Jobcenter in der Probezeit gekündigt

Begonnen von Buey3, Gestern um 23:14

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Buey3

Hallo,
ich arbeite seit zwei Monaten beim Jobcenter und bin aktuell ziemlich verunsichert. Vielleicht gibt es hier Leute aus dem ÖD oder sogar aus Jobcentern, die so eine Situation einschätzen können.
Ich habe einen unbefristeten Vertrag mit 6 Monaten Probezeit. Die ersten 3 Monate bestehen aus einer Fachunterweisung. Danach ist eigentlich eine erste Beurteilung vorgesehen. Anschließend sollte ich für weitere 3 Monate ins Team gehen und danach nochmal beurteilt werden. Ich bin aktuell noch mitten in dieser Fachunterweisung und noch gar nicht im eigentlichen Team angekommen.
Heute hatte ich ein Gespräch mit meinem Vorgesetzten. Er sagte mir, dass die drei Fachunterweiser ihm wohl eine Mail geschrieben hätten, in der sinngemäß steht, dass sie mich fachlich nicht in dieser Position sehen und Zweifel hätten, ob ich für den Bereich geeignet bin. Daraufhin hat mir mein Vorgesetzter angeboten, einen Aufhebungsvertrag zu unterschreiben. Das hat mich ehrlich gesagt ziemlich getroffen, weil ich den Job wirklich wollte und bisher nicht das Gefühl hatte, dass die Situation schon so kritisch ist. Natürlich lief nicht alles perfekt, aber ich bin erst seit zwei Monaten da und dachte eigentlich, dass die Einarbeitung genau dafür da ist.
Jetzt frage ich mich:
Ist so ein Vorgehen im öffentlichen Dienst bzw. Jobcenter üblich?
Bedeutet ein angebotener Aufhebungsvertrag meistens, dass die Probezeitkündigung praktisch schon beschlossen ist?
Sollte man in so einer Situation eher versuchen ruhig zu bleiben oder innerlich schon mit der Kündigung rechnen?
Wie würdet ihr euch verhalten?

Ich würde mich sehr über Rückmeldungen freuen.

Bürohengst

Der Aufhebungsvertrag war sicherlich ein Angebot, um die Kündigung zu vermeiden und die Trennung im Arbeitszeugnis etwas netter aussehen zu lassen. Ich würde sowas nicht unterschreiben, schon allein wegen der Sperrzeit beim Arbeitslosengeld.
Was Du machen solltest, ist Dir detailiertes Feedback einzuholen, was Du besser machen kannst, sowohl von den Fachunterweisern als auch vom Vorgesetzten -  und das regelmäßig.

Ob dieses Vorgehen "normal" ist, hängt von Dienststelle zu Dienststelle ab. Bei der einen ist man mit neuen Leuten ziemlich geduldig, anderswo ist der Geduldsfaden deutlich dünner, wenn es nicht von Anfang an läuft.
Da Du einen unbefristeten Vertrag hast, solltest Du dir bewusst sein, dass Du sehr wahrscheinlich kritischer beäugt wirst, als jemand mit ein- oder zweijähriger Befristung. Das Gespräch mit dem Vorgesetzten war schon eine dunkelgelbe Karte.

Bemüh Dich einfach nach Kräften, den Anforderungen gerecht zu werden, schreib Dir bei den Unterweisungen möglichst viel mit und zeig vollen Einsatz, aber bitte ohne künstlich aufgesetzt zu wirken - und achte vor allem auf das zwischenmenschliche, d. h. dass Du als angenehmer und verlässlichler Zeitgenosse wahrgenommen wirst, der das Potenzial zum Leistungsträger hat und nicht als Mitläufer oder gar Klotz am Bein.

Viel Glück.

KaiBro

Solltest du den Aufhebungsvertrag nicht unterschreiben, wird man mit großer Wahrscheinlichkeit während der Probezeit kündigen. Der Aufhebungsvertrag wurde dir angeboten, damit Arbeitgeber und Arbeitnehmer Planungssicherheit haben. Im Aufhebungsvertrag würden Endzeitpunkt, Arbeitszeugnis, ggf. Abfindungen etc. geregelt werden können und bieten dem Arbeitgeber Schutz vor einer möglichen Kündigungsschutzklage. Oftmals vergessen die Arbeitgeber, dass ein Aufhebungsvertrag zu einer Sperrzeit führen kann.

Was lief aus deiner Sicht nicht perfekt bzw. wo gab es Probleme?

Ich selbst war in mehreren Jobcentern bzw. Sozialämtern beschäftigt. In einem lief es eher schlecht, in dem anderen widderum sehr gut. Wenn du im Jobcenter arbeiten möchtest, dann bewirb dich in einem anderen.

Warst du kommunal oder bei der BA angestellt?

Tagelöhner

Wer einen Aufhebungsvertrag unterschreibt ohne einen eindeutigen Nutzen daraus ziehen zu können, hat die Kontrolle über sein Leben verloren und sollte sich mal lieber erkundigen, was das für Nachteile auch bzgl. Arbeitslosengeld usw. haben kann.

Es gibt keinen Grund dem Arbeitgeber einseitig entgegen zu kommen, wenn dieser nicht im Gegenzug auch etwas dafür anbietet.
Nur mit ausgeprägtem Sinn für Humor weiterlesen: Ich habe nichts gegen Beamte, wirklich! Die tun ja nix! :-)

kittyka

Zitat von: Bürohengst in Heute um 09:22Der Aufhebungsvertrag war sicherlich ein Angebot, um die Kündigung zu vermeiden und die Trennung im Arbeitszeugnis etwas netter aussehen zu lassen. Ich würde sowas nicht unterschreiben, schon allein wegen der Sperrzeit beim Arbeitslosengeld.
Was Du machen solltest, ist Dir detailiertes Feedback einzuholen, was Du besser machen kannst, sowohl von den Fachunterweisern als auch vom Vorgesetzten -  und das regelmäßig.

Ob dieses Vorgehen "normal" ist, hängt von Dienststelle zu Dienststelle ab. Bei der einen ist man mit neuen Leuten ziemlich geduldig, anderswo ist der Geduldsfaden deutlich dünner, wenn es nicht von Anfang an läuft.
Da Du einen unbefristeten Vertrag hast, solltest Du dir bewusst sein, dass Du sehr wahrscheinlich kritischer beäugt wirst, als jemand mit ein- oder zweijähriger Befristung. Das Gespräch mit dem Vorgesetzten war schon eine dunkelgelbe Karte.

Bemüh Dich einfach nach Kräften, den Anforderungen gerecht zu werden, schreib Dir bei den Unterweisungen möglichst viel mit und zeig vollen Einsatz, aber bitte ohne künstlich aufgesetzt zu wirken - und achte vor allem auf das zwischenmenschliche, d. h. dass Du als angenehmer und verlässlichler Zeitgenosse wahrgenommen wirst, der das Potenzial zum Leistungsträger hat und nicht als Mitläufer oder gar Klotz am Bein.

Viel Glück.
Ja.
Das zwischenmenschliche ist sehr wichtig. Ich befürchte, der Drops wird wahrscheinlich schon gelutscht sein, wenn man den berühmten ersten Eindruck nicht gut beschieden hat.
Wenn man einmal in der Schiene passt nicht ins Team/leistet zu wenig gepackt wurde, war's das.
Trotzdem kann der OP es nochmal probieren.
Ansonsten nebenher Bewerbungen schreiben und schauen was sich so ergibt.
Und Aufhebungsvertrag bitte nicht unterschreiben.

Umlauf

Aufhebungsvertrag vs Probezeitkündigung: So richtig sehe ich nicht den Vorteil. Das man in der Probezeit erkennt, es passt nicht, wissen auch andere AG. Genau dafür ist die Probezeit auch da. Das Thema Sperrzeit wurde schon angesprochen.

Der Aufhebungsvertrag hat genau 2 sinnvolle Einsatzgebiete.

1. schnelles rauskommen aus einem Vertrag, ohne die langen Kündigungsfristen. Das dürfte der häufigste Grund dafür sein.

2. Die freundliche Abwicklung anstelle einer ordentlichen Kündigung. Wobei man sich hier professionellen Rat bezüglich einer Kündigungsschutzklage einholen sollte.