Demo gegen den TV-L-Abschluss

Begonnen von BlackMamba, 19.02.2026 14:12

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MeTe

#15
Zitat von: Garfield in 20.02.2026 08:11Schau dir mal die Teilnehmerzahlen des Campus-Streiktags an.
(...)
Die Leute sind nicht nur nicht in der Gewerkschaft, sie interessiert auch größtenteils die Tarifverhandlung nicht.

Naja, einseitige "Schuldzuweisungen" halte ich da weiterhin für kurzsichtig. Das ist schon ein System das von beiden Seiten so bedient wird.

Kleine Anekdote dazu: Bei uns auf dem Campus hingen einst überall Plakate wie "gerechtes Gehalt für Erzieher" oder an der Mensa "mehr Geld für Küchenpersonal" usw. - als ich dann bei so ner Verdi-Veranstaltung angesprochen habe dass ein Großteil des wiss. Personals trotz Universitätsabschluss weit weniger verdient als Erzieher oder Küchenpersonal, oftmals nur 100-200€ über Hartz-IV-Niveau liegen mit ihrem Gehalt, und dass trotz regelmäßig 60h+ Wochen (alles Fakten die ich hätte belegen können) - und ob man das Thema als Gewerkschaft nicht auch mal aufgreifen möchte - gerade an einer Uni - kam als Antwort inhaltlich zurück: "Ach, die verdienen später in ihrem Leben noch mehr als genug. Lehrjahre sind halt keine Herrenjahre. Die sollen erstmal was leisten bevor sie Geld möchten." Wieso hätte ich (oder irgendeiner meiner Kollegen) sich danach noch für diese Karikatur einer 'Gewerkschaft' interessieren oder sich gar aktiv einbringen sollen?!

Und ich nehme einfach mal an dass das nicht ein Einzelfall ist sondern schon irgendwo systemisch bedingt ist, diese Grundeinstellung findet man immer wieder bei so viellen Veröffentlichungen und Aussagen aus Richtung Verdi bis hoch zur Spitze.

Muss man sich da wundern dass aus dem Klientel kaum jemand für die Gewerkschaft interessiert? Anders herum ist es eben auch so, in der Gewerkschaft interessiert sich auch kaum jemand für das Klientel bzw. oftmals bekomme ich sogar den Eindruck es herrscht ne aktive Abneigung und es wird jede Gelegenheit genutzt um diese oder deren Leistungen abzuwerten. Beruht eben auf Gegenseitigkeit.

Maggus

@BlackMamba
Streiken darf jeder, ob Mitglied einer der verhandelnden Gewerkschaften oder nicht, wenn der eigene Betrieb zum Streik aufgerufen wird.
Seit den letzten drei Verhandlungsrunden beteiligten sich bei uns viele Kolleginnen und Kollegen an den Warnstreiks (> 300 TN) und davon ein erheblicher Anteil Nichtmitglieder. Viele der Nichtmitglieder bleiben Nichtmitglieder, wollen sich aber in der Tarifrunde sichtbar einbringen und lassen sich dann halt 1-3 Streiktage vom Gehalt abziehen.
Dennoch beteiligen sich gut 1.000 Kolleginnen und Kollegen nicht an den Streiks.
Wie viele bei einem Arbeitskampf von den 300 TN übrig bleiben würde, möchte ich mir nicht ausmalen.

Wer noch nicht einmal bereit ist sich an 1-3 Tage alle 2 Jahre einzubringen wird wohl kaum nach einem Verhandlungsergebnis aktiv werden.
Und die TN an einer Demo ist nicht durch das Streikrecht gedeckt, also muss ich Urlaub dafür nehmen und bekommen oder sie findet am Wochenende/Feiertags statt.

Susa

Ich werde irgendwie den Eindruck nicht los, das das Ergebnis vorher schon fest steht und schnell mal hinter geschlossenen Türen verhandelt wurde.
Sollten mal einen Live-Stream machen bei den Verhandlungen :-)
Möchte danach bestimmt niemand mehr fürs Land arbeiten, Thema: Wertschätzung
Schon sehr traurig.

AVP

Zitat von: Albeles in 20.02.2026 10:33Manche meiner Kollegen wussten noch nicht mal das es Verhandlungen gibt. Die kennen kaum ihre EG oder Stufe....ist ihnen auch wumpe. wenn es mehr Geld gibt, merken die das irgendwann mal durch Zufall auf dem Konto. Dann wird sich gefreut und das war es auch schon. Traurig, aber wahr......

Wenn man sowas liest sollte man eigentlich selber Arbeitgeber werden

DerUnger

Zitat von: Albeles in 20.02.2026 10:33Manche meiner Kollegen wussten noch nicht mal das es Verhandlungen gibt. Die kennen kaum ihre EG oder Stufe....ist ihnen auch wumpe. wenn es mehr Geld gibt, merken die das irgendwann mal durch Zufall auf dem Konto. Dann wird sich gefreut und das war es auch schon. Traurig, aber wahr......

zeigt halt dass es extrem viele gibt die halt mit ihrem Gehalt absolut zufrieden sind oder extrem passiv...

Garfield

Zitat von: MeTe in 20.02.2026 11:31Naja, einseitige "Schuldzuweisungen" halte ich da weiterhin für kurzsichtig. Das ist schon ein System das von beiden Seiten so bedient wird.

Kleine Anekdote dazu: Bei uns auf dem Campus hingen einst überall Plakate wie "gerechtes Gehalt für Erzieher" oder an der Mensa "mehr Geld für Küchenpersonal" usw. - als ich dann bei so ner Verdi-Veranstaltung angesprochen habe dass ein Großteil des wiss. Personals trotz Universitätsabschluss weit weniger verdient als Erzieher oder Küchenpersonal, oftmals nur 100-200€ über Hartz-IV-Niveau liegen mit ihrem Gehalt, und dass trotz regelmäßig 60h+ Wochen (alles Fakten die ich hätte belegen können) - und ob man das Thema als Gewerkschaft nicht auch mal aufgreifen möchte - gerade an einer Uni - kam als Antwort inhaltlich zurück: "Ach, die verdienen später in ihrem Leben noch mehr als genug. Lehrjahre sind halt keine Herrenjahre. Die sollen erstmal was leisten bevor sie Geld möchten." Wieso hätte ich (oder irgendeiner meiner Kollegen) sich danach noch für diese Karikatur einer 'Gewerkschaft' interessieren oder sich gar aktiv einbringen sollen?!

Und ich nehme einfach mal an dass das nicht ein Einzelfall ist sondern schon irgendwo systemisch bedingt ist, diese Grundeinstellung findet man immer wieder bei so viellen Veröffentlichungen und Aussagen aus Richtung Verdi bis hoch zur Spitze.

Muss man sich da wundern dass aus dem Klientel kaum jemand für die Gewerkschaft interessiert? Anders herum ist es eben auch so, in der Gewerkschaft interessiert sich auch kaum jemand für das Klientel bzw. oftmals bekomme ich sogar den Eindruck es herrscht ne aktive Abneigung und es wird jede Gelegenheit genutzt um diese oder deren Leistungen abzuwerten. Beruht eben auf Gegenseitigkeit.


Was letztendlich alles nichts daran ändert, dass diese Menschen sich dann nachher auch nicht über den Abschluss beschweren und das auch nicht sollten und erst Recht nicht zu einer Demo gegen den Abschluss kommen.


Petar Tudzharov

Zitat von: Albeles in 20.02.2026 10:33Manche meiner Kollegen wussten noch nicht mal das es Verhandlungen gibt. Die kennen kaum ihre EG oder Stufe....ist ihnen auch wumpe. wenn es mehr Geld gibt, merken die das irgendwann mal durch Zufall auf dem Konto. Dann wird sich gefreut und das war es auch schon. Traurig, aber wahr......

Was genau daran ist traurig? Menschen, die zufrieden sind mit ihrem Einkommen? Die selbstbestimmt entscheiden, wo sie zu welchen Konditionen arbeiten? Deren Lebensinhalt nicht darin besteht, sich ständig zu vergleichen und als unterbezahlter Sklave zu inszenieren?

seberus

Zitat von: Petar Tudzharov in 23.02.2026 07:08Was genau daran ist traurig? Menschen, die zufrieden sind mit ihrem Einkommen? Die selbstbestimmt entscheiden, wo sie zu welchen Konditionen arbeiten? Deren Lebensinhalt nicht darin besteht, sich ständig zu vergleichen und als unterbezahlter Sklave zu inszenieren?

wenn alle zufrieden wäre, dann wäre das ja OK.
Aber bei uns beschwerden dich trotzdem alle dass der Verdienst so schlecht ist.

Capo

Das Tarifergebnis wird den Gewerkschaftsmitgliedern zur Abstimmung vorgelegt, wenn den so viele dagegen sind wird es abgelehnt und die Verhandlungen gehen weiter. Wenn man nicht in der Gewerkschaft ist kann man Eintreten und nächstes mal Streiken bzw. dagegen Stimmen. Die Kollegen vom TVÖD hatten damals kein Großes Intresse für den Verbleib der Länder im TV auf die Strasse zu gehen, weil diese damals schon so gut wie nie an Streiks teilgenommen haben. Die schlechte Organiesation und Streikbereitschaft ist dem Arbeitgebern der Länder schon bewusst und war auch ein Hauptgrund der Spaltung.

daseinsvorsorge

Zitat von: BlackMamba in 19.02.2026 14:12Wäre es nicht besser, selbst als Arbeitnehmer auf die Straße zu gehen und gegen den TVL Abschluss und gegen die Spaltung TVöD und TVL durch verdi zu demonstrieren? Denn nur der mediale druck bzw. die öffentlichen Demos könnten mehr Wirkung zeigen, als im stillen Kämmerlein zu meckern?


Haben Sie denn schon im direkten Umfeld erfragt, wie viele KollegInnen sich denn Ihnen anschließen würden?

seberus

Zitat von: BlackMamba in 19.02.2026 14:12Wäre es nicht besser, selbst als Arbeitnehmer auf die Straße zu gehen und gegen den TVL Abschluss und gegen die Spaltung TVöD und TVL durch verdi zu demonstrieren? Denn nur der mediale druck bzw. die öffentlichen Demos könnten mehr Wirkung zeigen, als im stillen Kämmerlein zu meckern?



Glaube nicht dass die Aufspaltung TVöD und TVL von verdi vorgeschlagen wurde. 2006 sind die Länder aus dem Verbund ausgetreten.

Poly

Zitat von: DerUnger in 20.02.2026 15:09zeigt halt dass es extrem viele gibt die halt mit ihrem Gehalt absolut zufrieden sind oder extrem passiv...

Oder nur hobbymäßig arbeiten, weil ihnen ansonsten langweilig wäre.

DiVO

Irgendwie stelle ich mehr fest, dass sich die reale Welt von der Online-Welt loslöst.

Seit Monaten sind online auf verschiedenen Plattformen Leute unterwegs, diskutieren über die Tarifverhandlungen und drohen bei schlechtem Abschluss sogar mit Kündigung. Bei den Streiks auf der Straße waren kaum Teilnehmer.

Seit Bekanntwerden der Ergebnisse echauffieren sich online auf verschiedenen Plattformen unzählige Leute und sind, wenn man der Umfrage hier glauben darf, mehrheitlich mit dem Ergebnis unzufrieden.

Und was passiert draußen in der realen Welt? Nichts. Ich habe gerade eine Auswertung über unsere Payroll-Daten gemacht (ca. 30.000 Mitarbeiter) - die von vielen angekündigte bzw. prophezeite Kündigungswelle ist nicht eingetreten.

Deshalb mein Tipp: Hört auf euch hier im anonymen Raum des Internets zu echauffieren. Geht hinaus in die reale Welt und versucht dort etwas zu bewegen, indem ihr durch Mitgliedschaft bei Verdi deren Verhandlungsmacht vor und während der Tarifverhandlungen stärkt. Geht demonstrieren.

Und wenn ihr mit eurem Gehalt nicht zufrieden seid, verhandelt Zulagen oder habt Eier in der Hose und sucht euch einen anderen Job. Aber dieses ewige Rumgeheule hier ist ja furchtbar,


Zinc

Zitat von: DiVO in 25.02.2026 07:30...

Deshalb mein Tipp: Hört auf euch hier im anonymen Raum des Internets zu echauffieren. Geht hinaus in die reale Welt und versucht dort etwas zu bewegen, indem ihr durch Mitgliedschaft bei Verdi deren Verhandlungsmacht vor und während der Tarifverhandlungen stärkt. Geht demonstrieren.

...


Du bist und warst sicherlich noch nie Mitglied im Rahmen des TVL, oder dein Post war reine Satire. Dann gibt es ein kleines Haha und Hihi von mir.

NelsonMuntz

Zitat von: DiVO in 25.02.2026 07:30...
Und wenn ihr mit eurem Gehalt nicht zufrieden seid, verhandelt Zulagen oder habt Eier in der Hose und sucht euch einen anderen Job. Aber dieses ewige Rumgeheule hier ist ja furchtbar,

Da hast Du absolut Recht - aber vielleicht ist das "Rumgeheule" eine wichtige Phase im eigenen Erkenntnisprozess? Ich habe ja auch viel kritisiert und "Ungerechtigkeiten" gesehen. Am Ende muss aber ein jeder für sich selbst aktiv werden und den eigenen Schopf ergreifen, um dem Sumpf der gefühlten Ohnmacht zu entkommen. Das funktioniert am Ende - so oder so oder so.

Andererseits ist das "große Wehklagen" aber auch ein germanisches Kulturgut. Das verbindet im Schmerz hält die Gesellschaft zusammen  ;)  ;D  8)