Autor Thema: [Allg] Kein Zugang hD - duales Studium, in den geh. Dienst, weiter bewerben?  (Read 1482 times)

Staubtiger

  • Newbie
  • *
  • Beiträge: 10
  • Karma: +0/-1
Hallo liebe Community,

folgende Situation: Person Mitte 30, 2 Kinder, im Norden ansässig und ortsgebunden, Ausbildung (kfm.) und Studium (Sowi) und Tätigkeit in einer kleinen Beratung (nicht zufrieden), 5 Jahre Berufserfahrung nach dem Studium, 1 Jahr im öD.

Ich bin grundsätzlich für Stellen EG13/14 in der allgmeinen/nicht-technischen Verwaltung qualifiziert. Habe in meiner Region zwei mal die Auswahl für den hD gemacht, war auch da grundsätzlich qualifiziert, aber andere eben besser bzw. weniger Stellen als gute Bewerber. Aufgrund der Region kann ich mit dem Sowi-Studium wenig anfangen ohne zu pendeln, was wg. der Kinder nicht geht.

Mir stehen z.Z. 3 Optionen zur Verfügung:
1) Duales Studium allg. Verwaltung ab Herbst, also Beamtenanwärter AW9. Wie wird es gesehen, wenn man nun mit Mitte 30 noch einmal von vorn anfängt? Meine Gründe sind Berechenbarkeit, neues Lernen und damit eine Berufsidentität aufbauen. Letzteres ist mir wichtig, da ich bisher immer eher ein Exot vom Lebenslauf her war und mir dies auf Dauer zu anstrengend wird. Den geringeren Verdienst über die 3 Jahre könnte ich abfedern.

2) Ein Wechsel auf Stellen in Projekten, Projektkoodination und im Stab verschiedener Dienststellen, die in der Regel aber nicht eindeutig spezifiert sind. Ob und wann hier ein Vorstellungsgespräch zum Erfolg führt kann ich nicht abschätzen. Ca. 5-6 passende Ausschreibungen im Jahr.

3) Verbleib beim derzeitigen AG und eine Weiterbildung/Master in Betriebswirtschaft an einer Uni mit Fernlehre. Da ich auf einer 80% Stelle sitze, habe ich (trotz Kinder) noch etwas Luft - eine Erhöhung auf 100% ist seitens des AG ausgeschlossen. Perspektive nach 2 Jahren Studium und 2-3 Jahren Berufserfahrung: kfm. Geschäftsführer/Leiter in einem öffentlichen Betrieb oder Verein.

Ich freue mich, wenn ihr etwas Zeit in eine Antwort investiert und mir eure Meinung mitteilt. Auf Abwertungen ("du bist ja dumm" etc.) kann sehr gerne verzichtet werden.

Viele Grüße aus dem Norden
« Last Edit: 23.07.2020 03:36 von Admin2 »

Bastel

  • Hero Member
  • *****
  • Beiträge: 708
  • Karma: +57/-337
Warum sollte man jemanden Anfang 40 mit zwei Jahren relevanter Berufserfahrung zu einem Geschäftsführer machen?

Staubtiger

  • Newbie
  • *
  • Beiträge: 10
  • Karma: +0/-1
Nun, es wären dann insgesamt 10 Jahre Berufserfahrung, davon 5 Jahre im Projektmanagement und 2-3 Jahre im Bereich Controlling. Wechsel nach dem Studium intern oder extern natürlich vorausgesetzt.

Kennen Sie die Eckdaten der Geschäftsführung in Vereinen mit 20-50 hauptamtlichen Mitarbeitern? Das ist keine(!) klassische Tätigkeit als Geschäftsführer mit Spartenleitern, sondern man unterstützt als kfm. Leiter die Geschäftsführung. Es ist eine Möglichkeit, sicher ist nur, dass es solche Stellen gibt - z.T. eben auch als Nachfolge intern.

Garfield73

  • Newbie
  • *
  • Beiträge: 25
  • Karma: +3/-1
Ich kann nur zu Punkt 1 etwas beitragen:

Seitdem die Altersbeschränkungen für eine Ausbildung bzw. ein duales Studium in der Verwaltung gelockert wurden gibt es eine Vielzahl an älteren Bewerbern.
Gerade wenn Kinder ins Spiel kommen, werden vielen die Vorteile des ÖD bewusst, die es in Bezug auf Vereinbarkeit von Familie und Beruf gibt.
Dir sollte nur klar sein, dass sich der "geringere Verdienst" nicht nur auf die ersten 3 Jahre beschränkt.
Man beginnt dann in A9, der Aufstieg in höhere Besoldungsgruppen dauert seine Zeit und das Einkommen ist mit Sicherheit nicht mit den Verdienstmöglichkeiten eines Geschäftsführers oder Projektleiters in der freien Wirtschaft zu vergleichen.

Staubtiger

  • Newbie
  • *
  • Beiträge: 10
  • Karma: +0/-1
Danke Garfield für den Beitrag. Mir geht es tatsächlich eher um das Ankommen im gD. Wird man dort kritisch beäugt oder ist es eher willkommen auch ältere Einsteiger zu haben?

Gehalt ist relativ. Für 60k muss man in meiner Region schon 10-15 Reisetage in Kauf nehmen. Mein familäres Modell sieht aber nicht mehr als 5 Reisetage im Monat vor. Wenn mir das Geld wichtig wäre, würde ich als Verkaufsleiter in den Lebensmitteleinzelhandel gehen mit ca. 100k nach 3 Jahren. Aber eben auch einer 60 Stunden Woche. Die Familie ist gewollt und da, gleichberechtigtes Elternsein ebenso.

Die Grundfrage bleibt: Hier bin ich, was nun?

Organisator

  • Hero Member
  • *****
  • Beiträge: 942
  • Karma: +67/-150
Danke Garfield für den Beitrag. Mir geht es tatsächlich eher um das Ankommen im gD. Wird man dort kritisch beäugt oder ist es eher willkommen auch ältere Einsteiger zu haben?

Dazu kann ich aus meiner Erfahrung berichten, dass man nicht kritisch beäugt wird. Im Vorstellungsgespräch wirst Du sicher gefragt, warum Du dich später als andere zu einer Laufbahnausbildung entschieden hast und mit Deinen Gründen sollte es nachvollziehbar sein.

Ich würde mich jedoch fragen, ob eine typische Verwaltungsausbildung das Richtige für Dich ist. Mit Deiner Ausbildung und Deinem Lebenslauf könntest Du auch als Tarifbeschäftigter E 9b bis E 11 direkt auf ein passendes Berufsbild einsteigen, ohne das ganze Verwaltungsgedöns.

Also: gehen tuts, ob Du es willst wird Deine Entscheidung sein ;)

Staubtiger

  • Newbie
  • *
  • Beiträge: 10
  • Karma: +0/-1
Zitat
Ich würde mich jedoch fragen, ob eine typische Verwaltungsausbildung das Richtige für Dich ist. Mit Deiner Ausbildung und Deinem Lebenslauf könntest Du auch als Tarifbeschäftigter E 9b bis E 11 direkt auf ein passendes Berufsbild einsteigen, ohne das ganze Verwaltungsgedöns.

Von den Stellen im genannten Bereich gibt es tatsächlich vielleicht 10-20%, die für mich infrage kommen. Die anderen nennen explizit den Abschluss Verwaltung als Voraussetzung. Meistens sind diese aber befristet. Das FH-Studium Verwaltung wäre mich etwas von Grund auf neu lernen um dazuzugehören - oder überhöhe ich das und es ist wirklich nur Gedöns? Sachen die nett sind mal gehört zu haben, aber i.d.R. nur als Formalqualifikation sinnvoll weil sich alles über Berufserfahrung/Dienstzeit definiert?

RsQ

  • Hero Member
  • *****
  • Beiträge: 538
  • Karma: +30/-46
Ich habe relativ ähnliche Überlegungen. "Was Neues anfangen" klingt in der Theorie immer gut - aber wenn man eine Qualifikation relativ spät erwirbt, dauert es eben auch wieder, bis man sich entsprechende berufliche Substanz aufgebaut wird.

Ich bin Anfang 40 und fühle mich subjektiv noch recht jung. Aber auf dem/für den Arbeitsmarkt tickt die Uhr da schon relativ laut. "Mal was Neues machen" oder nochmal grundlegend die Ausrichtung zu ändern, geht prinzipiell natürlich immer (v. a. natürlich bei Dingen, die in die Selbstständigkeit führen) - aber speziell für den öD sollte man da so langsam "in der Spur" sein. Berufserfahrung/Dienstzeit mögen bedingt entscheidende Faktoren sein - aber: Ja, sie spielen eine Rolle.

Organisator

  • Hero Member
  • *****
  • Beiträge: 942
  • Karma: +67/-150
Schau dir mal das Curriculum des Diplom-Verwaltungswirt an. 25 % Soziololgie / Sozialpsychologie, 25 % BWL / VWL, 50 % Recht (öffentliches Recht / allgemeines und besonderes Verwaltungsrecht, Bürgerliches Recht, Staats- und Verfassungsrecht).

Muss man mögen.

Bei welcher Behörde würdest Du denn die Laufbahnausbildung machen? Auch hier gibt es erhebliche Unterschiede im gehobenen nichttechnischen Dienst. Die Laufbahn des Bundes hat ganz andere Schwerpunkte als z.B. kommunale Dienstherren.

Welches konkretes Berufsbild schwebt Dir vor? Leistungsbearbeiter im Sozialamt, Standesbeamter oder im Ordnungsamt --> Verwaltungsbeamter in der Kommune.

Wenn Du als Controller oder Projektmanager arbeiten willst, brauchst Du keine Laufbahnausbildung.

Garfield73

  • Newbie
  • *
  • Beiträge: 25
  • Karma: +3/-1
Wird man dort kritisch beäugt oder ist es eher willkommen auch ältere Einsteiger zu haben?

Die meisten Verwaltungen sind so kaputt gespart worden, dass jetzt aufgrund der völlig überraschend anstehenden Pensionierungswelle der geburtenstarken Jahrgänge Personalmangel herrscht und man um jeden qualifizierten Bewerber froh ist. Da ist das Alter wirklich nur Nebensache.

Von der Finanzverwaltung in Bayern zumindest kenne ich Ausbildungsgruppen, da wärst Du mit Mitte 30 noch bei den Jüngeren dabei ...

Staubtiger

  • Newbie
  • *
  • Beiträge: 10
  • Karma: +0/-1
Schau dir mal das Curriculum des Diplom-Verwaltungswirt an. 25 % Soziololgie / Sozialpsychologie, 25 % BWL / VWL, 50 % Recht (öffentliches Recht / allgemeines und besonderes Verwaltungsrecht, Bürgerliches Recht, Staats- und Verfassungsrecht).

Muss man mögen.

Bei welcher Behörde würdest Du denn die Laufbahnausbildung machen? Auch hier gibt es erhebliche Unterschiede im gehobenen nichttechnischen Dienst. Die Laufbahn des Bundes hat ganz andere Schwerpunkte als z.B. kommunale Dienstherren.

Welches konkretes Berufsbild schwebt Dir vor? Leistungsbearbeiter im Sozialamt, Standesbeamter oder im Ordnungsamt --> Verwaltungsbeamter in der Kommune.

Wenn Du als Controller oder Projektmanager arbeiten willst, brauchst Du keine Laufbahnausbildung.

In der Tat ist der Bereich Contolling/PM auch ohne Laufbahn möglich. Auf so einer Stelle bin ich derzeit in einem wirtschaftlich orientierten e.V. -  und der einzig langfristig interessante Posten ist der der kfm. Leitung. Ansonsten ist meine Krux eine Lösung für mich zu finden die Kinder aufwachsen zu sehen und ein gutes Verhältnis Aufwand/Lohn/Sinn. Da helfe ich (inzwischen) lieber Leuten bei ihren Anträgen als die 25. Powerpoint für die Tonne zu gestalten.

Es geht konkret um Public Administration in HB. Man kann sowohl in kommunalen als auch landeseigenen Organen eingesetzt werden, z.B. senatorische Dienststellen. Die Mehrzahl, so 70-75% der Absolventen wurden in den letzten Jahren in der Leistungssachbearbeitung im Jobcenter eingesetzt. Ich habe ein Jahr in der Vermittlung im Jobcenter gearbeitet, weiß also ziemlich genau was mich da erwartet. Die Studieninhalte sind rel. klar: Rechtswissenschaften 55,9%, Verwaltungswissenschaften 22,0%, Wirtschaftswissenschaften 18,6% und Sozialwissenschaften 3,5% und schrecken mich nicht. Es geht mir wie schon gesagt um Wissensaufbau.
Bremen als Stadtstaat halt recht viele interessante Funktionen, und deshalb erscheint mir mittelfristig geh. Sachbearbeitung mit EU-Bezug z.B. (10/11er) ohne Weiteres möglich. Ob dem eine Leitungsfunktion folgt oder nicht hängt sicherlich von den Beurteilungen etc. ab. Aber die Möglichkeit mich mit einigen Jahren auf einzelne Stellen im hD zu bewerben bleibt ja - falls es dann noch zum Leben passt.

Bezüglich Dienstzeit ist es für mich jetzt gerade noch früh genug. Ich habe noch 32 Jahre vor mir. Wie sehen die Kollegen in den Ämtern (keine Finanzverwaltung) ältere Anwärter? Haben Sie eurer Meinung nach die gleichen Chancen auf berufliches Fortkommen oder werden Sie strukturell benachteiligt?

Organisator

  • Hero Member
  • *****
  • Beiträge: 942
  • Karma: +67/-150
In der Tat ist der Bereich Contolling/PM auch ohne Laufbahn möglich. Auf so einer Stelle bin ich derzeit in einem wirtschaftlich orientierten e.V. -  und der einzig langfristig interessante Posten ist der der kfm. Leitung. Ansonsten ist meine Krux eine Lösung für mich zu finden die Kinder aufwachsen zu sehen und ein gutes Verhältnis Aufwand/Lohn/Sinn. Da helfe ich (inzwischen) lieber Leuten bei ihren Anträgen als die 25. Powerpoint für die Tonne zu gestalten.

Es geht konkret um Public Administration in HB. Man kann sowohl in kommunalen als auch landeseigenen Organen eingesetzt werden, z.B. senatorische Dienststellen. Die Mehrzahl, so 70-75% der Absolventen wurden in den letzten Jahren in der Leistungssachbearbeitung im Jobcenter eingesetzt. Ich habe ein Jahr in der Vermittlung im Jobcenter gearbeitet, weiß also ziemlich genau was mich da erwartet. Die Studieninhalte sind rel. klar: Rechtswissenschaften 55,9%, Verwaltungswissenschaften 22,0%, Wirtschaftswissenschaften 18,6% und Sozialwissenschaften 3,5% und schrecken mich nicht. Es geht mir wie schon gesagt um Wissensaufbau.
Bremen als Stadtstaat halt recht viele interessante Funktionen, und deshalb erscheint mir mittelfristig geh. Sachbearbeitung mit EU-Bezug z.B. (10/11er) ohne Weiteres möglich. Ob dem eine Leitungsfunktion folgt oder nicht hängt sicherlich von den Beurteilungen etc. ab. Aber die Möglichkeit mich mit einigen Jahren auf einzelne Stellen im hD zu bewerben bleibt ja - falls es dann noch zum Leben passt.

Bezüglich Dienstzeit ist es für mich jetzt gerade noch früh genug. Ich habe noch 32 Jahre vor mir. Wie sehen die Kollegen in den Ämtern (keine Finanzverwaltung) ältere Anwärter? Haben Sie eurer Meinung nach die gleichen Chancen auf berufliches Fortkommen oder werden Sie strukturell benachteiligt?

Na das klingt so, als hättest Du Dich gut über die Studieninhalte und anschließende Verwendungen informiert. Wenn Dich die Leistungsverwaltung (zumindest temporär) nicht abschreckt, dann passt das so.

Ältere Anwärter werden nach meiner Erfahrung nicht benachteiligt. Im Gegenteil. Wenn man mit Mitte 30 sich für eine erneute Ausbildung entscheidet hat man das in der Regel sehr gut abgewägt und bringt mehr Interesse und Leidenschaft mit als der 19jährige, der sich nichts besseres überlegt hat.
Chancen auf berufliches Fortkommen sehe ich nicht anders als bei Jüngeren. Oder Älteren ;)

clarion

  • Sr. Member
  • ****
  • Beiträge: 391
  • Karma: +17/-47
Hallo,

Ich habe mit 36 Jahren ein auf mein Studium aufbauendes technisches Referendariat begonnen und war mit 38 fertig. Ich war zwar zusammen mit einem geringfügig jüngeren Mitreferendar der Älteste in der Truppe. Wir wurden aber nicht deswegen schief angesehen, sondern eher bedeutet, dass die Lebenserfahrung eher von Vorteil war. Eine der Qualifikation entsprechende Beamtenstelle habe ich nach einer Elternzeit Vertretung mit knapp 40 auch bekommen. Die Personalpolitik der letzten Jahrzehnte war so verheerend, dass ich einer der wenigen Vertreter der Generation der Mittelalten bin. Karrieremäßig könnte ich es mir auch überall aussuchen, bin wie Du aber räumlich nicht so sehr flexibel.

Staubtiger

  • Newbie
  • *
  • Beiträge: 10
  • Karma: +0/-1
Vielen Dank an alle Beitragenden.

Die Pensionierungsquote liegt mit 32 Jahren rechnerisch bei ca. 57% zzgl. des Entgelts aus der GRV. Das ist schon ok. Ich werde die laufenden Verfahren abwarten und Feedback geben, wie ich mich entschieden habe. Falls noch jemand eine persönliche Einschätzung zu 1, 2 oder 3 geben möchte freut mich das.

Jockel

  • Jr. Member
  • **
  • Beiträge: 51
  • Karma: +6/-14
Vordienstzeiten sind uU ruhegahltsfähig.