Autor Thema: Tarifrunde TV-L 2021 - Diskussion  (Read 253142 times)

Hinz

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Antw:Tarifrunde TV-L 2021 - Diskussion
« Antwort #1905 am: 26.04.2022 21:42 »
Wobei ich mir für die nächste Tarifrunde schon vorstellen kann, dass da eher ein "Mix an Maßnahmen" bei rumkommt, wodurch anschileßend dann irgendwie ein Abschluss verkauft wird, der "annähernd an die Inflation" kommen soll.
- 2% Entgelterhöhung
- Reduzierung WAZ um eine Stunde (entspricht ca. 2,5%)
- zwei zusätzliche Erholungs-/Urlaubstage (entspricht ca. 0,8%)
Dann noch irgendwie an der JSZ, den Vermögenswirksamen Leistungen oder sonst so ein klein wenig geschraubt und Zack:
"fette 7% Lohnerhöhung für den öffentlichen Dienst"

Womit ich kein Problem hätte. Die Inflation wird nicht ewig so hoch liegen und ich hab in den restlichen 30 Jahren meines Berufslebens mehr davon, wenn man nun die WAZ mal ein wenig drückt, als wenn da 3% statt 2 steht in diesem Jahr.

Daran fehlt mir allerdings auch der Glaube. Auch wenn es schon verrückt anmutet, welches Bild man da draußen vom ÖD hat, dass dann ausgerechnet dieser 39,5 Stunden kloppen muss.

Andere sind aber darauf angewiesen das mehr Netto auf dem Konto kommt. Miete/Rate, Essen, Pendlerkosten etc. soll alles bezahlt werden.

Bitte hier nicht von der eigenen Lebenssituation ausgehen und auf alle anderen projezieren.

Wenn ein Wunder geschieht und 10 % Lohnsteigerungen durchgesetzt werden. So kannst Du ja deine Arbeitszeit entsprechend reduzieren.

cyrix42

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Antw:Tarifrunde TV-L 2021 - Diskussion
« Antwort #1906 am: 26.04.2022 22:33 »
Hat man eigentlich -- gemäß Anspruch auf Teilzeit -- auch Anspruch auf >100% der regelmäßigen wöchentlichen Arbeitszeit, sofern man die 48h/Woche maximale Arbeitszeit nicht überschreitet?

Garfield

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Antw:Tarifrunde TV-L 2021 - Diskussion
« Antwort #1907 am: 27.04.2022 08:45 »
Wobei ich mir für die nächste Tarifrunde schon vorstellen kann, dass da eher ein "Mix an Maßnahmen" bei rumkommt, wodurch anschileßend dann irgendwie ein Abschluss verkauft wird, der "annähernd an die Inflation" kommen soll.
- 2% Entgelterhöhung
- Reduzierung WAZ um eine Stunde (entspricht ca. 2,5%)
- zwei zusätzliche Erholungs-/Urlaubstage (entspricht ca. 0,8%)
Dann noch irgendwie an der JSZ, den Vermögenswirksamen Leistungen oder sonst so ein klein wenig geschraubt und Zack:
"fette 7% Lohnerhöhung für den öffentlichen Dienst"

Womit ich kein Problem hätte. Die Inflation wird nicht ewig so hoch liegen und ich hab in den restlichen 30 Jahren meines Berufslebens mehr davon, wenn man nun die WAZ mal ein wenig drückt, als wenn da 3% statt 2 steht in diesem Jahr.

Daran fehlt mir allerdings auch der Glaube. Auch wenn es schon verrückt anmutet, welches Bild man da draußen vom ÖD hat, dass dann ausgerechnet dieser 39,5 Stunden kloppen muss.

Andere sind aber darauf angewiesen das mehr Netto auf dem Konto kommt. Miete/Rate, Essen, Pendlerkosten etc. soll alles bezahlt werden.

Bitte hier nicht von der eigenen Lebenssituation ausgehen und auf alle anderen projezieren.

Wenn ein Wunder geschieht und 10 % Lohnsteigerungen durchgesetzt werden. So kannst Du ja deine Arbeitszeit entsprechend reduzieren.

Dazu brauche ich gar nicht von mir auf andere schließen, Verdi müsste sich ja nur nach den Ergebnissen der Mitgliederbefragung richten. Dann wäre die Arbeitszeit längst Thema gewesen.
Dass 10% Lohnsteigerungen durchgesetzt werden halte ich für mehr als ein Wunder und hab deswegen auch direkt gesagt, dass mir 2 statt 3% bei gleichzeitiger Arbeitszeitreduktion genauso reichen.
Wenn du meinst es sind 10% realistisch, dann frage ich ob nicht auch 8% + 37,5h/Woche genauso befriedigend wären. Dann hat man genauso mehr Netto in der Tasche um die Inflation aufzufangen.

Das Argument der Einzelfall-Teilzeit finde ich persönlich einen hiesigen Foren-Mythos. Das ist was ganz anderes als ein tarifliches Recht, das für alle gilt. Da könnte ich genauso gegenargumentieren: "Dann keine Lohnerhöhung und 35 h/woche, wer möchte kann die frei gewordenen 4,5h ja in einer Nebentätigkeit verbringen".
Aber das wäre genauso ein Unsinn.

ACDSee

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Antw:Tarifrunde TV-L 2021 - Diskussion
« Antwort #1908 am: 27.04.2022 11:57 »
Schön wäre eine Regelarbeitszeit von 30h und die Möglichkeit individuell Arbeitszeiten von bis zu 150% der Regelarbeitszeit vereinbaren zu können. Ich weiß nicht, warum die Regelarbeitszeit immer als fixes Maximum verstanden wird.

Es wäre doch schön, wenn z.B. 20 Jährige ohne Kinder oder 50 Jährige mit bereits großen Kindern die ihrem Beruf zeitlich mehr Aufmerksamkeit schenken wollen dazu auch die Möglichkeit hätten. 45h wären 9h am Tag, also zwar anstrengend aber gut machbar.

E15TVL

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Antw:Tarifrunde TV-L 2021 - Diskussion
« Antwort #1909 am: 27.04.2022 13:53 »
Das kollidiert doch mit der Idee von Stellenplänen... wenn jetzt 2 Leute der Meinung sind, dass sie 150% leisten wollen, heißt das, dass man einen dritten Mitarbeiter rausschmeißen kann? Schließlich wird die Arbeitsleistung des dritten Mitarbeiters ja schon von den anderen beiden geleistet.
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« Antwort #1910 am: 27.04.2022 14:09 »
Das kollidiert doch mit der Idee von Stellenplänen... wenn jetzt 2 Leute der Meinung sind, dass sie 150% leisten wollen, heißt das, dass man einen dritten Mitarbeiter rausschmeißen kann? Schließlich wird die Arbeitsleistung des dritten Mitarbeiters ja schon von den anderen beiden geleistet.

Da gibt es bestimmt kreative Lösungen, schließlich lassen sich Teilzeitkräfte auch mit den vorhandenen Stellenplänen abbilden.

E15TVL

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Antw:Tarifrunde TV-L 2021 - Diskussion
« Antwort #1911 am: 27.04.2022 14:40 »
Wirkt trotzdem komisch, wenn mehr Arbeit geleistet werden möchte, als eigentlich vorhanden ist. Und seien wir ehrlich: Am Ende wird eben +50% mehr rumgesitzt bei eben +50% mehr Kohle (so der Vorstellung nach).
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Organisator

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« Antwort #1912 am: 27.04.2022 15:02 »
Wirkt trotzdem komisch, wenn mehr Arbeit geleistet werden möchte, als eigentlich vorhanden ist. Und seien wir ehrlich: Am Ende wird eben +50% mehr rumgesitzt bei eben +50% mehr Kohle (so der Vorstellung nach).

Das Vorhandensein der Arbeit muss von der Führungskraft unabhängig von der individuellen Arbeitszeit sichergestellt werden. Wer rumsitzt leidet unter Versagen der Führungskraft.

WasDennNun

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Antw:Tarifrunde TV-L 2021 - Diskussion
« Antwort #1913 am: 27.04.2022 15:13 »
Wirkt trotzdem komisch, wenn mehr Arbeit geleistet werden möchte, als eigentlich vorhanden ist. Und seien wir ehrlich: Am Ende wird eben +50% mehr rumgesitzt bei eben +50% mehr Kohle (so der Vorstellung nach).

Das Vorhandensein der Arbeit muss von der Führungskraft unabhängig von der individuellen Arbeitszeit sichergestellt werden. Wer rumsitzt leidet unter Versagen der Führungskraft.
Wohl war.

Und zumindest in meinem Bereich, gibt es immer ein mehr an Arbeit, die gemacht werden kann, wenn die Zeit da wäre.
Sei es die Qualität erhöhen oder neue Bereiche bearbeiten, die brach liegen, oder oder oder.
Geht natürlich nicht bei der Posteingangsstelle oder dem Postwagenkutschern, da ist die Arbeit  in=out und extern getaktet.

Johann

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Antw:Tarifrunde TV-L 2021 - Diskussion
« Antwort #1914 am: 28.04.2022 00:44 »

Liegt doch nahe, was passieren wird:
Der öffentliche Dienst möchte als Vorbild vorangehen und appeliert an die Gewerkschaften, keine Forderungen zu stellen, die zu einer Lohn-Preis-Spirale führen würde. Was gleichbedeutend ist mit, dass das Ziel definitiv nicht lautet, einen Inflationsausgleich zu bieten.
Außerdem wird begründet, dass die Kassen leer sind, weil ja auch die öffentlichen Kassen von der Ukraine-Krise betroffen sind und da ja auch gerade noch Corona war, müssen Schulden zurückgezahlt werden usw.
Gnädigerweise wurde weder in der Pandemie, noch in der Ukraine-Krise auch nur ein Mitarbeiter betriebsbedingt entlassen, daher sollen die Mitarbeiter doch bitte zufrieden sein mit dem sicheren Job.

Als Zeichen des Guten Willens, wird es für alle Mitarbeiter eine Einmalzahlung von 1.500€ geben (inkl. der Beamten und Pensionäre) und außerdem eine Tariferhöhung von 2,3% zum 01.07.2024 sowie um 2,6% zum 01.03.2025 bei einer Laufzeit von 30 Monaten, was das beste Ergebnis seit Beginn des TV-L bedeutet und sich der Verdi-Hansel wieder auf die Schulter klopfen wird.

Der fett markierte Teil wurde jetzt 1:1 von niedersächsischen Finanzminister vorgeschoben. Zumindest als Begründung gegen eine Wiedereinführung des Weihnachtsgeldes für niedersächsische Beamte:

"Wir sind in angespannten Zeiten unterwegs", sagt Hilbers und verweist auf die Folgen des Kriegs in der Ukraine und der Corona-Pandemie. "Insofern haben wir Herausforderungen vor uns, die uns nicht erlauben, die Besoldung in dieser Größenordnung anzuheben."
Quelle: https://www.ndr.de/nachrichten/niedersachsen/hannover_weser-leinegebiet/Weihnachtsgeld-Mehr-als-9000-Beamte-unterschreiben-Petition,weihnachtsgeld160.html

Hinz

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« Antwort #1915 am: 28.04.2022 03:29 »
Wobei ich mir für die nächste Tarifrunde schon vorstellen kann, dass da eher ein "Mix an Maßnahmen" bei rumkommt, wodurch anschileßend dann irgendwie ein Abschluss verkauft wird, der "annähernd an die Inflation" kommen soll.
- 2% Entgelterhöhung
- Reduzierung WAZ um eine Stunde (entspricht ca. 2,5%)
- zwei zusätzliche Erholungs-/Urlaubstage (entspricht ca. 0,8%)
Dann noch irgendwie an der JSZ, den Vermögenswirksamen Leistungen oder sonst so ein klein wenig geschraubt und Zack:
"fette 7% Lohnerhöhung für den öffentlichen Dienst"

Womit ich kein Problem hätte. Die Inflation wird nicht ewig so hoch liegen und ich hab in den restlichen 30 Jahren meines Berufslebens mehr davon, wenn man nun die WAZ mal ein wenig drückt, als wenn da 3% statt 2 steht in diesem Jahr.

Daran fehlt mir allerdings auch der Glaube. Auch wenn es schon verrückt anmutet, welches Bild man da draußen vom ÖD hat, dass dann ausgerechnet dieser 39,5 Stunden kloppen muss.

Andere sind aber darauf angewiesen das mehr Netto auf dem Konto kommt. Miete/Rate, Essen, Pendlerkosten etc. soll alles bezahlt werden.

Bitte hier nicht von der eigenen Lebenssituation ausgehen und auf alle anderen projezieren.

Wenn ein Wunder geschieht und 10 % Lohnsteigerungen durchgesetzt werden. So kannst Du ja deine Arbeitszeit entsprechend reduzieren.

Dazu brauche ich gar nicht von mir auf andere schließen, Verdi müsste sich ja nur nach den Ergebnissen der Mitgliederbefragung richten. Dann wäre die Arbeitszeit längst Thema gewesen.
Dass 10% Lohnsteigerungen durchgesetzt werden halte ich für mehr als ein Wunder und hab deswegen auch direkt gesagt, dass mir 2 statt 3% bei gleichzeitiger Arbeitszeitreduktion genauso reichen.
Wenn du meinst es sind 10% realistisch, dann frage ich ob nicht auch 8% + 37,5h/Woche genauso befriedigend wären. Dann hat man genauso mehr Netto in der Tasche um die Inflation aufzufangen.

Das Argument der Einzelfall-Teilzeit finde ich persönlich einen hiesigen Foren-Mythos. Das ist was ganz anderes als ein tarifliches Recht, das für alle gilt. Da könnte ich genauso gegenargumentieren: "Dann keine Lohnerhöhung und 35 h/woche, wer möchte kann die frei gewordenen 4,5h ja in einer Nebentätigkeit verbringen".
Aber das wäre genauso ein Unsinn.



Ich möchte lediglich darauf hinweisen, dass mit eine kürzeren Arbeitszeit und damit wahrscheinlich verbundenes ausbleiben der Lohnanpassung, kein Blumentopf gewonnen werden kann. Lediglich, jene, welche ihre persönlichen größeren finanziellen Herausforderung bereits abgeschlossen haben, davon profitieren.

Dagegen wird für Berufseinsteiger, junge Familien usw. der Beruf unattraktiver, oder gar nicht mehr leistbar.

Was nützt eine 35h/Woche wenn davon weder die steigenden Lebenshaltungskosten begegnet werden. Ein Bewerber, der sieht das er viel weniger brutto erhält, wird sich wahrscheinlich für den Arbeitgeber mit mehr brutto und höhere Wochenarbeitszeit entscheiden. Auch bestehende Kollegen, welche entsprechend unter Druck geraten.

Hat zur Folge für die bleibenden Kollegen?
« Last Edit: 28.04.2022 03:45 von Hinz »

WasDennNun

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« Antwort #1916 am: 28.04.2022 05:55 »
Das die bleibenden Kollegen endlich wieder Einzelbüros haben.

Kaiser80

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« Antwort #1917 am: 28.04.2022 06:57 »

Dagegen wird für Berufseinsteiger, junge Familien usw. der Beruf unattraktiver, oder gar nicht mehr leistbar.

Was nützt eine 35h/Woche wenn davon weder die steigenden Lebenshaltungskosten begegnet werden. Ein Bewerber, der sieht das er viel weniger brutto erhält, wird sich wahrscheinlich für den Arbeitgeber mit mehr brutto und höhere Wochenarbeitszeit entscheiden. Auch bestehende Kollegen, welche entsprechend unter Druck geraten.

Hat zur Folge für die bleibenden Kollegen?

Ob das nun durch Corona ein bisschen "kanalisiert" wurde kann ich nicht sagen, aber in den letzten 2-3 Jahren war es schon auffällig wie viele Bewerber insb. auf Teilzeit, HO/Telearbeit, ich sach einfach mal "work life Balance" fokussiert waren. Vor ein paar Jahren war es eher so, dass in den Gesprächen nach Aufstieg, Eingruppierung, Stufen gefragt wurde. Kann aber sein, dass das eher anekdotisch ist.

thesisko

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« Antwort #1918 am: 28.04.2022 07:05 »
Von 2,x % mehr plus 500,- € Einmalzahlung bei einer Laufzeit von mindestens 24 Monaten, wird auch nichts aufgefangen. Oder erwartet hier irgendjemand ersthaft einen besseren Abschluss?
Da würde 35h und 0% definitiv vorziehen.......

Ich kann die Argumente schon hören: Belastung durch Corona, Ukrainekrise, ÖD muss Vorbild sein,.........

Bastel

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« Antwort #1919 am: 28.04.2022 07:27 »
Bei einer 35h Woche kann man ja die restlichen 5h für einen 450€ Job bei Norma (13€/h) verwenden. Da bleibt mehr hängen als bei 1,5-2,5%  ::)