Amtsangemessene Alimentation - Auswirkungen auf TVöD?

Begonnen von KurzeFrage, 22.03.2026 18:49

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Rheini

Zitat von: KurzeFrage in 24.03.2026 09:26Da ich der Ersteller des Themas bin: Es ging um die monetären Unterschiede bzw. die Frage, ob eine Verbesserung bei den Beamten sich auf die Tarifbeschäftigten auswirken wird - so wie es andersherum gang und gäbe ist.

Das Argument, man hätte sich auch auf eine Beamtenstelle bewerben können ist meiner Meinung nach keines. In meinem Referat bspw. wird ein Teil der Referenten verbeamtet, der andere nicht. Ansonsten wird noch der Referatsleiter verbeamtet. Allen anderen Sachbearbeitern wird eine Verbeamtung grundsätzlich verwehrt. Hoheitliche Aufgaben liegen da in keinem Fall vor. Es ist einfach historisch gewachsen, Willkür und schafft eine unnötige Zweiklassengesellschaft.

Aber nochmal: Um diese Diskussion geht es hier nicht!

Aus meiner Sicht schon. Es ist, wie es ist und Du kannst für dich dein Leben planen. Wenn Dir es wichtig ist Beamter zu werden, such Dir ne Stelle wo Du Beamter werden kannst. Kannst Du es nicht auf deiner Wunschstelle, ist das so oder Du musst dich bei deine Wunschstelle bewegen.

Es gibt kein Wunschkonzert, wird aber oft eingefordert.

KurzeFrage

Zitat von: Rheini in 24.03.2026 09:44Aus meiner Sicht schon. Es ist, wie es ist und Du kannst für dich dein  Leben planen. Wenn Dir es wichtig ist Beamter zu werden, such Dir ne Stelle wo Du Beamter werden kannst. Kannst DU es nicht auf deiner Wunschstelle, ist das so oder Du musst dich bei deine Wunschstelle bewegen.

Es gibt kein Wunschkonzert, wird aber oft eingefordert.

Wenn du auf eine Frage, die auf eine andere Diskussion abzielt, nur das Argument der Lebensentscheidungen anbringen möchtest, ist das schade. Denn darum geht es hier wie gesagt nicht. Wenn man es so sieht, dann wäre Politik insgesamt überflüssig, man kann sich ja entscheiden, in ein Land mit besserer Politik zu ziehen - es ist halt ein Totschlagargument. Am Ende wären dann alle Stellen im Tarifbereich unbesetzt, wenn sich ja jeder auf eine Beamtenstelle bewerben soll? Also das ist nun echt nicht zielführend..

MoinMoin

Zitat von: KurzeFrage in 24.03.2026 09:26Da ich der Ersteller des Themas bin: Es ging um die monetären Unterschiede bzw. die Frage, ob eine Verbesserung bei den Beamten sich auf die Tarifbeschäftigten auswirken wird - so wie es andersherum gang und gäbe ist.
Ist es das? Ist es gang und gäbe, dass Tarifentscheidungen zu Besoldungsgesetzen gegossen werden?
Nein, ist es nicht, es ist ein eigentlich unabhängiger Prozess, der aber durchaus Berührungspunkte hat, weil das BVerfG die Tarifentwicklung als Prüfkriterium festgesetzt hat.
Wenn du dir die Tarifentwicklung der letzten Jahre anschaust, dann kann der Eindruck entstehen, dass es gang und gäbe ist. Wenn man sich aber die Entwicklung davor anschaut, dann eben nicht.

Insofern, weil der Gesetzgeber die Tarifentwicklung im Blick haben muss, muss er entsprechend handeln.
Aber umgekehrt, nur weil beim Beamten die Familie mit alimentiert werden muss, muss das keine Auswirkungen auf den Tarif haben.

Wenn der Gesetzgeber gemein ist, dann wird er die Grundalimentierung der Beamten ziemlich einfrieren und via gigantische Familienzuschläge die Amtsangemessenheit der Alimentation zu erreichen versuchen (obs dann GG konform ist, wird dann das BVerfG entscheiden), sowie die Endstufenbesoldung entsprechend anpassen, dass sie dem Prüfkriterium genügt.


Rheini

Zitat von: KurzeFrage in 24.03.2026 10:03Wenn du auf eine Frage, die auf eine andere Diskussion abzielt, nur das Argument der Lebensentscheidungen anbringen möchtest, ist das schade. Denn darum geht es hier wie gesagt nicht. Wenn man es so sieht, dann wäre Politik insgesamt überflüssig, man kann sich ja entscheiden, in ein Land mit besserer Politik zu ziehen - es ist halt ein Totschlagargument. Am Ende wären dann alle Stellen im Tarifbereich unbesetzt, wenn sich ja jeder auf eine Beamtenstelle bewerben soll? Also das ist nun echt nicht zielführend..

Nö geht es nicht. Es geht hier um Leute die einen Vorteil mithaben wollen, ohne die Nachteile in Kauf nehmen zu wollen und dann noch dieses als "Gerechtigkeit" titulieren.

MoinMoin

Zitat von: Rheini in 24.03.2026 11:05Nö geht es nicht. Es geht hier um Leute die einen Vorteil mithaben wollen, ohne die Nachteile in Kauf nehmen zu wollen und dann noch dieses als "Gerechtigkeit" titulieren.
Meinst du jetzt mit diesen Leuten die Beamten oder die Angestellten oder beide?  8)

Aber zur Eingangsfrage:
Zitat von: KurzeFrage in 22.03.2026 18:49Hallo zusammen!

Meint ihr, die bevorstehende Erhöhung der Beamtenbesoldung wird sich in irgendeiner Weise auch in den Forderungen von Verdi für die Tarifbeschäftigten in der kommenden Tarifrunde widerspiegeln?
Vielleicht. Wenn sie klug sind.
ZitatDie Kluft zwischen den Nettogehältern von Tarifbeschäftigten und Beamten - insbesondere im höheren Dienst - ist ja bereits jetzt schon gross...
Das interessante an dieser Aussage ist, doch, dass nach den Berechnungen des BVerfG für Berlin, dass Gericht zu dem Schluss kommt, dass das Prüfkriterium (Verlauf Tarif vs Besoldung) eher in den unteren als in den oberen Besoldungsgruppen gerissen wird.
Wie erklärst du dir das?

Rheini

@MoinMoin

Hier konkret der Angestellte den Beamten.

Aber woanders evtl. auch anders herum, was ich genauso falsch finde.

Kubus

Der Unterschied zwischen den Beamten und Angestellten ist doch hauptsächlich:
-ab E13 und höher bzw. A13 und höher
-und bei Kindern / ggf. noch Heirat
vorhanden. Ansonsten, mal ausgenommen die erste Stufe bei den Angestellten, sind die Nettosummen doch sehr ähnlich. Ich nehme Bundesbeamte und TVÖD-Bund an, VKA ist ja ähnlich.

Klar, die Pension ist ne andere; aber im Hier und Jetzt sind die Unterschiede marginal.

Streikrecht ist doch für den Eimer; macht doch eh kaum einer. Versetzung ist nen Thema, bei Bundesbehörden aber auch nicht so wirklich ein Problem. Nachteilig bei den Beamten ist auf jeden Fall das Thema vorzeitig aufhören zu arbeiten -> dann gibts nur das Altergeld und den Spaß mit der PKV (voller Beitrag). Letzterer Punkt hat mich lange zögern lassen, aber die Vorteile ab >E13 sind eben monetär schon groß.

Rheini

Zitat von: Kubus in 31.03.2026 17:11Der Unterschied zwischen den Beamten und Angestellten ist doch hauptsächlich:
-ab E13 und höher bzw. A13 und höher
-und bei Kindern / ggf. noch Heirat
vorhanden. Ansonsten, mal ausgenommen die erste Stufe bei den Angestellten, sind die Nettosummen doch sehr ähnlich. Ich nehme Bundesbeamte und TVÖD-Bund an, VKA ist ja ähnlich.

Klar, die Pension ist ne andere; aber im Hier und Jetzt sind die Unterschiede marginal.

Streikrecht ist doch für den Eimer; macht doch eh kaum einer. Versetzung ist nen Thema, bei Bundesbehörden aber auch nicht so wirklich ein Problem. Nachteilig bei den Beamten ist auf jeden Fall das Thema vorzeitig aufhören zu arbeiten -> dann gibts nur das Altergeld und den Spaß mit der PKV (voller Beitrag). Letzterer Punkt hat mich lange zögern lassen, aber die Vorteile ab >E13 sind eben monetär schon groß.

In NRW z. B..auch nur die Nachversicherung.

Es gibt weitere Vor- und Nachteile die sicher mal mehr oder weniger aktuell sind und dann ist ja noch das eigene Befinden, was man als Vor- oder Nachteil empfindet.

Bizze

Also wenn ich mir die Gesetzentwurf enthaltenen Gehaltssteigerungen anschaue, dann wird das nächstes Jahr eine lustige Tarifrunde oder die Angestellten werden die Mistgabeln und Fackeln auspacken. Zumal die Begründung der Erhöhung der Besoldung auch für die Angestellten gleichermaßen gilt (demografischer Wandel, Fachkräftemangel, etc.). Ich glaube wenn ich VERDI wäre, würde ich einfach nur eine Netto-Gleichstellung (abzüglich KV) mit der Beamtenbesoldung fordern. Gerne auch mit der damit verbundenen Arbeitszeiterhöhung. Es ist wirklich lustig, dass die Beamten eine bedeutend höhere Gehaltserhöhung erhalten, im Vergleich zu den Angestellten, obwohl sie ja nicht streiken dürfen...

JPM

Zitat von: clarion in 24.03.2026 06:53Trotzdem ein Vergleich von Äpfel mit Birnen. Ich sage da Streikrecht, kein Recht auf Beförderung bei höherwertigen Tätigkeiten, eine höhere Wocharbeitszeit, man darf Dich einfach versetzen....

Ich komme im Übrigen auch nicht mit 450 Euro PKV im Monat aus!

Für deine Einstufung bei der PKV kann keiner was. Bist du vllt schon etwas älter? Oder bist du jünger und hast aktuell oder in der Vergangenheit entsprechende Krankheiten gehabt? Oder gönnst du dir etwa entsprechende Leistungen, welche die PKV höher ausfallen lassen?

Man darf versetzt werden. Und wie oft passiert das so?

Man hat eine höhere Wochenarbeitszeit. Hand aufs Herz...das ist vielleicht auch eine der Gründe warum in unserer Abteilung die Beamten gerne mal etwas länger in der Pause gebunden sind oder das Gespräch auf dem Gang etwas mehr Zeit in Anspruch nimmt.

Man wird nicht ohne Weiteres befördert. Sehr spannende Aussage. Bei uns werden die Beamten in regelmäßigen Abständen befördert, völlig egal welch durchschnittliche Leistung sie auch zeigen mögen. Tarifbeschäftigte werden nur in seltenen Fällen höhergruppiert. Da muss schon einiges zusammenkommen.

Man darf nicht streiken, darf aber aus seinem Bürostuhl heraus die bündige Übernahme für die gescholtenen Beamten fordern. Schon klar.

Die Mär vom armem Beamten. Man muss schon recht naiv durchs Leben wanken, um es zu glauben.


MeTe

#40
Streitere hin, Streiterei her,

wenn das alles so kommt wird der finanzielle Abstand zwischen vergleichbar qualifizierten Arbeitnehmern und Beamten mit vergleichbarer Position, Erfahrung und Arbeitszeit halt massiv ansteigen.

Tabelle 01.05.2026, E14, 41h/Woche, Einstiegsstufe 1, Steuerklasse 1, 17,5% GKV -> Netto 41k€/Jahr
Tabelle 01.05.2026, A14, Einstiegsstufe 2, Steuerklasse 1, 450€ PKV -> Netto 56k€/Jahr (dieses mal PKV wirklich abgezogen...)

Das ist jetzt natürlich kein willkürlich gewähltes Beispiel weil der Unterschied gerade am Anfang besonders groß ist und dann nach und nach sinkt (Anfangs 15k€, nach 3 Jahren 10k€, nach 10 Jahren 6k€ Unterschied).

Ob 15.000€ mehr pro Jahr bei gleicher Qualifikation, Position, Erfahrung und Arbeitszeit angemessen oder 'fair' ist für die Nachteile die ein Beamter hat, kann jeder für sich selbst entscheiden. Das ist ein persönliches Empfinden bzw. persönliches Urteil.

Ich für meinen Teil fürchte, es wird für den 'Betriebsfrieden' bzw. die Motivation von Arbeitnehmer in gemischten Teams nicht gerade förderlich sein - wie man hier ja schon sieht. Es schafft einfach unfrieden wenn der Kollege tagtäglich nebein einem sitzt, exakt das Gleiche leistet, exakt die gleiche Qualifikation hat, dafür aber jedes Monat 1000€ mehr bekommt weil bei seiner Einstellung gerade zufällig ne Beamtenstelle frei war, der andere 1000€ weniger weil bei ihm gerade zufällig ne Arbeitnehmerstelle frei war.

Das finde ich nur menschlich und nachvollziehbar (sollte es, denke ich, auch für Beamte sein). Daran ändern können wir alle nichts. Nur jeder für sich persönlich überlegen und seine Konsequenzen daraus ziehen. Denn einen Vorteil hat man durchaus als AN: Man kann einfach gehen.

MoinMoin

Zitat von: MeTe in Gestern um 22:21Streitere hin, Streiterei her,

wenn das alles so kommt wird der finanzielle Abstand zwischen vergleichbar qualifizierten Arbeitnehmern und Beamten mit vergleichbarer Position, Erfahrung und Arbeitszeit halt massiv ansteigen.

Tabelle 01.05.2026, E14, 41h/Woche, Einstiegsstufe 1, Steuerklasse 1, 17,5% GKV -> Netto 41k€/Jahr
Tabelle 01.05.2026, A14, Einstiegsstufe 2, Steuerklasse 1, 450€ PKV -> Netto 56k€/Jahr (dieses mal PKV wirklich abgezogen...)

Das ist jetzt natürlich kein willkürlich gewähltes Beispiel weil der Unterschied gerade am Anfang besonders groß ist und dann nach und nach sinkt (Anfangs 15k€, nach 3 Jahren 10k€, nach 10 Jahren 6k€ Unterschied).
Und warum 17,5% GKV und ab Stufe 3 nicht 440€ PKV? (ich meine mal gesehen zu haben, dass die vergleichbaren AN Tarife bisserl günstiger sind als die vergleichbaren Beamten Tarife).
Wobei ich persönlich, als ich in die PKV ging 160€ bezahlen musste.... aber egal.

und ja, es ist halt willkürlich rausgezogen und das entscheidende ist, dass der vergleichbare Beamte nicht existieren dürfte (also nicht hätte verbeamtet werden "dürfen"), wenn es einen vergleichbaren TVler gibt, dass ist doch das einzige Problem und umgekehrt.

Ansonsten finde ich es nur lästig diese Beamten vs. Angestellten Ding.

JPM

Und warum findest du es aus Sicht des Beamten lästig?

Bei uns wurde auch munter verbeamtet. Spannend ist, dass sich die befragten Beamten gefühlt immer benachteiligt fühlen, aber es gar nicht aushalten konnten, sich verbeamten zu lassen. In Gesprächen werden dann gern die hier bereits genannten Gründe des Bruttogehalts (;D), mehr Stunden oder Streikrecht genannt. Bei der Frage, ob es ok wäre, wenn Regelungen eingeführt würden, sie zurück in die Tarifbeschäftigung zu führen (um ihnen das schwere Leben zu erleichtern), wird auch von den neu Verbeamteten stets ausgewichen. Warum eigentlich, wenn das alles so mistig ist?

Das Problem mit Beamten ist nicht nur, dass sie die Gesellschaft finanziell enorm belasten (werden), sondern sie schnell zu erlernen scheinen, wie man bei Gesprächen über ihre Privilegien, gezielt ausweicht. Scheint so eine Art erlernter Beißreflex zu sein.

MoinMoin

Zitat von: JPM in Heute um 07:37Und warum findest du es aus Sicht des Beamten lästig?
Weil es lästig und armselig ist, dass die eine Seite auf die andere zeigt und immer bejammert, dass die anderen es besser haben und zu 90% dabei Unwahrheiten verbreitet oder falsch informiert ist.

Und da helfen Sprüche wie: Hättest Beamter werden können, steht jedem frei, genauso wenig wie, dann gib doch deine Urkunde zurück.

oder das Märchen erzählen, dass die Beamten die Gesellschaft finanziell belasten werden. Nein, die aktuelle Gesellschaft vergreift sich halt an die zukünftige Gesellschaft, weil sie keine Rücklagen gebildet haben.
und das ist für die gesamte Gesellschaft ein guter/schlechter Deal, je nachdem wie der Kapitalmarktzins ist.

Bizze

Zitat von: MoinMoin in Heute um 08:35Weil es lästig und armselig ist, dass die eine Seite auf die andere zeigt und immer bejammert, dass die anderen es besser haben und zu 90% dabei Unwahrheiten verbreitet oder falsch informiert ist.

Und da helfen Sprüche wie: Hättest Beamter werden können, steht jedem frei, genauso wenig wie, dann gib doch deine Urkunde zurück.

oder das Märchen erzählen, dass die Beamten die Gesellschaft finanziell belasten werden. Nein, die aktuelle Gesellschaft vergreift sich halt an die zukünftige Gesellschaft, weil sie keine Rücklagen gebildet haben.
und das ist für die gesamte Gesellschaft ein guter/schlechter Deal, je nachdem wie der Kapitalmarktzins ist.

Ich sehe den Punkt, dass das ständige ,,Die anderen haben es besser"-Gejammer nervt. Aber man macht es sich zu einfach, wenn man so tut, als gäbe es keine strukturellen Unterschiede oder als wäre Kritik an den Privilegien des Beamtentums nur Neid oder Unwissen.

Ein paar Punkte, die man sachlich benennen kann, ohne in ,,Beamten-Bashing" zu verfallen:

1. Unterschiedliche Risiken, unterschiedliche Sicherheiten

Beamte haben faktisch eine lebenslange Beschäftigungssicherheit, sind praktisch unkündbar (außer in Extremfällen) und haben eine sehr planbare Versorgung.
Angestellte im öffentlichen Dienst haben Tarifbindung, aber eben auch das volle Arbeitsmarktrisiko, Arbeitslosigkeit, Befristungen, Outsourcing etc.
Dass diese Unterschiede als ,,Vorteil" wahrgenommen werden, ist kein Märchen, sondern Realität.

2. Pensionslasten sind nicht einfach ,,neutral"
Es stimmt: Das Problem ist vor allem, dass der Staat jahrzehntelang keine ausreichenden Rücklagen gebildet hat. Aber das ändert nichts daran, dass:
  • Beamtenpensionen im Schnitt deutlich höher sind als gesetzliche Renten.
  • Diese Pensionen direkt aus Steuermitteln finanziert werden, während Angestellte ihre Rentenansprüche über Beiträge (mit)finanzieren.
  • Die demografische Entwicklung die Belastung für zukünftige Steuerzahler erhöht – und das sind eben nicht nur ,,die Gesellschaft allgemein", sondern konkret auch die heutigen Angestellten, die später weniger bekommen, aber mehr zahlen.

Zu sagen ,,die aktuelle Gesellschaft vergreift sich an der zukünftigen" ist richtig – aber die Verteilung der Lasten innerhalb dieser zukünftigen Gesellschaft ist eben nicht gleich. Und genau da setzt die Kritik an.

3. ,,Hättest ja auch Beamter werden können" ist kein Argument
Dieser Spruch blendet aus:
Dass nicht jede Laufbahn offensteht (Zugangsvoraussetzungen, Altersgrenzen, gesundheitliche Tauglichkeit, Bedarf).
Dass viele bewusst im Angestelltenverhältnis bleiben (z.B. wegen Flexibilität, Wechselmöglichkeiten, Selbstständigkeit etc.).
Dass es gesellschaftlich problematisch ist, wenn man jede strukturelle Ungleichheit mit ,,Hättest du halt auch gemacht" wegwischen will. Das könnte man sonst bei fast jeder Ungleichheit sagen.

4. Kritik ist nicht automatisch ,,Beamten-Bashing"
Man kann gleichzeitig anerkennen, dass:

Beamte wichtige Aufgaben erfüllen und ein funktionierender Staat sie braucht, und trotzdem sagen: Die Unterschiede bei Kündigungsschutz, Versorgung, Krankenversicherung und Besteuerung sind so groß, dass sie politisch diskutiert und ggf. angepasst gehören.

Wer jede Kritik als ,,Märchen" oder ,,Unwahrheit" abtut, trägt eher zur Verhärtung der Fronten bei, statt zu einer sachlichen Debatte.

5. Kapitalmarktzins-Argument
Ob das Ganze ein ,,guter oder schlechter Deal" ist, je nach Kapitalmarktzins, ist eine sehr technokratische Sicht. Für die Leute, die später mit niedriger Rente dastehen, ist es wenig tröstlich, dass es theoretisch ein guter Deal hätte sein können, wenn man rechtzeitig Rücklagen gebildet hätte. Fakt ist:

Für Beamte wurde ein sehr komfortables System geschaffen.
Für Angestellte wurde ein deutlich unsichereres System geschaffen.
Die Politik hat es versäumt, beide Systeme fair und nachhaltig zu finanzieren.

Dass man das kritisiert, ist nicht ,,armselig", sondern notwendig.