Autor Thema: [SN] Pauschale Beihilfe  (Read 1897 times)

Paragraphenreiterin

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[SN] Pauschale Beihilfe
« am: 27.05.2021 09:23 »
Ein freundliches "Hallo" an alle,

ich stehe als Juristin vor der Wahl, mich verbeamten zu lassen in Sachsen.

Ein Thema hindert mich aktuell an einem "Ja". Thema Krankenversicherung.

Ich möchte mich keinesfalls privat versichern. Es bliebe also die Option "freiwillige gesetzliche Krankenversicherung". Einige Bundesländer haben ja angelehnt an das Hamburger Modell eine pauschale Beihilfe eingeführt. Sachsen hat es im Koalitionsvertrag angekündigt, umgesetzt wurde es (ich könnte mir vorstellen, auch wegen der Aufgaben der derzeitigen Pandemie) bisher nicht.

Mich lähmt dieser Problematik gerade tatsächlich etwas. Ich habe die Bedenken, dass - falls die Regelung doch später Kommt- diese nur zukünftige Beamten erfasst.

Hat hier jemand vielleicht Denkanstöße für mich?
« Last Edit: 28.05.2021 03:50 von Admin2 »

newT

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Antw:Pauschale Beihilfe Sachsen
« Antwort #1 am: 27.05.2021 09:33 »
Darf ich fragen, was für Sie dagegen spricht sich im höheren Dienst privat zu versichern. Gerade hier macht es ja finanziell am meistenn Sinn.

Paragraphenreiterin

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Antw:Pauschale Beihilfe Sachsen
« Antwort #2 am: 27.05.2021 09:40 »
Ich finde es nicht vorteilhaft, dann nicht mehr aus der pkv raus zu kommen- auch im Alter. Gleichzeitig finde ich es nicht sehr attraktiv, teilweise mit hohen Beträgen in Vorleistung gehen zu müssen.

Lars73

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Antw:Pauschale Beihilfe Sachsen
« Antwort #3 am: 27.05.2021 09:52 »
Auf der sicheren Seite hinsichtlich möglicherer Optionen der pauschalen Beihilfe bist du nur, wenn die die Verbeamtung entsprechend herauszögest. Es besteht eine gewisse Wahrscheinlich auch mit einem vorläufigen freiwilligen Versicherung in  der GKV von der angekündigten Änderung zu profitieren.  Ich würde nicht damit rechnen, dass das zuständige Ressort die Sache schnell vorantreibt...
Das die CDU solche Projekte ggf. ein Stück verzögert/aussitzt wäre nicht gerade überraschend. Der Koalitionsvertrag nennt ja kein Datum und es könnte ggf. auch eher zum Ende der Legislaturperiode kommen.

Man muss halt Vor- und Nachteile von Verbeamtung jetzt, später (ggf. nie) sowie verbleib in der GKV etc. abwägen.

Bastel

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Antw:Pauschale Beihilfe Sachsen
« Antwort #4 am: 27.05.2021 09:54 »
Ich finde es nicht vorteilhaft, dann nicht mehr aus der pkv raus zu kommen- auch im Alter. Gleichzeitig finde ich es nicht sehr attraktiv, teilweise mit hohen Beträgen in Vorleistung gehen zu müssen.

Im Alter steigt die Beihilfe (auchin Sachsen?) auf 70%, dementsprechend bleiben die eigenen Beiträge relativ stabil. Die Vorleistung muss bei rechtzeitigem Einreichen der Rechnungen auch nicht sein...

Ich sehe es wie newT, gerade im hD lohnt sich die PKV.

newT

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Antw:Pauschale Beihilfe Sachsen
« Antwort #5 am: 27.05.2021 10:00 »
Ich finde es nicht vorteilhaft, dann nicht mehr aus der pkv raus zu kommen- auch im Alter. Gleichzeitig finde ich es nicht sehr attraktiv, teilweise mit hohen Beträgen in Vorleistung gehen zu müssen.
Nein, wenn keine pauschale Beihilfe gewährt wird, dann ist das total unattraktiv, da für die GKV und PV ca. 840€ Beiträg fällig wären. Ob die pauschale Beihilfe rückwirkend für Bestandsbeamte gewährt wird, kann man so nicht sagen.

Ich möchte jedoch ein paar Punkte anmerken, die bei einer freiwilligen Mitgliedschaft im Gegensatz zur Pflichtversicherung einige Punkte zu beachten sind:
Es wird stets das komplette Einkommen berücksichtigt, also auch Einnahmen aus Miete, Verpachtung, Kapitalerträge etc. Der Dienstherr bezahlt die pauschale Beihilfe jedoch nur in Höhe ihres Einkommens, für den Rest ist der volle Beitragssatz (14,6% plus Zusatzbeitrag) zu entrichten. Dies gilt auch nach Pensionseintritt.

Weitere Vorteile wie Beitragsbefreiung während der Elternzeit gibt es bei freiwilliger Mitgliedschaft nicht.

Ich würde es mir gut überlegen, mich als Beamter nicht privat versichern zu lassen, wenn es die gesundheitlichen Verhältnisse zulassen.
Bei großen Zahlungen sind auch Direktabrechnungen mit Beihilfe und PKV möglich.
Gerade im höheren Dienst sind zudem die Beiträge in der PKV deutlich attraktiver.

Organisator

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Antw:Pauschale Beihilfe Sachsen
« Antwort #6 am: 27.05.2021 10:23 »
Gleichzeitig finde ich es nicht sehr attraktiv, teilweise mit hohen Beträgen in Vorleistung gehen zu müssen.

Hier musst du dir keine Sorgen machen. Man kann auch die Rechnungen erst nach Erstattung der Krankenkasse bzw. Beihilfe bezahlen. In der Regel gewähren die Ärzte 4 Wochen Zahlungsziel, was zumindest für die Erstattung der Krankenkasse ausreicht. Und wenns mal länger dauert, muss der Arzt halt warten :)

Pupecki

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Antw:Pauschale Beihilfe Sachsen
« Antwort #7 am: 27.05.2021 11:06 »
Hallo Paragraphenreiterin,

diese Entscheidung ist mir auch sehr schwer gefallen. Letztendlich habe ich für mich entschieden, freiwillig in der GKV zu bleiben, "obwohl" ich auch im hD bin. Ich rechne fest damit, dass die pauschale Beihilfe in meinem Land bald eingeführt wird und werde sie dann nutzen. In den Ländern mit dem Angebot der pauschalen Beihilfe wurden Beamt:innen, die bereits freiwillig in der GKV versichert waren, meines Wissens bisher nie von diesem Angebot ausgeschlossen. Viel Erfolg, dass die pauschale Beihilfe in Sachsen bald eingeführt wird ;) (hoffentlich bald in ganz D)

LG

BStromberg

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Antw:Pauschale Beihilfe Sachsen
« Antwort #8 am: 27.05.2021 13:04 »
Die gesamte Grundsatzdiskussion ist im wahrsten Sinne des Wortes ein Politikum.

Man wird m.M.n. den Bund als größten Dienstherrn (m/w/d) voranschicken, die Pionierarbeit zu leisten, wenn das ernsthaft flächendeckend eingeführt werden sollte (Paradigmenwechsel in der Interpretation der medizinischen Fürsorgepflicht).

Dafür wiederum ist es von maßgeblicher Bedeutung, wer die nächste Regierung stellt und wie das Finanz- und Innenresort dann besetzt sein wird.

Von der stringenten Ablehnung dieses Systems bis hin zur Umsetzung in Gestalt eines Wahlangebots für die betroffenen Beamten (m/w/d) binnen 24 Monaten halte ich quasi alles für denk- und gangbar!

 
"Ich brauche Informationen.
Meine Meinung bilde ich mir selber."
(Charles Dickens)

clarion

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Antw:Pauschale Beihilfe Sachsen
« Antwort #9 am: 27.05.2021 13:07 »
Hallo,

Aauch ich als hD mit von Geburt an bestehender Behinderung, die aus Sicht einer PKV überhaupt nicht attraktiv ist, gegen die GKV entschieden. Ich wäre schon beim nächsten Stufenausstieg über die Beitragsbemessung gekommen. Ein Unterschied von 450 Euro Monat für Monat, mit der vagen Aussicht irgendwann mal pauschale Beihilfe zu bekommen, war einfach viel zu viel Geld. Wäre ich jünger gewesen,  wäre der Unterschied noch krasser gewesen.  Meine Verbeamtung ist bald 5 Jahre her und ich habe durch die PKV schon so viel Geld gespart.

Pukki

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Antw:Pauschale Beihilfe Sachsen
« Antwort #10 am: 27.05.2021 14:48 »
Gleichzeitig finde ich es nicht sehr attraktiv, teilweise mit hohen Beträgen in Vorleistung gehen zu müssen.

Hier musst du dir keine Sorgen machen. Man kann auch die Rechnungen erst nach Erstattung der Krankenkasse bzw. Beihilfe bezahlen. In der Regel gewähren die Ärzte 4 Wochen Zahlungsziel, was zumindest für die Erstattung der Krankenkasse ausreicht. Und wenns mal länger dauert, muss der Arzt halt warten :)

Das sehe ich genauso, zumal ich in den vergangenen 3 Jahren die Erfahrung gemacht habe, dass zumindest meine private Krankenversicherung irre schnell bei den Erstattungen ist. Seitdem dort alles per App läuft und man keine Belege mehr per Post hinschicken muss, dauert es für mich von der elektronischen Einreichung bis zur tatsächlichen Erstattung keine 2 Tage mehr. Abgelehnt wurde da noch nie etwas.

Und selbst unsere Beihilfestelle in Niedersachsen arbeitet mittlerweile so zügig, dass es seit 2018 für mich nicht mehr erforderlich war, irgendwo in Vorleistung zu treten, wenn die Rechnungen eingingen.

Maja01

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Antw:Pauschale Beihilfe Sachsen
« Antwort #11 am: 27.05.2021 22:43 »
Hallo Paragraphenreiterin,

ich freue mich sehr, dass jemand das Thema aufgreift. Ich werde in Kürze in Baden-Württemberg verbeamtet (gD) und habe ebenfalls die Hoffnung, dass das Land, wie im Koalitionsvertrag von Grüne/CDU beschlossen, den Arbeitgeberanteil für die GKV übernehmen wird. Auch ich mache mir Sorgen, dass es doch anders bzw. nicht so schnell kommt, da alles unter einem Finanzierungsvorbehalt steht.

Ich fange erst an mich mit dem Thema zu beschäftigen, möchte aber meine Überlegungen kurz darstellen:
Ich möchte unbedingt in der GKV bleiben. Ich war früher über meinen Vater (Beamter) privat versichert und bin nun seit vielen Jahren in der GKV. Dort fühle ich mich rundum gut versorgt. Ich wurde nie anders behandelt oder habe späte Termine bekommen, alles ist mit Vorlage der Karte erledigt. Dafür entfallen die Prüfung der Rechnungen (die in meinem Fall öfter Untersuchungen enthielten, die nicht gemacht wurden) und das Einreichen bei Beihilfe und Krankenkasse. Die notwendigen Vorleistungen wurden ja bereits genannt. Ich lehne das System auch ab, da meine Mutter nach der Scheidung meiner Eltern die Beihilfeberechtigung verloren hat und mit 65 zu alt war, um in die GKV zurückzukehren. Es bleiben also nur die eigenen Beiträge im Alter dank steigender Beihilfe stabil; ich nehme an, dass sich daran zwischenzeitlich nichts geändert hat.
Da meine Familienplanung nicht abgeschlossen ist, finde ich es zudem gut, dass sich die Kosten der GKV auch an meinem Einkommen orientieren würden und ich z.B. in Teilzeit weniger bezahlen müsste. Dass für die Ermittlung des Beitrags stets auch Einnahmen aus Miete, Verpachtung, Kapitalerträge etc. herangezogen werde, befürworte ich. Ich finde es gut, wenn in einer Gesellschaft, die, die mehr haben auch mehr beitragen.

Da ich bereits 36 bin und vermutlich nur über die Öffnungsaktion in die PKV komme (und damit mit einem Risikozuschlag von 30% zu rechnen habe), wird der Unterschied zwischen GKV und PKV zumindest in den ersten Jahren überschaubar sein. Der Unterschied wird im hD vermutlich deutlich höher sein, vor allem, wenn du noch recht jung bist und keine Vorerkrankungen hast.

Ich spekuliere tatsächlich auf eine schnelle Umsetzung der Länder, da die Verbeamtung in den Bundesländern ohne Wahlmöglichkeit gerade für Beamte des mD und gD sowie ältere Quereinsteiger immer unattraktiver wird. Dass selbst die CDU den Punkt in Koalitionsverträge aufnimmt, macht mich optimistisch. Ich sehe es wie Pupecki, und gehe auch davon aus, dass nur den Bestandsbeamten Zugang zur pauschalen Beihilfe gewährt wird, die bereits in der GKV freiwillig versichert sind. Auch in Drucksachen des Landes BW wird bei der Berechnung der zu erwartenden Kosten immer die Anzahl der bisherigen GKV-Mitglieder angeführt ...

LG



mmp

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Antw:[SN] Pauschale Beihilfe
« Antwort #12 am: 28.05.2021 20:31 »
Bei der (Aus-)Wahl vllt. nicht völlig zu vernachlässigen, bzw. in Vergleichsrechnungen mit aufzunehmen ist die tlw. steuerliche Rückerstattung der gezahlten Krankenkassenbeiträge bei einer fgKV. Knapp unter der Bemessungsgrenze kamen da jährlich immer gut 1000 Euro zu mir "zurück".

clarion

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Antw:[SN] Pauschale Beihilfe
« Antwort #13 am: 28.05.2021 22:11 »
Die Kosten für die PKV sind zum größten Teil genauso steuerlich absetzbar.

ChrBY

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Antw:[SN] Pauschale Beihilfe
« Antwort #14 am: 30.05.2021 21:28 »
Für Beamte in niedrigen Besoldungsgruppen oder ab ca. fünf Kindern auch in höheren Besoldungsgruppen (bitte die 80 % Beihilfe für Kinder nicht vergessen) kann die pauschale Beihilfe eine Überlegung wert sein. Ansonsten ist sie eher teuer und leistet wenig.

Für einen alleinstehenden Beamten im höheren Dienst, dessen Besoldung oberhalb der Beitragsbemessungsgrenze liegt (ist bei A 13 fast immer der Fall), ergibt sich bei Inanspruchnahme der pauschalen Beihilfe folgendes Bild (zugrunde gelegt ist der Berechnung eine Mitgliedschaft bei der TK – bei der AOK usw. sehen die Zahlen fast identisch aus):

GKV-Beitrag (ermäßigter Beitrag, da kein Krankengeld abgesichert werden muß): 338,63 Euro
Zusatzbeitrag (derzeit 1,2 % bei der TK): 29,03 Euro
Pflegeversicherung: 73,77 Euro
Strafbeitrag für Kinderlose: 12,09 Euro

Gesamtbeitrag bei pauschaler Beihilfe: 453,52 Euro

Wenn man dann noch ein vergleichbares Absicherungsniveau wie in der PKV haben möchte (die Stichworte lauten Zahnersatz und Wahlleistungen im Krankenhaus), ist man schnell knapp 600 Euro im Monat los.

Wäre es dann nicht vorteilhafter, eine PKV für 300 Euro im Monat abzuschließen, höher abgesichert zu sein und die im Vergleich zur pauschalen Beihilfe mindestens gesparten 150 Euro monatlich zur Seite zu legen? Dann hätte man sehr schnell einen Puffer aufgebaut, mit dessen Hilfe man problemlos auch bei etwas höheren Rechnungen in Vorleistung gehen könnte.