TVÖD - Regelung zur AU ab dem ersten Arbeitstag?

Begonnen von Aleksandra, 02.07.2026 10:09

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BAT

Ich denke, die Regierung wollte eigentlich gerne Karenztage einführen, im Kabinett hat man sich dann wohl auf das stumpfe Schwert der AU ab Tag eins geeinigt.

Fraglich ist, ob belastbare Anzahl zu den Betroffenen (ebenso wie seinerzeit bei Lifestyle-Teilzeit) gibt, da es doch recht oft bereits Betriebsvereinbarungen oder ähnliches gibt. Daher kann ich auch den pauschalen Aufschrei aus der Ärzteschaft nicht verstehen.

KlammeKassen

Zitat von: BAT in 20.07.2026 12:55Ich denke, die Regierung wollte eigentlich gerne Karenztage einführen, im Kabinett hat man sich dann wohl auf das stumpfe Schwert der AU ab Tag eins geeinigt.

Fraglich ist, ob belastbare Anzahl zu den Betroffenen (ebenso wie seinerzeit bei Lifestyle-Teilzeit) gibt, da es doch recht oft bereits Betriebsvereinbarungen oder ähnliches gibt. Daher kann ich auch den pauschalen Aufschrei aus der Ärzteschaft nicht verstehen.

Im öffentlichen Dienst dürfte es das aber kaum geben oder?
Da ja bislang die gesetzliche Regel einfach gilt und die ja schon "recht gut" ist und es Unternehmen gibt, die schon jetzt ein schärferes Schwert ziehen.


Karenztage ja, das hat Klingbeil ja auch gesagt. Die CDU wollte unbedingt Karenztage.

Aber ganz ehrlich: Es gibt immer mehr Leute, die kaum über die Runden kommen. Wenn die für einen Tag keinen Lohn bekommen, werden die sich in vielen Fällen irgendwie zur Arbeit schleppen. Das führt dann zu Ansteckungen und die Person ist auch nicht produktiv auf Arbeit --> mehrere fallen aus bzgl. der Produktivität; die sich angesteckt haben, schleßßen sich ggf. eher hin.

Und wenn man den Karenztag schon hat, werden sich viele auch denken "Strafe musste ich jetzt eh schon zahlen, dann kann mich der Arzt auch ruhig lange krankschreiben.

Außerdem schafft es doch Bürokratie ohne Ende.

Und bei Beamten würde das wahrscheinlich nicht mal kommen, was natürlich gerade im öffentlichen Dienst zu weiteren Gerechtigkeitsdebatten führen würde.

Hugo Stieglitz

Ich bin kein Freund der SPD aber hier hat sie in meinen Augen richtig agiert. Karenztage einzuführen ist das Unsozialste, was es gibt. Weil die CDU hier an der SPD gescheitert ist, hat man einen Kompromiss geschlossen und ein ineffektives Werkzeug gewählt; die AU ab dem ersten Arbeitstag.

BAT

In einem privatrechtlichen Verhältnis wie einem Arbeitsvertrag ist das soziale für den einen das unsoziale für den anderen Vertragspartner.

Solche "Kosten" gehören eigentlich gesellschaftlich/ aus Sozialversicherungen übernommen.

Oder alternativ die Arbeitgeber an anderer Stelle entlasten, aber da kommt ja vielleicht/ evtl. / in kleinen Schritten eine Reform der Unternehmensbesteuerung. Solange sie noch hier sind. Oder eine SPD, die sich für anderes einsetzt. Füllhorn isch over.

oberhaeo

Zitat von: kittyka in 05.07.2026 10:49... aber warum konkret meckern alle rum, weil sie nun u. u. direkt am 1. Tag eine AU brauchen? Das war mal gang und gebe.


Es war einmal gang und gäbe, dass wir uns am Baum von Ast zu Ast gehangelt haben.
Mache das mal heute! Da wird sofort die Feuerwehr angerufen, die dann gleich mit den rot-weißen Engeln angefahren kommen, begleitet lautstark durch Hornmusik.
Es werden umgehend Auffangkissen um den Baum verteilt und freundlich "Bitte, Bitte!" gesagt, damit Du freiwillig vom Baum kletterst und das weiße Jäckchen mit den Schnüren anziehst, während die Merz-Meute am Rande des Geschehens ruft: "Spring! Spring! Du kannst fliegen!"


KlammeKassen

Stelle mir das schon spannend vor.
Dann wird zwar Entgelt gespart bei Karenztagen, aber die Personalabteilung darf 2 Leute mehr beschäftigen, weil sämtliche Entgeltabrechnungen manuell angepasst werden müssen, weil 1/2/3 unbezahlte Karenztage erfolgt sind.

Ein Tag fehlen sind gut und gerne dann mal eben über 200 Euro brutto. Das werden sich viele nicht leisten können - insbesondere nach den Reallohnverlusten der letzten Jahre.

Wer krank ist, schleppt sich dann hin, weil er sich ein Fernbleiben nicht leisten kann --> leistet selber nichts und steckt noch alle an, die sich ggf. ebenfalls unproduktiv hinschleppen oder es sich "leisten" sich krankzuschreiben.

Wenn man dann bei einer Erkältung schon durch den Abzug "bestraft" wurde, werden sicherlich viele das nutzen wollen und dafür lange ausfallen wollen (etwas längere Krankschreibung).
Bei nicht ansteckenden Sachen fällt der Kollegenaspekt zwar weg, das finanzielle Problem bleibt bei einigen dennoch bestehen, das "sich zur Arbeit schleppen" kann sich auch negativ auf die Genesung dann auswirken.

Was also bei Karenztagen für ein Vorteil gesehen wird, erschließt sich mir nicht.

Jahrelang wurde sogar gesagt, dass man sich eben nicht mit Erkältung zur Arbeit schleppen soll, damit nicht andere angesteckt werden

MoinMoin

Zitat von: KlammeKassen in Gestern um 19:23Dann wird zwar Entgelt gespart bei Karenztagen, aber die Personalabteilung darf 2 Leute mehr beschäftigen, weil sämtliche Entgeltabrechnungen manuell angepasst werden müssen, weil 1/2/3 unbezahlte Karenztage erfolgt sind.
Lächerlich, dass kann die Software von alleine

MoinMoin

Zitat von: KlammeKassen in Gestern um 19:23Wer krank ist, schleppt sich dann hin, weil er sich ein Fernbleiben nicht leisten kann -
Und wird vom AG nach hause geschickt, weil er krank ist.

KlammeKassen

Zitat von: MoinMoin in Gestern um 19:41Und wird vom AG nach hause geschickt, weil er krank ist.
Dann sagt der AN "Ich fühle mich aber in der Lage zu arbeiten"

KlammeKassen

Zitat von: MoinMoin in Gestern um 19:40Lächerlich, dass kann die Software von alleine
Schlecht geschlafen?

Es arbeiten nicht alle beim Land mit mehreren Zehntausend Angestellten, das vergisst du leider immer wieder.
Es gibt genügend kleinere Kommunen. Und das funktioniert dann noch nicht alles automatisch. Zumal auch das Problem wieder kommt, wenn das nach dem Stichtag passiert (beispielsweise 15., wenn es die Abrechnung früh gibt).*

Das ist häufig schon ein Hin und Hergerechne, wenn die Angestellten dann ab dem 25. ins Krankengeld rutschen, aber dann für den Monat noch volles Gehalt bekommmen haben. Dann wird das im nächsten Monat durch die KK erstattet.

Kannst mir erzählen, was du willst, das ist definitiv mehr Bürokratie.


Du gehst halt immer vom Land mit den neusten Softwares und 100 Leuten in der Personalabteilung aus.

Wie super die Entgeltsoftware bei den Kommunen funktioniert, merkt man auch immer daran, dass die Kommunen es nicht einmal innerhalb von 3 Monaten hinbekommen, neue Entgelttabellen zu übernehmen nach einem Tarifabschluss

Da sich Karenztage aber "Positiv" ("Sparen") beim Arbeitgeber auswirken, geht das dann wahrscheinlich natürlich schneller