100 km + pendeln?

Begonnen von VFA West, 14.01.2024 17:23

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VFA West

Hallo,

seid ihr schonmal für einen guten Job über 100 km täglich hin und zurück gependeln?

Habe Ende des Monats ein VG für eine Stelle in einer Behörde, die über 100 km entfernt liegt. Allerdings dauert eine Fahrt mit der Bahn von meinem Zuhause bis zur Dienststelle ~2:20 h pro Strecke.

Habt ihr Erfahrungen damit gemacht?

Ich bin gespannt.

2strong

Nicht 100km, ab 85 km bin ich knapp elf Jahre gependelt. 3h Fahrtzeit insgesamt - wenn alles glatt lief. Da ging schon viel Lebenszeit drauf, zumal im Büro ja auch mal ne Überstunde anfällt. Das würde ich im Ergebnis also allenfalls mittelfristig empfehlen. Es sei denn, Du könntest drei oder vier Mal die Woche im Homeoffice arbeiten. Dadurch relativieren sich Distanzen.

VFA West

11 Jahre sind aber auch schon krass. Homeoffice ist im Umfang von 50 % möglich. Aber in dem Umfang erst nach der Probezeit.

Habe mir die Bahnverbindungen nochmal genauer angesehen: ich müsste um kurz nach 5 Uhr los und wäre abends um kurz vor 20 Uhr wieder zu Hause.

Und was macht man dann so in der Bahn oder im Auto?

Faunus

Ja, ca.4  Jahre  bin ich werktäglich knapp 2 Stunden einfach mit den ÖPNV gefahren. Da war ich unter 30 Jahre alt und diese Erfahrung führte dazu, dass zu meinem Lebenskonzept die Erreichbarkeit des Arbeitsplatzes zu Fuß und im Grünen zu meiner Lebensqualität gehören muss.

VFA West

 ;D bin auch noch unter 30; nur wären es bei mir je nach Verbindung dann doch fast 3 h pro Strecke

Ich werde am VG mal teilnehmen und je nach konkretem Angebot entscheiden.

Mich würden "Erfolgsgeschichten" motivieren. Wenn andere es aber 4 bis 11 Jahre schaffen, dann müsste ich das eigentlich auch hinbekommen.

Nach so einer langen Fahrt in der Bahn, hat man da nicht das Bedürfnis, wenn man am Arbeitsplatz ankommt, sich erstmal frisch zu machen? Erstmal anzukommen und in Ruhe im Warmen einen Kaffee zu trinken und zu frühstücken?

SunshineR

Unterschätze nicht die (mentale) Kraft, die durch das tägliche Pendeln draufgeht!

Bringt die neue Stelle dich karrieretechnisch weiter?
Oder was motiviert dich, die weitentfernte Behörde täglich aufzusuchen?

FearOfTheDuck

Letztlich weißt nur du allein, ob du rund 6h am Tag unterwegs sein möchtest. Da würde ich mir eher die Frage stellen, ob ich perspektivisch auch umziehen würde.

Du darfst nicht außer acht lassen, dass auf so einer langen Strecke auch mal öfter was passiert und dann ist evtl. mal buchstäblich der letzte Zug abgefahren. Oder du bist erst spät nachts zuhause und musst um fünf wieder los...
Und selbst ohne Störung, kann so eine Auto- oder Zugfahrt ziemlich nervig sein.

VFA West

Ob mich die Stelle karrieretechnisch wirklich weiterbringen wird, kann ich nicht genau sagen. Die Arbeitsbedingungen sollen gut sein. Und es gibt die Perspektive, ab ca. 2025/2026 bis zu 80 % aus dem Homeoffice arbeiten zu können, je nach Entwicklung des Digitalisierungsprozesses.

Langfristig würde ich dann schon umziehen, aber wohin genau, weiß ich noch nicht. Die Strecke könnte dann auf ~ 00-70 km schrumpfen.

Ich hoffe ja auf die Möglichkeit einer Stufenvorweggewährung, sodass ich mittelfristig zumindest einen finanziellen Vorteil hätte. Und dann könnte ich mir auch ein kleines Appartement in der Nähe der Dienststelle suchen für Mo-Fr.

SunshineR

Ich wünsche dir erstmal viel Erfolg beim Vorstellungsgespräch!

Vermutlich kannst du nach für dich auch besser einschätzen, ob der Kollegenkreis, die Behörde, der Fahrtweg ... langfristig zusagt!

Ich drück dir die Daumen!  :)🍀

VFA West

Oh danke, das ist ja lieb.  :)
Ich werde berichten.

Faunus

Zitat von: VFA West in 14.01.2024 18:51
Nach so einer langen Fahrt in der Bahn, hat man da nicht das Bedürfnis, wenn man am Arbeitsplatz ankommt, sich erstmal frisch zu machen? Erstmal anzukommen und in Ruhe im Warmen einen Kaffee zu trinken und zu frühstücken?

Angekommen, Sachen abgelegt und bei einem heißen Kaffee Arbeitslage sondiert. Ich habe das 2x2 Jahre gemacht und es war eine lehrreiche und  tolle Zeit, die ich auf keinenFall missen möchte. Im Zug habe ich in der Regel gelernt - was auch immer anfiel und irgendiwe im Dunstkreis meiner Arbeit lag. Aber mit steigendem Alter kommt auch die Bequemlichkeit und der Wunsch, einen Ausgleich zu haben.

Du bist jung und damit flexibel genug um auszuprobieren, am VG teilzunehmen und hoffentlich entwickelt sich das so super für Dich, dass sich daraus etwas Tolles ergibt. Wenn Dir irgendwann 3 Stunden Fahrt auf die Nerven gehen, aber Du den Arbeitsplatz mit Umfeld und Entwicklungsmöglichkeiten nicht mehr aufgeben möchtest, kannst Du ja immer noch umziehen.

clarion

Moin, ich bin etliche Jahre in die Ferne gependelt. Ich habe mir aber immer schnell eine Zweitwohnung in der Nähe der Arbeitsstelle gesucht, da mir es zu viel Lebenszeit war. Das hat auch nur funktioniert,  weil ich ziemlich gerne Auto fahre.

gerzeb

Für mich persönlich wäre es kein Job der Welt wert täglich 6 Stunden zu pendeln. Wenn eine Verbindung ausfällt wären es dann vermutlich schon 7 Stunden. Du bist also mindestens 14 Stunden täglich nicht da. Da würde mir zu viel Lebensqualität verloren gehen.

VFA West

Zitat von: Faunus in 14.01.2024 23:42
Zitat von: VFA West in 14.01.2024 18:51
Nach so einer langen Fahrt in der Bahn, hat man da nicht das Bedürfnis, wenn man am Arbeitsplatz ankommt, sich erstmal frisch zu machen? Erstmal anzukommen und in Ruhe im Warmen einen Kaffee zu trinken und zu frühstücken?

Angekommen, Sachen abgelegt und bei einem heißen Kaffee Arbeitslage sondiert. Ich habe das 2x2 Jahre gemacht und es war eine lehrreiche und  tolle Zeit, die ich auf keinenFall missen möchte. Im Zug habe ich in der Regel gelernt - was auch immer anfiel und irgendiwe im Dunstkreis meiner Arbeit lag. Aber mit steigendem Alter kommt auch die Bequemlichkeit und der Wunsch, einen Ausgleich zu haben.

Du bist jung und damit flexibel genug um auszuprobieren, am VG teilzunehmen und hoffentlich entwickelt sich das so super für Dich, dass sich daraus etwas Tolles ergibt. Wenn Dir irgendwann 3 Stunden Fahrt auf die Nerven gehen, aber Du den Arbeitsplatz mit Umfeld und Entwicklungsmöglichkeiten nicht mehr aufgeben möchtest, kannst Du ja immer noch umziehen.

Oh, das klingt aber schön. Vielen, vielen Dank für deinen Erfahrungsbericht.  :)

Wenn es klappt, würde ich es einfach mal versuchen und schlimmstenfalls kann ich mir ja tatsächlich eine Zweitwohnung oder ein Zimmer in der Nähe der Dienststelle anmieten.

2strong

3h fand ich auf Dauer zu hart. Nicht, weil man das nicht machen kann. Aber ohne Überstunden und Zugausfall dauert der Arbeitstag dann bereits 12h. Für mich hat es sich seinerzeit gelohnt, weil ich so ein duales Studium in der öffentlichen Verwaltung beginnen, absolvieren und - nach Stellenwechsel - relevante Berufserfahrung für spätere höherwertige Verwendung erlangen konnte. Bei Dir kämen aber ja nochmal 3h Zeit pro Tag oben drauf. Für eine Entgeltgruppe 8 oder 9a? Davon rate ich Dir ab. Das bekommt man auch leichter. Und da tröstet auch die hohe Pendlerpauschale nicht drüber hinweg.