Autor Thema: Stellenbewertung bei sehr oberflächlicher Tätigkeitsbeschreibung  (Read 1158 times)

Stulle

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Hallo zusammen!
Ich soll bald eine TvöD-Stelle antreten, die auf EG10 angesetzt ist. Die Eingruppierung klingt angesichts der gefragten Tätigkeiten nicht ganz angemessen – ich denke da eher an eine 11 oder sogar 12.

Titel der Stelle: Mitarbeiter für den Bereich Wissenschaftskommunikation, Marketing und Eventmanagement
Hier die sehr kurze Tätigkeitsbeschreibung:
"Sie arbeiten in einem interdisziplinären For­schungs­projekt im Bereich der Daten- und Plattformökonomie und Wertschöpfung. Ihr Schwer­punkt liegt hierbei in den Themenfeldern der Umsetzung einer Kommunikationsstrategie, Identifizierung von und Vernetzung mit Stakeholdern, Organisation jährlicher und unterjähriger Unternehmensveranstaltungen, regionaler, nationaler und internationaler Konferenzen."

Ich sehe hier sowohl
a) besondere Schwierigkeit und Bedeutung ("Identifizierung von und Vernetzung mit Stakeholdern") als auch
b) ein erheblich hohes Maß der Verantwortung (Stakeholder, Organisation von Veranstaltungen bis internationale Konferenzen)

Liege ich da komplett falsch oder sieht das jemand ähnlich?


Spid

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Je nach zeitlichem Zuschnitt sehe ich nicht einmal eine E9b.

Stulle

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    Oh, danke für die so schnelle erste Antwort! Ja, ich dachte mir, dass allein durch diese Tätigkeitsbeschreibung rein gar nichts "klar" ist. Schlau eingefädelt.

    Vielleicht hilft es, wenn ihr die Anforderungen an den/die Bewerber*in kennt:
    • einen sehr guten Universitätsabschluss, vorzugsweise in den Fächern Kommunikations- und Medienwissenschaft, Wissenschaftskommunikation, Betriebswirtschaftslehre o. Ä.
    • Fachkenntnisse mit Anschlussfähigkeit zu den Themen IuK, Daten- und Plattformökonomie und Wertschöpfung
    • mindestens 2 Jahre einschlägige Berufspraxis in den Bereichen Journalismus, Marketing und Kommunikation, Eventmanagement, Social Media in Unternehmen, Institutionen und Organisationen
    • Erfahrungen in der Wissenschafts-, Unternehmens- und/oder Verbandskommunikation
    • die Fähigkeit zur zielgerichteten, sorgfältigen und effizienten Arbeit, auch im Team
    • ausgezeichnete Organisationsfähigkeit, strukturierte, eigenverantwortliche und sorgfältige Arbeitsweise
    • Gute Kenntnisse des Corporate Designs und der Corporate-Schreibregeln der Einrichtung
    • hohe interkulturelle und soziale Kompetenz, Empathie und ausgeprägte Teamfähigkeit
    • ausgezeichnetes Deutsch und Englisch in Wort und Schrift

Spid

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Nein, die Voraussetzungen für die Stellenbesetzung sind für die Eingruppierung völlig unbeachtlich.

Organisator

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Anforderungen sich auch einigermaßen unbedeutend.

Wenn ich mir die Tätigkeitsbeschreibung so anschaue sehe ich keine Bereiche, die besonders schwierig sind. Bei einem Studium in der entsprechenden Fachrichtung könnten man soetwas wie
- Umsetzung einer Kommunikationsstrategie
- Stakeholdermanagement
- Organisation von Veranstaltungen / Konferenzen
ohne weitere zusätzliche Kenntnisse umsetzen.

Zur besonderen Bedeutung stellt sich die Frage, inwieweit "Mitarbeit" die Möglichkeit zulässt, besonders auf die Belange des Arbeitgebers Einfluss zu nehmen.

Beim erheblichen Maß der Verantwortlung liegst du komplett falsch. Weder leitetest du einen großen Bereich noch triffst du besonders schwierige Grundsatzentscheidungen für die Allgemeinheit bzw. den nachgeordneten Bereich.

WasDennNun

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Liege ich da komplett falsch oder sieht das jemand ähnlich?
Wie Spid und Organisator schon ausführten, tariflich ist ersteres der Fall.

Wenn du nicht bereit bist für das Entgelt der EG10 diese Job zu machen, dann musst du deinem AG überzeugen und sagen: Ich möchte das Entgelt der EG11 / EG 12 verdienen! Entweder du gibst mir entsprechende Tätigkeiten, die dahin führen oder änderst deine Rechtsmeinung bzgl. der geplanten Tätigkeiten, so dass du mir unabhängig davon wie ich eingruppiert bin, dass Entgelt erhalte.

Entweder der AG will dich und schafft es dir dein Wunsch Entgelt zuzahlen, oder man geht getrennter Wege.

Stulle

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Zur besonderen Bedeutung stellt sich die Frage, inwieweit "Mitarbeit" die Möglichkeit zulässt, besonders auf die Belange des Arbeitgebers Einfluss zu nehmen.

Beim erheblichen Maß der Verantwortlung liegst du komplett falsch. Weder leitetest du einen großen Bereich noch triffst du besonders schwierige Grundsatzentscheidungen für die Allgemeinheit bzw. den nachgeordneten Bereich.

Nunja, die Stelle ist momentan als EG13 besetzt – die Verantwortung scheint also der Stelle nach durchaus gegeben zu sein. Die Argumentation hier ist, dass ich nur einen Bachelor-Abschluss habe und deshalb nicht in die EG13 kann. Meines Wissens nach ist aber die Stelle eingestuft, NICHT der Bewerber? Selbst wenn man argumentieren möchte, dass man mit nur Bachelor die EG13-Tätigkeiten nicht ausführen könnte, ist doch die 12 auch noch per Bachelor abgedeckt.

Spielt die vorige Eingruppierung wirklich so gar keine Rolle bei der Nachbesetzung?

Spid

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Stellen sind überhaupt kein tariflicher Regelungsgegenstand. Tarifbeschäftigte sind entsprechend ihrer nicht nur vorübergehend auszuübenden Tätigkeit eingruppiert. Tätigkeiten, die einer E13 entsprechen, sehe ich in der Darstellung überhaupt nicht. Ist wohl Fraunhofer oder Max Planck? Die haben von Eingruppierung ohnehin keine Ahnung. Wenn ich Felder kreisförmig anordne, sie mit Entgeltgruppen beschrifte und einen Elefanten im Kreis laufen lasse, bis er defäkiert, ist das mutmaßlich eine qualitativ höhere Rechtsmeinung zur Eingruppierung als die der genannten AG.

Organisator

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Nunja, die Stelle ist momentan als EG13 besetzt – die Verantwortung scheint also der Stelle nach durchaus gegeben zu sein. Die Argumentation hier ist, dass ich nur einen Bachelor-Abschluss habe und deshalb nicht in die EG13 kann. Meines Wissens nach ist aber die Stelle eingestuft, NICHT der Bewerber? Selbst wenn man argumentieren möchte, dass man mit nur Bachelor die EG13-Tätigkeiten nicht ausführen könnte, ist doch die 12 auch noch per Bachelor abgedeckt.

das erhebliche Maß der Verantwortung ist kein Tätigkeitsmerkmal für die E 13, sondern für die E 12. Für E 13 reicht ein abgeschlossenes wissenschaftliches Studium und eine entsprechende Tätigkeit. Wenn man dir eine solche Tätigkeit übertragen möchte, wärst du nach E 12 eingruppiert, da dir das wissenschaftliche Studium fehlt.

Spielt die vorige Eingruppierung wirklich so gar keine Rolle bei der Nachbesetzung?

Eigentlich ja. Es kommt darauf an, welche Aufgaben dir übertragen werden sollen. Wenn es die selben sind wie bei deinem Vorgänger, könnten man Rückschlüsse auf die Eingruppierung ziehen. Wenn nicht - dann nicht.
Und da du in der Regel die übertragenen Aufgaben deines Vorgängers nicht kennst, ist auch ein Rückschluss nicht möglich.

Rein praktisch empfehle ich WasDennNun zu folgen und einfach deine Wünsche dem Arbeitgeber zu vermitteln und zu schauen, was er machen möchte. Tariflich zu argumemtieren funktioniert hier nicht so.





WasDennNun

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Rein praktisch empfehle ich WasDennNun zu folgen und einfach deine Wünsche dem Arbeitgeber zu vermitteln und zu schauen, was er machen möchte. Tariflich zu argumemtieren funktioniert hier nicht so.
Insbesondere weil es halt einfach mal wieder absolutes Blödsinngefasel ist was da gebrabbelt wird:
"Die Argumentation hier ist, dass ich nur einen Bachelor-Abschluss habe und deshalb nicht in die EG13 kann."

Also, du gehst am besten zum depperten Personaler, sagst, du übernimmst die Tätigkeiten deines Vorgängers gerne, weißt jedoch, dass du keine wiss. HS hast und dass du dann - nach geltendem Tarifrecht - in der EG12 eingruppiert bist (eine EG niedriger bei fehlender Voraussetzung in der Person)

Stulle

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Mensch, danke euch! Das klärt schon einiges auf. In den Tarifverträgen (und dann noch zig Google-Ergebnissen...) findet man überall etwas anderes.

Und ja, ich habe auch das Gefühl, dass die EG bei den genannten AGs eher gewürfelt werden.
Vielen lieben Dank für euren Input!

WasDennNun

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Und ja, ich habe auch das Gefühl, dass die EG bei den genannten AGs eher gewürfelt werden.
Oder schlimmer noch, dass Beamten ihr Beamtenkalkrieselverfahren auf die Tarifbeschäftigte übertragen.

Spid

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Die genannten AG haben keine Beamten.

Organisator

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Oder schlimmer noch, dass Beamten ihr Beamtenkalkrieselverfahren auf die Tarifbeschäftigte übertragen.

Wie man sieht - nicht nur Beamte können unfähig sein ;)