Angestellter (TV-L) oder Beamter

Begonnen von Anwärter2027, Gestern um 11:59

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Anwärter2027

Das Thema wurde hier im Forum sicher schon häufiger diskutiert, allerdings finde ich keine aktuellen Beiträge, die auch die derzeitige politische Lage berücksichtigen. Natürlich kann niemand in die Zukunft schauen, aber vielleicht gibt es hier ja einige, die eine gewisse Tendenz erkennen.

Ich frage mich, ob sich eine Verbeamtung als Landesbeamter aktuell noch lohnt.
Zurzeit bin ich Anfang 30 und arbeite als technischer Angestellter in der E10/2, mit der Perspektive, nach drei Jahren in die E11/3 aufzusteigen.

Die Möglichkeit zur Verbeamtung besteht ebenfalls. In diesem Fall würde ich in der A10 starten und könnte relativ zeitnah (je nach Verlauf nach etwa zwei bis zehn Jahren) in die A11 aufsteigen. Als Beamter hätte man zudem gute Chancen auf Führungspositionen, etwa als Teamleiter (A12) oder sogar als Fachgruppenleiter (A14).

Was mir jedoch zunehmend Sorgen bereitet, sind mögliche Veränderungen: Eine eventuelle Kürzung der Beihilfe, steigende Kosten und geringere Leistungen der privaten Krankenversicherung sowie mögliche Anpassungen bei der Pension. Insgesamt scheint man als Beamter stark von politischen Entscheidungen abhängig zu sein. Allein die finanziellen Vorteile wie Familienzuschlag, Kinderbonus und 100%ige Lohnfortzahlung im Krankheitsfall sind für mich keine ausreichende Motivation.

Wie schätzt ihr das ein?

CSBReaper

Das kommt halt auch ein wenig auf deine individuelle Situation an. Vorallem auch, wie wahrscheinlich eine Höhergruppierung bei dir ist.
Ich mache gerade meinen Vorbereitungsdienst mit 37 Jahren. Ich saß ebenfalls auf einer E10 Stelle und man hat mir deutlich gesagt, dass es keine Aussicht gibt, eine E11 zu bekommen.
Die Beamtendiskussion ist meiner Meinung nach, wie immer ein Rauschen. Ich glaube nicht, dass es hier zeitnah gravierende Änderungen geben wird. Und dann schon gar nicht für die Bestandsbeamten.

blub1984w

Solange du die Gelegenheit hast, Beamter zu werden, würde ich es tun. Ich bin selbst erst mit Mitte 30 Beamtin geworden.

Und selbst wenn sich irgendwas tun sollte in den Bereichen die du ansprichst wie Krankenversicherung usw, gehe ich stark davon aus, dass du es in Zukunft als privat versicherter immernoch besser haben wirst, als als Angestellter.

Ich war unerwartet jetzt z. B. für drei Monate in einer privaten psychosomatischen Klinik und habe bis auf einen kleinen Beitrag alles bezahlt bekommen. Dort waren auch gesetzlich versicherte, die einen langen Weg der Bewilligung hinter sich hatten oder vorher in "normalen" Kliniken waren und da nie wieder hin wollen würden.

Ist natürlich jetzt ein krasses Beispiel, aber es lohnt sich meiner Meinung nach nachhaltig auf jeden Fall.

Mondschaf78

Mit Anfang 30 ist es auf jeden Fall noch nicht zu spät. Ich selbst wurde mit 35 verbeamtet. Hatte allerdings den Vorteil der Laufbahnausbildung und danach die ununterbrochene Beschäftigung im öD als Angestellte, so dass für die Stufenlaufzeit und die ruhegehaltsfähigen Zeiten viel anerkannt wurde. Da solltest du in dein jeweiliges Landesbeamtengesetz und Beamtenversorgungsgesetz schauen, welche Voraussetzungen gelten und bei der Personalabteilung erfragen.

Bedenke auch die Beförderungspraxis deines Dienstherrn. Gibt es eine Beförderungsrichtlinie, wie sind die Chancen tatsächlich schnell nach vorn zu kommen? Auch für den Aufstieg aus dem gehobenen Dienst in den höheren Dienst (A13, A14) gibt es Regeln. Diese solltest du kennen, bevor du dir Hoffnungen auf diese Stellen machst. Das ist je nach Bundesland unterschiedlich geregelt. Leitungspositionen kann man allerdigs auch als Angestellter übernehmen. Bei uns ist das kein Problem.

PKV ist mit Anfang 30 auch noch unproblematisch, sofern man keine großen Vorerkrankungen hat. Die Beihilfevorschriften sind in der Regel an die Leistungen der GKV angelehnt. Es gibt auch Beihilfeergänzungstarife bei den PKV, um das zu deckeln.

Vorteil bei Beamten sind natürlich die Familienzuschläge, wenn man Kinder hat. Und mit der Pension bist du im Vergleich zur gesetzlichen Rente derzeit noch deutlich besser aufgestellt. Da erwarte ich auch keine großen Einschnitte, hängt aber auch vom Bundesland ab. Sachsen z.B. plant dort Änderungen an der Altersgrenze. Das wird ja aber für die gesetzliche Rente auch diskutiert.

Also wie CSBReaper schon geschrieben hat, kommt auf deine individuelle Situation an.