Autor Thema: [RP] Fragen und Einschätzungen zum höheren technischen Dienst  (Read 1386 times)

fdkn

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Hi,

ich bin neu im Forum und stelle mich quasi mit dieser Frage hier vor. Ich habe folgenden Lebenslauf:

B.Sc. Abschluss Architektur
M.Sc. Abschluss Architektur
4 Jahre Berufserfahrung in der freien Wirtschaft im Architekturbüro
1 Jahr als techn. Sachbearbeiter bei der Unteren Bauaufsicht im öffentlichen Dienst
(letztere Stelle ist auf 2 Jahre befristet mit guten Aussichten auf weitere Anstellung)

Innerhalb der nächsten 10-15 Jahre wird die aktuelle Bauaufsicht altersbedingt einmal komplett ausgetauscht sein (inklusive Referatsleitung). Mir wurde hier schon relativ stark angedeutet, dass ich bei bleibender Entwicklung durchaus Chancen auf den Posten der Referatsleitung habe.

Ich hingegen sehe mich, falls sich diese Chance eben nicht ergibt, nicht den Rest meines Berufsleben hier. Nach einiger Recherche und Überlegungen habe ich mich nun initiativ für das technische Referendariat zum höheren Dienst beworben (Start April 2022). Stellt gehaltlich für zwei Jahre zwar einen Rückschritt dar, insgesamt aus meiner Sicht jedoch die Chance auf eine Verbeamtung und weitere Qualifikationen.

Meine Fragen:

Klingt der Weg erstmal vernünftig oder habe ich irgendetwas (sei es ein Gegenargument oder eine nicht beachtete Alternative) nicht berücksichtigt?
Können die Berufsjahre (sowohl im Architekturbüro als auch im öffentlichen Dienst) für die spätere Eingruppierung anerkannt werden?
Können die Berufsjahre im öffentlichen Dienst darüberhinaus oder alternativ für das technische Referendariat angerechnet (Verkürzung) werden?

Danke im Voraus!

Gruß

Fred
« Last Edit: 30.12.2020 02:56 von Admin2 »

Lars73

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Welches Bundesland?
Räumlich flexible?

Z.B. beim Bund wäre mit Berufserfahring in Tätigkeiten die dem höheren Dienst entsprechen eine Verbeamtung ohne Referendariat möglich.

Meist muss man sich auf Ausschreibungen bewerben. Der Umgang mit Initiativbewerbungen ist unterschiedlich.

fdkn

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Das Bundesland ist Rheinland-Pfalz. Räumlich flexibel bin ich nur bedingt, würde schon gern an einem der Hauptstandorte in Rheinland-Pfalz bleiben. Daher würde eine Verbeamtung über den Bund nicht meine Ideallösung.

Die Initiativbewerbung habe ich auf Anraten der entsprechenden Ausbildungsbehörde (LBB) versendet und werde mich im Rahmen der offiziellen Bewerbungsfrist nochmals versichern, dass diese auch berücksichtigt wird.

2strong

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Besteht eine Option, nach Abschluss des Vorbereitungsdienstes in den htD des Landes übernommen zu werden?

fdkn

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Also nach Abschluss des Vorbereitungsdienstes (hier das technische Referendariat) wird die Übernahme laut dem Internetauftritt "vorbehaltlich vorhandener Einstellungsmöglichkeiten" beabsichtigt. Der Anwärtergrundbetrag wird durch Anwärtersonderzuschläge um 50 %  aufgeschlagen, welches ich so interpretiere, dass die entsprechenden Stellen zumindest in einem gewissen Rahmen unterbelegt sind, falls ich deine Frage richtig verstanden habe.

2strong

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Das interpretiere ich ebenfalls so. Wenn man daher davon ausgeht, dass Du anschließend heimatnah verwendet wirst und in einer entsprechenden Landesbehörde perspektivisch auch eine Referatsleitung nicht unrealistisch ist, rate ich Dir zum Referendariat, sofern das wirtschaftlich darstellbar ist. Mit 50% Sonderzuschlag dürftest Du bei knapp 2.000€ netto landen.

fdkn

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Perfekt. So etwas in der Art wollte ich hören  ;)

Da mir immer noch viele Aspekte des öffentlichen Dienstes und des Beamtentums fremd sind, bin ich natürlich weiterhin für Input dankbar, aber scheinbar klingt der Weg der vor mir ist nicht allzu verkehrt.

Wirtschaftlich ist es absolut im Grenzbereich, aber ich denke auf lange Sicht lohnt sich diese "Investition", da ich den Maximalwert für die Pension mit der Beendigung meines Referendariats mit 36 Jahren (zuzüglich der anrechenbaren Zeiten) ja gut erreichen kann.

Wenn ich es richtig verstanden habe, werden der für die spätere Pension angenommenen Dienstzeit meine Zeiten im öffentlichen Dienst (2 Jahre, entspr. § 13 Abs. 4 Nr. 5 LBeamtVG) voll und meine Ausbildungszeiten als Hochschulausbildung teilweise (bis zu 855 Tage, entspr. §18 Abs. 1 LBeamtVG) zugerechnet werden. Sprich: Wenn alles gut läuft bin ich nach dem tech. Referendariat 36 Jahre und bekomme den angestrebten Wert von 40 Jahren angerechnet.

Zur möglichen Einstufung habe ich noch Fragen:

Nach dem Landesbesoldungsgesetz (LBesG) ist die Einstufung seit 2013 nach der Erfahrung und nicht nach dem Alter geregelt. Als berücksichtigungsfähige Zeiten sind nach §30 Abs. 1 Nr. 2 LBesG "Zeiten einer gleichwertigen hauptberuflichen Tätigkeit in einem privatrechtlichen Arbeitsverhältnis bei einem öffentlich-rechtlichen Dienstherren (...)" berücksichtigungsfähig.

Heißt das Ich kann die beiden Jahre die ich im öffentlichen Dienst auf der Bauaufsicht gearbeitet habe zur Einstufung anrechnen?
Muss ich mir an dieser Stelle "aussuchen", ob ich diese Zeit auf eine eventuelle Verkürzung des Referendariats  oder eben zur höheren Einstufung anrechnen lassen möchte?
Kann ich mir meine Arbeitszeit in der freien Wirtschaft (4 Jahre im Architekturbüro) ebenfalls anrechnen lassen und hat jemand Erfahrung wie hier die Aussichten für eine volle/teilweise Anrechnung (entspr. LBesG §30 Abs. (1) Satz 2) sind, da diese Tätigkeit ja hauptberuflich, mehr als 6 Monate (ununterbrochen) und von konkretem Nutzen und prägenden Charakter für meine folgenden Stellen war?

Demnach würde ich, wenn alles optimal läuft, nach meiner "Rechnung" nach dem tech. Referendariat im Eingangsamt A13 eingruppiert und aufgrund der anrechenbaren Erfahrung (Einstiegsstufe 3 + 4 Jahre freie Wirtschaft = Stufe 5 + 2 Jahre öffentlicher Dienst = kurz vor Stufe 6) eingestuft werden. Werden diese "Zwischenjahre" bei einer erstmaligen Einstufung vermerkt, oder starte ich dann bei Stufe 5 und muss bis zu nächsten höhen Stufe 3 Jahre warten?

Sorry für die vielen Fragen, vielleicht gibt es ja zu dem einem oder anderen punkt Erfahrungen. Dankeschön!

Gewerbeaufsichtbeamter

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(Einstiegsstufe 3 + 4 Jahre freie Wirtschaft = Stufe 5 + 2 Jahre öffentlicher Dienst = kurz vor Stufe 6)

Wenn die ausgeübten Tätigkeiten deiner zukünftigen Verwendung dienlich sind, könnte das eine mögliche Konstellation sein.

2strong

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Ruhegehaltsfähige Dienstzeit ist die Zeit im Beamtenverhältnis einschließlich Vorbereitungsdienst + die Zeit als Angestellter im öffentlichen Dienst + 855 Tage Studium. Wenn ich unterstelle, dass Du heute 34 Jahre als bist, kommst Du bis zum planmäßigen Ruhestand auf rd. 39 Jahre ruhegehaltsfähige Dienstzeit und damit auf einen Ruhegehsltssatz von rd. 70% (also fast das Maximum).

Denk daran, Dir Deine Beiträge in die Gesetzliche Rentenversicherung erstatten zu lassen, sofern Du zum Zeitpunkt der Verbeamtumg keine 60 Beitragsmonate zusammenbekommen haben solltest.

Die Zeiten der hauptberuflich Tätigkeit werden bei der Stufenfestsetzung berücksichtigt, wenn sie gleichwertig sind, d. j. mindestens mit Entgeltgruppe 13 vergütet wurden. Bei der Tätigkeit im Architekturbüro ist die Feststellung einer Gleichwertigkeit schwieriger. Da hat die Behörde Ermessen. Falls vorhanden, könnte das Anforderungsprofil der alten Stellenausschreibung das Qualifikationsniveau belegen oder ein Gehaltsvergleich mit Entgeltgruppe 13. Unabhängig davon ist eine Berücksichtigung der Zeiten nur möglich, wenn sie nicht bereits anderweitig berücksichtigt wurden (kein double counting von Zeiten). Die "Zwischenjahre" werden im Bescheid über die erstmalige Stufenfestsetzung taggenau vermerkt. Sie gehen also nicht verloren.

clarion

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Ich habe auch nach etwas mehr einen Jahrzehnt Berufserfahrung zu einem technischen Referendariat entschlossen, zu einer Zeit als es es noch keinen Aufschlag auf die Anwärterbezüge gab. Es waren zwei Jahre, wo es finanziell etwas klamm war. Das war im Nachhinein aber nicht weiter schlimm, da es nach dem Referendariat in sehr zügigen Tempo bis zur A14 ging. Wenn ich will, können absehbar weitere Schritte auf der Karriereleiter folgen, da die Leute, die höhere Prositionen besetzen, fast durch die Bank Ü60 sind und der Nachwuchs erstens zahlenmäßig sehr wenig und zweitens sehr jung und ohne Lebenserfahrung ist.

Unser Referendariatjahrgang hatte keine Einstellungszusage. Für mich hat sich das "Risiko" Referendariat trotzdem in kurzer Zeit bezahlt gemacht.

2strong

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Wie läuft so ein technisches Referendariat eigentlich ab? Durchläuft man auch verschiedene Stationen bei unterschiedlichen Einrichtungen, wie das bei Juristen üblich ist, oder bleibt man eher im Haus und besucht zur theoretischen Qualifikation ein Studienseminar wie beim Lehramt, oder ist es nochmals ganz anders?

Alphonso

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Ja, es werden mindestens landesweit verschiedene Stationen durchlaufen, welche Inhalte des entsprechenden Ausbildungsabschnittes durcharbeiten. Möchte das Bundesland aus Kostengründen nicht alle Ausbildungsinhalte abdecken (wenig Referendare, teurer Lehrgang), kauft man sich in andere Ausbildungsabschnitte als Behörde ein und schiebt seine Referendare für die Zeit ab.
Prüfungstechnisch wird eine Hausarbeit verlangt (6 Wochen zeit), 4 schriftliche Prüfungen á 6 Stunden in einer Woche, und eine mündliche Prüfung über alle Abschnitte meist in der Gruppe.
Bei uns gibt es sogar 70 % Sonderzuschlag und auch keine explizit formulierte Übernahmegarantie, aber in den Gesprächen und der Kenntnis über die Altersstruktur reicht wohl das blanke Bestehen zur Übernahme im Moment.
Kleine Bundesländer haben natürlich den Vorteil nicht so weiter Wege in dieser Hinsicht.

Sicherlich kann es je nach Fachbereich (Architektur, Vermessung, ...) Unterschiede geben. Das lässt sich aber alles in den Verordnungen nachlesen

2strong

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Danke für den Überblick.

clarion

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Hallo,

bei den technischen Referendaren gibt es 8 oder 10 verschiedene Fachlaufbahnen (Bau, Forst, Vermessung, Gewerbeaufsicht, Architektur(?), Landwirtschaft, ....). Der grundsätzliche Ablauf ist aber gleich. Man besucht verschiedene Ausbildungsabschnitte an unterschiedlichen Stellen und hospitiert auch in fremden Fachverwaltungen.

Dann gibt es in unserer Fachdisziplinen etwa einmal im Monat sogenannten Unterweisungsgemeinschaften in der Landeshauptstadt, wo die Referendare sich gegenseitig Vorträge zu bestimmten Aspekten des jeweiligen Ausbildungsabschnitt halten.

Dann gibt es noch Verwaltungslehrgänge im Studieninstitut, die man zusammen mit technischen Referendaren aus anderen Fachdisziplinen besucht. Zum Ablauf der Prüfungen hat Alphonso schon etwas geschrieben.

2strong

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Würdet Ihr sagen, dass dieser Vorbereitungsdienst, der ja ein Qualifizierungsverfahren ist, einen erheblichen Mehrwert bietet oder wäre man mit 2,5 Jahren Berufserfahrung, wie einige Laufbahnverordnungen sie alternativ verlangen, ähnlich gut aufgestellt? Meine Erwartung ist, dass Techniker von den Verwaltungslehrgängen profitieren, da Verhältnismäßigkeitsprüfungen und Co. nicht Studiengegenstand waren. Zu den restlichen Inhalten kann ich keine brauchbare Einschätzung abgeben.