Bildungs-Reparaturbetrieb Familie: Hilfslehrer Eltern zwecks Lehrplanerfüllung

Begonnen von WimmelbuchLeser, Gestern um 20:35

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WimmelbuchLeser

Hallo in die Runde,

ich muss hier einfach mal meinen Frust loswerden und hören, wie es euch damit geht.

Die politische Debatte ist ja nicht neu – schon seit Jahren fordert die Politik eine höhere Erwerbsbeteiligung und diskutiert über die Abschaffung des Ehegattensplittings. Dabei geht es gar nicht zwingend darum, dass die Ehefrau per se zu Hause bleiben soll. Ökonomisch macht es einfach Sinn, dass der Partner mit dem höheren Gehalt Vollzeit arbeiten geht. Zumindest geht uns das so!

Fakt ist aber: Gerade bei kaskadierenden Altersabständen – wenn die Kinder wie bei uns (drei Kinder - Grundschüler!) jeweils zwei bis drei Jahre auseinander sind – braucht eine Familie zwingend ein Elternteil, das zu Hause permanent Struktur und Organisation aufrechterhält. Da geht es um denjenigen, der logistisch die besten Voraussetzungen dafür mitbringt. Bei uns läuft das über die Teilzeitstelle meiner Frau, die zugleich im Wohnort mit kurzen Wegen zur Arbeitsstelle arbeitet. Ohne diese Präsenz würde unser Alltag schlicht kollabieren. Nahe Familienangehörige gibt es keine. Das ist der geforderten Flexibilität meines Dienstherrn (Dienstort) geschuldet.

Doch statt uns zu entlasten, verlässt sich unser Bildungssystem genau auf diese mühsam geschaffene Struktur. Ich habe das Gefühl, dass viele Lehrer ihren eigentlichen Lehrauftrag komplett nach Hause abwälzen. Wir lernen nicht mehr nur punktuell mit den Kindern – wir müssen den Stoff zu Hause oft überhaupt erst erklären.  ::)  Durch Lehrermangel und ständigen Unterrichtsausfall bleibt in der Schule so viel auf der Strecke, dass wir Eltern als unbezahlte Nachhilfelehrer einspringen müssen. Selbst in den Ferien gibt es zeitfüllende Aufgabenpakete, sodass für die Kinder kaum noch echte Erholung drin ist. Würden wir uns nicht jeden verdammten Tag dahinterklemmen, wäre ein guter Notendurchschnitt und die Empfehlung fürs Gymnasium absolut utopisch. Die traurigen Gesichter hinsichtlich schlechten Noten, wenn Eltern anderer Kinder es weniger begleiten, vernehmen unsere Kinder. Bisher konnten wir unsere Kinder immer noch erreichen und zugleich motivieren. Doch kamen kürzlich neue Lehrer ins Spiel, die diesbezüglich weniger motivierend unterwegs sind.

Für mich läuft hier gesellschaftlich etwas völlig schief. Die Politik fordert seit Jahren Vollzeit-Präsenz im Job und will steuerliche Anreize streichen, ignoriert aber völlig, dass das Bildungssystem ohne die private Schützenhilfe der Eltern - Ehrenamt / personifizierte Demografie-Sicherung mit Tendenz zur Armutsrente bei meiner Frau - am Küchentisch kollabieren würde. Eine Familie mit mehreren Kindern im Zweijahresabstand braucht Struktur vor Ort – doch die Schule verlässt sich stillschweigend darauf, dass diese Struktur als kostenloser Reparaturbetrieb für den Unterrichtsausfall herhält.

Geht es nur uns so, oder müsst ihr zu Hause auch die Versäumnisse der Schule ausbaden, um euren Kindern eine Perspektive zu bieten? Wie schafft ihr diesen Spagat? Ich bin gespannt auf eure Erfahrungen!