Erhöhung der Arbeitszeit nach TVöD-Regelung bereits irgendwo umgesetzt?

Begonnen von Michaelxyz, 13.04.2026 14:54

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Michaelxyz

Hallo zusammen,

im TVöD für die Kommunen wurde im letzten Jahr die Möglichkeit geschaffen, ab dem 01.01.2026 die individuelle Arbeitszeit freiwillig zu erhöhen.

Mich würde interessieren, ob das bei euch in der Kommune, Dienststelle oder Einrichtung bereits konkret umgesetzt wurde.

Gibt es dazu schon Regelungen, Dienstvereinbarungen oder praktische Erfahrungen?
Wird diese Möglichkeit aktiv angeboten oder ist sie bislang eher nur theoretisch vorgesehen?

Ich bin bei einer der größten deutschen Kommunen tätig, und bisher wurde in dieser Hinsicht noch nichts umgesetzt. Bei entsprechenden Anfragen wird man eher abgewimmelt, unter Verweis auf die beidseitige Freiwilligkeit. Es wurden also nicht mal die Voraussetzung geschaffen, obwohl der Start auf den 01.01.2026 festgesetzt wurde.

Ich freue mich über Rückmeldungen aus der Praxis.

Viele Grüße

TVOEDAnwender

Gab hier ja schon mal eine längere Diskussion dazu.

Ich habe einen ganz guten Überblick für NRW: Im kommunalen Bereich wird das aktuell fast nirgendwo umgesetzt, weder in großen noch in kleinen Kommunen. Der Hauptgrund ist aus meiner Sicht ziemlich offensichtlich: Es kostet Geld.

Ich kenne konkret einen Arbeitgeber aus einer Kreisverwaltung, der eine Dienstvereinbarung mit dem Personalrat abschließen wollte. De facto wurde dort aber lediglich der Tariftext wiederholt. Konkrete Kriterien für die Bewilligung oder Ablehnung von Anträgen gibt es nicht.

Das ist auch kein Zufall. Der Arbeitgeber hält sich bewusst alle Optionen offen. Er entscheidet weiterhin allein, ob überhaupt ein Bedarf für eine Arbeitszeiterhöhung besteht und wem diese Mehrarbeit gegeben wird. Die angebliche beidseitige Freiwilligkeit läuft damit in der Praxis einseitig zugunsten des Arbeitgebers.

Unterm Strich bleibt: Die Regelung existiert formal, wird aber kaum umgesetzt und vor allem nicht aktiv gewollt.

Michaelxyz

Zitat von: TVOEDAnwender in 13.04.2026 15:54Gab hier ja schon mal eine längere Diskussion dazu.

Ich habe einen ganz guten Überblick für NRW: Im kommunalen Bereich wird das aktuell fast nirgendwo umgesetzt, weder in großen noch in kleinen Kommunen. Der Hauptgrund ist aus meiner Sicht ziemlich offensichtlich: Es kostet Geld.

Ich kenne konkret einen Arbeitgeber aus einer Kreisverwaltung, der eine Dienstvereinbarung mit dem Personalrat abschließen wollte. De facto wurde dort aber lediglich der Tariftext wiederholt. Konkrete Kriterien für die Bewilligung oder Ablehnung von Anträgen gibt es nicht.

Das ist auch kein Zufall. Der Arbeitgeber hält sich bewusst alle Optionen offen. Er entscheidet weiterhin allein, ob überhaupt ein Bedarf für eine Arbeitszeiterhöhung besteht und wem diese Mehrarbeit gegeben wird. Die angebliche beidseitige Freiwilligkeit läuft damit in der Praxis einseitig zugunsten des Arbeitgebers.

Unterm Strich bleibt: Die Regelung existiert formal, wird aber kaum umgesetzt und vor allem nicht aktiv gewollt.


Danke für die Rückmeldung. Ich hatte die Diskussion dazu weder gesehen noch finden können. Damit ist für mich zumindest klar, dass ich mich wohl darauf einstellen sollte, dass daraus nichts wird und die getroffene Vereinbarung offenbar leider nicht viel wert ist. Schade.

Und falls die Rahmenbedingungen irgendwann doch geschaffen werden, ist wohl eher damit zu rechnen, dass die Entscheidungsträger angehalten werden, entsprechende Anträge eher abzulehnen als zu bewilligen.

Kommunalgenie

Wir sind eine relativ kleine Kommune. In unserer Führungsebene haben es die meisten wahrgenommen. Da sowieso weit mehr als 40 h gearbeitet wird, ist das halt eine gute Möglichkeit. Ich arbeite seit 01.01. 42 Stunden.

kidicarus

Wir sind eine Stadtverwaltung (ca. 21.000 Einwohner, knapp über 100 MA im Rathaus) und es wird gerade eine Dienstvereinbarung zum Thema 42 Stunden eingeführt. Wie viele Mitarbeiter davon Gebrauch machen, bleibt abzuwarten. Da wir freitags früher gehen dürfen, müssen wir bereits für diesen Tag unter der Woche Zeit vorarbeiten.

ElBarto

Hier umgesetzt. Bzw. angeboten, eruiert, geregelt und offizieller Start demnächst.

Feivel

Bei uns (Stadtverwaltung mit etwas mehr als 100.000 Einwohner) wurde das Thema relativ schnell beiseite gelegt. Seitens der Verwaltung, aber auch seitens der Kolleginnen und Kollegen ab E 9c aufwärts.

Vollstrecker

Zitat von: TVOEDAnwender in 13.04.2026 15:54Gab hier ja schon mal eine längere Diskussion dazu.

Ich habe einen ganz guten Überblick für NRW: Im kommunalen Bereich wird das aktuell fast nirgendwo umgesetzt, weder in großen noch in kleinen Kommunen. Der Hauptgrund ist aus meiner Sicht ziemlich offensichtlich: Es kostet Geld.

Ich kenne konkret einen Arbeitgeber aus einer Kreisverwaltung, der eine Dienstvereinbarung mit dem Personalrat abschließen wollte. De facto wurde dort aber lediglich der Tariftext wiederholt. Konkrete Kriterien für die Bewilligung oder Ablehnung von Anträgen gibt es nicht.

Das ist auch kein Zufall. Der Arbeitgeber hält sich bewusst alle Optionen offen. Er entscheidet weiterhin allein, ob überhaupt ein Bedarf für eine Arbeitszeiterhöhung besteht und wem diese Mehrarbeit gegeben wird. Die angebliche beidseitige Freiwilligkeit läuft damit in der Praxis einseitig zugunsten des Arbeitgebers.

Unterm Strich bleibt: Die Regelung existiert formal, wird aber kaum umgesetzt und vor allem nicht aktiv gewollt.


Bestätige und unterschreibe ich  ;)

Umlauf

Selbst beim Bund herrscht über weite Strecken zu diesem Thema eine Flaute. Die meisten Behörden fassen es noch nicht wirklich an.

TVOEDAnwender

Es wird sicherlich Einzelfälle zukünftig geben (z.B. persönliche Referenten von Oberbürgermeistern) wo eine solche Vereinbarung abgeschlossen wird. Für den "Pöbel" wirds die Möglichkeit sicherlich nicht flächendeckend geben.

Waldkatze

Hallo zusammen,

bei uns (Landratsamt in BW) wurde das umgesetzt und auch eine interne Richtlinie dazu im Dezember 25 veröffentlich. Ich bin dann Mitte Dezember zu meinem Amtsleiter gegangen und wollte das beantragen. Die Antwort war dann: Das geht in unserem Bereich nicht, da die Fallzahlen zu niedrig seien (Bauamt), kein Geld da sei und auch keine freien Stellenanteile vorhanden seien. Außerdem zählen vorhandene Überstunden nicht. Wurde weggeschickt und gut.

Im Januar 26 hat er sich dann verplappert, und stolz erzählt, dass eine Kollegin aus meinem Bereich das erfolgreich beantragt hat und das prima läuft. Aber bei der wäre das alles anders, die hat halt sehr viele Überstunden....

Kaffeekanzler

Zitat von: Waldkatze in 14.04.2026 11:13Hallo zusammen,

bei uns (Landratsamt in BW) wurde das umgesetzt und auch eine interne Richtlinie dazu im Dezember 25 veröffentlich. Ich bin dann Mitte Dezember zu meinem Amtsleiter gegangen und wollte das beantragen. Die Antwort war dann: Das geht in unserem Bereich nicht, da die Fallzahlen zu niedrig seien (Bauamt), kein Geld da sei und auch keine freien Stellenanteile vorhanden seien. Außerdem zählen vorhandene Überstunden nicht. Wurde weggeschickt und gut.

Im Januar 26 hat er sich dann verplappert, und stolz erzählt, dass eine Kollegin aus meinem Bereich das erfolgreich beantragt hat und das prima läuft. Aber bei der wäre das alles anders, die hat halt sehr viele Überstunden....

das ist dann die besagte "sympatische Teamatmosphäre" von der in den Stellenausschreibungen immer die Rede ist oder?

Waldkatze

Zitat von: Kaffeekanzler in 14.04.2026 14:03das ist dann die besagte "sympatische Teamatmosphäre" von der in den Stellenausschreibungen immer die Rede ist oder?

Richtig :-) Er ist ja auch der Meinung, dass die Stimmung bei uns top sei.  ::)

Bildungskonfetti

Zitat von: Michaelxyz in 13.04.2026 14:54Hallo zusammen,

im TVöD für die Kommunen wurde im letzten Jahr die Möglichkeit geschaffen, ab dem 01.01.2026 die individuelle Arbeitszeit freiwillig zu erhöhen.

Mich würde interessieren, ob das bei euch in der Kommune, Dienststelle oder Einrichtung bereits konkret umgesetzt wurde.

Gibt es dazu schon Regelungen, Dienstvereinbarungen oder praktische Erfahrungen?
Wird diese Möglichkeit aktiv angeboten oder ist sie bislang eher nur theoretisch vorgesehen?

Ich bin bei einer der größten deutschen Kommunen tätig, und bisher wurde in dieser Hinsicht noch nichts umgesetzt. Bei entsprechenden Anfragen wird man eher abgewimmelt, unter Verweis auf die beidseitige Freiwilligkeit. Es wurden also nicht mal die Voraussetzung geschaffen, obwohl der Start auf den 01.01.2026 festgesetzt wurde.

Ich freue mich über Rückmeldungen aus der Praxis.

Viele Grüße
Zitat von: Michaelxyz in 13.04.2026 14:54Hallo zusammen,

im TVöD für die Kommunen wurde im letzten Jahr die Möglichkeit geschaffen, ab dem 01.01.2026 die individuelle Arbeitszeit freiwillig zu erhöhen.

Mich würde interessieren, ob das bei euch in der Kommune, Dienststelle oder Einrichtung bereits konkret umgesetzt wurde.

Gibt es dazu schon Regelungen, Dienstvereinbarungen oder praktische Erfahrungen?
Wird diese Möglichkeit aktiv angeboten oder ist sie bislang eher nur theoretisch vorgesehen?

Ich bin bei einer der größten deutschen Kommunen tätig, und bisher wurde in dieser Hinsicht noch nichts umgesetzt. Bei entsprechenden Anfragen wird man eher abgewimmelt, unter Verweis auf die beidseitige Freiwilligkeit. Es wurden also nicht mal die Voraussetzung geschaffen, obwohl der Start auf den 01.01.2026 festgesetzt wurde.

Ich freue mich über Rückmeldungen aus der Praxis.

Viele Grüße

Die Praxis hier in Niedersachsen ist leider nur halbe Praxis. Es wurde zwar aktiv im Intranet beworben im Februar 2026, aber Anfragen verlaufen ins Leere. Sowohl meine Fachdienstleitung als auch ich (Eigenbetrieb) wollten gern auf 42h erhöhen, aber es wurde auf Stellen- und Haushaltsplan verwiesen und das darin keine Kapazitäten gesehen werden. Zudem wurde mit der Gleitzeitregelung argumentiert, dass diese es ermöglicht Mehrarbeit selbständig auszugleichen. Ich wollte ja auch nur befristet für ein Jahr dies ausnutzen, aber ist leider nicht möglich.
Schade. Aber was soll's.

Mich würde auch mal interessieren wo (Bundesland) bewilligt wurde und welche Aufgaben damit verbunden sind, gab es welche hinzu durch langwierige Kollegenausfälle?
 
,,Bildung ist Ländersache. Organisation auch."

SchrödingersKatze

Hier wird es auf Antrag mit einzelnen Beschäftigten umgesetzt, allerdings nur zum Abbau von Stunden über dem Gleitzeitkontingent. So ist auch der Adressattenkreis festgelegt: Berechtigt ist nur wer XX Stunden auf dem Konto hat und bis zum Stichtag XX müssen sie auf XX Stunden runter sein.