Woran erkennt man ein ungesundes Team?

Begonnen von Riya, 03.04.2026 23:41

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Riya

Hi,
ich hab die Frage, woran merkt man, dass innerhalb der Teamdynamik etwas nicht stimmt?

Ich habe ja Erfahrung.
Was ich erlebte, dass manche offenbar immer fiese Moves vermuten und dann glauben entsprechend diese Retourkutschen starten zu müssen.

Zum Beispiel, man vergisst etwas. Kann man so hinnehmen. Ist zwar blöd evtl aber naja...  Aber bei meiner letzten Arbeitsstelle vermutet man, ich wolle andere auflaufen lassen/Bloß stellen... Dabei habe ich soweit nie gedacht und konnte das nie nachvollziehen.

Alles sehr toxisch  irgendwie die Stimmung von Anfang an... Also vermute ich mal, dass hatte nicht nur was mit mir zu tun.

Auch dieses komisch freundliche. Wirkte so unecht... Wenn man direkt zum Referatsleiter läuft und verdreht alles wider gibt.
Wären das so Beispiele? Und warum entsteht sowas?

PiratJack1991

Moin,

ich würde persönlich die Frage erweitern wollen auf Woran erkennt man ein Ungesundes Arbeitsumfeld.
Natürlich spielen die Teamkollegen eine Rolle. Dazu gehört auch Lästern über Kollegen, die nicht in dem Meeting sind.

Aber auch weitere Punkte wie zum Beispiel eine Dauerhafte Unwilligkeit seine Arbeit zu machen, man kann sich nicht mehr aufraffen, die Arbeit zu machen, man macht nur noch Dienst nach Vorschrift, bringt keine Ideen mehr ein, weil man gegen Wände läuft.

Eine Gereiztbarkeit gegenüber kleinen Dingen ist auch ein Zeichen, wo man aufhorchen sollte.
Liebe Grüße
PiratJack1991

Magda

Zitat von: Riya in 03.04.2026 23:41Hi,
ich hab die Frage, woran merkt man, dass innerhalb der Teamdynamik etwas nicht stimmt?
Du hast ja selbst einige Beispiele genannt. Ich hab schon in vielen Team gearbeitet und bei vielen lief es gut bis sehr gut und bei anderen dafür umso schlechter. Meist war es eine Mischung aus schwierigen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern und einer schlechten Führungskraft. Abhängig von der Ausprägung des Nicht Wollens oder Nicht Könnens der Führungskraft habe ich mir dann auch recht schnell eine neue Stelle gesucht und meist lag ich mit meinem Bauchgefühl richtig, da das Team in den folgenden 1 bis 2 Jahren völlig vor die Wand gefahren ist.

Aktuell arbeite ich in einem Team mit relativ guter Teamdynamik. Es sind zwar nicht alle Kollegen und Kolleginnen durch und durch ehrlich, da einige wie Fähnchen im Wind sind, aber damit kann ich umgehen, da niemand dabei ist, der vorsätzlich anderen schaden möchte. Die Führung ist okay, nicht sensationell gut, aber die Defizite, die bestehen sind ebenfalls gut aushaltbar.

KaiBro

Was ist, wenn der "Störenfried" eine Person ist, die bei den Vorgesetzten hoch angesehen ist? Eine Person die ständig über Kollegen lästert und nörgelt, aber sobald etwas Gegenwind kommt zum Vorgesetzten rennt, "petzt", damit der andere was auf den Deckel bekommt?

kittyka

Meiner Meinung nach sind die Störenfriede meistens weiblich, schon 20, 30 Jahre dabei und nennen wir sie mal Elke, Ulrike oder Petra. Halten sich selber aufgrund ihrer jahrezehntelangen Erfahrungen für gottgleiche Autoritäten in der jeweiligen Abteilung.

Widerspruch oder sie zum Beispiel ignorieren führt schnell dazu, dass sie glauben dich rausmobben zu müssen, weil sie damit nicht umgehen können, dass es Leute gibt, die auf ihre Meinung eben nichts geben.
Im Mittelalter hätte man dich auf dem Scheiterhaufen wahrscheinlich verbrannt.


tb2022

Fallbeispiel:

10-12 Teammitglieder

Keiner will die Spätschicht (bis 17 Uhr (!)) übernehmen.
Die 2-3, die das trotzdem machen, werden gemobbt.
3x Burnout der genannten, Umsetzung, sollen die restlichen 9 Low-Performer schauen, was sie machen.
Wer eben dann noch krank wird, ist schwach...

Ein Teilzeitmitarbeiter (6 Stunden) macht doppelt so viele Fälle wie andere in 8 Stunden.

Chef ist eine Pfeife, sitzt alles aus und kümmert sich um nichts.
Umsetzung in anderes Team erfährt man von anderen MA anstatt in einem Gespräch mit dem Chef bzw. sogar noch durch das neue Team, weil sich der neue Chef einfach ganz informell meldet und sich als Ansprechpartner anbietet, schon vor der Umsetzung.

Dokumentation besteht nicht, es muss alles mühselig gefragt werden, denn Wissen ist Macht und man macht sich damit unersetzlich.

Sinnlose Verteilung einzelner Aufgaben, die nicht der Qualifikation der MA entspricht.

Wer schleimt, kommt weiter.

oberhaeo

In meinen 39 Jahren im ÖD musste ich mahrfach laut werden. Einer Archivarin, die die Nase rümpfte, da ich im Hochsommer Akten geschleppt hatte und nicht mehr ganz frisch war. Sie hatte sich angewöhnt generell blöde Bemerkungen zu machen. Dabei hatte ich sie doch gerade entlastet, indem ich als Abteilungsfremder mich selbst bedient hatte. Einmal verbal auf den Putz gehauen und es war Ruhe.
Dann hatte sich ein Verwaltungsfachangesteller berufen gefühlt auf die Kopierer auf "seinem" Flur aufzupassen. Als ich Papier nachlegte, da blökte er mich an. Da ich ihn nicht hatte kommen sehen, drehte ich mich überrascht zu ihm um, wodurch das gerade eingelegte Papier durch die Gegend flog. Er wollte mir daraufhin den Marsch blasen, was ich aber unterband, indem ich ihn lautstark in sein Büro zurückschickte. Ein paar Wochen haben wir uns mit dem Allerwertesten nicht angeschaut und dann war alles wieder gut. Er hat sich nie mehr erlaubt, mich in die Schranken weisen zu wollen.
Und zu guter Letzt gab es mal einen Vorgesetzten, mit dem ich immer wieder einmal aneinander geraten bin. Würdet Ihr Euch "Blödmann" gefallen lassen?
Zu guter Letzt wollte er mich runterbuttern, weil ich eine Datenschutzerklärung nicht unterschrieben hatte. ein Dreivierteljahr hatten sie an der Software gebastelt und wir sollten innerhalb eines halben Tages die Freifahrt-Erklärung unterschreiben. Als er abfällige Äußerungen startete, haute ich mit der flachen Hand auf seinen Schreibtisch, sagte: "Das Gespräch ist beendet!" und verließt die Örtlichkeit. Die letzten 2 Jahre bis zu seiner Rente sprach er nicht mehr mit mir. Mir war es recht ...
Ich brauchte nie eine Datenschutzerklärung unterschreiben ...

Petar Tudzharov

Probleme gibt es meiner Erfahrung nach immer dann, wenn Personen aus folgenden Gruppen aufeinandertreffen.

Der "Dienst-nach-Vorschrift"-Verwalter

Zeigt strikte Verweigerungshaltung gegenüber Neuerungen oder Digitalisierung. Nutzt Vorschriften als Waffe, um Projekte zu sabotieren ("Das haben wir noch nie so gemacht"). Erstickt Eigeninitiative im Keim, um die eigene Komfortzone zu sichern.

Der frustrierte Lästerer & Provokateur
Verbreitet aktiv negative Stimmung, hegt unterschwellige Kritik und hetzt hinter dem Rücken gegen Kollegen oder Vorgesetzte. Zieht das Team durch ewige Nörgelei und Gerüchtebildung (toxic gossip) aktiv nach unten.

Der inkompetente Rückzug-Spezialist
Liefert konstant schlechte Leistungen oder verpasst Fristen. Bei Fehlern wird die Schuld sofort auf andere (oder externe Faktoren) geschoben ("Ich hatte zu wenig Personal", "Das System ist schuld"). Nimmt keine Verantwortung wahr.

Der informationshamsternde Silodenker
Hält Wissen absichtlich zurück, um sich unersetzlich zu machen oder Projekte anderer zu behindern. Zusammenarbeit wird nur simuliert, Teamwork wird als Bedrohung der eigenen Machtposition verstanden.

Der privilegierte "Alt-Dienstler"
Hat längst innerlich gekündigt, blockiert aber junge Talente. Fordert Sonderbehandlung, arbeitet aber kaum noch. Fühlt sich sicher, vergiftet das Klima durch Arroganz gegenüber Neueren.

Der selbstgefällige Überflieger 
Ist als Mitarbeiter oft sehr kompetent, verhält sich aber arrogant und überlegen. Stellt seine eigenen Erfolge in den Vordergrund und ignoriert die Beiträge anderer. Sein Verhalten kann zu Spannungen im Team führen und das Gefühl der Zusammenarbeit untergraben.

Der Kommunikationsscheue
Ist introvertiert oder vermeidet aktiv den Austausch mit Kollegen. Er kommuniziert selten und ist oft nicht erreichbar. Mangelnde Kommunikation kann Missverständnisse und Unsicherheiten hervorrufen, die das Teamklima belasten.

Der Nörgler und Pessimist
Er ist ständig unzufrieden und äußert regelmäßig seine negativen Ansichten über die Arbeit und die Kollegen. Er trägt zur Demotivation bei, indem er die Stimmung im Team belastet. Seine negative Einstellung kann ansteckend wirken, was zu einer generellen Unzufriedenheit im Team führt.

Der Mobbing-Täter
Er nutzt seine Position oder Einfluss, um andere Mitarbeiter zu schikanieren oder auszugrenzen. Er verbreitet Gerüchte oder macht andere schlecht. Sorgt für ein toxisches Arbeitsumfeld, das schwerwiegende psychische Folgen für die Betroffenen haben kann.

Der cholerische Machtmissbraucher (Die toxische Führungskraft)
Führt durch Angst und Einschüchterung, anstatt zu motivieren. Unterschätztes Problem, das zu psychischen Belastungen und hoher Fluktuation führt. Betreibt aktives Mobbing, um eigene Unsicherheit zu kaschieren.

Vollstrecker

Mir hilft bei sowas immer, Vergleiche zum Sport zu machen, wo ich viele Jahrzehnte selber Spieler bei einer Teamsportart war und später Trainer und noch später dann in der Vorstandsarbeit.

Auch hier hast du verschiedene Charaktere, verschiedene individuelle Ambitionen, gute und nicht so gute Leute. Aber als Team hat man ein Ziel, man muss was schaffen. Dafür brauchst du nicht nur einen guten Trainer und einen kompetenten Vorstand, sondern auch gute UND loyale Führungsspieler mit einem guten Standing, die schon vorher intern alles regeln, damit es friedlich und erfolgreich bleibt.  ;)

Erfahrungen daher haben mir schon oft beruflich weitergeholfen.

Man merkt auch bei Mitarbeitern sofort, wer mal eine Teamsportart war, in einer freiwilligen Feuerwehr o.ä. Die packen oft mit an, haben kein Problem mit Kompetenzen und erarbeiten sich oft ihre Kompetenzen und Positionen selber und behaupten nicht einfach nur, dass sie welche haben. Dazu sieht man bei solchen Leuten selten die Ego-Nummer.

Unsere Ausbildungsleitung hat mir auch schon ähnliches gesagt. Er würde am liebsten nur Azubis nehmen, die Vereinssport gemacht haben oder sich anders sozial einbringen und am besten keine Einzelkinder sind.  :D Jetzt bekommt keine Schnappatmung. Wir wissen natürlich, dass das nicht geht...aber auffällig sind solche Sachen schon.


Aber BTT: Ich sage jetzt einfach mal, dass es bei guten Führungskräften erst gar nicht zu solchen Dingen im Team kommt. Aber leider fehlen vielen oft die Eier.
Ich weiß nicht, wie oft ich von Teamproblemen mitbekommen habe, die teilweise schon erstaunlich waren. Vorgesetzte wussten über Monate von den Dingen, haben aber nichts gemacht.
Ich finde es auch verwunderlich, wenn es in Teams / Abteilungen mit 10 und mehr Leuten nur ein oder zwei Störenfriede gibt, das Team es aber nicht schafft, geschlossen da mal für Klarheit zu sorgen.

Da lässt man sich lieber monatelang schikanieren, mobben, etc., erträgt schlechtes Klima und nimmt hin, dass alle nur zugucken.
Und wenn dann alles schon zu spät ist, rennt man dann doch irgendwann mal zum Personalrat und bittet um Hilfe, weil selber möchte man ja mit niemanden sprechen.

Ich weiß nicht....früher war im ÖD wirklich vieles spießiger und grauer. Aber irgendwie stimmte das Miteinander. Heute ist es lockerer und bunter, dafür ist der Umgang irgendwie nicht mehr so respektvoll. Es ist egoistischer geworden und Hierarchien werden auch immer seltener akzeptiert.


Faunus

Wo Menschen sind, menschelt es!

In über 40 Jahren hat mir...

1. leben und leben lassen sowie
2. sich selbst treu bleiben, entsprechend handeln und dafür die Verantwortung übernehmen

...immer geholfen - bei Konflikten mit Vorgesetzten, MA oder Kollegen.

Was immer unweigerlich ins Desaster führt: "Konflikte NICHT austragen".

Tante Hilde

Weites Feld...
Und schon interessante Antworten hier. Ja, es menschelt überall und ab einer gewissen Team-Größe hat man auch "alles" dabei, was sonst so in der Durchschnittsbevölkerung rumläuft. Diese Typen begegnen Dir auch beim nächsten Team, daher ist es gut, wenn man sich überlegt, wie man selber auftreten möchte bzw. was einem selbst am besten entspricht und danach handelt und sich nicht von der Dynamik im Team einfach so mitreißen lässt.

Wenn man entsprechend sensibel ist und über genug Menschenkenntnis verfügt, hört man einfach auf das eigenen Bauchgefühl, das hat bei mir noch nie getrogen. V.a. in Bezug auf neue Kolleginnen und Kollegen, die habe ich bisher immer richtig eingeschätzt, oft auch entgegen der allgemeinen Erst-Meinung.
Oft ist man zuerst einmal nur irritiert, v. a in Teams, bei denen man z. B. selber neu hinzukommt oder wenn sich Änderungen in der Zusammensetzung/Führungsebene ergeben haben. Oft kann man das noch gar nicht einordnen, aber es stellt sich ein Störgefühl ein. Im Nachhinein wird einem dann klar, dass der Kollege komisches Zeug über die Arbeitsergebnisse von anderen berichtet, die Kollegin die Fehler anderer haarklein dem Chef berichtet oder die Chefin einen immer in der Dienstberatung anmeckert und Suggestivfragen stellt etcpp.

Meine Taktik dabei ist, immer nachzufragen, wie das gemeint war, was damit ausgedrückt werden soll, was die konkrete Kritikpunkte (und die Vorschläge zur Änderung!) sind usw.
Wie darauf die Reaktion ist, zeigt m. E. sehr gut, ob das Team gut funktioniert oder eben nicht.
Ich scheue mich mittlerweile auch nicht, auszudrücken, das ich mit diesem oder jenem nicht einverstanden bin, dass ich mich missverstanden fühle, dass die Zusammenarbeit verbessert werden muss...hätte ich als Neuling nicht gewagt, hätte ich aber gleich tun sollen.
Wenn man das eine Weile probiert hat und es ändert sich nichts, sprich die Führungskraft lässt das laufen wie bisher und die anderen Team-Mitglieder interessiert das nicht, bleibt oft nur: neue Stelle suchen. Ich verschwende meine Zeit definitiv nicht mehr mit Leuten bzw. Teams, die keinen Bock auf gute Zusammenarbeit haben!

Faunus

Ich vergaß:
Ich will die/den nicht heiraten, zu meinem besten Freund machen...
sondern alleine in den 8 h Arbeitszeit meinen Arbeitsvertrag mehr oder weniger abhängig vom MA/Kollegen/Chef erfüllen. Das muss funktionieren = Konflikte sachlich benennen.
Mir ist das egal, wer/was/wie über mich redet und lästern über andere im Keim ersticken.
Natürlich stimmt die Chemie bei den einen besser und bei den anderen nicht so gut. Aber immer sich selbst bei der Nase packen, ob man das nicht selbst hin und wieder in der Arbeitswelt "auslebt".
Ich will keine heiraten => damit erreicht mich vieles emotional nicht!

Warnstreik

Zitat von: Faunus in 09.04.2026 13:37Ich will keine heiraten => damit erreicht mich vieles emotional nicht!

Hätten meine Eltern auch so gedacht, würde ich euch heute nicht auf die Nerven gehen ;-)

federon

Zitat von: Faunus in 09.04.2026 10:58Wo Menschen sind, menschelt es!

In über 40 Jahren hat mir...

1. leben und leben lassen sowie
2. sich selbst treu bleiben, entsprechend handeln und dafür die Verantwortung übernehmen

...immer geholfen - bei Konflikten mit Vorgesetzten, MA oder Kollegen.

Was immer unweigerlich ins Desaster führt: "Konflikte NICHT austragen".


Toller Beitrag, unterschreibe ich. Wenn ich darf, möchte ich noch 3. anfügen, ein Punkt den ich in meinen über 40 Lebensjahren mitnehmen habe dürfen:

3. Nimm dich selbst nicht so wichtig - du bist nicht das Zentrum des Universums.

Faunus

Zitat von: Warnstreik in 09.04.2026 14:33Hätten meine Eltern auch so gedacht, würde ich euch heute nicht auf die Nerven gehen ;-)

Das wäre wirklich schade gewesen :)