Tarifrunde TV-L 2025 - Diskussion II

Begonnen von Rowhin, 16.01.2026 17:02

Vorheriges Thema - Nächstes Thema

Warnstreik

Zitat von: Iunius in Heute um 09:23Aber das ist auch wieder nur eines: die Neiddebatte. JA der Staat gibt zu viel Geld für Beamte aus und diese Wahrheit setzt sich derzeit auch durch in der Politik, soweit gut.
Hilft uns hier aber reichlich wenig.
Als Tarifbeschäftigte über die Kollegen zu jammern gewinnt weder einen Blumentopf noch eine Lohnerhöhung denn das ist es was wir haben: Lohn und keine Alimentation und dafür muss halt gearbeitet werden.

Man muss dann aber eben klarmachen: Angestellte sind Angestellte und Beamte sind Beamte. "Wir verhandeln hier für unsere Angestellten Mitglieder" wäre der richtige Ansatz. Aber das wird (aus meiner Sicht) leider gänzlich anders gelebt.

Garfield

Das Problem ist nicht, dass Beamter den Familienzuschlag bekommen, sondern dass Angestellte ihn nicht bekommen.
Kann auch diese infantilen Sprüche von der Karnickelprämie nicht wirklich verstehen.
An allen Ecken und Enden wird über Migration gemosert und der Untergang des Abendlandes herbeigeschrien.
Aber dass viele Frauen kein zweites Kind kriegen weil sie es sich nicht leisten können ist halt ein Fakt.
Natürlich könnte der Staat als Arbeitgeber dagegen steuern und Familien wieder attraktiver machen.

Und ich finde schon, dass das auch durchaus über einen Tarifvertrag geschehen kann. Andere Instrumente wie Kindergeld haben eine viel zu hohe Streuwirkung und werden z.B. auch ins Ausland überwiesen.

Iunius

Zitat von: cyrix42 in Heute um 09:40Was genau soll dieses unreflektierte, weil offensichtlich nicht an der Realität orientierte Lehrer-Bashing hier?

Und hast du bedacht, dass die meisten Lehrkräfte während der Schulzeit deutlich mehr als 40h/Woche leisten?

Elternabende, Unterrichtsvorbereitung, Fortbildungen, Korrektur, ...

In BW beträgt das reguläre Lehrdeputat für Lehrkräfte an Grundschulen 28 Schulstunden / Woche. Das ist eine ganze Menge Aufwand. Und, btw: Ab dem neuen Schuljahr 2026/2027 haben die Erstklässler_innen bundesweit ein Anrecht auf Ganztagsschulbetreuung, was dann mit diesem Jahrgang bis zur vierten Klasse aufwächst.

Dass man Lehrkräfte nicht verbeamten müsste, da ihre Tätigkeiten zum Großteil nicht hoheitsrechtlich sind (bezüglich der Vergabe von Abschlusszeugnissen, die in die Berufsfreiheit eingreifen, weil man verschiedene Berufe nicht ohne entsprechende Abschlüsse ergreifen kann, mal abgesehen), ist eine andere Frage. (Das der Lehrer_in-Beruf auch so nicht attraktiv genug ist, als dass sich genügend Personen in relevanten Fächern dafür finden, ist aber auch festzustellen...)

Aber all dies hat wenig mit den Tarif-Verhandlungen für uns Angestellte zu tun.

Ich war mir jetzt nicht sicher ob ich überhaupt antworten soll, aber seis drum:

Genau das war was ich schrieb: Bashing hilft keinem. Ich habe lediglich auf die Tatsachen verwiesen wo und wer welche Wiesen grüner finden kann oder seine als zu grau abstempeln muss. Mein Beitrag war als direkte Antwort formuliert auf den Kontext:

"Lehrer nach 7 Jahren Studium bekommen weniger als 5.000€ brutto und lägen monatlich damit bei "nur" 3k Euro netto."

Lehrer sind verdammt gut bezahlt, das ist richtig so und hat gute Gründe, aber Lehrer werden eben auch über EGO bezahlt wenn sie nicht verbeamtet sind (und das sind zumindest in BW die wenigsten) gleichzeitig gilt für sie trotzdem das Beamtenrecht in großen Teilen also tariflich eher unbeachtlich.
Und mal im Klartext: ich habe 3 Kinder und es gab jeweils 1 Elternabend pro Jahr in der Grundschule, das ist auszuhalten. Bei 2 pädagogischen Tagen pro Jahr (Schulausfall) etc.
Meine Frau ist Grundschullehrerin und ja, sie arbeitet viel und auch oft am Abend. Aber sie ist seit der Reform mit 82k brutto im Jahr sicher nicht unterbezahlt und 6 Wochen Urlaub im Jahr sind locker drin und davon träume ich.

Wer aber unterbezahlt ist das sind die E12+ Kräfte (vielleicht auch E11 da kenn ich micht nicht aus).

Und zum Anspruch der GTS: Ja da hast du recht, das müssen aber nicht primär die SCHULEN leisten sondern die Gemeinden, dafür muss kein einziger Lehrer länger arbeiten wenn seine Schule nicht entscheidet GTS zu werden. 

Ich stimme aber umfänglich zu: Es sollte kein Lehrerbashing sein, nur eine Klarstellung und bashing hilft nicht, nur eine Besinnung auf unsere eigenen Stärken im ÖD - Länder hilft uns ein akzeptables Ergebnis zu bekommen.

Zitat von: Warnstreik in Heute um 09:50Man muss dann aber eben klarmachen: Angestellte sind Angestellte und Beamte sind Beamte. "Wir verhandeln hier für unsere Angestellten Mitglieder" wäre der richtige Ansatz. Aber das wird (aus meiner Sicht) leider gänzlich anders gelebt.

So ist es!

MoinMoin

Ich finde die Fragestellung, ob es heutzutage mit dem EU Recht erlaubt ist, einen Kinderzuschlag tariflich zu vereinbaren, recht interessant.
Wenn dem so ist, dann braucht man auch nicht weiter denken.
Und das Beamte ein FamZuschlag bekommen ist halt ein logische Folge des Grundgesetzes und des Berufsbeamtentums, also muss man auch darüber nicht lamentieren.

Wenn der Staat also Kinder monetär fördern will, dann muss er halt das Kindergeld erhöhen.

Und solche Diskussionen ob und wann Kindergeld ins Ausland zugehen hat, dass ist dann ein Detailfrage.
Oder findet es jemand es falsch, wenn ein Angestellter, der im Ausland arbeitet kein Kindergeld erhält?
Oder das man kein Kindergeld bekommt, wenn das Kind im Ausland studiert/zur Schule geht .....




Ingenieur007

Zitat von: Warnstreik in Heute um 09:50Man muss dann aber eben klarmachen: Angestellte sind Angestellte und Beamte sind Beamte. "Wir verhandeln hier für unsere Angestellten Mitglieder" wäre der richtige Ansatz. Aber das wird (aus meiner Sicht) leider gänzlich anders gelebt.

Bei beamte.verdi ist von einer "Tarif- und Besoldungsrunde der Länder" die Rede. Definitiv sind Beamte für Tarifangestellten der Länder ein sehr massiver Bremsklotz bei den TV-L Verhandlungen. Wir reden auch mit der Leitung sehr offen darüber. Unser Chef hat mir kürzlich berichtet, dass er und andere Standorte auf bessere Bezahlung gerade höherer EG drängen (JSZ etc.). Aber angeblich wären es die Gewerkschaften die hier stark bremsen. Ob da wirklich was dran ist keine Ahnung. Wir erfahren wie so oft wenig was wirklich hinter den Kulissen läuft.

So oder so sollte man heute für sich Plan B, C und D in der Tasche haben. Es ist sehr vieles im Umbruch (Strukturwandel, Digitalisierung & KI, politische Fragmentierung). Deutschland befindet sich in einer Phase beschleunigter Veränderungen mit Übergang in eine komplexere Realität.

Man sollte sich nicht auf eine Einnahmequelle verlassen.

ImöDBeschäftigt

Bezüglich einer Kinderzulage möchte ich nur mal darauf hinweisen, dass es die in Hessen, genauer im TV-H gibt. Mit 100€ pro Kind, bzw. ab dem 3. Kind dann 153€ zwar erheblich niedriger als bei den Beamten, aber es gibt eine. Entweder lässt EU Recht das also zu oder es wurde nur noch nicht dagegen geklagt.

Meierheim

Zitat von: ImöDBeschäftigt in Heute um 12:42Bezüglich einer Kinderzulage möchte ich nur mal darauf hinweisen, dass es die in Hessen, genauer im TV-H gibt. Mit 100€ pro Kind, bzw. ab dem 3. Kind dann 153€ zwar erheblich niedriger als bei den Beamten, aber es gibt eine. Entweder lässt EU Recht das also zu oder es wurde nur noch nicht dagegen geklagt.
In Frankreich gibt es einen Supplément familial (Familienzuschlag) für alle Angestellten und Beamten im öffentlichen Dienst mit Kindern unter 20 Jahren. Aber vielleicht widerspricht das ja auch dem EU-Recht.

Warnstreik

Zitat von: Garfield in Heute um 10:02Das Problem ist nicht, dass Beamter den Familienzuschlag bekommen, sondern dass Angestellte ihn nicht bekommen. Kann auch diese infantilen Sprüche von der Karnickelprämie nicht wirklich verstehen.
An allen Ecken und Enden wird über Migration gemosert und der Untergang des Abendlandes herbeigeschrien.
Aber dass viele Frauen kein zweites Kind kriegen weil sie es sich nicht leisten können ist halt ein Fakt.
Natürlich könnte der Staat als Arbeitgeber dagegen steuern und Familien wieder attraktiver machen.

Man kann ja gerne als Arbeitgeber eine Kinderprämie oder sowas ausloben - in einen Gehaltstarifvertrag gehört das allerdings nicht. Gibt auch so ziemlich keine andere Branche wo sowas tarifvertraglich geregelt wäre... 
Was sind "viele"? Wer bestimmt den Unterschied zwischen nicht leisten können und nicht leisten wollen? Sowas als Fakt darzustellen finde ich schwierig.

Gleiches gilt im übrigen für die Bezahlung nach Lebensalter, man lernt doch dazu...




Zitat von: Garfield in Heute um 10:02Und ich finde schon, dass das auch durchaus über einen Tarifvertrag geschehen kann. Andere Instrumente wie Kindergeld haben eine viel zu hohe Streuwirkung und werden z.B. auch ins Ausland überwiesen.

Streuwirkung?

TVLfan

Zitat von: ImöDBeschäftigt in Heute um 12:42Bezüglich einer Kinderzulage möchte ich nur mal darauf hinweisen, dass es die in Hessen, genauer im TV-H gibt. Mit 100€ pro Kind, bzw. ab dem 3. Kind dann 153€ zwar erheblich niedriger als bei den Beamten, aber es gibt eine. Entweder lässt EU Recht das also zu oder es wurde nur noch nicht dagegen geklagt.

Danke für die Info. Das hätte ich dann auch gerne in NRW, aber bitte dann rückwirkend seit Geburt der Kinder. Dann würde es auch mal Nachzahlungen geben wie bei den Beamten....Das wäre himmlisch.

Zum Thema Lehrer: Die gleiche Besoldungsproblematik ist in der Justiz auch. Gleiche Arbeit und auch hier bekommen die Beamten viel mehr....Bitte nicht falsch verstehen kein Bashing...

Faunus

Zitat von: Warnstreik in Heute um 15:36Man kann ja gerne als Arbeitgeber eine Kinderprämie oder sowas ausloben - in einen Gehaltstarifvertrag gehört das allerdings nicht. Gibt auch so ziemlich keine andere Branche wo sowas tarifvertraglich geregelt wäre...

Das haben die vielen Highperformer im ÖD noch nicht bemerkt.
Ich kenne keinen Tarifvertrag, in dem zum vertraglich zugesicherten Gehalt für die vertraglich geschuldeten Arbeit noch zusätzlich Kinder bezahlt werden.

Es wird schon langsam irrwitzig!


Ingenieur007

Beim BAT gab es sowas. Auch bei der Überführung in die TV wurde teils die Kinderzulage als Bestandsschutz bis zum 18. Geburtstag weiter gezahlt.

Ändert nichts am starken Rückstand des TV-L gerade in höheren EG (einschließlich JSZ). Gewerkschaften sollten hier Widerstand aufgeben und Solidarität zeigen gegenüber höheren EG. Von denen sie gleiches wiederkehrend erwarten in Form von   Verzicht und Pauschalbeträgen.

Pädi07

Das wäre eine nette Geste, allein, ich glaube nicht dran. Und wenn dann kommt für die oberen EG etwas von der AG Seite, wie damals die Stufe 6.
Gab es nicht auch mal die Idee, die Stufe 6 weiter auszubauen, also speziell zu erhöhen?

PiratJack1991

Zitat von: Iunius in Heute um 09:23Damit liegt der verbeamtete Kollege in BW, verheiratet, 2 Kinder, Lohnsteuerklasse 1 schon im Anfangsjahr bei 4.448 Netto.

Ich bin hier drüber gestolpert. Meines Wissen kommt man in die Lohnsteuerklasse 3 mit der Hochzeit, Alternativ 4 oder 4 Mit Faktor. Wenn man der Partner ist der weniger verdient, dann 5. 6 bei Zwei Vollen Jobs. 2 Bekommt man meines Wissens, wenn der Partner stirbt für eine Bestimmte Zeit, danach wieder in die 1.

Also passt in meinen Augen 1 mit Verheiratet nicht zusammen, bitte bestätigen oder korrigieren.
Liebe Grüße
PiratJack1991

Iunius

Zitat von: Faunus in Heute um 16:48Das haben die vielen Highperformer im ÖD noch nicht bemerkt.
Ich kenne keinen Tarifvertrag, in dem zum vertraglich zugesicherten Gehalt für die vertraglich geschuldeten Arbeit noch zusätzlich Kinder bezahlt werden.

Es wird schon langsam irrwitzig!

Dann kennst du den BAT nicht oder den AVR ... was wohl eher dem Konzept "Irrwitz" entspricht.

Steht aber auch nicht auf der Agenda der Gewerkschaften, deshalb: bekommen wir nicht. Was wir aber durchsetzen könnten wären 100% Jahressonderzahlung, die sind längst fällig und sollten wirklich erkämpft werden.
Sollte es wirklich zu einer vierten Verhandlungsrunde kommen sollte auch entsprechend gestreikt werden, von allen, nicht nur den Verdis.

Iunius

Zitat von: PiratJack1991 in Heute um 18:11Ich bin hier drüber gestolpert. Meines Wissen kommt man in die Lohnsteuerklasse 3 mit der Hochzeit, Alternativ 4 oder 4 Mit Faktor. Wenn man der Partner ist der weniger verdient, dann 5. 6 bei Zwei Vollen Jobs. 2 Bekommt man meines Wissens, wenn der Partner stirbt für eine Bestimmte Zeit, danach wieder in die 1.

Also passt in meinen Augen 1 mit Verheiratet nicht zusammen, bitte bestätigen oder korrigieren.

Stimmt natürlich, Lohnsteuerklasse 4 wäre der Normalfall wenn kein Antrag auf 3/5 eingeht. Daher wären wir bei 4473€, ich hatte 25 unterschlagen, Verzeihung.