[HB] Erhöhung der wöchentlichen Arbeitszeit auf 41 Stunden

Begonnen von Magda, 11.06.2025 09:51

Vorheriges Thema - Nächstes Thema

Magda

ZitatDer Koalitionsausschuss hat sich an diesem Dienstag mit dem Doppelhaushalt 2026/27 befasst. Nach buten un binnen-Informationen soll es drastische Sparmaßnahmen geben. Unter anderem ist offenbar geplant, dass Beamte zukünftig eine Stunde mehr pro Woche arbeiten sollen, ohne dafür einen Lohnausgleich zu erhalten. Am Mittwoch will der Senat über weitere Details informieren.

Finanzsenator Björn Fecker (Grüne) kämpft mit einem Haushaltsloch. Er muss in den nächsten beiden Jahren wohl mit jeweils rund 50 Millionen Euro weniger auskommen als zuletzt noch gedacht. Das ist das Ergebnis der Steuerschätzung im Mai. Im Land brechen vor allem die Einnahmen aus Lohn-, Körperschafts- und Umsatzsteuer ein. Fecker hatte deshalb einen rigiden Sparkurs angekündigt.

Quelle: https://www.butenunbinnen.de/nachrichten/beamte-mehr-arbeit-bremen-100.html

Aus internen Kreisen habe ich gehört, dass Senatoren und Staatsräte diesen Vorschlag einstimmig befürworten.

Ich sehe in dieser Maßnahme kein Einsparpotential. Im Gegenteil, ich glaube, dass sie bei den meisten Behörden keinen Effekt haben wird, außer dass die Arbeitsmotivation und -zufriedenheit darunter leiden wird. Bei Polizei, Feuerwehr und Schulen werden wahrscheinlich auf dem Papier zunächst positive Effekte zu erkennen sein, aber eben auch zu Lasten von Arbeitsmotivation- und -zufriedenheit.

Ich frage mich, wie schnell die Verordnung über die wöchentliche Arbeitszeit angepasst werden kann und welche weitere Hürden noch genommen werden müssen? Oder ist dies quasi schon beschlossene Sache, da Koalitionsausschuss und Hausleitungen der Ressort sich einig sind?

Wie ist eure Meinung dazu?

rs

Ich bin zwar nicht aus Bremen, sehe diesen Schritt aber nach den Landtagswahlen 2026 in meinem BL MV auch kommen.
Hier fährt man seit 2 Jahren einen radikalen Personalabbau und wird sich spätestens dann gezwungen sehen, ebenfalls die Wochenarbeitszeit aufzustocken.
M.E. bringt das produktiv keinerlei Vorteile, weil die Zusatzstunde in den allermeisten Fällen unproduktiv verbracht werden wird (das Streikrecht des kleinen Beamten halt). Gekniffen sind vor allem diejenigen, die (aus welchen Gründen auch immer) Teilzeit arbeiten. Die werden bei ihren Stunden bleiben und so einen Lohnverlust von 2,5% erleiden. Das betrifft also vor allem Eltern und diejenigen, die Angehörige pflegen. Bleibt zu hoffen, dass es für diese Fälle Ausnahmen bei der Arbeitszeiterhöhung geben wird.
Unter dem Strich werden die negativen Signale deutlich überwiegen. Wenn ich als junger Mensch sehe, dass ich 41 Stunden pro Woche arbeiten soll, werde ich wohl eher zum Beruf neigen, der mit max. 38h wirbt.
Aber soviel Weitsicht ist von einem studienabbrechenden Finanzsenator wohl nicht zu erwarten.

Julianx1

Ich komme aus den Zeiten der 38,5 Std. und habe diesen Spar-Almabtrieb auf 41 Std. bereits miterlebt. Es ist eine rein buchhalterische Erfolgsgeschichte,die einfach nur zur Arbeitsverdichtung führt. Für einen Finanzsenator ergibt sich daher die Möglichkeit die Planstellen zu reduzieren und bei gleichbleibender Gesamtstunenzahl. In Folge wird einfach vorhandene Arbeit verdichtet. Auf dem ein oder anderen Dienstposten führt dies dann zu Problemen. Auf anderen vielleicht nicht. Unterm Strich lässt sich kalkulatorisch wohl wirklich der eine oder andere Euro im Haushalt sparen. Die Folgen für die Bediensteten sind wieder mal desaströs. Arbeitszeit ist Lebenszeit. Attraktiv wird das Beamtenum dadurch nicht weiter.

Johann

Auf dem Papier lassen sich damit Einsparungen von 2,5% erreichen, weil man auf dem Papier statt 41 Vollzeitstellen nur noch 40 Vollzeitstellen benötigt.

In der Realität ist die Frage, ob es einen real messbaren Unterschied in der in absoluten Werten ausgeführten Arbeit gibt, wenn man einen Korridor von 35-41 Wochenstunden über je 5 Tage verteilt ansetzt. Meine ganz persönliche Einschätzung wäre, dass so einfach nur 12 weitere Minuten am Tag sinnlos vertrödelt werden.

Magda

Ich bin auf die konkreten Änderungen und auch die Ausnahmen gespannt, da mir nun zu Ohren gekommen ist, dass die Bereiche, die auf dem Papier am meisten davon profitieren würden, am Ende ausgenommen werden sollen und bei 40 Stunden die Woche bleiben.


Roland80

Der zweite Beförderungstermin im Juli wird ab 2026 auch gestrichen.

Magda

Zitat von: Roland80 in 11.06.2025 12:28
Der zweite Beförderungstermin im Juli wird ab 2026 auch gestrichen.
Stimmt, den hatte ich vorhin unterschlagen. Zurück in die Steinzeit   >:(

Zauberberg

Ich sehe schon die Lehrer und Polizisten die wegen den 41 Stunden unnbedingt nach Bremen wollen.
So bekämpft man den Lehrer- und Polizistenmangel.

....oder sind das die Bereiche die ausgenomen werden ? Das zwei Klassen Beamtentum in Bremen.

Verwaltungsbeamte in normalen Büros sind nichts wert, vielleicht noch die in der Steuerverwaltung ?

Sollte man gleich bei der nächsten Übertragung des Tarifabschlusses weitermachen.

Genau mein Humor ! Ich kann gar nicht so viel essen, wie........

Magda

Zitat von: Zauberberg in 11.06.2025 13:05
Ich sehe schon die Lehrer und Polizisten die wegen den 41 Stunden unnbedingt nach Bremen wollen.
So bekämpft man den Lehrer- und Polizistenmangel.

....oder sind das die Bereiche die ausgenomen werden ? Das zwei Klassen Beamtentum in Bremen.

Verwaltungsbeamte in normalen Büros sind nichts wert, vielleicht noch die in der Steuerverwaltung ?

Sollte man gleich bei der nächsten Übertragung des Tarifabschlusses weitermachen.

Genau mein Humor ! Ich kann gar nicht so viel essen, wie........
Polizei, Feuerwehr, Justiz sind außen vor. Zu Lehrern kann ich nichts sagen. Meine Infos sind auch nur Hörensagen, ich hab noch kein offizielles Dokument dazu gelesen.

Zauberberg

Gut das Niedersachsen nicht so weit ist !

Bei der amtsangessenen Allimentation null Reaktion, aber hier ! Pfiffig ist es ja, denn das monatliche Gehalt wird ja nicht weniger (außer evtl. bei Teilzeit), nur der Stundenlohn sinkt. Somit bleibt wenigstens der unangemessene Abstand zur Grundsicherung bestehen. Auch mein Humor !

Die Gewerkschaften gehen ja auch schon voll auf die Barrikaden, oder habe ich mich da verhört !

yogiii

Zitat von: Magda in 11.06.2025 13:29
Zitat von: Zauberberg in 11.06.2025 13:05
Ich sehe schon die Lehrer und Polizisten die wegen den 41 Stunden unnbedingt nach Bremen wollen.
So bekämpft man den Lehrer- und Polizistenmangel.

....oder sind das die Bereiche die ausgenomen werden ? Das zwei Klassen Beamtentum in Bremen.

Verwaltungsbeamte in normalen Büros sind nichts wert, vielleicht noch die in der Steuerverwaltung ?

Sollte man gleich bei der nächsten Übertragung des Tarifabschlusses weitermachen.

Genau mein Humor ! Ich kann gar nicht so viel essen, wie........
Polizei, Feuerwehr, Justiz sind außen vor. Zu Lehrern kann ich nichts sagen. Meine Infos sind auch nur Hörensagen, ich hab noch kein offizielles Dokument dazu gelesen.

Wie will man das denn rechtfertigen? Die einen sollen mehr arbeiten müssen ohne Lohnausgleich und die anderen nicht?

Ich bin Lehrkraft und die Ankündigung setzt dem Witzekuchen der letzten Jahre noch die Kirsche oben drauf. immer wenn man denkt, die Spitze des Eisbergs ist erreicht, kommt die nächste unliebsame Überraschung.

Aus Sicht einer Lehrkraft:
- es wird das Weihnachtsgeld (nur für die oberen) Besoldungsgruppen gestrichen
- amtsangemessene Alimentation betrifft uns alle
- wir kämpfen seit Jahren dafür, dass endlich unsere Arbeitszeit erfasst wird (Pflicht dazu ist höchstrichterlich festgestellt) => der PR Schulen gewinnt vor der Einigungsstelle "gegen" SKB, dass unsere Arbeitszeit erfasst werden muss ab Schuljahr 2005/26=> der Senat beschließt per Letztentscheid, dass die Arbeitszeit doch nicht erfasst wird
- alle durchgeführten Arbeitszeitstudien und Pilotprojekte kommen zu dem Ergebnis, dass Lehrkräfte bereits jetzt massive Überstunden fahren
- und jetzt wird beschlossen, dass wir alle noch eine Stunde mehr arbeiten dürfen pro Woche

In der Pressemitteilung wird davon gesprochen, dass zur Konsolidierung vom Haushalt "alle mithelfen müssen".
Erst Ende April hat sich der Bremer Senat selbst durch eine "bevorstehende Reform der Altersversorgung von Bürgerschaftsabgeordneten (...) die Ansprüche, die Mandatsträger pro Legislaturperiode erwerben, gegenüber dem jetzigen Stand ungefähr vervierfachen." (Quelle: Weser-Kurier: https://www.weser-kurier.de/bremen/politik/bremer-abgeordnete-rentenansprueche-sollen-deutlich-steigen-doc80cls3gb8exdr7w2ksf)

Danke für nichts!

MoinMoin

Zitat von: yogiii in 11.06.2025 18:58
Zitat von: Magda in 11.06.2025 13:29
Zitat von: Zauberberg in 11.06.2025 13:05
Ich sehe schon die Lehrer und Polizisten die wegen den 41 Stunden unnbedingt nach Bremen wollen.
So bekämpft man den Lehrer- und Polizistenmangel.

....oder sind das die Bereiche die ausgenomen werden ? Das zwei Klassen Beamtentum in Bremen.

Verwaltungsbeamte in normalen Büros sind nichts wert, vielleicht noch die in der Steuerverwaltung ?

Sollte man gleich bei der nächsten Übertragung des Tarifabschlusses weitermachen.

Genau mein Humor ! Ich kann gar nicht so viel essen, wie........
Polizei, Feuerwehr, Justiz sind außen vor. Zu Lehrern kann ich nichts sagen. Meine Infos sind auch nur Hörensagen, ich hab noch kein offizielles Dokument dazu gelesen.

Wie will man das denn rechtfertigen? Die einen sollen mehr arbeiten müssen ohne Lohnausgleich und die anderen nicht?
Ich denke durch das besondere Dienst und Treueverhältnis ist es begründbar, und durch die Annahme der Urkunde hat man halt diesen Kontrollverlust über sich angenommen. Ein Angestellter ist davor geschützt.


Aber leider haben aber sich sowohl die Beamten von diesem Dienst und Treueverhältnis geistig verabschiedet und denken zunehmend wie Angestellte, als auch die Dienstherren, die sich zunehmend wie reine Arbeitgeber verhalten.

Insofern ist deine Empörung nachvollziehbar.

Zauberberg

Es wird sich immer mehr darauf zurückgezogen, dass Bremen ein NEHMERLAND ist, wenn man ein Argument sucht für das WARUM, wenn sonst kein anderes vorhanden ist.

Das gerade Bremen alles tun muß um für Arbeitnehmer/Beamte attraktiv zu werden wird übersehen.

Es leiden wieder die Beamten die reduziert haben, da heißt es jetzt entweder mehr oder Einbußen in der Versorgung.

Bald müssen Beamte einen Tag die Woche länger arbeiten, als Mitarbeiter in der Industrie z.B. Daimler, 41 zu 35 oder 7 zu 8,2 Stunden  ...da fehlt nicht viel !

....und wie sagte Herr Bovenschulte, rechnerisch sind es für Bremen 260 Stellen. Ja, ja, man fühlt sich als Nummer ,das wußte ich immer und nun als Teil einer Zahl 260 ! Toll !

Vorschlag : Wenn wir uns den Geberländern angleichen wollen, dann bitte auch an der Höhe der Versorgung !

DANKE !


Magda

Und gleichzeitig wird so ein Quatsch beschlossen, dass die FreiKarte nicht mehr auf Volksfesten genutzt werden kann. 60 Euro pro Bremer Kind bleiben trotzdem 60 Euro pro Kind ...

ZitatSchließlich zur Freikarte: Die bleibt, aber ohne Volksfeste. Dort haben die Kinder und Jugendliche in der Vergangenheit ihre Karte ja am meisten genutzt.
So etwas ist natürlich immer ein Kompromiss. Noch einmal: Wir werden nicht sparen, ohne dass es niemand merkt. Dieser Illusion können wir uns nicht hingeben.

Aber wo genau wird bei der Freikarte denn gespart, wenn sie auf Volksfesten nicht mehr eingesetzt werden darf?
Wir haben damit wahrscheinlich ein geringeres Ausgabevolumen im Bereich der Freikarte. Vielleicht haben wir es auch nicht, das werden wir sehen. Bei den einzelnen Maßnahmen können wir jetzt noch nicht konkret alles beziffern.
Quelle: https://www.butenunbinnen.de/nachrichten/finanzsenator-sparmassnahmen-senat-bremen-100.html

Sorry, da kriegt man doch das Kotzen. Die FreiKarte wäre das erste Projekt, welches ich komplett einstampfen würde, denn sie kommt nicht nur benachteiligten Kindern zu Gute, sondern allen, also auch den Kindern, die durch die FreiKarte am Ende nicht mehr Freizeitaktivitäten dadurch genießen. Meine Kinder haben sie auch bekommen und ich habe nicht nur einmal mitbekomme, dass die Eltern die Karte in Indoorspielplätzen und Co dafür nutzen, um für sich und Freunde Kaffee und Essen zu erwerben  >:(

Tagelöhner

Zitat von: MoinMoin in 12.06.2025 07:24
Aber leider haben aber sich sowohl die Beamten von diesem Dienst und Treueverhältnis geistig verabschiedet und denken zunehmend wie Angestellte, als auch die Dienstherren, die sich zunehmend wie reine Arbeitgeber verhalten.

Insofern ist deine Empörung nachvollziehbar.

Teile ich so definitiv. Dies trifft besonders auf die sogenannten "Quereinsteiger" zu, die sich durch einen Wechsel vom Angestellten- in das Beamtenverhältnis zu einseitig auf die tiefhängenden Früchte konzentriert haben und daher nur die Vorteile bedacht haben.

Die klassischen Beamtenlaufbahnen, in denen Anwärtern auch noch die Grundzüge des Beamtendaseins vermittelt werden, sind hiervon nicht ganz so stark betroffen.

In 1-2 anderen Bundesländern ist die 41h-Woche im Beamtenbereich ja bereits gesetzt. Wenn man mal ehrlich ist, wird die Zeit doch überwiegend sowieso nur abgesessen und nicht mehr produktiv genutzt. In Zeiten von mobilem Arbeiten/Homeoffice und erhöhten Krankheitsquoten holt sich das das Individuum sowieso nicht selten an anderer Stelle wieder zurück.

Wer geglaubt hat, dass in Zeiten größer werdender haushalterischer Sparzwänge ("es wird niemandem etwas weggenommen"  ;D) und dem sogenannten "Fachkräftemangel" bzw. der demografischen Entwicklung auch noch die Wochenarbeitszeit reduziert wird, ist halt etwas realitätsfern. In diesem Fall wird die Wochenarbeitszeit jetzt um 1 Stunde pro Woche (also 12 Minuten pro Arbeitstag) erhöht und für den ein oder anderen geht bereits die Welt unter.
Nur mit ausgeprägtem Sinn für Humor weiterlesen: Ich habe nichts gegen Beamte, wirklich! Die tun ja nix! :-)