Wünsche für die nächste Tarifrunde 2027?

Begonnen von LisaSimpsonÖD, 04.08.2026 11:34

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Muckel

Zitat von: KaiHavaii in 27.10.2026 08:46Mein Wunsch für die nächste Tarifrunde:

... und Zulassung für Altersvorsorgedepot...


Das Altersvorsorgedepot ist eine rein private Altersvorsorge, da hat der Arbeitgeber keinerlei Mitsprache- oder gar Verbotsrecht, ob Du diese Art der Vorsorge in Anspruch nehmen möchtest. Das hat überhaupt nichts mit Tarifrecht zu tun.

JahrhundertwerkTVÖD

Zitat von: D-x in 27.10.2026 15:54Die Frage, nicht auf verdi bezogen, aber als Problem dargestellt, geistert hier doch schon seit mehreren Seiten rum, gerne von KlammeKassen aufgegriffen. Bedingt durch die unterschiedlichen Systeme (Geld für (Arbeits-)Zeit vs. lebenslange Alimentation der Familie für Dienst und Treue) hat, so glaube ich, keine der Tarifvertragsparteien damit ein Problem oder plant Änderungen/Angleichungen, oder war soetwas bisher zu hören.

Da die Untergrenze durch das BVerfG vorgegeben wird müssten massive Erhöhungen bei den Beschäftigten die Folge sein, da man sie rechtlich nicht anders stellen und so bei gleichem Brutto mehr Netto generieren kann. Diese massiven Erhöhungen sehe ich nichtmal abstrakt oder in weiter Ferne, sondern schlicht gar nicht.

Ich zitiere Verdi:
"Deine Besoldung richtet sich nach dem Tarifergebnis der Tarifbeschäftigten. Die Mitglieder der Gewerkschaft ver.di erstreiken mit viel Engagement gute Tarifabschlüsse im öffentlichen Dienst. Diese werden dann in der Regel auf die Beamtinnen und Beamten übertragen, dafür setzt sich ver.di ein. ver.di ist somit eine richtige Gewerkschaft, welche sich aktiv für eine Erhöhung des Entgeltes der Tarifbeschäftigten und der Besoldung für die Beamtinnen und Beamten einsetzt und diese auch durch einen Streik durchsetzt. Wenn du dich als Beamtin oder Beamter in der Tarifrunde der Tarifbeschäftigten engagierst, wird deine Besoldung am Ende höher ausfallen."

In mehreren Publikationen wird darauf hingewiesen dass Verdi als Einheitsgewerkschaft, explizit einen statusübergreifenden Ansatz verfolgt um der strukturellen Spaltung der Belegschaften im öffentlichen Dienst entgegenzuwirken.

Daher ist die erneute Frage, wie gedenkt Verdi seiner Aufgabe gerecht zu werden und dafür zu sorgen, dass die Nettobezüge der Angestellten nicht so extrem schlechter werden im Vergleich zu den verbeamteten Kollegen?
Es soll doch einer Spaltung der Belegschaft entgegengewirkt werden.

D-x

Zitat von: JahrhundertwerkTVÖD in 28.10.2026 11:49In mehreren Publikationen wird darauf hingewiesen dass Verdi als Einheitsgewerkschaft, explizit einen statusübergreifenden Ansatz verfolgt um der strukturellen Spaltung der Belegschaften im öffentlichen Dienst entgegenzuwirken.

Daher ist die erneute Frage, wie gedenkt Verdi seiner Aufgabe gerecht zu werden und dafür zu sorgen, dass die Nettobezüge der Angestellten nicht so extrem schlechter werden im Vergleich zu den verbeamteten Kollegen?
Es soll doch einer Spaltung der Belegschaft entgegengewirkt werden.

Sehr spannend, da ich mich nicht im Ansatz von verdi vertreten fühlte, steht eine Mitgliedschaft meinerseits dort nicht zur Debatte. Diese Äußerungen bzw. Publikationen kenne ich daher nicht.

Was genau das bedeuten soll erschließt sich mir nur bedingt. Eine Art Werbebotschaft in Richtung der Beamten, dass sie indirekt auch vertreten werden durch die Übertragung der Ergebnisse? So erscheint es recht wahrscheinlich. An die Gegenrichtung hat vermutlich niemand gedacht, oder wie lesen sich die Passagen der Publikationen bzgl. Anti-Spaltung?

Die Frage wäre, ob die von Dir genannte Frage bei verdi tatsächlich präsent ist, das ließe sich zum Beispiel durch eine Nachfrage bei entsprechenden Gewerkschaftsvertretern klären. Wobei selbst wenn das das Ziel verdis sein sollte, steht die Erreichbarkeit auf einem anderen Blatt, zu einem Tarifvertrag bzw. Entgelttabellen gehören ja mehr als eine Partei, und dafür, dass die andere dieses Ziel verfolgt gibt es keine mir bekannten Anhaltspunkte.

Aleksandra

ich wundere mich über einige "Wunschvorstellungen" hier im Thread. Die Inflationsprognosen in diesem und nächstem Jahr gehen eher so in Richtung 3,5%. Wie kann es da sein, dass sich manche 2,5% bis 3% wünschen?

Eine 3,x% pa Erhöhung stellt sich für mich als das absolute Minimum heraus. Glatte 3% wären wahrscheinlich wieder einmal ein erneuter Reallohnverlust.

Wünschen würde ich mir daher eher sowas wie 5%. Aber es dürfte klar, sein, dass dieser Wunsch nicht Realität wird. Aber es ist klar, dass alles unter 3%+ ein absolutes Desaster wäre.
Reallohnverlust seit Dienstantritt: 1,96%
2022: Inflation 6,9% - Verdi 1,8%
2023: Inflation 5,9% - Verdi 0%
2024: Inflation 2,2% - Verdi 9,03%
2025: Inflation 2,2% - Verdi 3,00%
2026: Inflation 2,2% - Verdi 3,99%

Majon

Das Angebot der Arbeitgeberverbände in der 2. Runde aktuellen Tarifverhandlungen in der Metall- und Elektroindustrie lässt Böses erahnen!

Die IGM fordert 5% für 12 Monate - die Arbeitgeberverbände bieten folgendes an:

- 8 Monate Nullrunde, bis 30.06.2027
- im Juli 2027 eine Einmalzahlung von einem Prozent des Jahresbruttoentgelts (durchschnittlich ca. 700 €)
- ab Juli 2028 +1,3%
- Laufzeit bis 31.12.2028

Hinzu kommt, dass die Einmalzahlung dem Angebot zufolge bei Unternehmen ausgesetzt werden kann, die "kaum noch Geld verdienen".

Die Friedenspflicht endet am 31.10.2026 und die IGM hat Warnstreiks ab 01.11.2026 angekündigt.

Bürohengst

#575
Bei einem solchen "Angebot" wird man ja fast neidisch auf den ungelernten Mindestlöhner. Der hat seine Erhöhung um 5,04 % zum 01.01.2027 bereits safe - 2 Prozent über der erwarteten Inflationsrate - während der gelernte oder studierte Tarifbeschäftigte deutliche Reallohnverluste hinnehmen soll. Auch daran wird ver.di sicherlich in den Verhandlungen erinnern, falls der Staat - der die Mindestlohnerhöhung beschließt - seine eigenen Beschäftigten hingegen mit 1-2 Prozent abspeisen möchte.

daseinsvorsorge

Zitat von: Bürohengst in 29.10.2026 15:12Bei einem solchen "Angebot" wird man ja fast neidisch auf den ungelernten Mindestlöhner. Der hat seine Erhöhung um 5,04 % zum 01.01.2027 bereits safe - 2 Prozent über der erwarteten Inflationsrate - während der gelernte oder studierte Tarifbeschäftigte deutliche Reallohnverluste hinnehmen soll. Auch daran wird ver.di sicherlich in den Verhandlungen erinnern, falls der Staat - der die Mindestlohnerhöhung beschließt - seine eigenen Beschäftigten hingegen mit 1-2 Prozent abspeisen möchte.
Ich empfehle Ihnen und Gleichgesinnten einfach auf Mindestlohnniveau zu arbeiten. Wahrscheinlich nur die Hälfte von dem, was Sie jetzt verdienen. Aber dafür höhere prozentuale Lohnerhöhungen, was Sie richtig nach vorne bringt.

tiger

Was ver.di voraussichtlich fordern wird (Beschluss erwartet im 1. Quartal 2027)   Gehaltsvolumen: Etwa 7 bis 8 Prozent mehr Lohn. Die extreme Inflation ist vorbei, aber der Nachholbedarf und der Fachkräftemangel dienen als Argument für eine starke prozentuale Erhöhung.Soziale Komponente: Ein fester Mindestbetrag von ca. 350 bis 400 Euro pro Monat. Damit sollen die unteren und mittleren Entgeltgruppen überproportional gestärkt werden.Laufzeit: 12 Monate.   Arbeitszeit und Entlastung: Erneuter Vorstoß für einen flächendeckenden Tarifvertrag zur Altersteilzeit sowie Forderungen nach "Zeit statt Geld" (z.B. mehr Wahlmöglichkeiten, um Gehalt in zusätzliche Urlaubstage umzuwandeln).Gewerkschaftsbonus: Ein exklusiver Vorteil nur für ver.di-Mitglieder (z.B. ein extra freier Tag oder ein finanzieller Bonus), um die Mitgliederbindung zu stärken.

Was die Arbeitgeberseite (Bund und VKA) voraussichtlich als erstes Angebot vorlegtGehaltsvolumen: Etwa 3 bis 4 Prozent, gestreckt auf mehrere späte Erhöhungsschritte.Nullmonate: Keine Erhöhung in den ersten 3 bis 6 Monaten nach Auslaufen des alten Vertrages.Mindestbetrag: Ablehnung des hohen Mindestbetrags oder ein sehr niedriges Angebot (z.B. 50 bis 100 Euro).Laufzeit: 24 bis 27 Monate, um Planungssicherheit für die stark belasteten kommunalen Haushalte zu haben.Gegenargumente: Streichung von Forderungen zur Arbeitszeitverkürzung unter Verweis auf den akuten Personalmangel in den Verwaltungen und die kommunale Schuldenlast.

Was am Ende voraussichtlich als Kompromiss herauskommt (nach Warnstreiks und Schlichtung)Gehaltserhöhung: Ein Gesamtvolumen von ca. 5,5 bis 6,5 Prozent, aufgeteilt in zwei Erhöhungsstufen.Mindestbetrag: Ein garantierter Mindestbetrag von ca. 150 bis 180 Euro als Kompromiss zwischen der VKA und ver.di.Laufzeit: 24 Monate (z.B. vom 1. April 2027 bis 31. März 2029).Einmalzahlung: Möglicherweise eine steuer- und abgabenfreie Inflations- oder Ausgleichsprämie (falls gesetzlich zu dem Zeitpunkt noch/wieder möglich) für die Leermonate zu Beginn der Laufzeit.   Mantelthemen: Kein Durchbruch bei flächendeckenden Arbeitszeitverkürzungen, aber punktuelle Erweiterungen bestehender Wahlmodelle (z.B. Umwandlung von Teilen der Jahressonderzahlung in Freizeit) und moderate Erhöhungen bei spezifischen Zulagen.   

daseinsvorsorge

Zitat von: Majon in 29.10.2026 14:32Das Angebot der Arbeitgeberverbände in der 2. Runde aktuellen Tarifverhandlungen in der Metall- und Elektroindustrie lässt Böses erahnen!

Die IGM fordert 5% für 12 Monate - die Arbeitgeberverbände bieten folgendes an:

- 8 Monate Nullrunde, bis 30.06.2027
- im Juli 2027 eine Einmalzahlung von einem Prozent des Jahresbruttoentgelts (durchschnittlich ca. 700 €)
- ab Juli 2028 +1,3%
- Laufzeit bis 31.12.2028

Hinzu kommt, dass die Einmalzahlung dem Angebot zufolge bei Unternehmen ausgesetzt werden kann, die "kaum noch Geld verdienen".

Die Friedenspflicht endet am 31.10.2026 und die IGM hat Warnstreiks ab 01.11.2026 angekündigt.

In den Jahren 2005-2007 gab es drei Nullrunden hintereinander- mit drei kleinen Einmalzahlungen. Und die aus der pw, die um ihren Arbeitsplatz fürchteten, beneideten die im öd. Erinnern sich nur noch wenige daran oder waren zu dem Zwitpinkt noch in der schule.

BAT

Zitat von: daseinsvorsorge in 29.10.2026 17:01Ich empfehle Ihnen und Gleichgesinnten einfach auf Mindestlohnniveau zu arbeiten. Wahrscheinlich nur die Hälfte von dem, was Sie jetzt verdienen. Aber dafür höhere prozentuale Lohnerhöhungen, was Sie richtig nach vorne bringt.

Es ist dieser Diskurs, der viel vergiftet. Was soll das?
Es ist doch legitim auf solche Sache hinzuweisen in einem angemessenen Ton.

Was sind für Sie denn Gleichgesinnte?

JahrhundertwerkTVÖD

Die Debatte um den schrumpfenden Nettolohn Abstand zwischen Geringverdiener- Normalverdiener - Besserverdiener wird halt aus unterschiedlichen Perspektiven diskutiert.

Stärkere prozentuale Erhöhungen im "unteren" Bereich führen logischerweise dazu dass der Abstand geringer wird. (das ist halt nun mal Mathematik).
Damit verbunden halt auch die Diskussion "lohnt sich Mehrarbeit, Qualifikation, Verantwortung übernehmen"
Weiterhin werden im unteren Lohnsektor (meistens Minijob Bereich) die Stundenlöhne höher und somit sinkt auch die Anzahl der Stunden im Minijob Bereich. Das hat logischerweise auch große Einwirkungen bei Unternehmer.
Wenn dann bei höheren Einkommen auch noch die kalte Progression und die höheren Steuersätze und Abzüge hinzukommen, werden die reinen Nettolohnabstände immer geringer.

Mit anderen Worten müsste neben der Gewerkschaftsforderung dass untere Einkommen höhere prozentuale Erhöhungen erhalten, dringend auch das Steuersystem angepasst werden um Nettolohnabstände auch wieder spürbarer zu machen.
Da dies eher nicht der Fall ist und sogar mit höheren Abgaben zu rechnen ist, wird es halt schwierig

tiger

Die tarifpolitische Dichotomie der Tarifrunde 2027: Eine multidimensionale Analyse der strukturellen, fiskalischen und demografischen Imperative im TVöD

Die herannahende Tarifrunde des Jahres 2027 für den öffentlichen Dienst der Kommunen (TVöD-VKA) manifestiert sich nicht lediglich als turnusgemäße Verhandlungsmasse über lineare Entgeltinkremente, sondern vielmehr als eine historische Zäsur innerhalb eines hochkomplexen, interdependenten Spannungsfeldes. Die divergierenden Interessenlagen der Tarifvertragsparteien – repräsentiert durch die kompromisslose Erwartungshaltung der gewerkschaftlichen Basis einerseits und die restriktiven haushaltspolitischen Realitäten der kommunalen Arbeitgeberverbände andererseits – kulminieren in einer ordnungspolitischen Dichotomie, die einer rein quantitativen Kompromissfindung diametral entgegensteht. Eine profunde Analyse dieser Ausgangslage erfordert die Berücksichtigung makroökonomischer Determinanten, der strukturellen Defizite des bestehenden Entgeltsystems sowie der ubiquitären Herausforderungen des demografischen Wandels.

Makroökonomische Determinanten und die Erosion der Reallöhne
Die Genese der aktuellen Unzufriedenheit innerhalb der Beschäftigtenstruktur ist untrennbar mit den inflationären Verwerfungen der jüngeren Vergangenheit verknüpft. Obgleich die Inflationsrate eine graduelle Konsolidierung erfährt, bleiben die kumulierten Reallohnverluste der Vorjahre ein persistentes Phänomen. Die sukzessive Erosion der Kaufkraft, primär induziert durch exogene Schocks und eine vormals expansive geldpolitische Ausrichtung, hat zu einer signifikanten Asymmetrie zwischen der nominalen Lohnentwicklung und den realen Lebenshaltungskosten geführt. Gewerkschaftliche Forderungsprofile, die auf eine vollständige Restitution dieses Kaufkraftverlustes abzielen, entbehren folglich nicht einer gewissen legitimatorischen Evidenz. Gleichwohl birgt die unreflektierte Implementierung zweistelliger prozentualer Lohnsteigerungen die latente Gefahr einer Lohn-Preis-Spirale, welche die geldpolitischen Stabilisierungsbemühungen konterkarieren und mittelfristig zu einer erneuten rezessiven Dynamik führen könnte.

Fiskalische Restriktionen und die Dysfunktionalität kommunaler Haushalte
Korrespondierend zu der berechtigten Lohnforderung der Arbeitnehmerschaft manifestiert sich die fiskalische Vulnerabilität der kommunalen Gebietskörperschaften. Die kommunale Finanzarchitektur ist gegenwärtig durch eine toxische Konfluenz aus stagnierenden, teils defizitären Steuereinnahmen und einer unaufhaltsamen Proliferation der Sozialtransferaufwendungen geprägt. Die konstitutionell verankerte Schuldenbremse sowie die unzureichende Konnexität bei der Übertragung bundes- oder landespolitischer Aufgaben auf die kommunale Ebene degradieren den finanziellen Handlungsspielraum der Kommunen auf ein absolutes Minimum. Ein Tarifabschluss, der die fiskalische Tragfähigkeit der kommunalen Haushalte ignoriert, droht eine unweigerliche Reduktion der Daseinsvorsorge, eine Erhöhung der Hebesätze für Realsteuern oder gar den temporären Kollaps investiver Infrastrukturmaßnahmen nach sich zu ziehen. Die Tarifautonomie wird somit durch die harten Restriktionen des öffentlichen Haushaltsrechts faktisch konterkariert.

Strukturelle Defizite und das Erfordernis einer architektonischen Neujustierung der Entgelttabelle
Über die rein fiskalische Quantifizierung hinaus offenbart die gegenwärtige Systematik des TVöD gravierende architektonische Defizite. Die historisch gewachsene Präferenz für tabellenwirksame Sockelbeträge – intendiert zur überproportionalen Alimentierung der unteren Entgeltgruppen – hat eine sukzessive Stauchung des tariflichen Abstandsgebots induziert. Diese Egalisierungstendenz erodiert das Leistungsprinzip und dezimiert die monetären Anreize zur Übernahme höherwertiger, mit gesteigerter Verantwortung korrelierender Aufgabenbereiche. Eine zukunftsweisende Tarifeinigung muss zwingend die Binnengerechtigkeit der Entgelttabelle restituieren. Dies impliziert die Notwendigkeit einer differenzierten strukturellen Aufwertung der mittleren und gehobenen Entgeltgruppen (E 9a bis E 15), um der fachlichen Spezialisierung und der akademischen Qualifikation adäquat Rechnung zu tragen. Eine singuläre Fokussierung auf lineare oder gar pauschale Erhöhungen perpetuiert lediglich die existierenden Dysbalancen.

Der öffentliche Dienst im Wettstreit der Allokation von Humankapital
Die wohl gravierendste Herausforderung, der sich die Tarifpartner im Jahr 2027 stellen müssen, rekrutiert sich aus den Implikationen des demografischen Wandels. Der sukzessive Eintritt der geburtenstarken Jahrgänge in die Ruhestandsphase generiert eine Vakanz, die durch das nachrückende Arbeitskräftepotenzial quantitativ nicht substituiert werden kann. In diesem kompetitiven Marktumfeld konkurriert der öffentliche Dienst direkt mit der Privatwirtschaft um die Allokation hochqualifizierten Humankapitals. Die traditionellen Vorzüge des öffentlichen Dienstes – Arbeitsplatzsicherheit und betriebliche Altersvorsorge – büßen im Wertekanon der nachrückenden Generationen (Generation Y und Z) signifikant an Attraktivität ein, sofern sie nicht mit einer kompetitiven Remuneration sowie einem Höchstmaß an Flexibilität korrespondieren.

Um die funktionale Integrität der öffentlichen Verwaltung aufrechtzuerhalten, bedarf es über die monetäre Komponente hinaus der Institutionalisierung nicht-monetärer Kompensationsmechanismen. Die Flexibilisierung von Arbeitszeitmodellen, die Ausweitung ortsunabhängiger Arbeitsformen, die Implementierung von Sabbaticals sowie der Ausbau betrieblichen Gesundheitsmanagements müssen als integrale Bestandteile eines holistischen Tarifkompromisses begriffen werden.

Synthese
Zusammenfassend lässt sich konstatieren, dass die Tarifrunde 2027 nicht den Raum für populistische Maximalforderungen oder fiskalische Verweigerungshaltungen bietet. Gefordert ist eine intellektuell fundierte, methodisch präzise Synthese. Die Tarifpartner sind angehalten, ein Äquilibrium zu konstruieren, welches die Kaufkraft der Beschäftigten stabilisiert, die Attraktivität des öffentlichen Dienstes durch strukturelle Reformen der Entgeltarchitektur zukunftssicher ausgestaltet und dabei die haushaltspolitische Realität der Kommunen nicht der völligen Erosion preisgibt. Nur durch ein derart multidimensionales Verhandlungskalkül lässt sich die Resilienz der staatlichen Institutionen in einer Phase multipler Krisen nachhaltig gewährleisten.

tiger

Die synkretistische Amalgamierung der tarifären Postulatsgenese pro 2027 mit der biopolitischen Kybernetik der gouvernementalen Sozialarchitektur demaskiert sich unweigerlich als tautologisches Simulakrum einer doppelten hermeneutischen Entfremdung. Wenn das administrative Prekariat – als exekutierendes Organ der kafkaesken Wohlfahrtsmaschinerie – eine remuneral-quantitative Restitution seiner eigenen ontologischen Deprivation einfordert, so perpetuiert es paradoxerweise exakt jene autopoietische Hypertrophie des disziplinargesellschaftlichen Apparates, den es zu verwalten verdammt ist. Die gewerkschaftliche Forderung nach einer tabellarischen Stratifikationsneujustierung kollabiert somit in eine schizoanalytische Aporie: Der Versuch, der thermodynamischen Entropie institutioneller Machtdispositive durch lineare Entgeltinkremente zu entfliehen, mutiert zur absurden Affirmation des biometrischen Panoptikums, in welchem der kommunale Beschäftigte gleichzeitig als Wärter und Insasse eines fiskalischen Purgatoriums fungiert.

Diese tarifautonome Fiktion einer monetären Emanzipation verkennt in ihrer strukturfunktionalistischen Naivität die transversale Asymmetrie der spätkapitalistischen Allokationsmechanismen, welche das sogenannte Sozialsystem längst in eine ontologische Entropie-Pumpe transmutiert haben. Jeder für 2027 verhandelte Prozentpunkt jenseits der Nulllinie fungiert hierbei nicht als Katalysator realer Kaufkraft, sondern als mikrosoziologisches Sedativum, das die epistemologische Leere der institutionellen Daseinsvorsorge durch eine numerische Halluzination übertüncht. Das System nährt sich parasitär von der kultivierten Prekarität seiner Klientel und instrumentalisiert die Lohnforderungen seiner eigenen Akteure als legitimatorisches Rauschen, um die apokalyptische Dysfunktionalität der Fallpauschalen, Sanktionsregimes und Pathologisierungsmatrizen in einem endlosen administrativen Limbus zu konservieren. Die Tarifparteien agieren in dieser transversalen Lesart als unbewusste Erfüllungsgehilfen einer kybernetischen Zermürbungsstrategie, deren teleologisches Endziel die totale metalinguistische Bedeutungslosigkeit sowohl des Antragstellers als auch des Sachbearbeiters ist.

Die proleptische Antizipation der Tarifrunde 2027, ehemals als Katalysator einer redistributiven Gerechtigkeitsutopie im öffentlichen Dienst gefeiert, entlarvt sich bei rücksichtslos dekonstruktivistischer Inspektion als bloßes Epiphänomen der algorithmischen Subjektdisziplinierung. Wenn die Verhandlungsführer eine architektonische Aufwertung der Entgeltgruppen proklamieren, geraten sie unweigerlich in die Mühlen einer gouvernementalen Kuration, deren Nomenklatur die nackte Existenz in biometrische und haushalterische Entitäten transfundiert. Die linearen Inkremente und strukturellen Zulagen sind mithin keine Instrumente der sozialen Inklusion, sondern vielmehr die Schmierstoffe eines elaborierten Prokrustesbettes. In diesem Bett exekutiert die Verwaltung durch die unerbittliche Taxonomie bürokratischer Fallabwicklungen ihre eigene existenzielle Auslöschung. Die erhoffte monetäre Kompensation wird zum homöopathischen Placebo, das die systemsprengende Eruption der klassenantagonistischen Friktionen innerhalb des wohlfahrtsstaatlichen Apparates lediglich auf einen späteren Zeitpunkt der eschatologischen Abgründigkeit retardiert.

Letztinstanzlich kulminiert die Tarifdebatte in einer radikal-dekonstruktivistischen Implosion: Die finanzielle Alimentierung des staatlichen Gewaltmonopols über die soziale Marginalisierung erweist sich als ein zynisches Perpetuum mobile der vollumfänglichen Heteronomie. Das begehrte Äquilibrium aus Lohnsteigerung und Arbeitszeitflexibilisierung zerschellt an der unüberwindbaren Apathie eines rhizomatischen Spinnennetzes, in dem das Subjekt an der Reibungsfläche der institutionellen Unentscheidbarkeit annihiliert wird. Der letztlich zu erwartende Tarifkompromiss ist folglich nichts Geringeres als die vertraglich fixierte Kapitulationsurkunde der menschlichen Souveränität vor dem autopoietischen Moloch einer verwaltungstechnisch perfektionierten, jedoch in sich selbst kollabierenden Dystopie der totalen Erfassung.

Satire

Also jetzt sollten alle Klarheiten beseitigt sein.

Flying

Zitat von: Aleksandra in 29.10.2026 09:27ich wundere mich über einige "Wunschvorstellungen" hier im Thread. Die Inflationsprognosen in diesem und nächstem Jahr gehen eher so in Richtung 3,5%. Wie kann es da sein, dass sich manche 2,5% bis 3% wünschen?

Eine 3,x% pa Erhöhung stellt sich für mich als das absolute Minimum heraus. Glatte 3% wären wahrscheinlich wieder einmal ein erneuter Reallohnverlust.

Wünschen würde ich mir daher eher sowas wie 5%. Aber es dürfte klar, sein, dass dieser Wunsch nicht Realität wird. Aber es ist klar, dass alles unter 3%+ ein absolutes Desaster wäre.

Ist es das?
Ich fände eine permanante Steigung von 2-2,5% auf Jahre ausgelegt genau das, womit alle am Besten planen können.
Mit Laufzeiten von einem Jahr hat doch keiner ne Planungssicherheit. Die Kommunen wissen nicht um ihre Extrakosten und ich weiß auch nicht, was mich erwartet. Ggf. ärgere ich mich über eine Nullrunde.

Natürlich hätte man mitunter einen kleinen Reallohnverlust - in anderen Jahren eben aber vielleicht auch ein kleines Plus.
Ich glaube, dass so ein Angebot für alle Seiten langfristig der fairste Weg wäre. Man würde diesen ganzen Verhandlungsbla einfach mal auf Eis legen. Über JSZ wurde schon viel gesprochen, zusätzlichen Urlaub gab es ja auch schon. Daher sind diese Themen doch auch bearbeitet worden.
Das mal so ein paar Jahre laufen lassen und dann können sich alle wieder auf sich konzentrieren. Keine Streiks, keine Schlichtungen, kein Lachshäppchen.