Tarifrunde TV-L 2025 - Diskussion I

Begonnen von Admin, 15.11.2025 17:26

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ignaz

Wenn man das "Glück" hat in einer Behörde zu arbeiten, wo Beamte und TBs Hand in Hand arbeiten und gleichartige Aufgabenfelder bearbeiten, sich gegenseitig vertreten usw. Dann fragt man sich als TB schon, wie ein System so dauerhaft Bestand haben kann.

Nehmen wir mal den ganz normalen e11er vs  a11er, verheiratet, 2 Kinder. Nix besonderes. Den Single Beamten lassen wir mal meckernd außen vor.

Dienstreisen: TB - >10h Tag max, Beamter 12h (Vorteil) - teilweise haben TBs bei uns damals keine Dienstreisen durchgeführt, bzw. wollten Sondergenehmigungen, damit sie 12h schreiben können

Pension: TBL + VBL ist nicht ansatzweise mit der Beamtenpension vergleichbar -> Beamter ist deutlich im Vorteil

Versetzungsgefahr im Land: - >Wo denn? Bitte ein Beispiel -> ich kenne einige, wo das angedacht war. Dann kam die Familien und Sozialkarte und zack hat man jemand anderen gefunden oder ist davon ganz zurückgetreten.
(Beim Bund sieht das tatsächlich anders aus). Und falls ja, gibts Trennungsgeld usw.

Familienzuschlag: TB = 0 - Beamter -> Familienzuschlag - je mehr Kinder, desto "reicher" - bei TB - je mehr Kinder, desto "ärmer"

Corona: Anzahl genehmigter Kinderkrankentage für Beamte waren ungleich höher -> leider keine Nachweise mehr

Kosten für den AG + Entgelt: TB = Teuer (viel Brutto, wenig Netto (vom Brutto)) , Beamter (weniger Brutto, viel Netto)

Kredite, Versicherungen usw: TB im Nachteil zum Beamten (sichere Bank für den Kreditgeber...)

Krankheiten: Siehe die Fälle der Lehrer in den Medien - klar gibt es auch langfristige Erkrankungen bei TBs - man hat aber zumindest nach 72 Wochen die Möglichkeit die Person dann auch zu kündigen. Insgesamt komplexes Thema.

Besoldungsstufe vs. Entgeltgruppe: Der TB kann bei wegfallenden Tätigkeiten seine EG verlieren, der Beamte kann auch mit ner A11 den Gärtner spielen, wenn der Dienstherr keine höherwertige Aufgabe für ihn findet. Selbst mit "nicht brauchbaren" Personen A13 erlebt, die dann den e10er Job "erfüllen" sollten.

Wir finden sicher haufenweise weitere "Vorteile" - weniger Nachteile bei den Beamten. Zumindest habe ich nach 20+ Jahren für mich eines feststellen können. Der Tarifbeschäftigte kann zwar manchmal höher und schneller an seine EG kommen (sonst würde wohl niemand sich überhaupt bewerben) ist nach kurzer Zeit dem Beamten aber deutlich schlechter gestellt durch haufenweise teilweise "versteckte" Vorteile.

Der Beamte winkt aus dem Wattebausch einer Parallelwelt und meckert, dass es ihm so schlecht geht. Sorry, aber ich wünsche jedem, der das Beamtentum als Nachteil gegenüber den TBs sieht mal einen Monat als Tarifbeschäftigter. Vielleicht hilft das einigen mal ihre eigenen Vorteile gegenüber den TBs zu erkennen.

In meinem Verständnis ist das ganze immer noch ein 2 Klassen System und wird es auch bleiben.

Diese Aussagen hier beziehen sich übrigens auf ganz normale Verwaltungsbeamte.

Schauen wir zur Bundeswehr, Forst- oder Polizei, wo auch haufenweise Beamte in Verwaltungsnahen Jobs wie Sachbearbeitung, Projekten usw. unterwegs sind und teilweise nicht mal Uniformen tragen, werden die Unterschiede aufgrund der ganzen Zulagen deutlich krasser. Da gibts dann die Polizeizulage (die wird immer gezahlt, egal welche Dienstart (Streife oder Büro), Amtszulagen, Cyberzulage usw. usw....

Wie gesagt, man kann alles easy regeln im TV-L. Man müsste nur mal Zulagen zu bestimmten Berufsgruppen oder bei entsprechenden Verantwortungsbereichen als für den AG verpflichtend machen. Dann wäre schon ein großer "unfairer" Baustein vom Tisch.

PS: Ich würde sofort auf meiner EG zum Beamtentum wechseln. Leider keine Chance bei uns im Land.


InfoPLS

Guter Vergleich.
Und was ich noch hinzufügen wollte - da hier die teure KV angesprochen worden ist für den armen Beamten.
Dafür genießt man als Privatpatient auch deutliche Vorteile gegenüber dem Kassenpatienten.
Ein weiteres BSP für die Zwei-Klassen-Gesellschaft.

Würde auch jederzeit ins Beamtentun wechseln. Pension und KV reicht da schon als Vorteil.

Faunus

Zitat von: Faunus in 27.11.2025 13:24
Das Reformen im Beamtentum dringend benötigt werden... kein Thema. Das geht schon bei dem Begriff "hoheitliche Aufgaben"los, zu der Überlegung, ob tatsächlich so viele Landesbeamte notwendig sind....

Aber was das alles mit den Tarifverhandlungen zu tun haben soll, erschließt sich mir überhaupt nicht.
Es ist Sache der jeweiligen Landesregierung (AG-Seite), ob sie die neu ausgehandelten Tarifbedingungen für TBs auf die Beamten überträgt, aber sie muss die neuen Tarifbedingungen bei den Gewerkschaftsmitglieder anwenden - d.h. letztlich auch die Nicht-Gewerkschaftsmitglieder haben eine ähnliche Position wie die Beamten - KANN/Goodwill/was auch immer von Seiten der AG.

Oder täusche ich mich da? ???

doro

Ich kann das Unwissen von vielen Angestellten einfach nicht mehr hören. Wenn dieses Narrativ viele Medien und Parteien/Politik aus Eigeninteressen bespielen und mit den manipulativen Vergleichen von durchschnittlicher Rente vs. durchschnittlicher Pension kommen oder mit den vergleichenden Prozenten 48% vs. 71%(Brutto!!!) und darauf viele reinfallen, kann ich das ja noch ein wenig verstehen.

Aber als Angestellte im öD sollte man das doch etwas besser im Blick haben. Ich kann nur von meinen persönlichen Erfahrungen berichten und ich als A11 im gehobenen Dienst habe ca. 400 Euro Netto monatlich weniger als meine angestellten Kollegen, ich werde weniger Pension haben als sie und ich muss wöchentlich mehr arbeiten als sie.

Es ist ein Irrwitz wie wenig darüber bekannt ist, weil der durchschnittliche Beamte leider ein Lehrer in der A13 ist, am besten noch verheiratet und zwei Kinder hat. Du bist im mittleren Dienst und nicht bei Feuerwehr oder Polizei? Lass die Verbeamtung sein. Du bist bei einer Kommune oder beim Bund und nicht im höheren Dienst? Lass es sein.

Hört bitte auf diese Narrative zu verbreiten, das Beamtentum wäre grundsätzlich besser gestellt, wie so oft im Leben kommt es einfach auf den Einzelfall an.

Vollender

Zitat von: Farold in 27.11.2025 15:12
... Zweiklassengesellschaft pur.

Ist so. Bringt uns Angestellte aber auch nicht weiter. Daher sollten wir die Diskussion auf unsere Belange fokussieren (TV-L).

Vollender

Können wir zur Tarifrunde TV-L zurück kommen? Beamte haben einen eigenen Bereich.

Verfassungsmäßige

Back to topic oder DJ Dressel legt wieder die alte Platte auf, kein Geld

HammerImaSchon

ZitatLaut Dressel:
2013-2025
Entgelte um 42% gestiegen bei nur 33,6% Inflation

Ich mag vielleicht nicht in der Realität leben, aber mein Bauchgefühl sagt mir was anderes. Vielleicht mögen die Zahlen sogar stimmen, aber irgendwie hab ich das Gefühl, dass hier Dinge schöngerechnet werden oder zumindest der betrachtete Zeitraum besonders vorteilhaft für die TdL gewählt wurde.

Hat da jemand einen Faktencheck zu?

HammerImaSchon

Zitat von: HammerImaSchon in 27.11.2025 21:04
ZitatLaut Dressel:
2013-2025
Entgelte um 42% gestiegen bei nur 33,6% Inflation

Ich mag vielleicht nicht in der Realität leben, aber mein Bauchgefühl sagt mir was anderes. Vielleicht mögen die Zahlen sogar stimmen, aber irgendwie hab ich das Gefühl, dass hier Dinge schöngerechnet werden oder zumindest der betrachtete Zeitraum besonders vorteilhaft für die TdL gewählt wurde.

Hat da jemand einen Faktencheck zu?

Hab mein jetziges Jahresbrutto mit dem 2013 Jahresbrutto im Entgeltrechner verglichen und komme auf ähnliche Werte, sowie ähnlich Werte in Inflationsrechnern.

Woher kommt dann das Gefühl, dass der Öffentliche Dienst unterbezahlt ist? Welcher Aspekt wird hier ausgeblendet?
War der TV-L 2013 schon unterbezahlt? Werden im Vergleich mehr Stunden pro Woche gearbeitet?

Iunius

Zitat von: HammerImaSchon in 27.11.2025 21:34
Hab mein jetziges Jahresbrutto mit dem 2013 Jahresbrutto im Entgeltrechner verglichen und komme auf ähnliche Werte, sowie ähnlich Werte in Inflationsrechnern.

Woher kommt dann das Gefühl, dass der Öffentliche Dienst unterbezahlt ist? Welcher Aspekt wird hier ausgeblendet?
War der TV-L 2013 schon unterbezahlt? Werden im Vergleich mehr Stunden pro Woche gearbeitet?

Weil das Gras auf der anderen Seite immer grüner ist (siehe Beamten/Angestellten) Diskussion. Dabei wird die Realität immer zweitrangig sein.

MoinMoin

Zitat von: HammerImaSchon in 27.11.2025 21:04
ZitatLaut Dressel:
2013-2025
Entgelte um 42% gestiegen bei nur 33,6% Inflation

Ich mag vielleicht nicht in der Realität leben, aber mein Bauchgefühl sagt mir was anderes. Vielleicht mögen die Zahlen sogar stimmen, aber irgendwie hab ich das Gefühl, dass hier Dinge schöngerechnet werden oder zumindest der betrachtete Zeitraum besonders vorteilhaft für die TdL gewählt wurde.

Hat da jemand einen Faktencheck zu?
Also mein Bauchumfang ist zum Glück nur um 20% gestiegen.
Und natürlich sucht sich jeder sein im passendes Intervall aus. Nimm den Zeitraum der letzten 5 Jahre und die Realität sieht wieder anders aus.

Wer Entgelt mit der Inflation vergleicht, macht schon mal den einen Fehler, dass er die falschen Realitäten miteinander vergleicht.

Sinnvolle Vergleiche im öD wären die allgemeine Lohnentwicklung als Massstab oder das Bruttosozialprodukt.

Knarfe1000

Zitat von: Tagelöhner in 28.11.2025 09:07

Die Schere zwischen beiden Systemen wird auch weiter aufgehen, da das Beamtendasein verfassungsrechtlichen Schutz genießt und eine starke Lobby hat.
Ich habe fast meinen Kaffee auf die Tastatur gespuckt, Danke für diesen tollen Gag zum Wochenende    ;D

Ornaki

So als generelle frage zu den Tarifverhandlungen. Warum ist der DBB überhaupt bei den Tarifverhandlungen dabei? Meines Wissens nach wird die Beamtenbesoldung durch Gesetzesbeschluss angepasst und ist zwar oft ähnlich zum TVL, hat aber mit diesem eigentlich nichts zu tun? Oder?

Tagelöhner

Weil nach außen gerne der "Schulterschluss zwischen Angestellten und Beamten" propagiert wird, so von wegen "gemeinsam sind wir stark, wir dürfen uns nicht auseinandertreiben lassen". Stattdessen werden knallharte Eigeninteressen verfolgt. Das passiert dann aber garantiert auch gerne in den Hinterzimmern. Von wegen "Beamte sind das wirkliche Rückgrat des funktionierenden Staatsapparates, sie dürfen nicht streiken, auf sie ist daher Verlass, besonderes Dienst- und Treueverhältnis...".

Der DBB weiß genau, dass der zu verteilende Kuchen begrenzt ist, zumal es so etwas wie ein ungeschriebenes Gesetz ist, dass der Tarifabschluss "systemgerecht", also in aller Regel inhalts- und zeitgleich" auf die aktiven Beamten UND Pensionäre übertragen wird. Dieser entstehende Kostenblock für die Haushalte ist aufgrund der Anzahl von Beamten und Pensionären dann aus meiner Erinnerung von Berechnungen vor ein paar Jahren 2-3x höher. Hier gilt also eher der Schulterschluss zwischen Dienstherr und Interessenvertretung der Beamten auf Kosten der tariflichen Interessen. Dies wird meistens außerdem auch eher im beruflichen Alltag deutlich, z.B. was spätere Karrieremöglichkeiten, Personalentwicklungen usw. angeht. Das weiß auch der DBB.
Nur mit ausgeprägtem Sinn für Humor weiterlesen: Ich habe nichts gegen Beamte, wirklich! Die tun ja nix! :-)

troubleshooting

Zitat von: Ornaki in 28.11.2025 10:13
So als generelle frage zu den Tarifverhandlungen. Warum ist der DBB überhaupt bei den Tarifverhandlungen dabei? Meines Wissens nach wird die Beamtenbesoldung durch Gesetzesbeschluss angepasst und ist zwar oft ähnlich zum TVL, hat aber mit diesem eigentlich nichts zu tun? Oder?

Der DBB vertritt nicht nur Beamte. Bei meinem früheren AG war zB der BTB (Mitglied beim DBB) insgesamt wesentlich stärker vertreten, als verdi.