Quereinstieg öD / Stadtwerke: Einschätzung Entgeltgruppe & Stufe

Begonnen von Xoox, Gestern um 12:11

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Xoox

Hallo zusammen,
ich brauche mal eine realistische Einschätzung von euch zur Eingruppierung im öffentlichen Dienst bzw. bei Versorgern. Ich bin gelernter Anlagenmechaniker SHK mit insgesamt 10 Jahren Berufserfahrung (inkl. 3,5 J. Ausbildung).

Mein Hintergrund:
Die letzten Jahre als Obermonteur im klassischen Bau (Großprojekte: Kitas, Schulen, öffentlicher Bau).
Verantwortlich für Brandschutz, Heizung, Sanitär, Lüftung.
Selbstständige Abstimmung mit Bauherren, Architekten und Ingenieuren.
Führung von 1–2 Gesellen und Lehrlingen; Materiallisten/Bestellwesen in Eigenregie.
Davor langjährige Erfahrung in der Instandhaltung/Sanierung (Großwohnanlagen, Stadtbau), inkl. schwieriger Mieterkommunikation und Problemlösung im Bestand (Strangabsperrungen, Messi-Wohnungen etc.).
Ich möchte nun weg vom Baustellen-Alltag und habe zwei konkrete Optionen:

Option 1: Stadtwerke (Tarif: TV-V)
Stelle: Servicetechniker Wärme- und Stromerzeugungsanlagen
Aufgaben: Betrieb/Wartung von Holzhackschnitzel-, Pellet-, Erdgaskesseln, Wärmepumpen und BHKW. Betreuung externer Dienstleister, Rufbereitschaft.

Option 2: Stadtbau (Tarif: TVöD-VKA)
Stelle: Technischer Mitarbeiter (Abteilung Wohnen & Vermieten)
Aufgaben: Technische Bestandsbetreuung, Mieteransprechpartner, Beauftragung/Überwachung von Instandhaltungen, Wohnungsabnahmen/-übergaben, Verkehrssicherung.

Meine Fragen an euch:
In welche Entgeltgruppe (EG) würdet ihr mich jeweils einordnen? (Gerade bei der Stadtbau: Zählt die Erfahrung als Obermonteur hier für eine höhere Gruppe?)

Thema Stufenzuordnung: Ich habe 10 Jahre Erfahrung, davon viel in leitender Funktion (Obermonteur). Ist der Einstieg in Stufe 3 oder 4 realistisch, oder werde ich als "Neuling im öD" in Stufe 1 oder 2 abgestempelt?
Hat jemand Erfahrung mit dem Wechsel vom Handwerk (Bau) in die Verwaltung/Koordination (Stadtbau) – worauf sollte ich bei der Gehaltsverhandlung achten?
Vielen Dank für eure Einschätzungen!

Greif

Die Einschätzung zu den für diese Tätigkeiten regelmäßigen EG muss jemand anderes kommentieren.
Ich möchte Dich nur auf einen anderen Umstand hinweisen. Im öD wirst Du dafür bezahlt was Du für die jeweilige Tätigkeit verrichten musst. Die Einstufung orientiert sich an Tätigkeiten, welche von der jeweiligen Behörde festgelegt werden.

Mit derselben Bezeichnung, zum Beispiel Servicetechniker, kann die Nachbarkommune für eine von der reinen Bezeichnung gleichen Verwendung eine höhere EG bezahlen. In der Stellenbeschreibung wären dann aber Tätigkeitsmerkmale, wie z.B. hohe Selbständigkeit, aufgeführt, die eine andere EG zulassen.

Gleichzeitig ist es für die EG egal ob Du vorher als Vorarbeiter oder Obermonteur eingesetzt wurdest.
Sobald Du die formelle Vorraussetzung erfüllst, kannst Du Dich bewerben. Da für die Festlegung der EG die festgesetzten Tätigkeiten der Behörde zählen kannst Du so überqualifiziert sein wie Du möchtest, trotzdem erhältst Du nur die in der Ausschreibung festgelegte EG. Unter Umständen hast Du mit einer höheren Erfahrungsstufe einsteigen.

Xoox

Vielen Dank erst mal für die Rückmeldung! Das heißt, die EG steht meistens schon fest und ich kann primär über die Stufe verhandeln.
Um es vielleicht etwas klarer zu machen, hier die genauen Beschreibungen der beiden Stellen:

1. Stadtbau (Technischer Mitarbeiter):

Aufgaben:
Technische Betreuung des Immobilienbestands, Ansprechpartner für Mieter, Beauftragung und Überwachung von Instandhaltungsaufträgen (Qualität, Zeit, Wirtschaftlichkeit), Wohnungsabnahmen und -übergaben, Überwachung der Verkehrssicherheit (Dokumentation), Unterstützung beim Inbetriebnahmemanagement von Neubauten.

Anforderungen:
Abgeschlossene handwerklich-technische Ausbildung, idealerweise Erfahrung in der Wohnungswirtschaft, MS-Office-Kenntnisse, Teamplayer, kundenorientiert.

2. Stadtwerke (Servicetechniker Wärme- und Stromerzeugungsanlagen):

Aufgaben:
Betrieb und reibungsloser Ablauf der Anlagen (Holzhackschnitzel-, Pellet-, Erdgaskessel, Wärmepumpen, BHKW), regelmäßige Service- und Wartungsarbeiten, Betreuung externer Dienstleister, Anlagenüberwachung (auch Rufbereitschaft).
Anforderungen:
Ausbildung als Anlagenmechaniker SHK (oder vergleichbar), Erfahrung im Betrieb von Wärmeerzeugungsanlagen, Führerschein Klasse B, MS-Office, Deutsch auf B2-Niveau.

Da ich als Obermonteur ja bereits viel Verantwortung für Material, Personal und die Abstimmung mit Gewerken hatte, frage ich mich, wie ich das am besten in die Waagschale werfe, um bei der Stadtbau nicht in der 'Standard-EG' für Handwerker hängen zu bleiben. Bei der Stadtbau wäre mir die EG 9a wichtig, da es wirtschaftlich (Miete in Studentenstadt, Privatschule für den Sohn) passen muss.

Wie schätzt ihr die Chancen für eine EG 9a bei der Stadtbau ein, wenn die Stelle 'nur' eine Ausbildung fordert, aber die Aufgaben (Vergabe, Überwachung, Rechtssicherheit) eigentlich darüber hinausgehen?"

MeTe

Nur um das was Greif gesagt hat noch mal auszuführen, da es anscheined noch nicht ganz verstanden wurde (mein Eindruck - pardon falls nicht zutreffend).
ZitatDas heißt, die EG steht meistens schon fest und ich kann primär über die Stufe verhandeln.
Jeder Dienstposten oder jede Stelle ist mit einer EG bewertet. Wenn du für die Stelle eingestellet wirst, bekommst du eben genau die EG mit der die Stelle bewertet ist. Das heißt, wenn jemand mit Hochschulabschluss auf ne Hilfsarbeiter-Stelle eingestellt wird - bekommt er trotzdem die Hilsarbeiter-Entgeltgruppe.

Das führe ich aus weil:
ZitatDa ich als Obermonteur ja bereits viel Verantwortung für Material, Personal und die Abstimmung mit Gewerken hatte, frage ich mich, wie ich das am besten in die Waagschale werfe, um bei der Stadtbau nicht in der 'Standard-EG' für Handwerker hängen zu bleiben.
-> Es ist völlig egal ob du schon Verantwortung hattest, Obermonteur warst oder ne Professur für Raketenwissenschaft hattest. Naja, egal nicht, es erhöht ja vermutlich deutlich deine Chancen im Bewerbungsverfahren und wird ggf. auch (nicht-monetär) wertgeschätzt. Wenn du dich aber auf ne Stellt mit, sagen wir mal EG6 bewirbst, bekommst du EG6, weil die Stelle eben mit EG6 bewertet wurde. Da gibt es leider(!) nichts in die Waagschale zu werfen.

Du kannst dich nur später, wenn ne besser bezahlte Stelle frei wird ggf. eben neu bewerben oder aber ggf. die Erfahrungsstufe verhandeln. Das mit der Erfahrungsstufe wäre durchaus realistisch, dass du z.B. direkt in Stufe 3 einsteigst oder so.

Was die Eingruppierung angeht, da hab ich nicht so den Überblick. Aber E9 ist eigentlich schon eher so Niveau Meister üblicherweise. Facharbeiter die auf Anweisung arbeiten findet man meist bei E5/E6, Facharbeiter mit Eigenverantwortung bei E7/E8. Aber wie gesagt, ohne Garantie.


Xoox

Vielen Dank für die ehrliche Klarstellung!
Ich habe das System jetzt verstanden: Die Stelle ist bewertet, nicht meine Person. Wenn die Stadtbau die Stelle als E8 ausgeschrieben hat, ist das das Limit für die Gruppe, egal wie viel Erfahrung ich mitbringe. Mein einziger Hebel ist dort also die Verhandlung der Erfahrungsstufe (Stufe 3 oder 4), um das Gehalt nach oben zu ziehen.

Da ich in einer teuren Stadt wohne und meine Fixkosten decken muss, wird die Entscheidung dann vermutlich eher Richtung Stadtwerke fallen.
Ich gehe davon aus, dass dort nach TV-V gezahlt wird, was man so hört, ist das meist attraktiver als der TVöD-VKA, erst recht mit der Rufbereitschaft oben drauf.

Hat hier zufällig jemand Erfahrung mit der Eingruppierung von Servicetechnikern bei den Stadtwerken oder vergleichbaren Versorgern? Landet man da eher in der Entgeltgruppe 7 oder 8 des TV-V?"

MoinMoin

Bei vorliegen von einschlägiger Berufserfahrung von mehr als 3 Jahren kommst du in die Stufe 3. Das ist Pflicht.
Wenn es jedoch "nur" 10 förderliche Zeiten sind, dann kann der AG dich in Stufe 5 einstellen, wenn du es verlangst und der AG keinen anderen günstigeren findet.

Fitch

Ne EG 8 sind beide Stellen mit Sicherheit nicht.

Ein Meister hat in der Regel ne 7.

MoinMoin

Zitat von: Xoox in Gestern um 15:12Vielen Dank für die ehrliche Klarstellung!
Ich habe das System jetzt verstanden: Die Stelle ist bewertet, nicht meine Person. Wenn die Stadtbau die Stelle als E8 ausgeschrieben hat, ist das das Limit für die Gruppe, egal wie viel Erfahrung ich mitbringe. Mein einziger Hebel ist dort also die Verhandlung der Erfahrungsstufe (Stufe 3 oder 4), um das Gehalt nach oben zu ziehen.

Da ich in einer teuren Stadt wohne und meine Fixkosten decken muss, wird die Entscheidung dann vermutlich eher Richtung Stadtwerke fallen.
Ich gehe davon aus, dass dort nach TV-V gezahlt wird, was man so hört, ist das meist attraktiver als der TVöD-VKA, erst recht mit der Rufbereitschaft oben drauf.

Hat hier zufällig jemand Erfahrung mit der Eingruppierung von Servicetechnikern bei den Stadtwerken oder vergleichbaren Versorgern? Landet man da eher in der Entgeltgruppe 7 oder 8 des TV-V?"
Das TV-V hat eine andere Eingruppierungregelung als das TVöD-VKA also gleiche Zahl nicht gleicher Job!
Also im TV-V könnte es max EG6 sein.
Kannst dort mal nach lesen:
https://oeffentlicher-dienst.info/pdf/tv-v/tv-v-nr17.pdf