Tarifrunde TV-L 2025 - Diskussion II

Begonnen von Rowhin, 16.01.2026 17:02

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Muschebubu

Zitat von: daseinsvorsorge in Gestern um 23:02Na dann können Sie und alle Gleichgesinnten Ihre Interessen auch in eigenen Verhandlungen mit dem AG auch selber vertreten und auch selber
verantworten.

Weil man aber keinen Arsch in der Hose hat oder es dem AG bei ca. 95% völlig gleich ist, ob diese mit Kündigung drohen, lässt man seinen Frust dann doch lieber an den Gewerkschaften aus, anstatt sich mit den eigenen Versagen auseinanderzusetzen.



Vielleicht machen das auch welche und kritisieren dennoch hier, weil die/wir das können? Ist das gerade so ein Ding von Gewerkschaftlern im Sinne von ,,Kundenakquise"? Der Versuch hier, Kommentatoren das Schreiben zu verbieten, weil das anstehende Ergebnis eben doch nicht das größte und tollste seit der Erfindung des Universums ist? Irgendwie seid ihr gerade mächtig nervös, scheint mir.

daseinsvorsorge

Zitat von: Bastel in Heute um 00:01Darf man dann auch nicht mehr die unfähige Bundesregierung kritisieren, wenn man nicht in der CDU/SPD ist?
Das Totschlagargument - aber Was soll Kritik an den Gewerkschaften bringen, wenn man als Nichtorganisierter für seine eigene Verhandlungen und dessen Ergebnisse verantwortlich ist?

Und nochmal für alle , die es nicht verstehen wollen: die Verhandlungen der Nichtorganisierten mit den AGs besteht  für 95%  darin: gehen oder bleiben- eine kurze Verhandlung - aber es bleibt eine Verhandlung.

Und für was ich mich auch immer entscheide; es bleibt die eigene Verantwortung und nicht die Verantwortung der Gewerkschaften.

DiVO

Zitat von: Muschebubu in Gestern um 22:50Ich darf ja wohl eine Meinung haben, dass mich diese Gewerkschaft noch nie vertreten hat und bei nahezu jeder Verhandlungsrunde bestätigt, dass gesparte Beiträge sinnvoll anders verwendet werden können.
Wie und warum soll dich eine Gewerkschaft vertreten, wenn du nicht bei ihr Mitglied bist? Deine Argumentation liest wie erzkonservatives Gedankengut nach dem Motto "Do ut des" - "Ich gebe, damit du gibst". Oder auf deine Situation umgemünzt: "Liebe Gewerkschaft, gib du erstmal genau das Ergebnis, das ich mir vorstelle, und dann gebe ich dir vielleicht meine Mitgliedschaft."

Diese Erwartungshaltung ist grandios und so symptomatisch für viele Probleme im öD. Jeder weiß alles besser, möchte aber keinerlei Verantwortung übernehmen und lieber nachdem etwas schief gelaufen ist mit erhobenem Zeigefinger auf die anderen zeigen.

Ich war einige Jahre bei einem Mittelständler ohne Tarifbindung. Da hat jeder für sich selbst sein Gehalt mit dem Firmeninhaber bzw. dessen Frau verhandelt. Einen Anspruch auf Übertragung der Verhandlungsergebnisse des Kollegen auf einen selbst gab es nicht und hat auch keiner erhoben. Warum auch?

Wenn ich die Kommentare hier in diesem Forum querlese, frage ich mich immer öfters, warum sind Leute wie du eigentlich noch im öD beschäftigt und nicht schon längst irgendwo anders beschäftigt oder sogar selbständig? Die Arbeitsbedingungen inkl. Arbeitsbelastung, Arbeitgeber inkl. Vorgesetzte, Bezahlung und Gewerkschaften sind ja alle fürchterlich. Oder vielleicht doch nicht so fürchterlich, wie mancher hier behauptet? Oder hat man es sich in der persönlichen Komfortzone inzwischen so bequem eingerichtet, dass man lieber meckert, als sich weiterentwickelt?

Hens

Ist immer wieder das gleiche, am Ende gehen hier sich die User an. Die einen spotten über die Gewerkschaften, die anderen die nicht in der Gewerkschaft sind.

Ist in der Tat auch ein wenig das Henne/Ei Problem. Zu wenig Gewerkschafter aus oberen Gruppen & gleichzeitig aber auch kaum Einsatz für eben jene - was war zuerst und wer ist schuld?

Ich würde mich von der Betrachtungsweise gerne lösen. Ohne jeden Zweifel ist es toll, dass es Gewerkschaften gibt. Auf der anderen Seite muss man auch nicht alles gut finden. Was sich bei mir in eben jener Frage stellt - sollte die Gewerkschaft wirklich so auf Geld ausgelegt sein? Ist ein sozialer Ansatz nicht eigentlich der, alle Menschen gleich zu repräsentieren und auch für Minderheiten (bei den eigenen Mitgliedern) einzustehen? Solange dies nicht passiert, werden diese Minderheiten auch verstärkt austreten oder eben gar nicht mehr eintreten. Absolut nachvollziehbar und die logische Konsequenz aus dem was gemacht wird. Ich zahle auch nicht dauerhaft genauso viel wie andere in eine Rechtschutzversicherung, wenn diese dann im Ernstfall mich nur am Rande vertritt. Wenn wieder ein Sockelbetrag kommt und keine Angleichung der JSZ, dann wäre das jedenfalls wieder ein Schlag ins Gesicht aller höheren Gruppen und wird zwangsläufig die Situation weiter verschärfen.

Aber jetz mal wieder zurück zur Verhandlung selbst. Weiß jemand wie lange das Treffen für heute angesetzt ist und bis wann wir mit einer Verkündung rechnen können?

Schade, dass es hier keine echten Zwischenstand-Meldungen wie bei den Verhandlungen im TVöD gibt. Es wäre wirklich Klasse, falls jemand mit Insider Informationen uns auf dem Laufenden halten könnte.

Rowhin

Zitat von: Hens in Heute um 07:22Schade, dass es hier keine echten Zwischenstand-Meldungen wie bei den Verhandlungen im TVöD gibt. Es wäre wirklich Klasse, falls jemand mit Insider Informationen uns auf dem Laufenden halten könnte.

Tatsächlich sehr schade, denn so können wir nur immer wieder dieselben Diskussionen führen, während wir warten. Das Henne-Ei Problem hatten wir jetzt auch schon dutzende Male (mal nur diese Runde gezählt), und selbst die unsinnige "man darf die Gewerkschaft nur kritisieren, wenn" Diskussion ist doch noch keine 2 Wochen her.

Naja. Hoffen wir mal, dass am Ende des Tages nicht die vierte Verhandlungsrunde die einzige Ankündigung ist.

Heike32

Zitat von: Heike32 in Gestern um 21:38Hier nochmal ein weiteres Update von unserem Personalratsvorsitzenden aus Potsdam:

Gegen 16 Uhr gab es dann ein zweites Angebot der Arbeitgeber. Das konnte man nicht annehmen, da man immer noch zu weit auseinander lag.

Seit 20 Uhr läuft eine Videokonferenz zwischen den Arbeitgebern und den Finanzministern der Länder. Verdi hofft, dass die Verhandlungen danach besser vorangehen

Nach der Videokonferenz mit den Finanzministern hat man noch bis 1 Uhr mit den Arbeitgebern verhandelt. Auch da kam man aber nicht zu einem Ergebnis.
Man rechnet damit, dass man erst am Samstag fertig wird.

Waren die Verhandlungen nicht nur bis heute angesetzt?

Hens

Zitat von: Heike32 in Heute um 07:32Nach der Videokonferenz mit den Finanzministern hat man noch bis 1 Uhr mit den Arbeitgebern verhandelt. Auch da kam man aber nicht zu einem Ergebnis.
Man rechnet damit, dass man erst am Samstag fertig wird.

Waren die Verhandlungen nicht nur bis heute angesetzt?

Vielen Dank Heike!

Gibt es irgendwelche Informationen, in welche Richtung es sich bewegen könnte? Irgendwelche Eckpunkte was zusätzlich zu den vermutlich ~5,5-6 % auf 27 Monate on top kommt?

Es wird am Ende ohnehin sehr wahrscheinlich wieder nah am Ergebnis des TVöD sein. Die Frage ist, ob das für das gesamte Ergebnis gilt oder eben nur für die Prozente, was natürlich dann im direkten Vergleich (1 Tag mehr Urlaub, weniger Wochenstunden, weniger JSZ) schlecht wäre.

Die Verhandlungen selbst sind bis heute angesetzt. Ich weiß aber auch nicht bis wie viel Uhr man hier mit einer Entscheidung rechnet oder ob es einfach so um einen Tag/Abend verlängert werden kann. Wie war das in der Vergangenheit?

Rowhin

Zitat von: Heike32 in Heute um 07:32Nach der Videokonferenz mit den Finanzministern hat man noch bis 1 Uhr mit den Arbeitgebern verhandelt. Auch da kam man aber nicht zu einem Ergebnis.
Man rechnet damit, dass man erst am Samstag fertig wird.

Danke für die Info!

Zitat von: Heike32 in Heute um 07:32Waren die Verhandlungen nicht nur bis heute angesetzt?

Ursprünglich ja - siehe auch Infokasten hier. Das scheint sich aber irgendwann im Vorfeld geändert zu haben, u.a. auf der Homepage von ver.di steht inzwischen der 11. - 13. Februar.

DiVO

Zitat von: Hens in Heute um 07:22Ich würde mich von der Betrachtungsweise gerne lösen. Ohne jeden Zweifel ist es toll, dass es Gewerkschaften gibt. Auf der anderen Seite muss man auch nicht alles gut finden. Was sich bei mir in eben jener Frage stellt - sollte die Gewerkschaft wirklich so auf Geld ausgelegt sein? Ist ein sozialer Ansatz nicht eigentlich der, alle Menschen gleich zu repräsentieren und auch für Minderheiten (bei den eigenen Mitgliedern) einzustehen?

Bei den Tarifergebnissen sind die allermeisten hier auf Geld ausgelegt - siehe Diskussion um die Prozente. Verdi verfolgt doch einen sozialen Ansatz: Sie kümmern sich verstärkt um die "Schwächeren" in den niedrigen EG, die aufgrund ihrer Position und Ausbildung/Bildung auch eine deutlich schlechtere Verhandlungsposition gegenüber den Arbeitgebern haben. Der Ingenieur in E13 wird wohl eher eine 16.5 für sich erwirken können, als die Reinigungskraft in E2.

Vor einigen Seiten wurde in diesem Thread diskutiert, dass der E12-Lehrer mit zwei Kindern in München kaum leben kann. Wie ergeht es dann wohl erst dem Hausmeister in E5? Einer von beiden hat vermutlich ein Ausgabenproblem, der andere ein Einnahmenproblem.


Rheini

Ich kann es nicht nachvollziehen, warum die AN im öffentl. Dienst sich gegeneinander attackieren. Müsste nicht eine Forderung gegenüber den AG gemeinsam für alle durchgesetzt werden?

Derzeit ist die Situation aber für den AG ideal, wenn er die AN Gruppen gegeneinander ausspielen kann.

IchLiebeBeamtentum

Zitat von: Rheini in Heute um 07:56Ich kann es nicht nachvollziehen, warum die AN im öffentl. Dienst sich gegeneinander attackieren. Müsste nicht eine Forderung gegenüber den AG gemeinsam für alle durchgesetzt werden?

Derzeit ist die Situation aber für den AG ideal, wenn er die AN Gruppen gegeneinander ausspielen kann.

In Hamburg konnte vor 15 Jahren der Senat genau das hier Beschriebene, bei der Einführung des Lehrer-Arbeitszeitmodells. Die Mitglieder der Gewerkschaft GEW (einer linker als der andere) haben sich hilflos zerfleischt, die Politiker sahen mit großem Amüsement zu.

sebbo83

Zitat von: DiVO in Heute um 07:52Vor einigen Seiten wurde in diesem Thread diskutiert, dass der E12-Lehrer mit zwei Kindern in München kaum leben kann. Wie ergeht es dann wohl erst dem Hausmeister in E5? Einer von beiden hat vermutlich ein Ausgabenproblem, der andere ein Einnahmenproblem.

Sorry, aber das ist doch eine sehr beschränkte Argumentationslinie. Der E5 Hausmeister kann ein Pakistani sein und lebt mit einem Kumpel in einer 40 m² Wohnung und zahlt anteilig 500 € Miete. Dann hat er immer noch mehr als 1500 € raus und transferiert 1000 € monatlich zu seiner Familie ins Heimatland. Die lebt mit 5 Kindern wie die Maden im Speck, da die Familie durch den monatlichen Transfer das 5fache vom üblichen lokalen Monatseinkommen besitzt.
Was ich damit sagen will, egal wie man eingestuft ist, es ist immer ein individuelles Problem - nie nur ein Einnahme- oder Ausgabenproblem ab einer gewissen Eingruppierung. Der TV-L Beschäftigte in Magdeburg baut sich ab E9 ein Haus, da denkt in München noch nicht mal der E13er darüber nach. Wie will man das tariflich überhaupt lösen? Dann müsste jedes Bundesland einen eigenen TV-L haben. Und selbst das wird schwierig, wenn ich in Bayern die Städte Hof oder München vergleiche.

Ich bin selber in der Gewerkschaft, jedoch in einer der DBB Sparten als Tarifbeschäftigter. Ich gebe aber jeden Recht der sagt, jeder ist seines eigenen Glücks und Erfolgs verantwortlich. Bei vielen wird die Bequemlichkeit gesiegt haben. Wem die Prozente nicht reichen, der hat aber viele Möglichkeiten: Anträge auf Vorweggewährung, 16.5 oder eben die Feststellungsklage. Zu guter Letzt hat man in unserem Land die Wahlmöglichkeit und kann es auch in der Privatwirtschaft probieren. Ganz ehrlich, die Tarifverhandlungen sind nur ein Nebenschauplatz bei den vielen Möglichkeiten - wenn man denkt, dass man unter Wert bezahlt wird.

DiVO

Zitat von: sebbo83 in Heute um 08:24Sorry, aber das ist doch eine sehr beschränkte Argumentationslinie. Der E5 Hausmeister kann ein Pakistani sein und lebt mit einem Kumpel in einer 40 m² Wohnung und zahlt anteilig 500 € Miete. Dann hat er immer noch mehr als 1500 € raus und transferiert 1000 € monatlich zu seiner Familie ins Heimatland. Die lebt mit 5 Kindern wie die Maden im Speck, da die Familie durch den monatlichen Transfer das 5fache vom üblichen lokalen Monatseinkommen besitzt.
Was ich damit sagen will, egal wie man eingestuft ist, es ist immer ein individuelles Problem - nie nur ein Einnahme- oder Ausgabenproblem ab einer gewissen Eingruppierung. Der TV-L Beschäftigte in Magdeburg baut sich ab E9 ein Haus, da denkt in München noch nicht mal der E13er darüber nach. Wie will man das tariflich überhaupt lösen? Dann müsste jedes Bundesland einen eigenen TV-L haben. Und selbst das wird schwierig, wenn ich in Bayern die Städte Hof oder München vergleiche.

Meine Argumentationskette ist genauso beschränkt wie dein Beispiel provokativ und von oben herab ist. Dieses Forum hier ist, wenn man den Beiträgen glaubt, eine Bubble von Personen in >= E10. Die meisten dieser Leute fühlen sich, oft ohne Mitgliedschaft, von Verdi ungerecht vertreten und schreien nach sozialer Gerechtigkeit.

Diese besteht natürlich darin, dass die besagten >= E10er nun doch endlich deutlich mehr Geld erhalten sollen, während die "niedrigen" Jobs doch bitte von Ausländern übernommen werden sollen, die doch mit dem bisherigen Gehalt schon völlig überbezahlt sind. Wow - diese Einstellung hätte ich jetzt in Stammtischgesprächen bildungsferner Personen erwartet und nicht bei hochqualifizierten Beschäftigten im öD.

cyrix42

Was mich wundert, ist, dass man von der GEW so wenig hört. Die sollte doch eher einen Schwerpunkt in den oberen Entgeltgruppen in ihrer Mitgliedschaft haben. Ok, es gibt die "Erwartung" der Einführung einer Paralleltabelle für Lehrkräfte. Aber sonst?

MasterNoname89

Zitat von: Rheini in Heute um 07:56Ich kann es nicht nachvollziehen, warum die AN im öffentl. Dienst sich gegeneinander attackieren. Müsste nicht eine Forderung gegenüber den AG gemeinsam für alle durchgesetzt werden?

Derzeit ist die Situation aber für den AG ideal, wenn er die AN Gruppen gegeneinander ausspielen kann.

Leider ist das das Problem unserer gesamten Gesellschaft. Jeder ist grundsätzlich besser als alle anderen und hat aus diesem Grund auch mehr verdient als diese.

Die Diskussion hier ist fernab von den Tarifverhandlungen und damit auch vom Thema. Ich hoffe, dass die Verhandelnden auf der Arbeitnehmerseite vor Ort geschlossener auftreten und nicht auch ihr eigenes "Parteiensüppchen" kochen.