Tarifverhandlung TV-L ab 09/2021 - Vorschläge/Wünsche

Begonnen von Franch, 21.10.2020 11:51

Vorheriges Thema - Nächstes Thema

Spid

Wenn ich solchen Behauptungen eines Mitarbeiters keinen Glauben schenkte, wäre er entweder keiner oder die Beendigung dieses Zustandes kein Verlust.

Organisator

Zitat von: Jockel in 06.08.2021 10:31
Bindung: Ich hau doch kein Geld raus, weil jemand "behauptet", ihn trieben Wechselgedanken... das wäre Untreue. Allerdings würde ich tatsächlich Einladungen zu Vorstellungsgesprächen bei relevanten Firmen akzeptieren.

Das bringt doch die gesamte Diskussion hier auf einen Punkt. Der Tarifvertrag eröffnet Handlungsspielräume und manche Behörden(mitarbeiter) wollen sie nicht nutzen. Damit verscheucht man erfolgreich gute Mitarbeiter.

Sollte der AG Beschäftigte zwingen, für tarifvertraglich mögliche höhere Entgelte Bewerbungen zu schreiben und Einladungen zu Vorstellungsgesprächen vorzulegen zeigt der AG deutlich sein Desinteresse an diesen Personen.

WasDennNun

Zitat von: Organisator in 06.08.2021 10:42
Zitat von: Jockel in 06.08.2021 10:31
Bindung: Ich hau doch kein Geld raus, weil jemand "behauptet", ihn trieben Wechselgedanken... das wäre Untreue. Allerdings würde ich tatsächlich Einladungen zu Vorstellungsgesprächen bei relevanten Firmen akzeptieren.

Das bringt doch die gesamte Diskussion hier auf einen Punkt. Der Tarifvertrag eröffnet Handlungsspielräume und manche Behörden(mitarbeiter) wollen sie nicht nutzen. Damit verscheucht man erfolgreich gute Mitarbeiter.

Sollte der AG Beschäftigte zwingen, für tarifvertraglich mögliche höhere Entgelte Bewerbungen zu schreiben und Einladungen zu Vorstellungsgesprächen vorzulegen zeigt der AG deutlich sein Desinteresse an diesen Personen.
Richtig.
Aber mit dem entsprechenden Feingefühl und der dazugehörigen Erläuterung, kann man durchaus beide Seiten befriedigen,
den Personaler, der was zum Lochen Heften braucht.
und der gute Mitarbeiter, der während seiner Arbeitszeit gebeten wird, da mal eben was hinzurotzen, dass er emails mit Einladungen zum Gespräch bekommt (Arbeitsaufwand idR 15-30 min), die er nicht war nehmen muss, sondern halt einfach nur "fingiert" für die Akten empfängt, damit man den depperten Personaler befriedigt und der besagt Mitarbeiter seine Zulage bekommt.

Hinz

Zitat von: Jockel in 06.08.2021 10:31
Bindung: Ich hau doch kein Geld raus, weil jemand "behauptet", ihn trieben Wechselgedanken... das wäre Untreue. Allerdings würde ich tatsächlich Einladungen zu Vorstellungsgesprächen bei relevanten Firmen akzeptieren.

Vielleicht bewirbt sich der AN gerade deshalb weg, wenn kein entgegen kommen ist. Dafür sucht man ja im Vorfeld das Gespräch.

Was das mit Untreue zu tun haben soll, erschließt mir nicht. Können Zwänge als Ursache sein, wie z.B. regionale Lebenshaltungskosten.


Amtsdenker

Verständnisfrage: Welche Rolle spielt aus bisherigen Verhandlungserfahrungen eigentlich die Inflationsrate (offiziell derzeit 3,8 %) bei Tarifverhandlungen im TV-L?

was_guckst_du

...eine Formel lautet Inflationsrate plus Produktivitätsrate plus x....
Gruß aus "Tief im Westen"

Meine Beiträge geben grundsätzlich meine persönliche Meinung zum Thema wieder und beinhalten keine Rechtsberatung. Meistens sind sie ernster Natur, manchmal aber auch nicht. Bei einer obskuren Einzelfallpersönlichkeit antworte ich auch aus therapeutischen Gründen

Organisator

Zitat von: WasDennNun in 06.08.2021 10:59
Richtig.
Aber mit dem entsprechenden Feingefühl und der dazugehörigen Erläuterung, kann man durchaus beide Seiten befriedigen,
den Personaler, der was zum Lochen Heften braucht.
und der gute Mitarbeiter, der während seiner Arbeitszeit gebeten wird, da mal eben was hinzurotzen, dass er emails mit Einladungen zum Gespräch bekommt (Arbeitsaufwand idR 15-30 min), die er nicht war nehmen muss, sondern halt einfach nur "fingiert" für die Akten empfängt, damit man den depperten Personaler befriedigt und der besagt Mitarbeiter seine Zulage bekommt.

Der Personaler - wie im übrigen die gesamte Verwaltungsabteilung - ist für die Fachabteilungen da. Und nicht umgekehrt. Er sollte daher seine Arbeit so ausrichten, dass die Fachabteilung so wenig wie möglich an der Arbeit gehindert wird.

WasDennNun

Zitat von: Organisator in 06.08.2021 11:42
Zitat von: WasDennNun in 06.08.2021 10:59
Richtig.
Aber mit dem entsprechenden Feingefühl und der dazugehörigen Erläuterung, kann man durchaus beide Seiten befriedigen,
den Personaler, der was zum Lochen Heften braucht.
und der gute Mitarbeiter, der während seiner Arbeitszeit gebeten wird, da mal eben was hinzurotzen, dass er emails mit Einladungen zum Gespräch bekommt (Arbeitsaufwand idR 15-30 min), die er nicht war nehmen muss, sondern halt einfach nur "fingiert" für die Akten empfängt, damit man den depperten Personaler befriedigt und der besagt Mitarbeiter seine Zulage bekommt.

Der Personaler - wie im übrigen die gesamte Verwaltungsabteilung - ist für die Fachabteilungen da. Und nicht umgekehrt. Er sollte daher seine Arbeit so ausrichten, dass die Fachabteilung so wenig wie möglich an der Arbeit gehindert wird.
Absolut Richtig!
Aber genauso wie es bekloppte ITler gibt, die meinen ohne sie würde nichts laufen (obwohl sie nichts anderes als Dienstleister sind), gibt es eben auch depperte Personaler, die meinen sie sind die wichtigsten.

Und es ist allerdings niedlich oder beschämend, dass den Führungskräfte A15 aufwärts nicht zugetraut wird, dass sie ein qualifizierte Lagebeurteilung abgeben können, bezüglich der Notwendigkeit einer Zulage.
Da darf dann ein A9Z sagen wo es lang geht  8)

Wdd3

Zitat von: was_guckst_du in 06.08.2021 11:36
...eine Formel lautet Inflationsrate plus Produktivitätsrate plus x....

So ähnlich, eigentlich ist das die Forderung durch Verdi. Inflation 3,8% + 4% die die Länder gegenüber der Wirtschaft verloren haben + 1,2% Reallohnzuwachs=9% für ein Jahr.

Angebot der Arbeitgeber: "Unverschämte Forderung, dem Steuerzahler nicht vermittelbar, unzeitgemäß, Corona etc., blabla. wir bieten euch: Nichts.

Ergebnis: 450 € Einmalzahlung, verschieben der Prozentualen Erhöhung um 7 Monate, 1,65% nach weiteren 14 Monaten nochmals 1,84%. Laufzeit 32 Monate.
Proklamation von Verdi: "Herausragendes Jahrhundertergebnis nach langen und zähen Verhandlungsrunden"   
Information in den Medien: ÖD zahlt ab sofort 5,5% mehr Lohn...

cyrix42

Zitat von: Amtsdenker in 06.08.2021 11:23
Verständnisfrage: Welche Rolle spielt aus bisherigen Verhandlungserfahrungen eigentlich die Inflationsrate (offiziell derzeit 3,8 %) bei Tarifverhandlungen im TV-L?

Erst einmal kannst du von den 3,8% wieder 2,6%-Punkte abziehen; das war einfach nur die vor einem Jahr zwischenzeitlich abgesenkte Mehrwertsteuer. Da die Löhne im TV-L nicht entsprechend mit gesenkt wurden, kannst du auch nicht mit irgendeinem guten Argument fordern, dass sie entsprechend steigen sollten, wenn diese zwischenzeitliche Senkung der Mehrwertsteuer wieder rückgängig gemacht wird...

Amtsdenker

Zitat von: cyrix42 in 06.08.2021 14:09
Zitat von: Amtsdenker in 06.08.2021 11:23
Verständnisfrage: Welche Rolle spielt aus bisherigen Verhandlungserfahrungen eigentlich die Inflationsrate (offiziell derzeit 3,8 %) bei Tarifverhandlungen im TV-L?

Erst einmal kannst du von den 3,8% wieder 2,6%-Punkte abziehen; das war einfach nur die vor einem Jahr zwischenzeitlich abgesenkte Mehrwertsteuer. Da die Löhne im TV-L nicht entsprechend mit gesenkt wurden, kannst du auch nicht mit irgendeinem guten Argument fordern, dass sie entsprechend steigen sollten, wenn diese zwischenzeitliche Senkung der Mehrwertsteuer wieder rückgängig gemacht wird...

Das war eine reine Verständnisfrage inwieweit derartige Faktoren Einfluss nehmen (auch aus AG-Sicht) und keine konkrete Forderung. Die Höhe der Mehrwertsteuer ist nur ein Faktor unter vielen. Wenn -wie derzeit- die Weltmarktpreise für Rohstoffe steigen oder fallen, so hat das spürbar Einfluss auf die Endverbraucherpreise. Die temporäre Steuersenkung wurde je nach Branche ja auch nur teilweise an Verbraucher weitergegeben. Weil andererseits z.B. Frisör oder Restaurantbesuch teurer geworden sind laut Statistiken.

Man kann es auch anders sehen: Im Durchschnitt sind Reallöhne in Deutschland zwischen 1991 und 2019 um nur ca. 12 Prozent gestiegen, obwohl die Nominallohnsteigerung ca. bei 60 Prozent lag. Phasenweise gab es sogar ein Absinken der Reallöhne.


TZSteinbock

Zitat von: Amtsdenker in 06.08.2021 14:25
Zitat von: cyrix42 in 06.08.2021 14:09
Zitat von: Amtsdenker in 06.08.2021 11:23
Verständnisfrage: Welche Rolle spielt aus bisherigen Verhandlungserfahrungen eigentlich die Inflationsrate (offiziell derzeit 3,8 %) bei Tarifverhandlungen im TV-L?

Erst einmal kannst du von den 3,8% wieder 2,6%-Punkte abziehen; das war einfach nur die vor einem Jahr zwischenzeitlich abgesenkte Mehrwertsteuer. Da die Löhne im TV-L nicht entsprechend mit gesenkt wurden, kannst du auch nicht mit irgendeinem guten Argument fordern, dass sie entsprechend steigen sollten, wenn diese zwischenzeitliche Senkung der Mehrwertsteuer wieder rückgängig gemacht wird...

Das war eine reine Verständnisfrage inwieweit derartige Faktoren Einfluss nehmen (auch aus AG-Sicht) und keine konkrete Forderung. Die Höhe der Mehrwertsteuer ist nur ein Faktor unter vielen. Wenn -wie derzeit- die Weltmarktpreise für Rohstoffe steigen oder fallen, so hat das spürbar Einfluss auf die Endverbraucherpreise. Die temporäre Steuersenkung wurde je nach Branche ja auch nur teilweise an Verbraucher weitergegeben. Weil andererseits z.B. Frisör oder Restaurantbesuch teurer geworden sind laut Statistiken.

Man kann es auch anders sehen: Im Durchschnitt sind Reallöhne in Deutschland zwischen 1991 und 2019 um nur ca. 12 Prozent gestiegen, obwohl die Nominallohnsteigerung ca. bei 60 Prozent lag. Phasenweise gab es sogar ein Absinken der Reallöhne.

Warten wir es ab. Der Wert wird Mwst.- bereinigt in 3 Monaten nicht mehr 1,2% sondern bei mind. 3% Inflation sein.

cyrix42

Nun, du kannst gern entsprechend längerfristig argumentieren oder unabhängig von der derzeit ausgewiesenen Inflationsrate der Meinung sein, dass die Angestellten im Öffentlichen Dienst zu gering bezahlt seien. Dies alles unbenommen.

Mich regt nur auf, dass hier mit der Zahl "Inflationsrate 3,8%" Gespenster einer hohen Inflation an die Wand gemalt werden, die (noch?) gar nicht da sind. Hier werden einfach Äpfel mit Birnen verglichen: Die Statistik vergleicht hier gerade die Preise der Warenkörbe vom Juli 2020 -- wo gerade die Mehrwertsteuer gesenkt worden war -- mit der vom Juli 2021 -- wo wieder der vorher gültige Mehrwertsteuersatz erhoben wird. Es ergibt einfach keinen Sinn, hier jetzt aufzuschreien, wenn der Großteil der Preissteigerung genau auf diesen Effekt, der die Wirtschaft im zweiten Halbjahr 2020 ankurbeln sollte, zurückzuführen sind. Im Vergleich zum Juni 2020 dürften die Preise deutlich weniger gestiegen sein, selbst wenn man einen Monat mehr zu betrachten hat.

Ob die Preise nun unabhängig davon weiter steigen, lässt sich aus den veröffentlichten Daten zur Inflationsrate einfach noch nicht ablesen. Aber das ist auch Glakugel-Schauen...

Organisator

Zitat von: WasDennNun in 06.08.2021 12:51
Und es ist allerdings niedlich oder beschämend, dass den Führungskräfte A15 aufwärts nicht zugetraut wird, dass sie ein qualifizierte Lagebeurteilung abgeben können, bezüglich der Notwendigkeit einer Zulage.
Da darf dann ein A9Z sagen wo es lang geht  8)

Finde ich aber nicht ganz verkehrt. Die Führungskraft hat idealerweise das Wohlergehen der Mitarbeiter im Sinne und würde immer für Zulagen stimmen. Der mittlere Dienst im Personalbereich ist dann der Kompetente, um das Gesülze der Führungskräfte zu bewerten und in geeignete Bahnen zu lenken.

WasDennNun

Zitat von: Amtsdenker in 06.08.2021 14:25
Man kann es auch anders sehen: Im Durchschnitt sind Reallöhne in Deutschland zwischen 1991 und 2019 um nur ca. 12 Prozent gestiegen, obwohl die Nominallohnsteigerung ca. bei 60 Prozent lag. Phasenweise gab es sogar ein Absinken der Reallöhne.
Ja, da gab es einige Hungerjahre.
Andere würden jetzt sagen der öffentliche Dienst hatte in den letzten 10 Jahren eine Reallohnerhöhung von 12% bekommen.
Was bleib als Argument: TV-L hinkt aber der mageren Entwicklung vom tvöd weiterhin hinterher.

btw: Der durchschnittliche Inflationsanstieg der letzten zwei Jahre ist um die 1,7% und bei gleicher Betrachtungsweise wie die 3,8% hatte wir zwischendurch ne Deflation