Entgelttransparenzgesetz 2026

Begonnen von Elke1980, 16.01.2026 18:28

Vorheriges Thema - Nächstes Thema

Elke1980

Hallo zusammen,

im Juni 2026 muss ja das Entgelttransparenzgesetz in nationales Recht umgesetzt werden.

Mich interessiert, was hiervon ernsthaft zu erwarten ist und was Ihr tatsächlich mit Blick auf die Praxis erwartet.

Meine Bedenken, durchaus etwas egoistisch auf meine Situation bezogen, aber vielleicht gar nicht so irrelevant für andere User hier:

Ich arbeite als Laborantin und bin über BAT VIb nach Vc und dadurch nach EG 8 gekommen, somit ist für mich EDEKA (es ist nicht der Supermarkt gemeint). Es gibt an unserer Institution Kolleginnen, die zu technisches Assistenten "befördert" wurden und in 9a sind, aber im Großen und Ganzen etwa solche Funktionen haben wie ich. Stelle ich nun demnächst eine Anfrage in der Form, dass ich doch gerne wüsste, wie Kollegen in vergleichbaren Positionen bezahlt werden, sehe ich die "Gefahr", dass man mir ganz nonchchalant mitteilt, es gebe leider gar keine Vergleichsgruppe und keine Leute, die mit mir vergleichbar wären - was ja, wenn man sich sehr an den leicht unterschiedlich bewerteten Laboranten- und Assistentenstellen aufhängt, sogar bedingt stimmt. Es stimmt auch, dass ich hier im Haus die einzige Chemikantin in der Funktion einer Laborantin bin. Allerdings könnte man auf diesem Wege ja jede entsprechende Anfrage irgendwie negativ bescheiden.

Wie seht Ihr das?

Beste Grüße
Elke

tb2022

Was denkst Du, wie interessant ich das finde, dass dies hoffentlich bald offengelegt werden muss?

Da bekommt man seit Jahren die E9a im TV-L (IT) und schon seit langer Zeit werden Stellen im eigenen Team, die der eigenen Stelle entsprechen, mit E11 ausgeschrieben.
Wir sprechen hier also nicht nur von EINER EG Unterschied, sondern im schlimmsten Fall von DREIEN!


Interessant: wenn man sich auf Stellen überhaupt bewirbt, die im IT-Bereich nun oft mit E11 ausgeschrieben werden, wird man gefragt, was man bisher bekommt.

Man bekommt dann gesagt, wenn Sie jetzt auch einer E9a sitzen, dann bekommen Sie bei uns auch E9a(!)

In welchem Jahrhundert leben Personaler eigentlich?

MoinMoin

Kann es sein das diese Personaler Beamte sind?

Rowhin

Zitat von: MoinMoin in 16.01.2026 20:53Kann es sein das diese Personaler Beamte sind?

Meiner Erfahrung nach nicht die Sachbearbeitenden, aber die Führungsriege meist. Das scheint zu genügen.

Aber ja, könnte spannend werden. Da werden viele unangenehme Gespräche anstehen, bis man einen neuen Weg findet, das Ganze wieder zu umgehen.

Tiffy

Zitat von: Elke1980 in 16.01.2026 18:28Stelle ich nun demnächst eine Anfrage in der Form, dass ich doch gerne wüsste, wie Kollegen in vergleichbaren Positionen bezahlt werden, sehe ich die "Gefahr", dass man mir ganz nonchchalant mitteilt, es gebe leider gar keine Vergleichsgruppe und keine Leute, die mit mir vergleichbar wären - was ja, wenn man sich sehr an den leicht unterschiedlich bewerteten Laboranten- und Assistentenstellen aufhängt, sogar bedingt stimmt.
Interessante und wahrscheinlich sogar realistische Befürchtung. Bin auch hin- und hergerissen, was ich davon halten soll.

MoinMoin

Also ich habe keine Ahnung wo und in welcher Form dieses Gesetz in einem so klar geregelten Bereich wie dem TV was bringen soll.

Man ist und bleibt aufgrund seiner auszuübenden Tätigkeit eingruppiert.
Wer das falsche Entgelt bekommt, benötigt also nicht ein Transparenzgesetz. Man muss doch nur wissen was die aT sind und dann weiß man wie man eingruppiert ist (oder kann einen wissenden damit beauftragen)

Und wenn andere aus welchen Gründen auch immer falsch bezahlt werden, hat man keinen Anspruch darauf ebenfalls falsch bezahlt zu werden.
Oder wenn andere Zulagen bekommen, dann hat man doch auch keinen Anspruch darauf ebenfalls diese Zulagen zu bekommen.
Und wenn der eine in Stufe 2 ist und der andere in 6, dann ist es auch nicht das gleiche Entgelt.

BAT

Abgesehen vom materiellen Inhalt dieser Regelung; es läuft auf jeden Fall mit dem Bürokratieabbau.

Dafür läuft es ja mit dem Herbst der Reformen. Hat da schon jemand einen Euro mehr?
bei mir sind es weniger. Läuft...

tb2022

Der Gedanke, dass man nicht über sein Gehalt spricht bzw. manche AG dies angeblich sogar verbieten, ist außerordentlich arbeitnehmerfeindlich und stärkt nur die Position der AG.
Nur Transparenz, auch persönliche, hilft, Druck auf AG auszuüben und die Position der AN zu stärken.

Meine Aussagen eben betreffen natürlich eher die freie Wirtschaft, im Ö.D. sollte es ja eigentlich mit rechten Dingen zugehen, tut es aber ja leider nicht, wie dieses Forum zeigt.

MoinMoin

Zitat von: tb2022 in Gestern um 21:08Der Gedanke, dass man nicht über sein Gehalt spricht bzw. manche AG dies angeblich sogar verbieten, ist außerordentlich arbeitnehmerfeindlich und stärkt nur die Position der AG.
Nur Transparenz, auch persönliche, hilft, Druck auf AG auszuüben und die Position der AN zu stärken.

Meine Aussagen eben betreffen natürlich eher die freie Wirtschaft, im Ö.D. sollte es ja eigentlich mit rechten Dingen zugehen, tut es aber ja leider nicht, wie dieses Forum zeigt.
Es ist verboten worden, dass es verboten ist über sein Gehalt mit Kollegen zu sprechen.
Also jede Abmahnung die deswegen gemacht werden würde, würde nicht weit kommen.

Und mehr Transparenz als im öD gibt es doch kaum, da sind doch die Gehälter geregelt.
Wenn da jemand weniger als jemand anderes verdient, dann liegt das
a) Daran dass sie eben nicht die identischen Tätigkeiten UND Zeitanteile haben
b) Andere Stufen erreicht worden sind
c) die seltenen Fälle, wo Zulagen gewährt worden sind
d) Der AG ODER der AN irrt sich in seiner Rechtsmeinung bzgl. der Eingruppierung
e) außer tarifliche Regelungen

Also was hilft es dir wenn du exakt von jeder Nase weißt was sie verdienen?
Es ändert nichts daran, dass du zunächst klären musst, ob du das bekommst, was dir tariflich zusteht.
und dabei hilft dir keine weiteres Gesetz, sondern nur ein Blick in den Tarifvertrag den du mit deinem AV unterschrieben hast.

Elke1980

Nun, es gibt in unserer Hochschule, verteilt über etliche Fakultäten und Standorte, zahlreiche Laborantinnen und Laboranten, wobei ich von einigen wenigen weiß, dass ihre Tätigkeitsbeschreibungen mal so frisiert wurden, dass eine Einreihung im Teil "Technische Assistenten" möglich wurde. Wie schätzt Ihr denn die Situation ein? Müssten mir, wenn ich nach Inkrafttreten der Regelung eine solche Anfrage stelle, nicht auch diese Stellen (natürlich anonymisiert, aber doch anzahlmäßig) mitgeteilt werden bzw. müssten diese Strukturen im Laborantenbereich nicht auch unabhängig von etwaigen Einzelanfragen in den dann verpflichtenden Berichten offengelegt werden? Mir ist die Widersprüchlichkeit sowohl der Regelung als auch meiner Überlegungen durchaus bewusst.

BAT

Was ist mit Teilzeit, Entgeltumwandlung und unständigen Bezügen?

Tiffy

Zitat von: Elke1980 in Heute um 15:13Müssten mir, wenn ich nach Inkrafttreten der Regelung eine solche Anfrage stelle, nicht auch diese Stellen (natürlich anonymisiert, aber doch anzahlmäßig) mitgeteilt werden bzw. müssten diese Strukturen im Laborantenbereich nicht auch unabhängig von etwaigen Einzelanfragen in den dann verpflichtenden Berichten offengelegt werden?
Ich denke, das steht und fällt mit der Auslegung der Formulierung "vergleichbare Stellen". Wie lange ist eine Stelle "vergleichbar" und muss im Bericht aufgeführt werden? Nur dann, wenn sie identisch eingruppiert ist? Dann wäre der Auskunftsanspruch genauso sinnvoll wie "beim Duschen wird man nass". Oder sind Stellen dann (noch) "vergleichbar", wenn sie sich inhaltlich um x % ähneln/überschneiden und die Eingruppierung um maximal ± y Entgeltgruppen abweicht? Keine Ahnung...

MoinMoin

Richtig! Vergleichbar sind die AN, die vergleichbare Tätigkeiten übertragen bekommen haben!

Das sich dies von den ausgeübten Tätigkeiten massiv unterscheiden, dass ist mal bewusst, mal unbewusst, mal gewollt, mal durch Dummheit oder schlechte Dokumentation entstanden.

Und wenn da mal was frisiert wurde und bewusst übertariflich bezahlt wird, dann wird man dem damit auch nicht auf die Schliche kommen.
Falls doch, dann heißt es nicht das man mehr Geld bekommt, sondern die anderen andere Aufgaben, die zur EG passen, oder sie werden herab gruppiert durch Änderungskündigung, weil der AG merkt, er hat diese höheren Aufgaben für sie nicht mehr.