natürlich werde ich auch meinen Steuerberater da nochmal fragen, möchte aber verhindern, dort völlig ahnungslos aufzutauchen.

Vielen Dank im Voraus.  :)

Das scheint leider seine Richtigkeit zu haben, wie ich aus vergleichbarer Steuerrechtspraxis leidvoll erfahren musste (im Ergebnis sogar noch ein Stück weit drastischer, da 0% Anerkennung).  :-\

Verbeamteter Mann (PKV + Beihilfe) verheiratet mit angestellter Frau (damals berufstätig und sozialversichert GKV), nach Jobverlust zunächst in Elternzeit-Freistellung. Lohnersatzleistungen wurden zunächst nicht in Anspruch genommen auf Grund der irrigen Annahme, dass die GKV Beiträge einfach von der KK weitergewährt werden würden, so wie das in einer Elternzeitfreistellung vom Job halt üblicherweise der Fall ist... leider Pustekuchen, da (um es rechtlich abzukürzen) ohne Job auch keine Elternzeit und daher keine Versicherung mehr!

Ergo:
Nach ein paar Monaten in den ALG-I Bezug gegangen, damit zumindest die BA die Krankenkosten trägt. Bis dahin freiwillig in der GKV weiterversichert. Ich habe die Beträge gezahlt und (wie Sie) in der Steuer angegeben.

Im Ergebnis hat der Fiskus von diesen Aufwänden 0,00 Euro anerkannt mit der Begründung, dass ein (was zutreffend ist) beihilferechtlicher Erstattungsanspruch Krankenversorgung ggü. dem Dienstherrn bestünde und ich insofern bloß eine prozentuale PKV für meine Frau hätte abschließen müssen. Dass dies unterm Strich teurer gewesen wäre und unpraktikabel, da meine bessere Hälfte mittlerweile wieder sozialversicherungspflichtig beschäftigt ist, hat das FA nicht die Bohne interessiert.

Als Aufwand hätten lt. Bescheiderläuterung bloß die Beiträge für eine ergänzende PKV anerkannt werden können, nicht jedoch die freiwillige Weiterversicherung in der GKV.


Total gaga vom Ergebnis her  ::), aber so ist das halt in einem absolut leistungsfeindlichen Wohlfahrtsstaat, der die arbeitenden Mittelschicht knechtet, um an anderer Stelle Geschenke zu verteilen.

Tipp für alle lebensjungen Beamten hier:
Heiratet standesgemäß innerhalb eurer Kaste der Berufsbeamten!
Ein Ehepartner mit einer anderslautenden Krankenversicherung betrachtet der Gesetzgeber als unnatürlich.





 
"Ich brauche Informationen.
Meine Meinung bilde ich mir selber."
(Charles Dickens)

Lu59

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B.Stromberg
biggy84 hat nichts davon geschrieben das sie verheiratet oder ihr Partner privat versichert ist.
Daher stimmt dein Vergleich für mich nicht.

BStromberg

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B.Stromberg
biggy84 hat nichts davon geschrieben das sie verheiratet oder ihr Partner privat versichert ist.
Daher stimmt dein Vergleich für mich nicht.

Da fehlt Ihnen dann leider das gedankliche Transferleistungsvermögen für die steuerrechtliche Analogie.

Der Umstand, wie es um die persönliche Lebenssituation bestellt ist, tritt hier in den Hintergrund. Die Vergleichbarkeit des Sachverhalts beruht (da schließt sich der Kreis) argumentativ auf der Tatsache, dass die freiwillige GKV vom FA als nicht vom Einkommen abziehbar gilt, weil anderweitige (von Vorrangigkeit will ich nicht sprechen) Anerkennungen akzeptiert werden; hier in Gestalt einer Rest-PKV über den quotenmäßig ungedeckten Teil, der nicht von der Beihilfe übernommen wird.

Insofern (und nur darauf wird abgestellt) ist der Fall absolut vergleichbar. Freiwillige GKV kann nicht abgesetzt werden. Das ist das Problem, scheint aber so hinzunehmen zu sein, wie mir ein befreundeter Finanzbeamter versichert hat.

Off-Topic:
Das ist insgesamt wenig fortschrittlich (je nach persönlicher Lebenssituation)... wie z.B. in der von mir skizzierten Misch-Ehe bestehend aus einem verbeamteten Staatsdiener und einem in der GKV versicherten Partner.

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(Charles Dickens)

WasDennNun

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Freiwillige GKV kann nicht abgesetzt werden. Das ist das Problem, scheint aber so hinzunehmen zu sein, wie mir ein befreundeter Finanzbeamter versichert hat.
Egal wie es steuerrechtlich korrekt, sinnvoll, oder sonstwas wäre.
Mich würde interessieren,
a) wie in einem solchen Fall die vorausgefertigte Steuererklärung aussieht.
b) einfach den gesamten Betrag eintragen und schauen was das Amt daraus macht

@biggy Wurde denn in der letzten Erklärung es angerechnet ? Oder gestrichen?

lumer

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Alle eigenen Beiträge zur KV sind als Sonderausgaben von den Einkünften abzuziehen. Das ergibt sich aus § 10 Abs. 1 Nr. 3 Buchst. a EStG. Darin wird auf die Beiträge nach §§ 241 ff SGB V verwiesen.

Als Angestellter kann jedoch nur die Hälfte angegeben werden, da der Arbeitgeber dazu verpflichtet ist, die andere Hälfte zu tragen, § 249 Abs. 1 SGB V.

Das, was dein StB da gemacht hat, sieht mir eher irrig aus. Im Zweifel das angeben, was die KV mitteilt.

biggy84

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Danke für eure Beiträge.

Ich kam gestern zufällig beim FA meines Vertrauens vorbei und entschied mich für einen spontanen Besuch eines Sachbearbeiters. Dieser teilte mir - wenn auch zähneknirschend - folgendes mit (evtl. wichtig für zukünftige Fragesteller).

Eine Anrechnung, die der höhe des Beihilfesatzes, z.B. 50% entspricht existiert nicht. Heißt, die Beiträge, die tatsächlich gezahlt wurden, werden auch in voller Höhe angerechnet.

Richtig ist lediglich, dass bei der Frage nach Beihilfen im Rahmen von Vorsorgeaufwendungen mit JA geantwortet werden muss, auch dann, wenn man als Beamter in der GKV freiwillig versichert ist. Dies hat dann Auswirkungen auf die Höchstgrenze (1.900 Euro, statt 2.800 Euro). Übersteigen die KV-Beiträge diese Höchstgrenze, werden sie dennoch angerechnet, nur ist es eben nicht mehr möglich, andere Versicherungen, die unter sonstiger Vorsorgeaufwand fallen, anzugeben.

Er meinte aber auch, dass es tatsächlich komplizierter wird, wenn Ehegatten im Spie sind. Da dies bei mir nicht der Fall ist, hat er auf lange Ausführungen verzichtet.