Demo gegen den TV-L-Abschluss

Begonnen von BlackMamba, Gestern um 14:12

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BlackMamba

Hier in den Foren, als auch in anderen Gruppen/Seiten wird sehr über den aktuellen TV-L Abschluss diskutiert. Im großen und ganzen herrscht unzufriedenheit. Insbesondere über die Nullrunden und dass Themen wie Erhöhung der Jahressonderzahlung etc... Der TVL wird dadurch immer unattraktiver.

Nicht alle sind verdi-Mitglieder, oder sind dabei auszutreten, was aber das Dilemma nicht verbessert.

Wäre es nicht besser, selbst als Arbeitnehmer auf die Straße zu gehen und gegen den TVL Abschluss und gegen die Spaltung TVöD und TVL durch verdi zu demonstrieren? Denn nur der mediale druck bzw. die öffentlichen Demos könnten mehr Wirkung zeigen, als im stillen Kämmerlein zu meckern?

Klar könnte ich der verdi beitreten, aber ich fühle mich als TVL-Arbeitnmehmer nicht wirklich gut vertreten. Denn die Entwicklung von TVöD und TVl sagt schon alles.


Petar Tudzharov

Es gibt sicherlich schlauere Ideen, als im Nachgang statt im Vorfeld bzw. während  Verhandlungen zu demonstrieren und Druck auszuüben.

BlackMamba

Und die da wären? Wie kann man jetzt noch schnell und am effektivsten Druck ausüben und die Aufmerksamkeit bekommen? Sicherlich nicht, durch bloßes Kommenterien im Forum?

Denn was ich hier anmerken muss, enttäuscht sind hier viele über das Ergebnis. Aber von den TVL Beschäftigten sind viellicht gerade  mal 16-20% bei Verdi? Also nicht wirklich representativ. Und die Mitgliederzahlen sind rückläufig. Spricht eher gegen verdi.

Leider werden die unzufriedenstellenden Tarifverhandlungen "hingenommen" und genauso arbeitet/verhandelt verdi entsprechend. Wozu große mühe geben, wenn es am ende eh keinen Interessiert...

Petar Tudzharov

Welchen Sinn hätten Tarifeinigungen, wenn Parteien aus Unzufriedenheit über das Ergebnis hinterher alles infrage stellen könnten?

Nur damit ich das richtig verstehe: es soll demonstriert werden, um genau was zu erreichen? Neue Verhandlungen, wieder alles auf Null? Kein Abweichen von 7% für 12 Monate?

TVOEDAnwender

Du kannst natürlich auch einfach versuchen, individuell mit Deinem Arbeitgeber eine höhere Entgeltsteigerung oder eine übertarifliche Zulage zu verhandeln. Der TV-L verbietet das nicht.

Wenn Du kein Gewerkschaftsmitglied bist und auch nicht bereit warst, Dich im Rahmen von Arbeitskampfmaßnahmen einzubringen, bleibt Dir am Ende nur genau dieser Weg. Tarifsteigerungen entstehen nicht durch Unzufriedenheit im Forum oder nachträgliche Demonstrationen, sondern durch kollektiven Druck während der Verhandlungen.

Der Unterschied zwischen TVöD und TV-L liegt nicht daran, dass die Gewerkschaften im einen Bereich plötzlich besser verhandeln können als im anderen, sondern daran, dass der Organisationsgrad und damit die tatsächliche Streikfähigkeit im kommunalen Bereich deutlich höher ist.

Ohne ausreichenden Organisationsgrad gibt es kein wirksames Druckmittel. Und ohne Druckmittel gibt es am Ende genau solche Abschlüsse, über die sich anschließend viele beschweren, die vorher nicht bereit waren, die notwendige Durchsetzungskraft mit aufzubauen.

MeTe

#5
ZitatDer Unterschied zwischen TVöD und TV-L liegt nicht daran, dass die Gewerkschaften im einen Bereich plötzlich besser verhandeln können als im anderen, sondern daran, dass der Organisationsgrad und damit die tatsächliche Streikfähigkeit im kommunalen Bereich deutlich höher ist.

Halte ich für nur die halbe Warhheit bzw. reproduziert diees "seid halt selbst schuld"-Klischee. Ich sehe das anders, nämlich dass der TV-L, selbst wenn er gleich "organisiert" wäre wie der TVöD trotzdem systemisch bzw. strukturell benachteiligt ist weil er einfach "weiter weg" vom Bürger ist. Was ich meine: Wenn der Bauhofmitarbeiter, Müllabfuhr, der Kindergarten, das örtliche Amt (TVöD) streikt - das merkt jeder, die Auswirkungen sind unmittelbar, betreffen den Alltag der Bevölkerung. Das erzeugt öffentlichen Druck. Wenn hingegen die Mitarbeiter einer Universität streiken, einzelne (angestellte) Lehrer - interessiert das doch keinen. Den meisten würde es noch nicht mal auffallen, da die Auswirkungen subtiler sind, mittelbarer, langfristiger.

Welchen Sinn hätte es denn an z.B. ner Uni zu streiken? Da könnte man ne Woche durchstreiken und es würde der breiten Bevölkerung wohl nichtmal auffallen bzw. es wär ihr egal. Welchen Druck würde man damit denn aufbauen. Beim TVöD hingegen, da will ich sehen was los ist wenn die Kita ne Woche lang streikt.

Ne, dieses "selbst schuld, seid halt nicht streikfreudig" halte ich für kurzsichtig. TV-L Mitarbeiter kommen ja nicht einfach "friedlicher/genügsamer/devoter" auf die Welt  - es liegt eher daran dasses  in vielen Bereichen des TV-L schlichtweg kaum jemandne interessieren wrüde wenn sie streiken würden oder organisiert wären.

StreikenderBeamter

Grundsätzlich wäre das durchaus möglich. Aber du brauchst wen, der das organisiert und verantwortet. Die Verdi oder angeschlossene Gewerkschaften werden das sicher nicht organisieren. Dazu betrifft das ja Mitarbeiter in 15 Bundesländern. Also mindestens 15 Demos. Soeine Demo kostet auch ne Menge Geld das auch erstmal eine Organisation bezahlen muss.

Dazu sind die meisten einfach recht still. Nicht weil es ihnen egal ist, die haben "aufgegeben". Es wird nach diesem Tarifabschluss nicht so sein, dass viele kündigen, aber das ist ein schleichender Prozess. Man fängt schon irgendwann an, mal in die Zeitungen zu gucken, man wird für Recrutingvideos auf SocialMedia-Kanälen anfälliger, man meldet sich auf Jobplattformen an usw. Aber man geht dann nicht auf ne Demo, sondern ist einfach irgendwann weg.

AVP

Geh doch zum ÖRR oder einer gesetzlichen Krankenversicherung. Die sollen bald nach TVöD bezahlt werden, wehren sich aber vehement dagegen.

https://www.gds.info/gkv-und-md-haende-weg-von-unserem-portmonee-mach-dich-stark-gegen-die-gehaltskuerzung/

Da sieht man mal wie schlecht der TV-L tatsächlich ist, wenn schon den TVöD (außer TVLer) niemand will...

AVP

Zitat von: TVOEDAnwender in Gestern um 14:46Der Unterschied zwischen TVöD und TV-L liegt nicht daran, dass die Gewerkschaften im einen Bereich plötzlich besser verhandeln können als im anderen, sondern daran, dass der Organisationsgrad und damit die tatsächliche Streikfähigkeit im kommunalen Bereich deutlich höher ist.



Der Unterschied liegt primär in der Personalstruktur.

Der TV-L (und die künstlich an ihn gekoppelten Besoldungsordnungen der Länder) haben einen riesigen Personalkörper an sehr hoch eingruppiertem Personal. Insbesondere Lehrer (meist knapp die Hälfte des Personals), aber auch Juristen (Richter, Staatsanwälte), Professoren etc.

Wenn 60% des Personalkörpers im höheren Dienst ist und dort durchschnittlich 6.000 € verdient, dann bedeutet eine Erhöhung um 5% eine monatliche Mehrbelastung von 300 €.

In den Kommmunen und auch beim Bund ist der Großteil des Personals in dem ,,mittleren Dienst". Wenn dort durchschnittlich 3.000 € verdient wird, dann bedeutet eine Erhöhung um 5% halt nur eine Mehrbelastung von 150€.

Es ist ein strukturelles Problem, welches sich nur persönlich lösen lässt. Mit dem Wechsel zum TVöD oder noch besser zu AOK, Bundesagentur für Arbeit etc.

clarion

Spricht doch dafür Lehrer nicht mehr zu verbeamten,  denn die können ähnlich wie Müllabfuhr Druck auf den Kessel bringen.

 ;D

blondie

Zitat von: MeTe in Gestern um 15:23Ne, dieses "selbst schuld, seid halt nicht streikfreudig" halte ich für kurzsichtig. TV-L Mitarbeiter kommen ja nicht einfach "friedlicher/genügsamer/devoter" auf die Welt  - es liegt eher daran dasses  in vielen Bereichen des TV-L schlichtweg kaum jemandne interessieren wrüde wenn sie streiken würden oder organisiert wären.
Wenn die MHH, also die med. Hochschule in Hannover, beim streiken dabei ist, dann merken das sehr schnell viele Menschen durch abgesagte/verschobene OP's. Die Straßenmeistereien wurden in den Medien mächtig angegangen durch den eingeschränkten Winterdienst oder Tunnel/Brückensperrungen. Pauschal ist das also nicht richtig.

seberus

Zitat von: BlackMamba in Gestern um 14:12Hier in den Foren, als auch in anderen Gruppen/Seiten wird sehr über den aktuellen TV-L Abschluss diskutiert. Im großen und ganzen herrscht unzufriedenheit. Insbesondere über die Nullrunden und dass Themen wie Erhöhung der Jahressonderzahlung etc... Der TVL wird dadurch immer unattraktiver.

Nicht alle sind verdi-Mitglieder, oder sind dabei auszutreten, was aber das Dilemma nicht verbessert.

Wäre es nicht besser, selbst als Arbeitnehmer auf die Straße zu gehen und gegen den TVL Abschluss und gegen die Spaltung TVöD und TVL durch verdi zu demonstrieren? Denn nur der mediale druck bzw. die öffentlichen Demos könnten mehr Wirkung zeigen, als im stillen Kämmerlein zu meckern?

Klar könnte ich der verdi beitreten, aber ich fühle mich als TVL-Arbeitnmehmer nicht wirklich gut vertreten. Denn die Entwicklung von TVöD und TVl sagt schon alles.



wenn z.B. von den (laut Google) mehr als 300000 Landensbeschäftigten in Baden-Württemberg da die hälfte mitmacht, dann könnte das vielleicht sogar was bewirken.

Garfield

Zitat von: seberus in Heute um 07:38wenn z.B. von den (laut Google) mehr als 300000 Landensbeschäftigten in Baden-Württemberg da die hälfte mitmacht, dann könnte das vielleicht sogar was bewirken.

von diesen Beschäftigten gehen ungefähr 1% zu den Demos während den Verhandlungen.
Wenn wirklich jemand glaubt zu einem völlig sinnlosen Demo gegen das Ergebnis kommen mehr.
Dann nur zu, ruft auf. Ich bin sehr gespannt.

Schau dir mal die Teilnehmerzahlen des Campus-Streiktags an.
600 Streikende in Heidelberg, einer Stadt umringt von großen Unis mit mehreren Tausend Beschäftigten.
Als Arbeitgeber hättest du nach diesem Streiktag eigentlich auch sagen können du ziehst das Angebot zurück und machst nochmal ein Schlechteres.

Die Leute sind nicht nur nicht in der Gewerkschaft, sie interessiert auch größtenteils die Tarifverhandlung nicht.

Also bitte, ruf zu der Demo auf. Wenn mehr als 15 Leute kommen, mit denen du nicht verwandt bist, bin ich schon beeindruckt.

seberus

Zitat von: Garfield in Heute um 08:11von diesen Beschäftigten gehen ungefähr 1% zu den Demos während den Verhandlungen.
Wenn wirklich jemand glaubt zu einem völlig sinnlosen Demo gegen das Ergebnis kommen mehr.
Dann nur zu, ruft auf. Ich bin sehr gespannt.

Schau dir mal die Teilnehmerzahlen des Campus-Streiktags an.
600 Streikende in Heidelberg, einer Stadt umringt von großen Unis mit mehreren Tausend Beschäftigten.
Als Arbeitgeber hättest du nach diesem Streiktag eigentlich auch sagen können du ziehst das Angebot zurück und machst nochmal ein Schlechteres.

Die Leute sind nicht nur nicht in der Gewerkschaft, sie interessiert auch größtenteils die Tarifverhandlung nicht.

Also bitte, ruf zu der Demo auf. Wenn mehr als 15 Leute kommen, mit denen du nicht verwandt bist, bin ich schon beeindruckt.

600 wow, da wart ihr ja richtig gut. Bei uns waren es von ungefähr 5000 (fest Angestellten, die befristeten Projektmitarbeiter zähle ich da schon gar nicht dazu) ungefähr 80

Albeles

Manche meiner Kollegen wussten noch nicht mal das es Verhandlungen gibt. Die kennen kaum ihre EG oder Stufe....ist ihnen auch wumpe. wenn es mehr Geld gibt, merken die das irgendwann mal durch Zufall auf dem Konto. Dann wird sich gefreut und das war es auch schon. Traurig, aber wahr......