Autor Thema: Ein Arbeitstag im öffentlichen Dienst  (Read 7078 times)

Luftpumpe39

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Ein Arbeitstag im öffentlichen Dienst
« am: 20.12.2019 16:44 »
So kurz vorm Jahreswechsel möchte ich euch mal einen (nicht) ganz normalen Arbeitstag im öffentlichen Dienst schildern.

Mein Tag beginnt um 7 Uhr. Ich eile hastig vom Parkplatz zur Stempeluhr, damit ich ja keine Zeit verschenke. Nachdem ich mich an der Stempeluhr eingeloggt habe, fahre ich sofort einen Gang runter. Langsam schlendere ich den Flur entlang. Auf dem Weg zu meinem Büro treffe ich zwei Kollegen, die gerade dabei sind, sich über Fußball zu unterhalten. Nach dem obligatorischen "Moin" werde ich auch gleich mal zum Spieltag befragt. Diese "fachliche Diskussion" dauert geschlagene 30 Minuten. Mit großem Gelächter gehen wir auseinander und ich begebe mich um halb 8 in mein Büro. Ein Kollege ruft mir noch zu: "Verpenn ja nicht die Mittagspause".

Das erste Ziel ist also erreicht. Ich bin an meinem eigentlichen Arbeitsplatz, wenn auch mit 30 Minuten Verspätung, angekommen. Mein Kollege ist auch schon da. Grinsend zeigt mir dieser einen Wettschein. Er hat doch tatsächlich alle 9 Bundesligaspiele richtig in der Tendenz getippt. Ich gratuliere artig und wir quatschen erstmal eine Stunde. Mittlerweile geht es schon auf die Frühstückspause zu. Mein Kollege meint nur: "Jetzt lohnt es sich auch nicht mehr, etwas anzufangen. Es ist ja auch gleich Frühstückszeit".

Also wird die Kaffeemaschine angeschmissen und das Smartphone bedient, um noch ein paar Onlinespiele zu zocken. Dann ist endlich Frühstückspause. Wir verlassen gemeinsam das Büro und gehen runter in die Cafeteria. Leider müssen wir ausstempeln, so dass wir uns beeilen müssen, um uns schnell wieder einloggen zu können. Gesagt, getan. Nach 20 Minuten sind wir wieder im Büro.

Jetzt beginnt der ernste Teil des Tages. Der Amtsleiter bringt uns um halb 11 unsere Eingangspost. Sage und schreibe 5 Briefe werden uns auf den Schreibtisch gelegt. Ich habe Glück. Für mich sind nur 2 Briefe. Gelangweilt lese ich mir meine Post durch. Es huscht ein Lächeln durch mein Gesicht als ich feststelle, dass es sich jeweils um einen standardisierten Fall handelt. Copy + Paste ist angesagt. Ich suche mir die entsprechenden Musterbescheide raus und ändere Anschrift, Datum und Anrede. Nachdem ich das getan habe, muss ich das ganze nur noch ausdrucken. Glücklicherweise steht der Drucker bei uns im Büro. Ohne mich großartig bewegen zu müssen, nehme ich die Ausdrucke aus dem Drucker. Meine Arbeit ist für den heutigen Tag eigentlich erledigt.

Nun geht mein Blick auf die andere Seite des Schreibtisches. Wie ich sehe hat auch mein Kollege Glück gehabt. Einen Musterbescheid rausjagen und 2 Briefe in der Akte ablegen. Grinsend stellen wir fest, dass wir für heute quasi durch sind mit der Arbeit. Es ist halb 12. Nur noch E-Mails oder Anrufe könnten uns noch in die Quere kommen. Wir arbeiten in einer kleinen Gemeinde. Jeder kennt jeden.

An vielen Tagen ist es so, dass das Telefon maximal 2-3 mal am Tag klingelt. Doch heute ist einfach kein normaler Tag. Weder klingelt das Telefon noch bekommen wir eine E-Mail. Wir können unser Glück kaum fassen. Abwechselnd verlassen wir das Büro, um uns mit anderen Kollegen zu unterhalten oder einen Kaffee zu trinken. So vergeht der Vormittag. In der Mittagspause lassen wir uns beim Italiener eine leckere Pizza schmecken.

Nach der Mittagspause finden wir einen leeren Schreibtisch vor. Also geht das Spiel von heute morgen einfach weiter. Kollegen besuchen, noch einen Kaffee trinken und am Handy zocken. So vergeht die Zeit und eh man sich sich versieht ist es auch schon wieder 16 Uhr. Wir haben den ganzen Tag quasi nichts gemacht. Musterbescheide bearbeiten fällt meiner Meinung nach nicht unter die Kategorie "Arbeit", da man da sein Gehirn quasi ausschalten kann. Es ist Feierabend.

Auf dem Weg zum Auto treffe ich doch tatsächlich die beiden Kollegen von heute morgen wieder. Ich werde gefragt, ob mein Tag auch so anstrengend gewesen sei. Natürlich stimme ich dem zu und sage, dass ich richtig geschafft sei und den Feierabend jetzt ganz dringend bräuchte. Lachend gehen wir auseinander in dem Wissen, dass wir uns gerade totalen Unsinn erzählt haben. 



Spid

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Antw:Ein Arbeitstag im öffentlichen Dienst
« Antwort #1 am: 20.12.2019 16:46 »
Wo ist der Bezug zum TVÖD?

Tagelöhner

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Antw:Ein Arbeitstag im öffentlichen Dienst
« Antwort #2 am: 20.12.2019 17:06 »
Mal unabhängig davon, dass die Story besser unter "Allgemeine Diskussion" aufgehoben wäre.

Mich hat's amüsiert und ich hätte sogar noch Verbesserungsvorschläge, wenn euch die tägliche bezahlte Muße so wichtig ist:

Arbeit, die definitiv nicht eilig ist, einfach mal liegen lassen, so dass ein Stapel an Vorgängen entsteht. So lässt sich einwandfrei Auslastung suggerieren und natürlich darf in den täglichen Gesprächen nicht zu kurz kommen, wie überlastet ihr eigentlich seid.

wap

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Antw:Ein Arbeitstag im öffentlichen Dienst
« Antwort #3 am: 20.12.2019 18:28 »
Ich würde sagen das ist die typische Denke über alle Mitarbeiter im öffentlichen Dienst.
In der Realität sieht es jedoch mittlerweile größtenteils anders aus. Der permanente Stellenabbau und der gleichzeitige Aufgabenzuwachs hat doch deutlich Spuren hinterlassen.


Kaiser80

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Antw:Ein Arbeitstag im öffentlichen Dienst
« Antwort #4 am: 20.12.2019 23:16 »


Mich hat's amüsiert

Aha. Was ist denn daran amüsant?

Bastel

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Antw:Ein Arbeitstag im öffentlichen Dienst
« Antwort #5 am: 21.12.2019 09:04 »


Mich hat's amüsiert

Aha. Was ist denn daran amüsant?

Vermutlich sehen sich einige in dieser überspitzten Formulierung wieder.

Tagelöhner

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Antw:Ein Arbeitstag im öffentlichen Dienst
« Antwort #6 am: 21.12.2019 09:45 »
Ob man das amüsant findet oder nicht, ist natürlich immer eine Frage des individuellen Humors und der selbst gemachten Erfahrung im Umgang mit dem Öffentlichen Dienst.

Als ehrlicher Steuerzahler dieses Landes, der seine Brötchen unter anderen Bedingungen verdienen muss, kann man sowas natürlich auch nicht lustig finden.

Sofern man selber Angehöriger des ÖD ist und zur seltenen Gattung der wirklich überlasteten Mitarbeiter zählt, findet man derartiges sicher auch nicht lustig. Das Gefühl der Überlastung ist schließlich hochgradig subjektiv.

Was für Person A schon als Überlastung zählt, stellt für Person B eine Auslastung von vielleicht 50% dar.  ;D

Pseudonym

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Antw:Ein Arbeitstag im öffentlichen Dienst
« Antwort #7 am: 21.12.2019 11:16 »
In nicht unerheblich vielen Bereichen des ÖDs läuft es exakt so ab. Es hat auch oft keine Konsequenz, weil der Amtsleiter selbst eher eine ruhige Kugel schiebt. Unschön für die Beamten: sie müssen zwei Stunden länger sitzen.

LOB gibt's am Jahresende aus der Gießkanne. Nicht leisten kann also so schlimm nicht sein. Tja, und dann gibt's da noch die krassen Gegenteile, die vor lauter Arbeit und Nicht-leistern krank werden.

Ich für meinen Teil weiß mit mir nix anzufangen. Also arbeite ich.

nichts_tun

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Antw:Ein Arbeitstag im öffentlichen Dienst
« Antwort #8 am: 21.12.2019 12:40 »
Der permanente Stellenabbau und der gleichzeitige Aufgabenzuwachs hat doch deutlich Spuren hinterlassen.

Das ist in dieser Pauschalität nicht der Fall.

Kat

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Antw:Ein Arbeitstag im öffentlichen Dienst
« Antwort #9 am: 22.12.2019 11:19 »
Du arbeitest dann scheinbar nicht im jobcenter, ausländerstelle , Zulassungsstelle oder wjh oder donstigem Amt mit Publikumsverkehr.

nichts_tun

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Antw:Ein Arbeitstag im öffentlichen Dienst
« Antwort #10 am: 22.12.2019 13:44 »
Was hat Publikumsverkehr mit meiner Aussage zu tun?

Es hat im Gegenteil in den letzten Jahren wieder eine stetige Zuführung von Personal gegeben. Ich empfehle hierzu die vom Statistisches Bundesamt herausgegebene Publikation "Fachserie 14 Reihe 6, 2018" (https://tinyurl.com/qlk6mwn).

Dass es in manchen Bereichen zu Arbeitsverdichtungen kommen kann, ist nachvollziehbar. Dies ist dann in erster Linie an den jeweiligen AG zu adressieren.

connyziege

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Antw:Ein Arbeitstag im öffentlichen Dienst
« Antwort #11 am: 22.12.2019 21:38 »
Ich finds nicht lustig, weil es gerade in sooo vielen kleinen Kommunen genauso ist. Ich kenne einige aus mehreren verschiedenen Kommunen, die mir sowas auch schon erzählt haben. Einer weiß sogar gar nicht so recht, was überhaupt seine Aufaben sind, muss dafür immer mal in die Anzeige von vor über zwei Jahren lesen, damit er weißy was er eigentlich tun müsste, wenn es diesbzgl. überhaupt was zu tun gäbe. Der liest die ganze Zeit Magazine, surft privat im Internet ... Wir benötigen eine deutschlandweite Gebiets- und Aufgabenreform, wie in den 70ern. Die Kommunen werden immer kleiner, Städte größer. IKZ ist da eine sehr gute Sache!

BAT

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Antw:Ein Arbeitstag im öffentlichen Dienst
« Antwort #12 am: 23.12.2019 08:59 »
Das hat doch schlicht mit der Organisation der jeweiligen Kommune etwas zu tun. Der Beamte, aber auch der Beschäftigte muss öfters mal umgebettet werden, damit sich da gar nichts einlaufen kann. Von daher habe ich auch noch nie was davon gehalten, Personen auf der gleichen Stelle zu halten für Jahrzehnte, garniert mit Aufgabenänderungen, die Höhergruppierungen rechtfertigen.

Bore-out soll gefährlicher sein als Burn-out ;)


Kaiser80

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Antw:Ein Arbeitstag im öffentlichen Dienst
« Antwort #13 am: 23.12.2019 10:02 »
Das hat doch schlicht mit der Organisation der jeweiligen Kommune etwas zu tun. Der Beamte, aber auch der Beschäftigte muss öfters mal umgebettet werden, damit sich da gar nichts einlaufen kann. Von daher habe ich auch noch nie was davon gehalten, Personen auf der gleichen Stelle zu halten für Jahrzehnte, garniert mit Aufgabenänderungen, die Höhergruppierungen rechtfertigen.

Bore-out soll gefährlicher sein als Burn-out ;)

Das kann ich genauso unterschreiben.

Falke007

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Antw:Ein Arbeitstag im öffentlichen Dienst
« Antwort #14 am: 23.12.2019 10:13 »
Ich finds nicht lustig, weil es gerade in sooo vielen kleinen Kommunen genauso ist. Ich kenne einige aus mehreren verschiedenen Kommunen, die mir sowas auch schon erzählt haben. Einer weiß sogar gar nicht so recht, was überhaupt seine Aufaben sind, muss dafür immer mal in die Anzeige von vor über zwei Jahren lesen, damit er weißy was er eigentlich tun müsste, wenn es diesbzgl. überhaupt was zu tun gäbe. Der liest die ganze Zeit Magazine, surft privat im Internet ... Wir benötigen eine deutschlandweite Gebiets- und Aufgabenreform, wie in den 70ern. Die Kommunen werden immer kleiner, Städte größer. IKZ ist da eine sehr gute Sache!

Gut, dass mag sicherlich ein Einzelfall sein - ich arbeite bei einem Landkreis und hier sehen die Tagesabläufe sicherlich bei den wenigsten Kollegen so aus wie oben beschrieben. Wenn es bei deinem Bekannten tatsächlich so abläuft, dann könnte er sich ja auch einfach woanders hinbewerben. Jeder ist seines Glückes Schmied!

Der Text trifft jetzt auch nicht unbedingt meinen Humor - aber das ist sicherlich auch Geschmackssache.