Tarifverhandlung TV-L ab 09/2021 - Vorschläge/Wünsche

Begonnen von Franch, 21.10.2020 11:51

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Kaiser80

Zitat von: Spid in 30.08.2021 13:02
Die auch zum Streik aufrufen darf...

Jep. Bitte so stark wie die Gewerkschaften das Instrument in der letzten Tarifrunde für den TVÖD ausgespielt haben. Peinlich, man hätte soviel mehr rausholen können...

Amtsdenker

Zitat von: Keeper83 in 30.08.2021 12:27
Zitat von: öfföff in 30.08.2021 11:16

Beliebt sind die Jobs ja trotzdem weiterhin aus vielerlei Gründen.


Der blanke Hohn. Bei uns im FD Tiefbau sind aktuell 4 Ingenieurstellen unterschiedlicher Fachrichtungen zu vergeben. Bewerberlage = 0.
Was kann der Grund sein aus deiner Sicht?

Ähnlich bei uns im Ingenieurbereich. Gerade auch ältere Kollegen sind dazu wechselwilliger geworden und erhalten gehäuft Abwerbeversuche. Anders sieht es bei uns in Normalojobs der Verwaltungen aus. Jede Menge Bewerber auf Stellenausschreibungen.

Ein Nobelpreis ist übrigens nicht erforderlich.



Amtsdenker

Text plötzlich weg. Sieht bei uns ähnlich aus.

Spid

Zitat von: Kaiser80 in 30.08.2021 13:17
Zitat von: Spid in 30.08.2021 13:02
Die auch zum Streik aufrufen darf...

Jep. Bitte so stark wie die Gewerkschaften das Instrument in der letzten Tarifrunde für den TVÖD ausgespielt haben. Peinlich, man hätte soviel mehr rausholen können...

Eben. Zumal die GEW auch nicht daran gebunden ist, ob die anderen Gewerkschaften bereit sind, den angebotenen Tarifvertrag abzuschließen. Ggfs. muß dann auf Betriebsebene ausgezählt werden, wer mitgliederstärker ist.

Isi

Zitat von: Spid in 30.08.2021 13:02
Die auch zum Streik aufrufen darf...

Aber nicht so gern will - es wird sich zeigen in wie weit die GEW sich gegenüber Verdi durchsetzen kann/will.

Otto1

Zitat von: öfföff in 30.08.2021 11:16
Zitat von: Muschebubu in 29.08.2021 16:40
@ EDV Sachverständiger... Die Stufen 1-6 gehören abgeschafft bzw. deutlich gestraft. Es ist niemandem wirklich zu vermitteln, warum es 15 Jahre zum Erreichen der Stufe 6 braucht, Fachwissen und/oder Erfahrung hin oder her. Stufe 1 und 6 sollten reichen, alles andere dient nur dem vorenthalten von Arbeitsentgelt.

Die Abschaffung der Stufen lehne ich entschieden ab. Sie sind eine schöne automatische Leiter von Gehaltserhöhungen auf die man sich einstellen kann. Und aus der anderen Perspektive kann man als Geldgeber/Steuerzahler die Personalausgaben schrittweise erhöhen und dabei etwas sparen, gerade zu Beginn der Tätigkeit. Beliebt sind die Jobs ja trotzdem weiterhin aus vielerlei Gründen.
Wer meint wertvoller zu sein kann Stufenvorweggewährung aushandeln oder sich aussertariflich anstellen lassen.

Also wir bekommen keine Ingenieure oder Informatiker mehr. Es ist anscheinend sehr "attraktiv" das Einstiegsgehalt in der Wirtschaft erst nach 6 Jahren zu erreichen (Stufe 4), um dann weitere 9 Jahre zu warten bis man beim Endgehalt der Stufen ist.

Für einen Ingenieur oder Informatiker mit 10 Jahren Berufserfahrung zahlt man heutzutage 85k+ im Jahr. Also E15 Stufe 6. Mit 52-57k in E11 Stufe 3 oder so kommt man da nicht weit. Im Bereich der Informatiker wird sich die Situation noch deutlich verschärfen, da es auch hier bei krass steigender Nachfrage zusätzlich eine demographische Lücke geben wird. Aus meiner Sicht betrifft dies den gesamten MINT-Bereich. Zulagen werden es auch nicht flächendeckend lösen können, da entsprechend Kniffe wie fingierte Bewerbungen oder ähnliches benötigt werden, damit man einen Zettel für die Akten hat.

Natürlich ist eine E11-E12 für normale Verwaltungsmitarbeiter ein fürstliches Gehalt, welches gestuft werden kann aufgrund der Marktsituation, aber für die dringend gesuchten Fachkräfte ist es kontraproduktiv!

Daher wie bisher die Forderung: Eine Tabelle für den MINT-Bereich, die es ermöglicht ohne Kniffe marktübliche Gehälter zu zahlen.

Otto1

Zitat von: mirabelle in 30.08.2021 11:40
Zitat von: öfföff in 30.08.2021 11:16
Zitat von: Muschebubu in 29.08.2021 16:40
@ EDV Sachverständiger... Die Stufen 1-6 gehören abgeschafft bzw. deutlich gestraft. Es ist niemandem wirklich zu vermitteln, warum es 15 Jahre zum Erreichen der Stufe 6 braucht, Fachwissen und/oder Erfahrung hin oder her. Stufe 1 und 6 sollten reichen, alles andere dient nur dem vorenthalten von Arbeitsentgelt.

Die Abschaffung der Stufen lehne ich entschieden ab. Sie sind eine schöne automatische Leiter von Gehaltserhöhungen auf die man sich einstellen kann. Und aus der anderen Perspektive kann man als Geldgeber/Steuerzahler die Personalausgaben schrittweise erhöhen und dabei etwas sparen, gerade zu Beginn der Tätigkeit. Beliebt sind die Jobs ja trotzdem weiterhin aus vielerlei Gründen.
Wer mein wertvoller zu sein kann Stufenvorweggewährung aushandeln oder sich aussertariflich anstellen lassen.

Die Stufen sind ja an und für sich nicht schlecht, kann man im ÖD ja nicht sein Gehalt individuell verhandeln. Nur werden viele von uns bestimmt noch bis 70 arbeiten müssen und für jemanden der mit 20-30 im Amt anfängt stagniert die Gehaltsentwicklung dann nach 15 Jahren bis open end, was sich bei einigen schlecht auf Psyche und Arbeitsmoral auswirkt.
Da es auch noch keine stufengleiche Höhergruppierung gibt, müsste man trotz privater Weiterbildungen, um in besser bezahlte Stellen auzusteigen, wieder ganz von Vorne anfangen und das, wo die finanziellen und nervlichen Bealstungen eines neuen Qualifikationserwerbs teilweise sehr hoch sind. Dann bleiben die Alten lieber auf den inzwischen langweiligen Stellen sitzen, trinken von 6-17:00 Uhr nur Kaffee (ja, so ein Exemplar ging hier kürzlich in Rente) und meckern, statt etwas Neues zu wagen.

Aber dieses Problem lässt sich auch auf andere Berufe ausdehnen. Da jammern wir auf hohem Niveau, wenn ich mir überlege, was ein Dachdecker zwischen 50-70 noch arbeiten möchte, ohne nochmal für einen Hungerlohn 3 Jahre in eine neue Lehre zu gehen. Bin gespannt, wie sich das in Zukunft alles entwickeln wird.


@ 2strong

0,6-1,5 Stunden weniger Arbeit ist auf dem Lohnzettel doch kaum bemerkbar, aber im öffentlichen Nahverkehr (wenn wir jetzt mal umweltfreundlich sind) können diese paar Minuten allerdings Gold wert sein!
Denn Nein, ich möchte nicht nur 35 h arbeiten und 500 Brutto weniger haben, aber wenn ich ein Kind zur Kita bringen bzw. abholen muss, kann ein verpasster Bus schon sehr anstrengend werden.

Dafür gibt es PKWs.

was_guckst_du

...gerade wird gemeldet, Inflationsrate auch im August bei 3,9 %...

...also Reallohnsteigerung bei 3,9 % plus X (früher war X immer mindestens 1 %)....
Gruß aus "Tief im Westen"

Meine Beiträge geben grundsätzlich meine persönliche Meinung zum Thema wieder und beinhalten keine Rechtsberatung. Meistens sind sie ernster Natur, manchmal aber auch nicht. Bei einer obskuren Einzelfallpersönlichkeit antworte ich auch aus therapeutischen Gründen

Thiesi

Zitat von: mirabelle in 30.08.2021 11:40
0,6-1,5 Stunden weniger Arbeit ist auf dem Lohnzettel doch kaum bemerkbar, aber im öffentlichen Nahverkehr (wenn wir jetzt mal umweltfreundlich sind) können diese paar Minuten allerdings Gold wert sein!
Denn Nein, ich möchte nicht nur 35 h arbeiten und 500 Brutto weniger haben, aber wenn ich ein Kind zur Kita bringen bzw. abholen muss, kann ein verpasster Bus schon sehr anstrengend werden.
Man kann natürlich auch umgekehrt argumentieren: Bei einer Fünf-Tage-Arbeitswoche machen sich zwölf Minuten pro Tag doch kaum bemerkbar ...
"We're with you all the way, mostly"

Otto1

Zitat von: Keeper83 in 30.08.2021 12:27
Zitat von: öfföff in 30.08.2021 11:16

Beliebt sind die Jobs ja trotzdem weiterhin aus vielerlei Gründen.


Der blanke Hohn. Bei uns im FD Tiefbau sind aktuell 4 Ingenieurstellen unterschiedlicher Fachrichtungen zu vergeben. Bewerberlage = 0.
Was kann der Grund sein aus deiner Sicht?

Ein Nobelpreis ist übrigens nicht erforderlich.



Bei uns sind nur rund 70% der Stellen besetzt. :-) Davon gehen in den nächsten 5-7 Jahren weitere 40% (total) in Rente/Pension. Sodass nur 30% der Stellen besetzt sein werden. Hier wird seit 5 Jahren wie wild ausgeschrieben, aber leider bewirbt sich keiner oder nur der absolute Ausschuss. Noch können wir die nicht besetzen Stellen mit viel Mühe und Erfahrung sowie großem Einsatz ausgleichen, aber bald eben nicht mehr.

Die Parteien fordern (zu Recht) im Wahlkampf die Mordernisierung der Infrastruktur (Schulen, Schienen, Brücken, Straßen, öffentliche Gebäude, Digitalisierung, Breitband etc.), aber leider können wir das zukünftig nicht mehr leisten.  :-X

Bastel

Zitat von: Otto1 in 30.08.2021 14:28
Noch können wir die nicht besetzen Stellen mit viel Mühe und Erfahrung sowie großem Einsatz ausgleichen, aber bald eben nicht mehr.

Das ist wohl ein dummer Fehler... Der AG lernt es nur durch Schmerzen...

Otto1

Zitat von: was_guckst_du in 30.08.2021 14:25
...gerade wird gemeldet, Inflationsrate auch im August bei 3,9 %...

...also Reallohnsteigerung bei 3,9 % plus X (früher war X immer mindestens 1 %)....

Es wird zu einer Gehaltskürzung kommen.  ;)

Otto1

Zitat von: Bastel in 30.08.2021 14:32
Zitat von: Otto1 in 30.08.2021 14:28
Noch können wir die nicht besetzen Stellen mit viel Mühe und Erfahrung sowie großem Einsatz ausgleichen, aber bald eben nicht mehr.

Das ist wohl ein dummer Fehler... Der AG lernt es nur durch Schmerzen...

Der AG weis es und gibt sich Mühe, aber an dem Tabellenentgelt kann er nichts ändern.

2strong

Zitat von: Bastel in 30.08.2021 11:41
Ging es in dem von mir zitierten Post umd Geld vs. Arbeitszeit? Ich glaube nicht...
Arbeitszeit entspricht ja einem Wert. Bei einer 40h/Woche entspricht jede Stunde 2,5% des vereinbarten Lohns. Das ist nicht unerheblich.

Spid

Zitat von: Otto1 in 30.08.2021 14:33
Zitat von: Bastel in 30.08.2021 14:32
Zitat von: Otto1 in 30.08.2021 14:28
Noch können wir die nicht besetzen Stellen mit viel Mühe und Erfahrung sowie großem Einsatz ausgleichen, aber bald eben nicht mehr.

Das ist wohl ein dummer Fehler... Der AG lernt es nur durch Schmerzen...

Der AG weis es und gibt sich Mühe, aber an dem Tabellenentgelt kann er nichts ändern.

Natürlich kann er das. Es handelt sich um Mindestarbeitsbedingungen.