Verbeamtung mit Mitte 40 – lohnt es sich?

Begonnen von Td38, Heute um 15:57

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Td38

Hallo liebe Gemeinde,
ich habe ggf. die Möglichkeit, mich kurz vor Erreichen der Altersgrenze noch verbeamten zu lassen.
Ich möchte möglichst genau durchrechnen, ob es sich finanziell lohnt.

Ziel: Langfristige finanzielle Gegenüberstellung von Verbleib im TV-L und Verbeamtung

-   Frage 1: Wo finde ich kompetente Ansprechpartner, die sich möglichst in ALLEN Aspekten gut auskennen und die Angelegenheit verlässlich und für meinen Fall individuell DURCHKALKULIEREN können, auch die verschiedenen SZENARIEN, s.u.

-   Frage 2: Woran sollte ich UNBEDINGT noch denken?

Ich habe mich bisher an verschiedene Stellen gewendet, die entweder nur Halbwissen oder Teilwissen für ihre spezifische Nische (Statusrecht ODER Versorgung ODER gesetzliche Rente, TV-L ODER Besoldung) haben, aber die Aspekte nicht für meinen Fall zusammenbringen können (Gewerkschaft, dbb,...).  ::)
Am LfF kann man mir (ein bisschen) weiterhelfen, aber erst wenn die Zusage da ist und alle Details vorliegen. Natürlich ohne verschiedene Szenarien durchzurechnen.

Folgende Aspekte sollten u.a. berücksichtigt werden:

-   Unterschiedliche Einstufungsszenarien bei Ernennung
-   durchschnittliche versus unterdurchschnittliche Beförderungszeiten / worst-case-Szenario
-   Anerkennung der bisherigen Beschäftigungszeiten als ruhegehaltsfähige Zeiten: gar nicht oder teilweise
-   Unterschiedliche steuerliche Behandlung (z.B. bei Versorgung, Freibeträgen,...)
-   PKV-Beiträge durchschnittlich oder mit Risikozuschlag
-   Günstiges Dienstwagenmodell mit privater Nutzung nur im TV-L möglich (Auto aber weiterhin nötig)
-   Ernennung zunächst in A10 oder A11 bei Übernahme einer A12-Stelle


HINTERGRUND:
-   Ledig, keine Kinder, Vollzeit (es soll auch nur dieses Szenario berechnet werden)
-   Alter 44 (Altersgrenze Verbeamtung hier 45)
-   Bisher 17 Jahre Vollzeit tarifbeschäftigt im TV-L, jetzt E11 Stufe 6 (gRV + Betriebsrente, freiwillig gKV)
-   Ich gehe davon aus, dass ich die amtsärztliche Untersuchung bestehe und ohne Öffnungsaktion in die PKV komme

Ich habe mich zwar inzwischen in die verschiedenen Themen eingelesen. Es gibt aber sicher einige Aspekte, die mir nicht einmal bewusst sind und ich suche noch jemanden mit Profiwissen.
Außerdem ist die Angelegenheit für mich doch sehr komplex und ich möchte mir rechtzeitig einen Überblicke verschaffen, bevor ich dann unter Zeitdruck die Entscheidung treffen muss.

Falls ich mich gesund verbeamten lasse, eine steile Karriere mache und 100 Jahre alt werde (davon noch viele Jahre schwer krank  :-\ ) ist die Verbeamtung finanziell bestimmt besser. Aber wo liegen die Grenzen?
  :-\

Danke vorab schon mal für Eure Unterstützung!  :)

FGL

Zitat von: Td38 in Heute um 15:57-   Frage 2: Woran sollte ich UNBEDINGT noch denken?
Als Beamter gilt für Dich das Laufbahnprinzip und die Ämter sind regelmäßig zu durchlaufen. Es gibt keine Tarifautomatik, sondern mehr Geld gibt es nur, wenn der Dienstherr einen auch förmlich befördert. Auf eine Beförderung hat man keinen Anspruch.

Möchtest Du den Dienstherrn wechseln, dann bedarf dies der Versetzung durch den abgebenden Dienstherrn. Es gibt außer in den seltenen Fällen einer Ermessensreduzierung auf Null keinen Anspruch auf eine Versetzung, nur auf ermessensfehlerfreie Entscheidung über den Versetzungsantrag.

Dein gesamtes Rechtsverhältnis zum Dienstherrn ist gesetzlich geregelt. Während Du als Tarifbeschäftigter mit Deinem Arbeitgeber als vereinbaren kannst, was nicht gegen ein gesetzliches Verbot verstößt, sind Nebenabreden für den Beamten mit dem Dienstherrn nur möglich, wenn sie gesetzlich zugelassen sind.

Insofern: Guck nicht nur auf das Geld.

AIBVIRUS

Selbst ist die Frau und ich glaube nicht, dass der Querschnitt der Themen übergreifend durch den einen "Experten" beurteilt werden kann. Und wenn, würde das Beratungshonorar einen erklecklichen Teil der verbleibenden finanziellen Vorteile (egal wie es ausgeht) aufzehren. Im übrigen ist eine rein monetäre Gewichtung aus meiner Sicht nicht zielführend.

OptimistX

Vielleicht helfen ja meine Überlegungen aus dem letzten Jahr in einer ähnlichen Situation:

https://forum.oeffentlicher-dienst.info/index.php/topic,125832

Ich habe mich letzlich dafür entschieden, Berufserfahrung wurde mir auch vollständig anerkannt, PKV ist dank 90% Beihilfe in meinem Fall auch erträglich, brauchte die Öffnungsaktion nicht, habe aber ca 10% Risikozushchlag beim Beitrag bekommen.
Hinsichtlich der Pension solltest Du das Versorgungsgesetz Deines Landes (hast Du nicht genannt oder?) genau lesen, ich kann mir aber eigentlich nicht vorstellen, dass das im Vergleich zur Rente ein Nachteil darstellt.

Td38

Das ist sehr interessant. Im Gegensatz zu Dir @OptimistX hätte ich sicher erstmal für einige Jahre deutlich weniger Netto. Und je nach Einstufung und Beurteilungen / Entwicklung kann der Wendepunkt zu einem sehr unterschiedlichen Zeitpunkt stattfinden und entscheidet dann letztendlich auch über die Höhe der letzten Bezüge und damit über das Ruhegehalt.

Ansonsten zählen für mich natürlich nicht nur die monetären Kriterien. Für den Rest bräuchte ich aber vermutlich eher einen Therapeuten oder Coach. An dieser Stelle suche ich v.a. nach Unterstützung, was den finanziellen und arbeitsrechtlichen Part betrifft, um eine unter diesem Aspekt sorgfältig abgewogene Entscheidung treffen zu können.

(Insgesamt würde der Wechsel für mich einen großen Umbruch bedeuten, sowohl was das Arbeits- als auch das private soziale Umfeld betrifft, es wäre noch mal ein echter Neustart an einem ganz anderen Ort. Das hat für mich einerseits einen besonderen Reiz, es ist aber auch mit einigen Unsicherheiten verbunden. Für den Fall, dass ich den Wechsel in ein paar Jahren doch bedaure, möchte ich mir wenigsten halbwegs darüber im Klaren sein, was es finanziell bedeuten kann. Dies nur zur Klarstellung)


Buggula

Ich stand vor einer ähnlichen Entscheidung. Mir wurde jetzt, Ende 30, die Verbeamtung auf Probe angeboten. (E11, Stufe 5, TVöD-VKA nach A10, vermutlich Stufe 6, BW) netto 400-500 Euro weniger im Monat und zwei Stunden wöchentlich mehr arbeiten.

Nach über 10 Jahren glücklich im TVöD ist das jetzt der nächste Karriere-Schritt.

Wie sicher bist du dir, ohne Öffnungsaktion in die PKV wechseln zu können? Hast du schon alle ärztlichen Diagnosen und die Patientenquittung der GKV (zB durch einen spezialisieren Makler) den PKVs zur anonymen Risiko-Voranfrage vorgelegt?