Amtsangemessene Alimentation - und die Angestellten?

Begonnen von ahbeha, 15.05.2026 09:40

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MoinMoin

Zitat von: Schneewitchen in Gestern um 10:09Wenn hierdurch die Schere zwischen der Besoldung und den Tarifgehältern noch weiter aufgeht, dann kann das kein gewünschter und akzeptabler Effekt sein.
Leider scheut der Beamte den inhaltlichen Vergleich seiner amtsangemessenen Besoldung.
Denn was ist denn seines Amtes angemessen?

Leider ist der eine AXer eigentlich überalimentiert und der andere unteralimentiert bezogen auf vergleichbarer Tätigkeiten in der Angestelltenwelt.

Begründet wird es mit der angeblichen Unvergleichbarkeit, weil so vielfältig.
Klingt bisserl nach rosinen gepicke.


Rheini

#121
Das mit dem Rosinenpicken kam mir bei der Threadüberschrift in den Sinn. Komisch .....

Genauso komisch ünrigens, dass der Thread erst vor nicht allzu langer Zeit eröffnet wurde und nicht schon seit Forumsbeginn.

andreb

Zitat von: Schneewitchen in Gestern um 10:09...

So sehr ich das als Betroffener begrüße, dass sich jetzt bei der Besoldung wohl etwas zum Besseren entwickelt, so kritisch sehe ich aber die Auswirkungen auf den "Betriebsfrieden".

Wenn hierdurch die Schere zwischen der Besoldung und den Tarifgehältern noch weiter aufgeht, dann kann das kein gewünschter und akzeptabler Effekt sein.

...


Da bin ich voll und ganz bei dir...
Aber wer ist denn ursächlich für diese Situation ?

Der Arbeitgeber bzw. Dienstherr... weder der Tarifbeschäftigte, noch im Einzelfall der jeweilige Beamte.
Wenn der Arbeitgeber bzw. Dienstherr meint, er müsste das identische Aufgabengebiet einem Tarifbeschäftigten und einem Beamten parallel übertragen, lassen sich daraus nur folgende Schlüsse ziehen:

1.) Die ausgeuferte Verbeamtungspraxis führt genau zu solchen Stilblüten.
2.) Die Stellenpläne sind faktisch falsch oder die Aufgabenverteilung durch den Vorgesetzten ist durchaus fragwürdig.
3.) Sofern ein Tarifbeschäftigter ausreichend ist, wieso dann noch ein Beamter für die identische Aufgabenerfüllung ?

Würde der Beamte inhaltlich ganz andere oder in Teilen sogar höherwertige Aufgaben wahrnehmen, so gäbe es dieses Problem doch gar nicht.

Rheini

Und wenn der Beamte in den Augen der Angestelleten nur Nachteile hätte, gebe es den Thread nicht hier, sondern evtl. im Beamtenthread.

Oder würde es hier stattdessen den "Mein Beamtenkollege hat nur Nachteile, wie kann ich ihm helfen ..." geben?

Tagelöhner

Zitat von: andreb in Gestern um 11:171.) Die ausgeuferte Verbeamtungspraxis führt genau zu solchen Stilblüten.
2.) Die Stellenpläne sind faktisch falsch oder die Aufgabenverteilung durch den Vorgesetzten ist durchaus fragwürdig.
3.) Sofern ein Tarifbeschäftigter ausreichend ist, wieso dann noch ein Beamter für die identische Aufgabenerfüllung ?

Würde der Beamte inhaltlich ganz andere oder in Teilen sogar höherwertige Aufgaben wahrnehmen, so gäbe es dieses Problem doch gar nicht.

So ist es. Da die Verbeamtungspraxis gerade in den nicht klassisch hoheitlichen Aufgabenbereichen aber schon lange und aktuell vermehrt dazu dient, mittelfristig Personalkosten zu sparen und Personal besser zu binden und eine "Pseudokarriere" durch die Laufbahn zu ermöglichen, von der man sich länger motivierte Mitarbeiter verspricht, kommt es auch vermehrt zu solchen Konstellationen. Die DHs versuchen gerne das dann wenn möglich wieder aufzulösen, in dem Sie herausgehobene Funktionsstellen nur Beamten zugänglich machen.
Nur mit ausgeprägtem Sinn für Humor weiterlesen: Ich habe nichts gegen Beamte, wirklich! Die tun ja nix! :-)

Schneewitchen

Zitat von: Rheini in Gestern um 11:21Und wenn der Beamte in den Augen der Angestelleten nur Nachteile hätte, gebe es den Thread nicht hier, sondern evtl. im Beamtenthread.

Oder würde es hier stattdessen den "Mein Beamtenkollege hat nur Nachteile, wie kann ich ihm helfen ..." geben?

Da hast Du leider Recht. So läuft das leider! Da gilt das gute alte Sprichwort "Jeder ist sich selbst der Nächste"!

Das objektive Grundproblem ist hier, dass man im "Betrieb", um mal den krassesten Fall zu nehmen, zwei Mitarbeiter hat, die beiden die gleiche Tätigkeit verrichten, jedoch nach völlig unterschiedlichen Systemen bezahlt werden.

Das Problem wird auch schon so lange diskutiert, wie ich im Dienst bin, als schon seit Hundert Jahren. Das Problem wird man aber auch in weiteren Hundert Jahren, wenn ich dann langsam mal in Pension gehe, nicht gelöst bekommen. Dabei bräuchte man die Bruttogehälter der Angestellten nur so weit zu erhöhen, dass nach Abzug der ganzen Sozialversicherungsbeiträge das gleiche zu versteuernde Gehalt übrig bleibt wie dem vergleichbaren Beamten.

So bestechend einfach dieser Lösungsansatz auch sein mag. Er scheitert an den Realitäten.

Wenn die Dh erst einmal mit der aA soweit durch sind, dann wird sich zeigen, dass die Haushalte alleine damit schon extremen Mehrbelastungen ausgesetzt sein werden. Die öffentlichen Haushalte, speziell auch der Kommunen, sind jetzt schon am Limit. Ausnahmsweise ist das nicht bloß das übliche Gejammere der DH. Ich habe, bezogen auf einen großen Kreis in NRW, schon einen fundierten Überblick und weiß auch, dass es anderswo nicht besser aussieht.

Solche Lösungsansätze, wie oben formuliert, wird es also nicht geben. Es ist schlicht nicht finanzierbar. Und nein, dass ist nicht die Schuld der Beamten. Die Anpassungen hin zu einer aA wurden durch Tausende Widersprüche und Klagen vor dem BVerfG erzwungen und sind berechtigt.

Den Angestellten stehen zur Verbesserung Ihrer Einkommen andere Wege offen. Allerdings halte ich, wie oben geschrieben, eine völlige Angleichung der Einkommen, über Systemgrenzen hinweg, für illusorisch.

Wir haben auf allen Ebenen des öD massive strukturelle Probleme. Vor allem haben wir ein riesiges Ausgabenproblem und erhebliche Fehlentwicklungen bei der Priorisierung von Ausgaben. Damit sind ausdrücklich nicht die Personalausgaben gemeint. Die DH sehen das aber weiterhin anders und glauben, sie könnten strukturelle Finanzunterdeckungen durch Einsparungen beim Personal ausgleichen ( mein Lieblingsformulierung in dem Zusammenhang: Sonderopfer zur Haushaltskonsolidierung).

Trotz aller natürlicher Eigeninteressen der jeweiligen Berufsgruppe, sollten wir uns aber in keinem Falle gegeneinander ausspielen lassen. Letztlich verfolgen wir alle nur die Wahrung unserer berechtigten Interessen, wenn auch auf unterschiedlichen Wegen.🙂

Scull

Zitat von: KlammeKassen in 02.06.2026 08:22Ich wollte dich nur auf die nicht haltbare Aussage von dir aufmerksam machen, dass man sich ja einfach verbeamten lassen kann, wenn man will. Das ist auf kommunaler Ebene nunmal nicht so.

Wenn festgestellt wird, dass die Gruppe, die netto schon besser verdient, gemäß Bundesverfassunsgericht nicht genug verdient, sollte sich der Arbeitgeber mal hinterfragen, was das wohl bei den Mitarbeitern zweiter Klasse bedeutet ;) . Aber die Tarifangestellten interessiert in der Regel ja keinen in der Politik.

https://www.merkur.de/wirtschaft/milliardenloch-bei-der-bundesagentur-fuer-arbeit-waechst-brisante-loesungsvorschlaege-zr-94331715.html

https://www.zeit.de/politik/deutschland/2026-06/beitragssatz-rentenversicherung-anstieg-2028-gxe



Auch auf ministerieller Ebene kann man als TB nicht einfach mal mit den Finger schnippen und sagen, ich will verbeamtet werden.

Auch wenn ichs den Leuten gönne, ich sehe die aA nicht mit Freude entgegen als TB.

MoinMoin

Zitat von: Schneewitchen in Gestern um 12:02Dabei bräuchte man die Bruttogehälter der Angestellten nur so weit zu erhöhen, dass nach Abzug der ganzen Sozialversicherungsbeiträge das gleiche zu versteuernde Gehalt übrig bleibt wie dem vergleichbaren Beamten.
Oder halt den Beamtensold auf das Niveau vom vergleichbaren Angestellten drücken, da er dann "per Definition" amtsangemessen besoldet ist.

KlammeKassen

Zitat von: Schneewitchen in Gestern um 10:09Ausgerüstet mit einem besonderen Dienst- und Treueverhältnis
Was macht das eigentlich aus?

Werdet ihr nachts oder im Urlaub ständig angerufen, ob ihr tatsächlich immer treu und im Dienst seid für euren Arbeitgeber?
Oder wo ist das noch relevant heutzutage?
Ich beziehe mich jetzt auf Verwaltung! (Feuerwehr, Polizei ist das natürlich alles etwas anders).

Versetzungen im kommunalen Bereich nahezu null, wenn dann, weil der Beamte selbst zu einer anderen Kommune wechseln will (bei Besoldungsgruppe höher oder dichter am Heimatort).
Nicht streiken dürfen.... nunja, dieses Recht ist jetzt auch nicht so ultra toll, dass es solche Gehaltsdifferenzen rechtfertigen würde.

KlammeKassen

Zitat von: Rheini in 02.06.2026 17:33Na wenn Du persönlich doch zufrieden bist, dann ist es doch gut wie es ist 🤷.
Den Job mag ja, die Umstände sehe ich mehr als kritisch.

KlammeKassen

Zitat von: Schneewitchen in Gestern um 10:09Wenn hierdurch die Schere zwischen der Besoldung und den Tarifgehältern noch weiter aufgeht, dann kann das kein gewünschter und akzeptabler Effekt sein.


Ich finde es aber sehr fair, dass du das wenigstens mal zugibst, dass dies so ist.
Oftmals wird das ja auch noch bestritten, obwohl die Zahlen das nunmal mehr als hergeben, dass es so ist.

Und ja, das wird nicht gut sein.

Dass der Arbeitgeber nichts von sich aus macht, ist klar. Aber verwunderlich ist halt, dass die Gewerkschaften bei Beamten immer sofort alles fordern (inhalts- und zeitgleiche Übertragung), die amtsangemessene Alimentation, die Beteiligung an Prämien, die Aktiv"rente" etc. etc.

Von einer Gewerkschaft, die ANGEBLICH beide Gruppen betrifft, sollte man doch eigentlich erwarten, dass man sich mal anschaut, was bei beiden Gruppen nachher netto übrig bleibt und was das wohl bei Personen macht, die haargenau dieselben Aufgaben verrichten.

Ja eine Stunde Arbeit mehr ok..., diese Differenz kann ja gezahlt werden, in Niedersachsen gibt es dafür aber beispielsweise auch 31 Tage Urlaub (30 + 1 Tag "Freistellungstag Beamte"), eine Art Sonderurlaub oder sowas, den die jedes Jahr wieder bekommen.

Dass ein Arbeitgeber von sich aus nicht mehr bezahlt, ist logisch.

Gewerkschaftstätigkeit ist hier ganz kritisch zu sehen.

KlammeKassen

Zitat von: Rheini in Gestern um 10:57Das mit dem Rosinenpicken kam mir bei der Threadüberschrift in den Sinn. Komisch .....

Genauso komisch ünrigens, dass der Thread erst vor nicht allzu langer Zeit eröffnet wurde und nicht schon seit Forumsbeginn.

Dürfte daran liegen, dass das NETTO-Gehalt bereits jetzt vorher schon höher ist  ;) .
Und wenn dann on Top noch etwas kommmt.... ist es halt noch eine größere Diskrepanz.

KlammeKassen

#132
Zitat von: Tagelöhner in Gestern um 11:40So ist es. Da die Verbeamtungspraxis gerade in den nicht klassisch hoheitlichen Aufgabenbereichen aber schon lange und aktuell vermehrt dazu dient, mittelfristig Personalkosten zu sparen und Personal besser zu binden und eine "Pseudokarriere" durch die Laufbahn zu ermöglichen, von der man sich länger motivierte Mitarbeiter verspricht, kommt es auch vermehrt zu solchen Konstellationen. Die DHs versuchen gerne das dann wenn möglich wieder aufzulösen, in dem Sie herausgehobene Funktionsstellen nur Beamten zugänglich machen.
Genau das ist es, was die Politik halt immer macht.

In Kommunen lässt man doppisch buchen, aufgrund des Ressourcenverbrauchs und der Generationengerechtigkeit. Die meisten Länder und der Bund machen es nicht. Da verschließ man komplett die Augen vor der Wirtschaft und lässt noch antiquarisch kameral buchen.

Generationengerechtigkeit gibt es quasi auch nicht, da die Hauptwählergruppe gut leben soll. Und da gespart werden soll/muss, werden Beamte eingestellt, weil sie JETZT billiger sind (keine Sozialabgaben), die späteren Pensionen, die verursacht werden, kümmern mich heute ja nicht....

KlammeKassen

Zitat von: Schneewitchen in Gestern um 12:02Da hast Du leider Recht. So läuft das leider! Da gilt das gute alte Sprichwort "Jeder ist sich selbst der Nächste"!

Das objektive Grundproblem ist hier, dass man im "Betrieb", um mal den krassesten Fall zu nehmen, zwei Mitarbeiter hat, die beiden die gleiche Tätigkeit verrichten, jedoch nach völlig unterschiedlichen Systemen bezahlt werden.

Das Problem wird auch schon so lange diskutiert, wie ich im Dienst bin, als schon seit Hundert Jahren.

Die Frage ist dann ja, warum man es über tausenden Seiten im Beamtenforum diskutiert, dass zu wenig verdient wird und das endlich mal genug bezahlt werden muss. Wenn man schon weiß, dass man eh besser als die Kollegen verdient (+ Bonus der PKV).

KlammeKassen

Zitat von: Scull in Gestern um 12:59Auch auf ministerieller Ebene kann man als TB nicht einfach mal mit den Finger schnippen und sagen, ich will verbeamtet werden.

Auch wenn ichs den Leuten gönne, ich sehe die aA nicht mit Freude entgegen als TB.

Das glaube ich dir sehr gerne, aber dennoch wirst du auf kommunaler Ebene nicht auf solche Stellen stoßen:


siehe mein Beitrag 01.06.2026 14:48 Uhr:
Nur mal auf die Schnelle gefunden, Bund und Land:
"https://www.service.bund.de/IMPORTE/Stellenangebote/interamt/2026/05/1447284.html

"Für eine Einstellung im öffentlichen Dienst gibt es grundsätzlich zwei Möglichkeiten: eine Anstellung als Beamtin bzw. Beamter oder eine Einstellung als Tarifbeschäftigte bzw. Tarifbeschäftigter. Sofern Sie sich nicht bereits in einer sogenannten Beamtenlaufbahn befinden, erfolgt Ihre Einstellung im ITZBund grundsätzlich zunächst in der Tarifbeschäftigung. Im Rahmen Ihrer Einstellung als Tarifbeschäftigte bzw. Tarifbeschäftigter leisten Sie eine tarifrechtliche Probezeit von in der Regel 6 Monaten ab. Eine spätere Verbeamtung wird von Seiten des ITZBund grundsätzlich angestrebt."

https://www.service.bund.de/IMPORTE/Stellenangebote/interamt/2026/05/1447284.html
"Die Beschäftigung erfolgt in einem unbefristeten Arbeitsverhältnis beim Land Sachsen-Anhalt nach den Bestimmungen des Tarifvertrages für den öffentlichen Dienst der Länder (TV-L). Die ersten sechs Monate der Beschäftigung gelten als Probezeit. Bei Erfüllung der für die Stellen tarifrechtlich anerkannten Qualifikationsmerkmale richtet sich die Vergütung/Bezahlung nach der Entgeltgruppe 12 TV-L.

Wegen des hoheitlichen Charakters der Prüftätigkeit des Landesrechnungshofes Sachsen-Anhalt wird bei Vorliegen der beamten- und haushaltsrechtlichen Voraussetzungen eine Verbeamtung im ersten Einstiegsamt der Laufbahngruppe 2 angestrebt."

Auf kommunaler Ebene ist es eher so, dass Beamtenstellen teilweise durch Angestellte besetzt werden. Gibt sogar im Stellenplan extra Spalten dafür hinter den Beamtenstellen: "davon von Angestellten besetzt"


Die Demokratie lebt von der Praxis vor Ort, man sollte die kommunale Ebene nicht als unnötig abtun. Was die Leute vor Ort erfahren (schlechte Infrastrultur, kaputte Straßen, geschlossene Schwimmbäder, verschmutzte Ecken) beeinflusst zum massiven Teil die Wahlentscheidungen, da das die Erfahrungen sind, die die Bürger jeden Tag vor Ort machen