IT Quereinstieg im gD - Trotz Master?

Begonnen von Ticx, Gestern um 13:18

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Ticx

Hallo

Ich plane meine zukünftige berufliche Laufbahn dem öD zu widmen, einfach weil ich auch etwas in diesem Land bewegen möchte (oder es wenigstens versuchen möchte). Derzeit habe ich einen Master in Wirtschaftsinformatik und bin im IT-Innendienst in Frankfurt tätig. Also ja, mir ist bewusst dass - selbst wenn ich in den hD irgendwie einsteigen sollte - dies mit Gehaltseinbußen verbunden wär. Das ist mir alles sehr bewusst und berücksichtigt.

Durch ein Gespräch mit einem Kollegen - der ebenfalls im ÖD den Quereinstieg (jedoch im mD gewagt) hat - wurde mir der gehobene Dienst nahegelegt, da dort eine gute Mischung zwischen nicht nur irgendwelchen operativen-DNV und leicht strategisch/beratenden Funktionen der Fall ist. mD wäre für mich auch gänzlich ausgeschlossen, da ich mich da komplett zu Tode langweilen würde. Auch wenn der Bund spannende Möglichkeiten mit dem ITZ, FITKO, BSI etc hat, würde ich dies eher meiden, da demnächst Familienplanung ansteht und ich mich nicht ganz mit dem Gedanken anfreunden könnte, bundesweit eingesetzt zu werden. Auch aber weil der Bund oftmals nur beratend (?) und zur Verfügung steht und es am Ende doch das Land zusammen mit Kommunen und Gemeinden entscheidet was wo wie umgesetzt wird (korrigiert mich bitte, wenn ich falsch liege).

Wie sehr würdet ihr sagen wäre so ein Profil gefragt? Während meines Masters habe ich ein "Austausch"-Semester an der HS Hof im Verwaltungsinformatik M. Sc. Studiengang gemacht mit der Masterarbeit in der Analyse des aktuellen Stand der digitalen Verwaltung sowie der OZG Umsetzung gemacht, sodass ich halbwegs einige Sachen lernen konnte und nicht komplett bei 0 anfangen würde.

Organisator

Zitat von: Ticx in Gestern um 13:18Wie sehr würdet ihr sagen wäre so ein Profil gefragt?

Ganz allgemein Wording: "gD" und "hD" sind Beamtenlaufbahnen. Für diese hast du nicht die Laufbahnbefähigung. Wenn jedoch "vergleichbare" Stellen als Angestellter gemeint sind:

Kommt sehr auf den Einzelfall an, je nach dem, was die Behörde sucht und in ihrer Ausschreibung formuliert.
So ist es auch gut möglich, dass du die Bildungsvoraussetzung mit einem Master nicht erfüllst und überqualifiziert wärst. --> Einzelfall

Rowhin

Unabhängig von den Formalitäten, die Organisator richtig anspricht: das Profil wäre an sich bei uns* durchaus gefragt. Vor allem, wenn man eine gewisse Frustrationstoleranz mitbringt ;)

*In dem Fall wäre das eine Universität - nochmal andere Strukturen als die meisten Behörden, und je nachdem was du genau suchst, auch einen Blick wert. Sage es nur, weil viele die Unis bei der Suche oft aus dem Blick lassen.

UNameIT

Zitat von: Ticx in Gestern um 13:18? Während meines Masters habe ich ein "Austausch"-Semester an der HS Hof im Verwaltungsinformatik M. Sc. Studiengang gemacht mit der Masterarbeit in der Analyse des aktuellen Stand der digitalen Verwaltung sowie der OZG Umsetzung gemacht, sodass ich halbwegs einige Sachen lernen konnte und nicht komplett bei 0 anfangen würde.

Dein Profil wäre vermutlich schon gefragt, stell dich aber auf eine E11 max. E12 bei einer Kommune ein. Wichtig wären vor allem auch praktische Fähigkeiten zu haben, nur organisatorische IT-Stellen sind doch eher begrenzt an der Stellenanzahl.

Ticx

Danke euch für eure Antworten!

Zitat von: Organisator in Gestern um 13:30Ganz allgemein Wording: "gD" und "hD" sind Beamtenlaufbahnen. Für diese hast du nicht die Laufbahnbefähigung. Wenn jedoch "vergleichbare" Stellen als Angestellter gemeint sind:

Kommt sehr auf den Einzelfall an, je nach dem, was die Behörde sucht und in ihrer Ausschreibung formuliert.
So ist es auch gut möglich, dass du die Bildungsvoraussetzung mit einem Master nicht erfüllst und überqualifiziert wärst. --> Einzelfall

Ah, sorry. Ich meine damit langfristig (optional) Verbeamtung. mit gD und hD meine ich aber Stellen, die dem gehobenen oder höheren dienst (grob) entsprechen, also EG9-12 bzw. >EG13 wenn ich richtig liege...?

Ist Überqualifizierung so ein Problem? Eigentlich sollten die die AG-Seite (Behörde) doch eher froh sein, wenn die mehr Qualifikationen bekommt. Und wenn's für beide Seiten passt, why not. Oder nicht?
Wäre es sonst schlimm, wenn ich mich auf gD Stellen nur mit meinem Bachelor bewerbe?

Zitat von: UNameIT in Gestern um 13:44Dein Profil wäre vermutlich schon gefragt, stell dich aber auf eine E11 max. E12 bei einer Kommune ein. Wichtig wären vor allem auch praktische Fähigkeiten zu haben, nur organisatorische IT-Stellen sind doch eher begrenzt an der Stellenanzahl.

E11/E12 wäre okay, damit könnte ich leben. Anders als das Gehalt sind mir geregelte Tätigkeiten/Arbeitszeiten (inzwischen) wichtiger.

Zitat von: Rowhin in Gestern um 13:38Unabhängig von den Formalitäten, die Organisator richtig anspricht: das Profil wäre an sich bei uns* durchaus gefragt. Vor allem, wenn man eine gewisse Frustrationstoleranz mitbringt ;)

*In dem Fall wäre das eine Universität - nochmal andere Strukturen als die meisten Behörden, und je nachdem was du genau suchst, auch einen Blick wert. Sage es nur, weil viele die Unis bei der Suche oft aus dem Blick lassen.

So wie ich das lese, ist die Frustrationstoleranz nahezu Voraussetzung für den ÖD. ;D  - Die ist aber definitiv vorhanden. Unis hatte ich tatsächlich nicht auf den Schirm. Gibt es dort grobe unterschiede zwischen ÖD und/oder AöR im klassischen Sinne?


Organisator

Zitat von: Ticx in Gestern um 15:55Danke euch für eure Antworten!

Ah, sorry. Ich meine damit langfristig (optional) Verbeamtung. mit gD und hD meine ich aber Stellen, die dem gehobenen oder höheren dienst (grob) entsprechen, also EG9-12 bzw. >EG13 wenn ich richtig liege...?

Ist Überqualifizierung so ein Problem? Eigentlich sollten die die AG-Seite (Behörde) doch eher froh sein, wenn die mehr Qualifikationen bekommt. Und wenn's für beide Seiten passt, why not. Oder nicht?
Wäre es sonst schlimm, wenn ich mich auf gD Stellen nur mit meinem Bachelor bewerbe?

Wenn du nen passenden Bachelor hast - warum nicht.

Es ist häufig zu beobachten, dass Leute mit Master und Arbeit/Bezahlung auf Bachelor-Niveau nach einiger Zeit unzufrieden werden. "Ich hab doch nen Master, dann will ich auch so einen Job/Geld". Und das macht die ganze Angelegenheit anstrengend, wenn man die Stelle besetzt hat und die Leute nach kurzer Zeit wieder weg wollen.
Wäre etwas, was du ganz deutlich im Vorstellungsgespräch klarmachen könntest. "5 Jahre sehe ich mich in dem Job, dann sieht man ohnehin mal weiter" oder so

Ticx

Ja okay, macht Sinn. Das sollte man aber glaube ich vorher wissen 😅

Habe ich überhaupt ohne Bachelor in Public Administration o.ä. eine Chance in Tätigkeiten des gD's? Bei hD ist natürlich der Punkt, dass es da oftmals ohnehin um strategisches geht.

Mir fehlt da logischerweise das ganze Behörden- und Aktenwissen. Oder lernt man das on-the-job, bzw. gibt es da auch Vorbereitungsdienste wie bei der Bundeswehr?

MoinMoin

Du willst also in die Verwaltung und nicht als Informatiker arbeiten?

Ich bin "im höheren Dienst" als angestellter Informatiker im öD und fühle mich wohl.
(aber nur weil ich mein Berufsleben schon größtenteils hinter mir habe.)

Gleichwohl die wenigsten Informatiker die ich bundesweit kenne verbeamtet sind.
Solche kenne ich nur beim ITZBund, wenn ich mich recht entsinne.

Die restlichen ITler, die verbamtet sind, sind umoperierte Verwaltungsmenschen und keine ausgebildete Informatiker.
Aber das mag sich ändern.

Also wenn du als ITler arbeiten willst, ich denke bei der Polizei, Finanzämter, ... gibt es immer Bedarf für ITler. Die sind da EG11-12 wenn sie helferlein in den Ämtern sind und 13-14 wenn sie weiter oben spielen dürfen.
bei der Polzei ist halt blöd, dass man ab und an sich als Forensiker sich die Kinderpornos antun muss.

Rowhin

Zitat von: Ticx in Gestern um 15:55So wie ich das lese, ist die Frustrationstoleranz nahezu Voraussetzung für den ÖD. ;D  - Die ist aber definitiv vorhanden. Unis hatte ich tatsächlich nicht auf den Schirm. Gibt es dort grobe unterschiede zwischen ÖD und/oder AöR im klassischen Sinne?

Die kurze Antwort: ja.

Die mittellange Antwort: Ja. Zumindest in meiner Erfahrung unterscheiden sich Unis u.a. aus folgenden Gründen teils stark von anderen Behörden - mal so off the top of my head:

  • Viel organisch gewachsenere Strukturen, viel dezentralere Organisation, besonders bei den größeren Unis, was auch Entscheidungsprozesse angeht. Gerade im IT Bereich gibt es hier teils parallele Systeme in Zentrale und Fakultäten, die nur sehr langsam zentralisiert und vereinheitlicht werden
  • Aufgaben sind dadurch auch vielseitiger, und weniger streng durch reglementiert als in anderen Behörden
  • Stellenwert der Professorinnen und Professoren als ganz eigene Beamtengruppe und ein ganz besonderer Schlag Mensch.
  • Arbeitszeiten variieren wild. Wir haben über 600 verschiedene Arbeitszeitmodelle.
  • Deutlich internationaleres Umfeld.

Die lange Antwort: könnte ich ein paar Stunden zu referieren ;)
 

Organisator

Zitat von: Ticx in Gestern um 17:37Mir fehlt da logischerweise das ganze Behörden- und Aktenwissen. Oder lernt man das on-the-job, bzw. gibt es da auch Vorbereitungsdienste wie bei der Bundeswehr?

Brauchst du nicht - bist ja IT-ler. Wenn du mal was verakten musst, lernst du es onthejob. Genau wie die ganzen öD-spezifischen Besonderheiten, wie z.B. die Vorgaben des BSI und was das für deine Arbeit bedeutet und dann man eben nicht mal eben so eine neue Software bestellen kann.